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Onlineshopping oder Ladenkauf: Was hat die bessere Klimabilanz?

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de – Photo Mix

Man darf davon ausgehen, dass die Corona-Lockdowns des vergangenen Jahrs Online-Shops viel Kundschaft beschert haben. Ende 2020 ermittelte das Umweltbundesamt (UBA), wie die Klimabilanz von Onlineshopping im Vergleich zum Einkauf im Laden aussieht. Eine neuere Studie kommt im April 2021 zu einem noch klareren Ergebnis.

Das Ergebnis der UBA-Studie beim Vergleich Onlineshopping oder Einkauf im Geschäft: Vor allem, was wir kaufen entscheidet über die Klimabilanz – und weniger, wo wir es kaufen. Bis zu drei Viertel der Treibhausgas-Emissionen im Lebenszyklus eines Produkts entstehen nämlich bereits bei der Herstellung. Der Anteil von Handel und Transport an den Gesamtemissionen macht dagegen nur etwa zwischen einem und zehn Prozent aus.

Das dürfte das Gewissen vieler Online-Käufer:innen beruhigen. Eine neue Analyse zweier Unternehmensberatungen (Oliver Wyman und Logistics Advisory Experts GmbH) vom April 2021, aus der das Handelsblatt zitiert, bestätigt das noch. Sie kommt zu dem Schluss, die Klimabilanz des Onlinehandels sei besser als die des stationären Handels. Demnach soll der berechnete CO2-Ausstoß beim stationären Handel pro verkauftem Produkt durchschnittlich um den Faktor 2,3 höher liegen als im Onlinehandel.

„Die größte Stellschraube für den ökologischen Einkauf sind langlebige Produkte“

UBA-Präsident Dirk Messner sagt zu den Ergebnissen seiner Studie:

„Ob wir online oder im Geschäft einkaufen, ist nicht so entscheidend für unsere Klimabilanz. Die größte Stellschraube für den ökologischen Einkauf sind langlebige Produkte, die umweltfreundlich hergestellt sind. Bestenfalls bekomme ich diese auch im Geschäft um die Ecke, das ich mit dem Fahrrad oder zu Fuß gut erreichen kann.“

Ein wesentlicher Faktor für die Treibhausgasemissionen ist demnach der Weg zum Einkauf im Unterschied zur Lieferung des Produkts. Ein Beispiel: Eine Einkaufsfahrt von fünf Kilometern mit dem Auto verursacht 600 bis 1100 Gramm CO2. Die selbe Fahrt mit dem Fahrrad erzeugt gar keine CO2-Emissionen. Für eine Lieferung aus dem Onlineshop fallen durchschnittlich zwischen 200 und 400 Gramm CO2 an.

Treibhausgase im Lebenszyklus von Produkten
(Quelle: Umweltbundesamt)

Das UBA erklärt, dass der niedrigere CO2-Ausstoß der Lieferdienste unter anderem an der besseren Auslastung der Fahrzeuge, der effizienten Gestaltung der Lieferrouten und dem zunehmenden Einsatz von Elektrofahrzeugen liegt.

Die neuere Studie der Unternehmensberatungen legt ebenfalls nahe, dass der Weg der Kund:innen zum Einkauf einen großen Einfluss hat – aber auch die Beheizung und Beleuchtung der Filialen im stationären Handel. Die Untersuchung von Oliver Wyman und Logistics Advisory Experts wurde von Amazon in Auftrag gegeben, soll aber nach Angaben der Autor:innen unabhängig durchgeführt worden sein.

Das könnten stationärer und Online-Handel besser machen

Die Schlussfolgerung, die man aus beiden Untersuchungen ziehen kann: Im stationären Handel können Läden ihre Klimabilanz vor allem verbessern, indem sie ihren Energieverbrauch reduzieren; Kund:innen indem sie umweltfreundliche(re) Verkehrsmittel für den Einkauf nutzen.

Der Online-Handel dagegen müsste, um noch umweltfreundlicher zu werden, weniger Verpackungsmüll produzieren – etwa durch weniger unnötige Umverpackungen und das Nutzen von Mehrwegverpackungen. So könnten der UBA-Studie zufolge jährlich bis zu 370.000 Tonnen Verpackungsabfall (45 Prozent) eingespart werden.

Das UBA nennt außerdem den Lieferabschnitt bis zur Haustür („letzte Meile“) als „umweltbelastenden Faktor“. Hier würde die Umweltbilanz verbessert, wenn statt Lieferwagen mit Verbrennungsmotor noch mehr Elektrofahrzeuge oder Fahrräder zum Einsatz kämen. Statt direkt an die Haustür an Packstationen zu liefern, könnte ebenfalls für weniger Emissionen sorgen.

