Öko-Test Olivenöl: Jedes zweite mit Schadstoffen belastet

Fotos: Ökotest, CC0 Public Domain / Pixabay - Julie-Kolibri

Bei Öko-Test konnte kaum ein Olivenöl überzeugen. Das Verbrauchermagazin hat 20 Olivenöle der höchsten Qualitätsklasse „nativ extra“ getestet – jedes zweite war mit Mineralöl verunreinigt. Und einige Öle dürften gar nicht als „nativ extra“ bezeichnet werden.

Ob sich ein Olivenöl „nativ extra“ (auf Italienisch „extra vergine“) nennen darf, ist eine Frage der Qualität: Das Öl muss einwandfrei riechen und schmecken und schonend ohne Wärmezufuhr gepresst worden sein. Außerdem muss die chemische Qualität stimmen. Bei geringen Abweichungen darf das Öl nur noch die Bezeichnung „natives Olivenöl“ tragen.

Öko-Test hat 20 verschiedene Olivenöle der Güteklasse „nativ extra“ im Labor auf Schadstoffe prüfen lassen. Ein anerkanntes Olivenöl-Panel bewertete außerdem Geruch und Geschmack: Vier Olivenöle schmeckten ranzig oder stichig, so das Fazit. Damit dürften sie eigentlich nicht als „nativ extra“ bezeichnet werden.

Olivenöl bei Öko-Test: „Armutszeugnis für die Olivenölhersteller“

Das Test-Ergebnis ist „ein Armutszeugnis für die Olivenölhersteller“, schreibt Öko-Test. In jedem zweiten Olivenöl wies das Labor Mineralöl-Rückstände (MOAH) nach. MOAH-Verbindungen stehen im Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein. In mehr als der Hälfte der Öle fand Öko-Test auch MOSH/POSH-Verbindungen.

MOSH-Verbindungen reichern sich im Körper an und können Organe schädigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, dass ein „krebserregendes Potential nicht ausgeschlossen“ werden könne. Mineralöl kann über die Schmieröle von Produktions- und Erntemaschinen in die Lebensmittel gelangen.

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Olivenöl-Testsieger: Ein Bio-Öl überzeugte Öko-Test

Lediglich zwei der 20 getesteten Olivenöle erhielten das Testergebnis „gut“. Sie erfüllen die Anforderungen an Olivenöl „nativ extra“ in Geschmack und Geruch. Unter den beiden Testsiegern befindet sich ein Bio-Öl und ein konventionelles Olivenöl – frei von Schadstoffen ist aber nur das Bio-Öl von Rapunzel:

  • Das Öl von Rapunzel Kreta Natives Olivenöl extra ist frei von Mineralölrückständen und anderen Schadstoffen. Es zeichnet sich durch einen mittelfruchtigen, deutlich bitteren und scharfen Geschmack und Geruch aus.
    Kaufen** kannst du das Rapunzel-Öl für ca. 8 Euro z.B. bei Nu3 oder Amorebio oder, noch besser, im Naturkostladen um die Ecke.
  • Etwas besser im Geschmack ist allerdings der zweite Testsieger, ein konventionelles Olivenöl. Dieses ist allerdings mit Mineralöl belastet.

Marken-Olivenöl oder Öl vom Discounter?

Öko-Test hat Olivenöl namhafter Hersteller, aber auch preiswerte Eigenmarken von Discountern und Supermärkten geprüft. Darunter befanden sich auch Öle von Lidl, Aldi Süd und Bertolli.

  • Das Native Olivenöl extra von Bertolli erhielt die Bewertung „ausreichend“. Zwar beurteilten die Experten den Geschmack als „eher harmonisch“ (entspricht der Schulnote 2), das Labor stellte aber stark erhöhte MOSH/POSH-Werte und auch MOAH-Rückstände im Öl fest.
  • Das Öl von Aldi Süd, Cantinelle Natives Olivenöl Extra, lag geschmacklich etwas hinter dem Bertolli-Öl. Dafür enthielt es keine MOAH-Verbindungen, MOSH/POSH waren aber auch beim Aldi-Öl ein Problem.
  • Das Lidl-Öl Primadonna Natives Olivenöl Extra ist noch einmal schlechter im Geschmack („eher unharmonisch“). Dennoch erfüllt es die Kriterien, um als „nativ extra“ verkauft zu werden.

Außerdem hat Öko-Test auch Olivenöl von Rewe, Edeka und Aldi Nord getestet. Die vollständigen Ergebnisse findest du in der Mai-Ausgabe 2019.

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Warum jedes zweite Bio-Olivenöl durchfiel

Mehr als jedes zweite Bio-Olivenöl wurde im Test mit der Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertet. Die Gründe waren unterschiedlich: Drei Olivenöle waren ranzig und hätten deshalb nicht als „nativ extra“ verkauft werden dürfen. Außerdem hat Öko-Test in drei Ölen Weichmacher nachgewiesen, teils oberhalb des Richtwerts für Bio-Ware.

MOSH/POSH-Verbindungen sowie MOAH-Rüststände waren auch bei Bio-Olivenölen ein Problem. Denn auch bei Bio-Ölen werden die Oliven maschinell geerntet und verarbeitet, sodass die Früchte in Kontakt mit Schmieröl kommen können. Öko-Test fordert daher gesetzliche Grenzwerte für Mineralöl in Lebensmitteln – und nicht bloß unverbindliche Orientierungswerte.

Alle Details findest du in der Ausgabe 05/2019 von Öko-Test sowie online auf www.ökotest.de.

