RTL-Reporter vergiftet sich mit Plastik: Der Selbstversuch rüttelt auf, trotzdem hagelt es Kritik

Foto: Screenshot RTL / TV now

Das neue „Jenke-Experiment“ bei RTL beschäftigt sich mit dem Thema Plastikmüll – und hat für hohe Quoten und viel Furore gesorgt. Obwohl viele Zuschauer von der Doku begeistert sind, bekam der Sender auch einen Shitstorm.

Plastik-Selbstversuche gab es schon viele. Meistens drehen sie sich allerdings darum, so weit wie nur möglich auf Plastik zu verzichten. Der TV-Sender RTL drehte das Konzept nun einfach um – und erregte damit viel Aufsehen: Für die Sendung „Jenke-Experiment: Das Plastik in mir: Wie der Müll uns krank macht“ nahm sich der Fernsehjournalist Jenke von Wilmsdorff vor, den Plastikkonsum auf die Spitze zu treiben – und vier Wochen lang nur Lebensmittel zu konsumieren, die in Plastik verpackt sind und besonders viel Mikroplastik, Nanopartikel und Weichmacher enthalten.

„Ein Experiment, das so noch niemand gewagt hat: Ich werde mich gewissermaßen selbst vergiften. Es könnte mich krank machen. Wie krank, das kann niemand sicher sagen“, verkündet von Wilmsdorff zu Beginn der 90-minütigen Reportage. Dabei könne er nicht abstreiten, dass ihm bei der Sache „ein wenig unbehaglich“ sei.

Schon nach vier Tagen klagt der Reporter über Kopfschmerzen

Seine Ernährung basiert ab jetzt auf fettigen Konserven (wie Kokosmilch in der Dose), Wurst- und Käseaufschnitt, Fertiggerichten (Tiefkühlpizza und Co.), Snacks, Muscheln und Obst-Smoothies aus Plastik-Quetschtüten. Er kaut stundenlang Kaugummi, trinkt Kaffee aus To-Go-Bechern und Wasser aus Plastikflaschen, die er extra in die Sonne stellt, damit mehr Weichmacher ins Wasser übergehen.

Der Journalist reicht Urin- und Blutproben in einem Speziallabor ein, um einen Vorher-Nachher-Vergleich ziehen zu können. Anfangs bewegen sich die Werte in einem normalen Rahmen. Doch schon in den ersten vier Tages des Selbstversuchs klagt er über permanente Kopfschmerzen.

Die Laborwerte nach vier Wochen sind alarmierend

An Tag 14 gibt von Wilmsdorff zu Protokoll: „Ich hab das Gefühl, ich hab keine Vitamine mehr im Körper“. Bereits jetzt sind die Giftstoffe in seinem Urin um das 10-Fache erhöht. Zusätzlich zu seiner kunststoffreichen Nahrung deckt er sich nun auch mit „plastikverseuchten Kosmetikprodukten“ ein und trägt enganliegende Kleidung aus Polyester.

Die Quittung am Ende: Der Reporter fühlt sich energielos und schlapp, das Laborergebnis ist alarmierend: Einer der Weichmacher ist im Urin 200-fach erhöht, im Blut gar 400-fach. Und nicht nur das: „Da ist ja auch Aluminium im Blut, was ich vorher gar nicht hatte“, stellt er verblüfft fest. Die Diagnose schockiert den Journalisten, er fürchtet ernsthaft krank zu werden, würde er weiterhin so viel Plastik konsumieren.

Das Ausmaß der Plastikflut war wohl vielen nicht bewusst

Der Selbstversuch bildet zwar den Rahmen der Sendung, doch es geht im Grunde um alle Aspekte des Plastikmüll-Problems: Der Reporter begibt sich unter anderem auf die Spuren von Plastik im Meer und Mikroplastik in Kosmetik, zeigt das Müllproblem von Urlaubsparadiesen, badet im dreckigsten Fluss der Welt und besucht eine fast plastikfrei lebende 5-köpfige Familie.