In einer weiteren Studie kritisiert das UBA außerdem, dass Produktinformationen zu Umweltsiegeln, Herstellergarantie, Produkt-Lebensdauer, Reparierbarkeit und Update-Verfügbarkeit in Onlineshops nicht ausreichen, um informierte Kaufentscheidungen zu ermöglichen.

Fazit: Was Verbraucher:innen tun können

Vor allem können wir unsere Umweltbilanz verbessern, wenn wir umweltverträgliche, möglichst langlebige Produkte kaufen. Dass das Produkt selbst laut UBA den größten Klima-Impact hat, dürfte für viele Online-Shopper:innen eine Erleichterung sein. Aber:

Erstens spielt das Verkehrsmittel, das man zum Einkauf verwendet, eine große Rolle. Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad einkaufen kann, spart in jedem Fall Emissionen.

Zweitens sollten wir beim Online-Kauf immer unnötige Retouren vermeiden und wenn möglich verpackungsarmen Versand bevorzugen – oder danach fragen.

Drittens: Wo wir einkaufen, hat auch eine gesellschaftlich-soziale Dimension. Tote Innenstädte will (nach Corona) niemand.

Viertens: „Es muss nicht immer der Neukauf sein. Oft sind gute gebrauchte Geräte oder eine Leihe oder Miete eine gute Alternative – vor allem bei Produkten, die man ohnehin selten nutzt wie Bohrmaschine, Rasenmäher oder Heckenschere. Auch die Reparatur scheinbar defekter Haushaltsgeräte kann den Neukauf oft vermeiden“, so UBA-Präsident Messner.

Fünftens: Online und Offline sollte man als verantwortungsvolle:r Verbraucher:in darauf achten, wen man mit seinem Geld unterstützt – und im Zweifel ökologisch und/oder sozial ausgerichtete, regionale Shops gegenüber internationalen Konzernen mit unübersichtlichen Lieferketten bevorzugen.

Diese grünen Onlineshops haben besonders gute Bewertungen von der Utopia-Community erhalten:

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(6) Kommentare

  1. Ich bestelle trotzdem viele Sachen im Internet, ganz einfach ich habe keine Lust auf Corona und die Gesundheit geht vor. Man kann auch in Zukunft immer noch in der Stadt einkaufen gehen.

  2. Der Onlinehandel wird in Zukunft die Fachgeschäfte und Einzelhändler vernichten. Corona ist hier eine Ausrede für Bequemlichkeit und beschleunigt leider diese Entwicklung. Einen Einkauf mit Auswahl und Vielfalt im Geschäft kann ein Foto nicht ersetzen. Stell dir nur einen Stadtbummel ohne Schaufenster vor !!!!

  3. Ich zähle zu der „alten Generation“ und bin mit Schaufenstern, Bargeld und haltbaren Konsumgütern aufgewachsen; also die 70er bis 90er Jahre waren die EDV-freien Zeiträume.
    Heute gibt es vorteilhaft das Internet, wo man nach meinem Erlebnis, intensiver und schneller nicht nur Preise für identische Artikel vergleichen kann, sondern dergleichen auch Produkteigenschaften /-tests, tatsächliche Hersteller, Produktionsstätten, Sozialitäten und Umwelteigenschaften ausgehend vom Artikel, Varianten, etc. . In vorherigen Zeiten waren diese Möglichkeiten für Käufer überwiegend nicht zu erhalten.
    Bis zu 80% für ident. Artikel habe ich weniger bezahlt im Internet.
    Die ggw. Menschen wachsen mit den jetzigen Gegebenheiten auf, vermissen nix, weil sie es nicht gewohnt sind und konsumieren undenkbar für unser Verständnis. Die Banken werden stetig personalfreier, haben kein Bargeld in ihren Filialen, erheben sogar Strafsummen für ihr Basis-Arbeitsmittel „Geld“, empfehlen sogar Online-Banking (was den Arbeitsplatz reduziert) und haben neben anderen Einrichtungen die Macht im Lande und in der Welt. Wir haben durch Kauf der Billigprodukte diese Grundlage geschaffen und ohne Intenet hätte das Geschäftesterben, die preisige (Marken-)Produkte anbieten, länger gedauert, doch es wäre gleichmaßen gekommen. E-Autos werden hier sauber gefahren, doch bis zur Fertigstellung ist das (global) dreckiger als der Nutzen ist und die Individuen vorort verdursten, aber irgendwer hat richtig Asche gemacht. Die Läden sind vom Preis zu hoch, auch wenn die Produkte „besser“ sind, denn wir gucken vorrangig auf die Billigsumme. Fazit : da haben wir selber Schuld, weil selbst verursacht und nicht durch die anderen … .
    [ Es ist auch hier unschön, wenn man agressive oder zur Lächerlichkeit machende Antworten lesen kann. Ist doch toll von UTOPIA, das hier Gedankengänge zu lesen sind, die einem selbst manches überdenken lassen ]
    /Pepito
    17.12.2020