Weitere Beiträge zu dem Thema bei Utopia: Öko-Test Olivenöl: Jedes zweite mit Schadstoffen belastet

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(8) Kommentare

  1. Dieses Testergebnis verwundert mich ehrlich gesagt überhaupt nicht.
    Es sind immer noch die selben Ölpanscher am Werk die mit viel Lobbyarbeit ihre eigenen EU-Gesetze machen.
    Wieder einmal zeigt sich, dass die großen Marken alles tun um sich an uns zu bereichern, unsere Gesundheit und die natürliche Vielfalt gefährden!
    Ich meide schon lange diese skrupellosen Konzerne und beziehe mein Öl direkt von kleinen griechischen Familienbetrieben und kann nur dringend empfehlen gepanschtes Olivenöl mit der Aufschrift „Mischung von Olivenölen aus der Europäische Union“ oder ähnlich nicht zu kaufen.
    Nativ oder nativ extra ist leider kein Qualitätsmerkmal mehr!
    Ich bin der Meinung die Gesetzgeber, die einen solchen Missbrauch an Natur und Mensch billigen und absegnen gehören hinter Gittern! Miese Machenschaften müssen angeprangert und öffentlich verurteilt werden damit jede/r es mit bekommt! Wie soll es denn sonst einmal besser werden? Wir sehen doch alle wohin dieses egoistische Profitdenken führt….
    An die Utopia-Redakteure: Danke für die vielen tollen Beiträge 🤜🤛 😃

  2. Sehr „treffend“ beschrieben!
    Leider „rührt“ sich diesbezüglich kein „Gesundheitsminister“,kein“Landwirtschaftsminister & der EU „Verein“?

  3. Danke sehr 🙂
    Ja, und wenn man die Ausreden unserer Politik-Profis hört kann man eigentlich nur noch mit dem Kopf schütteln. Gute Mine zum bösen Spiel scheint die Devise zu sein.
    Ich frage mich wie die zu ihrem Posten gekommen sind, sicherlich nicht durch besondere Kenntnisse ihres Fachbereichs oder Bürgernähe.
    Aber zurück zum Thema: es gibt noch die guten Olivenöle aber vom Discounter würde ich abraten. Ansonsten ist Hanföl sogar die bessere Wahl und sehr zu empfehlen 😉

  4. Wieder einmal ziemlich bedenklich,was uns die Hersteller so alles zumuten!Olivenöl als „gesund“ zu bezeichnen,dürfte diesbezüglich leider „durchfallen“!
    Was tun? Als „Ersatz“ nur Oliven als Frucht kaufen ?Auf andere Öle „wechseln“?

  5. Kurzer Hinweis an Alle die sich immer schnell aufregen:
    Nachgewiesene Rückstände von Mineralöl bedeutet NICHT, dass Mitarbeiter in Itallien oder Griechenland ihr Altöl in das Olivenöl kippen um dies zu strecken oder zu panschen!
    Eher sollten Maschinen, die für Ernte und Verarbeitung eingesetzt werden sparsamer und sorgfältiger geölt werden und sollten offensichtlich auch besser gereinigt werden.
    Das hat vlt. mit Nachlässigkeit zu tun, ist aber weder Betrug noch Panscherei!
    Beides kommt gelegentlich im Bereich von hochwertigen Ölen vor, wurde aber in diesem Test NICHT behandelt.

  6. Danke für den Hinweis. Ja, und es stimmt natürlich, dass die Schadstoffe „produktionsbedingt“ in das Öl gelangen – wie auch immer die Produktionsbedingungen aussehen. Hab mal einen Report gelesen … und es ist erschreckend, wie dort mit Lebensmitteln umgegangen wird!
    Bei der Verarbeitung sorgfältig mit den Oliven umzugehen ist gerade bei der Olivenölproduktion das A und O da es sonst sehr schnell zur Oxidation kommt.
    Aber überall wo auf Masse statt Qualität gesetzt wird lässt sich das schwer einhalten.
    Deshalb findet man ja immer wieder diese giftigen Rückstände.
    Warum mischt man wohl in Labors die Öle verschiedener Güteklassen aus der gesamten EU und sogar illegal Nicht-EU-Öl? Vielleicht um auch noch das minderwertige Öl zu verkaufen?
    Für mich ist die Sache klar: das System globalisierter Massenproduktion dient in erster Linie den Konzernen und die scheren sich einen Dreck um Mensch und Umwelt.

    Übrigens, Ich denke wir haben allen Grund diese und die viele anderen Misstände mit denen wir jeden Tag konfrontiert werden zu kritisieren, denn mittlerweile sehen wir es doch alle: von allein wird es nicht besser! …und solange die Diskussion sachlich bleibt ist das doch auch gut so 😉
    Es muss sich etwas ändern! Oder sollen wir weiter wie die Schafe zusehen wie unser Planet den Bach runter geht? Vieles erscheint uns heute ganz selbstverständlich, ist es aber nicht. Ich kann jedenfalls nicht mehr einfach nur dummer Konsument sein wenn ich weiß, was im Hintergrund passiert, wie wir absichtlich dumm gehalten und manipuliert werden und ich denke es geht hier Einigen so wie mir.

  7. Glückwunsch an den Gewinner! … Obwohl um ehrlich zu sein …

    Das hätte mir auch gefallen Olivenöl extra vergine meiner alten toskanischen Ölmühle
    „Il Casone Antico“ hätte teilnehmen können. Geduld!

    Ich habe jedoch kürzlich einen informativen Vlog zu den verschiedenen italienischen Klassifizierungsmarken wie IGP, Bio usw. erstellt.

    Hier finden Sie historische Hinweise und wichtige Hinweise zum Erkennen ein hochwertiges Öl, Informationen über die italienische Produktionsmethode und Kuriositäten seiner Tradition.

    Wenn du lernen willst hier ist unsere website in deutsch:
    https://www.kaltgepresstesolivenoel.de/

    Grüße an euch alle aus der Toskana!

    Enrico Spinelli

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