Die Reportage behandelt damit auf eindringliche Weise ein Thema, das den meisten Menschen grundsätzlich bekannt ist. Doch das Ausmaß der Plastikflut und die gesundheitlichen Folgen waren vielen Zuschauern offenbar nicht bewusst – sie waren gleichermaßen schockiert wie inspiriert: Die Sendung erntete ausgezeichnete Quoten (die Doku erreichte fast 1,6 Millionen Zuschauer unter den 14- bis 49-Jährigen) und positive Reaktionen in den sozialen Netzwerken.

„Ich habe gar keine Worte für die Bilder, die eben zu sehen waren.“

„Ich habe gar keine Worte für die Bilder, die eben zu sehen waren. Ich weiß, dass ich selber nicht genug tu, um die Welt zu retten, aber ich werde mich jetzt definitiv noch mehr bemühen!“, lautet ein Kommentar auf Twitter. „Mein Mann hat mich gerade gefragt, ob es bei uns in der Nähe einen Unverpackt-Laden gibt. Alleine für diese Frage könnte ich Jenke knutschen“, twittert eine andere Userin.

Nutzer berichten, sie hätten zwar schon vorher gewusst, dass Plastik schlecht ist – aber das Experiment hätte dies so veranschaulicht, dass das „nochmal vieles ändern“ würde. Auch diskutiere man nun mit Familienmitgliedern darüber, wo man im Alltag Plastik einsparen kann.

Der Sender erntet Kritik für die Auswahl der Werbung

Trotz der Begeisterung äußern etliche Menschen auch Vorwürfe gegenüber RTL. Die Kritik bezieht sich dabei nicht auf Sendung selbst, sondern auf die zwischengeschaltete Werbung: „Mal mitgezählt: 7 / 12 Werbespots haben für (Mikro)plastik und Elektroschrott geworben. Der Rest waren virtuelle Produkte (Webseiten, Handytarife). Ich nenne das Scheinheiligkeit“, schreibt ein User.

Auch viele andere Stimmen beklagen die Auswahl der Spots: „#Greenwashing par excellence – RTLs neuer Slogan in grün “@RTLde packts an” und dann gleichzeitig in der Werbezeit Plastikprodukte wie Waschmittel zeigen“ lautet die Kritik. Oder „Werbung für Kreuzfahrten, Fertigprodukte, Autos, plastikverseuchte Windeln, Discounter etc. Das #JenkeExperiment ist eine nette Idee, das Greenwashing von @RTLde kann man aber (noch) nicht ernst nehmen.“

Der Plastik-Wahnsinn ist für ein Massen-Publikum greifbar geworden

Utopia meint: Das „Jenke-Experiment“ ist eine öffentlichkeitswirksame Sendung, die die Auswirkungen des Plastikwahnsinns für ein Massenpublikum greifbar macht. Dass der Fernsehsender äußert „Wir bei RTL sagen der globalen Plastikkrise den Kampf an“ und zugleich Werbung für etliche Produkte schaltet, die dieses Problem noch befeuern, hat zu Recht viele Zuschauer irritiert.

Wie auch immer, der Beitrag hat viele Menschen erreicht. Es wäre wünschenswert, dass nach der Sendung viele Zuschauer, die das Experiment bewegt hat, aktiv versuchen, bewusster zu konsumieren und Plastikmüll zu vermeiden. Wir geben viele Tipps, wie es klappt:

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(2) Kommentare

  1. Ja, ich denke auch mit dieser Sendung wurden auch mal die RTL- Zuschauer etwas wach gerüttelt 🙂
    An der konsequenten Umsetzung hapert es noch aber für den Anfang nicht schlecht!
    Das erste Mal seit Jahren, dass ich bei RTL dran geblieben bin !!! – ok, die Werbung hab ich nicht gesehen.

  2. Die unpassende Werbung finde auch ich unmöglich. Dennoch freue ich mich, dass RTL dieses Experiment gezeigt hat. Damit haben sie sicher deutlich mehr Menschen erreicht als wenn sie – wie sonst immer üblich – gesagt hätten, dass Plastik reduziert bzw vermieden werden soll.