  4. sehr guter Artikel, wie ich es von Utopia gewohnt bin.

    was die Preis/Qualitäts-Unterschiede zwischen vor-Ort-Handel und Online angeht allerdings … ich muss gestehen, ich genieße die große online-Konkurrenz in Sachen Elektronik- und Haushaltswaren, die sich dadurch ergeben. während der Laden nebenher die Küchenmaschine für 500€ im Schaufenster stehen hat, krieg ich genau dieselbe nun online auch für 350€. das ist für mich sehr, sehr viel Geld, das ich damit sparen kann – da muss der „regionale Anbieter“ einfach hintanstehen.

    das gesparte pack ich dann lieber in bio vom Hofladen – oder einfach in ne Hüpfinsel für meine Kids. Die so oft verteufelte Welt des Online-Handels war für mich einfach oft ein Grund zur Freude 🙂

  5. Ich frage mich ob, es wirklich ratsam ist eine Größe wie die „Klimabilanz“ zu entwickeln und als Maßstab zu nutzen. Zumindest bei Themen die mehrere Dimensionen haben, wie das Einkaufsverhalten. Es ist sicher einfach und beliebt Konsumenten*innen als Individuum zahlenbasiert das „Fehlverhalten“ aufzuzeigen. Nichts gegen Bewusstsein für die Auswirkungen der Handlungen auf die Umwelt, allerdings ist der Mensch und sein Handeln nicht darauf zu reduzieren! Der Einkauf ist nicht bloß eine Handlung zur Sicherung von Bedürfnisserfüllung, sondern auch soziale Interaktion. (Vor dem Hintergrund der Coivd-19 Pandemie erstmal zu vernachlässigen, jedoch im Allgemeinen von großer Bedeutung).
    Man sollte auch nicht vergessen, dass das Geld das man ausgibt auch immer eine Wirkungsdimension hat. Wie der „Like“ im Internet. Schließlich wirkt das Geld das bei Amazon ausgegeben wird sich anders auf meine Umwelt (auch Mitmenschen sind hier gemeint) aus als bei einem Einzelhändler meiner Wahl!
    Ich denke, wenn wir irgendwelche Vergleiche anstellen wollen was „besser“ und „schlechter“ sei (Kritik an diesen Klassifizierungen spare ich mir an dieser Stelle), sollten in dem Vergleich mehr als ein Kriterium berücksichtigt werden. Sonst geht die Tendenz des Artikels zu leicht in die Ecke von schnellen, faschistoiden, Pauschallösungen die realitätsfern ist und so dem Kerngedanken von Umweltbewusstsein, im Sinne von die Umwelt (Natur+Mensch) zu schützen und nach Möglichkeit zum Gedeihen zu bringen, zuwiderläuft und das Wachsen dessen verhindert.
    Auch nett gemeinte, pseudosalomonische, Fazit-Bemerkungen helfen wenig dabei, da diese nur an das persönliche schlechte Gewissen appellieren und das Märchen von „Wenn du (kleiner, dummer, egoistischer) Verbraucher*inn anfangen würdest ein bisschen was für die Umwelt zu tun wäre die Welt morgen gerettet“ weitererzählt….
    Sorry aber ein Artikel der nicht bloß Content ist sondern tatsächlich einen Beitrag mit inhaltlichen Mehrwert sieht anders aus.

  6. Die Größe „Klimabilanz“ wird nicht erst „entwickelt“ oder „erfunden“. Sie gilt die ganze Zeit schon und in Zukunft werden sich die Unternehmen, ob online oder offline verstärkt daran messen müssen, ob sie wollen oder nicht.
    Und auch der Kunde sollte seine Verantwortung Ernst nehmen. Denn leider hat sich die heutige Konsum- und Spaß-Gesellschaft angewöhnt zugunsten des persönlichen „Shopping-Vergnügens“ keine Rücksicht darauf zu nehmen. Auch spiegeln sich im Preis oftmals noch nicht die wahren Kosten für Herstellung und Transport unter Verwendung fossiler Rohstoffe wieder…
    Daher sind Vergleiche wie in diesem Artikel sinnvoll und mehr als angebracht. Man muss ja nicht alles persönlich nehmen, wenn man heute schon vieles besser macht 😉

    Fazit: Der Mensch ist ein Gewöhnungstier und bekanntlich beginnt jede Veränderung zuerst im Kopf. Daher ist es wichtig, die Menschen auf mögliches Fehlverhalten hinzuweisen, um zu sensibilisieren und Alternativen aufzuzeigen, die am Ende allen Menschen sowie der Natur einen ECHTEN Mehrwert bieten und dass eine solche positive Veränderung nicht einmal etwas Verzicht zu tun haben muss, denn eine gute Klimabilanz bringt automatisch auch soziologische Vorteile und die unterschiedlichsten Menschen in einer Region wieder näher zusammen 🙂