Alternativen zu Toilettenpapier

Fotos: © HappyPo; codswollop / photocase.de; alekosa / Fotolia.com

Ob Trinkflasche oder Strohhalm: Im Alltag denken wir schon oft über müllfreie Alternativen nach. Nur auf dem Klo nicht – hier daher Alternativen zu Toilettenpapier und auch zu feuchtem Klopapier.

Wir Deutschen verbrauchen laut einer WWF-Studie jährlich 15 Kilogramm Toilettenpapier und liegen damit über dem europäischen Durchschnitt von 13 Kilogramm pro Jahr.

Die meisten Hersteller verwenden Frischfaser für ihr Toilettenpapier. Diese Zellstofffasern werden aus Holz gewonnen – und dafür werden weltweit Bäume gefällt.„Das Holz wird weltweit – zum Teil illegal oder nicht nachhaltig – in natürlichen Wäldern und Plantagen geschlagen, beispielsweise in Lateinamerika, Kanada, Südafrika, Russland und Asien, aber auch in Europa“,

schreibt der WWF. Chemikalien in der Produktion und lange Transportwege kommen noch dazu.

Alternative Materialien

Ein Ausweg könnte sein, alternative Materialien zu entwickeln. Das Toilettenpapier Smooth Panda (zu haben** bei Avocadostore oder Amazon) wird zum Beispiel aus Bambus gefertigt. Bambus gilt als schnell nachwachsender Rohstoff und daher als guter Baumersatz. Aber es gibt auch Einwände gegen die Nachhaltigkeit von Bambus: Recycling-Toilettenpapier ist wahrscheinlich umweltfreundlicher und verbraucht weniger Ressourcen als eigens angebauter Bambus, der noch dazu aus Asien kommt. Dafür kommt speziell dieses Klopapier aber ohne Plastikverpackung aus.

Ein anderer Ansatz könnte Gras werden: Im Mai 2018 gewannen Schüler einen [email protected] mit GrasSwipe, einem Klopapier aus Gras. Wie Bambus wächst Gras schnell nach, im Unterschied dazu kann es aber regional angebaut werden. Es gilt als vergleichsweise ressourcenschonend und ist nur unwesentlich teurer als andere Zellstoffquellen. Ein regionaler Graspellethersteller (Creapaper) wäre schon im Boot, ebenso Bio-Handelsketten und Drogerien. Noch aber ist das Projekt nur auf dem Papier existent.

Besser: Recycling-Toilettenpapier

Derzeit ist Recycling-Toilettenpapier die bessere Wahl – keine Sorge, mit dem rauen, grauen Papier aus Schul- und Autobahnklos hat heutiges Recycling-Klopapier längst nichts mehr zu tun. Das Umweltsiegel Blauer Engel garantiert, dass das Papier vollständig aus recyceltem Papier besteht.

Gutes Recycling-Toilettenpapier gibt es heute in jedem Super- und Drogeriemarkt, aber auch online, z.B. bei** nachhaltigen Shops wie Memolife oder konventionell bei Rewe, Amazon oder Ebay.

Beim Projekt „Goldeimer“ gibt es ein dreilagiges Recycling-Toilettenpapier mit Blauen Engel, bei dem man Sanitär-Projekte in Ländern unterstützt, die keine gute eigene sanitäre Infrastruktur haben. Details im Beitrag Goldeimer: das erste ökologisch-soziale Klopapier.

Das 2-lagige „Satino Black Toilettenpapier“ (zu haben** bei Memolife.de) besteht zu 100 % aus Recyclingpapier und ist sowohl FSC-zertifiziert als auch mit der Cradle-to-Cradle-Zertifizierung in Silber ausgezeichnet und trägt die Europäische Blume.

Klopapier
Klopapier gibt’s auch besser (Foto: © Björn Wylezich / Fotolia.com)

Doch ein Problem bleibt, auch wenn man Recycling-Toilettenpapier verwendet: Verpackungsmüll. Für je sechs oder acht Rollen Klopapier landet eine Plastikverpackung im Müll. Klar, das Toilettenpapier soll ja sauber und trocken vom Supermarkt nach Hause kommen.

Zwar gibt es inzwischen einige Anbieter, die verpackungsfreies oder zumindest plastikfrei verpacktes Toilettenpapier anbieten (siehe Zero-Waste-Bad). Das ist jedoch bisher nur in wenigen Läden erhältlich, relativ teuer und/oder wird aus weit gereistem Bambus hergestellt.

Wenn man mal so richtig darüber nachdenkt, liegt allerdings die Vermutung nicht ganz fern, dass die Verwendung von Toilettenpapier ganz allgemein eigentlich weder besonders hygienisch noch besonders gesund ist.

Mal über Alternativen zu Klopapier nachdenken

Natürlich ist das alles Jammern auf hohem Niveau und ja, wir haben heutzutage eindeutig größere Probleme als den Verpackungsmüll unseres Klopapiers. Und dennoch: Warum nicht mal darüber nachdenken, wie es anders geht?

In vielen Teilen der Welt ist Toilettenpapier unüblich und die Reinigung mit Wasser selbstverständlich – etwa im Großteil Asiens und Afrikas, den meisten muslimisch geprägten Ländern und sogar in Finnland. Es geht also auch ohne. Wie genau, dafür haben wir einige Beispiele zusammen getragen.

5 Alternativen zu (feuchtem) Toilettenpapier

Bevor nun jemand schreit: „Jetzt wollen die uns auch noch das Klopapier verbieten!“: Nein, wir wollen niemandem sein Toilettenpapier madig machen und keinen zum Verzicht bekehren. Doch das Gedankenspiel „was wäre ohne“ und einen Blick auf die Alternativen finden wir spannend und lohnend.

Mal über die eigenen Toilettenrand hinauszuschauen und sich zu informieren schadet nie.

1. Die DIY-Alternative: Waschlappen

Viele Leser werden jetzt vermutlich „Iiiih“ rufen: Die einfachste Variante, sich den Hintern ohne Klopapier zu säubern – die zudem unseren westlichen Wisch-Gewohnheiten entgegen kommt – ist die Kombination aus Wasser und Waschlappen (oder sonstigen Stofflappen). Vorteil: geht überall, auch unterwegs. Nachteil: Das Auswaschen, die Aufbewahrung und Wäsche der benutzten Waschlappen dürfte etwas gewöhnungsbedürftig sein.

Unser Gastautor Daniel Hautmann hat mit dieser Toilettenpapier-Alternative bereits Erfahrungen gemacht und beschreibt sie in seinem unterhaltsamen Beitrag „Ein Leben ohne Toilettenpapier“. Klick auf den Kasten, um weiterzulesen:

2. Klassische Klopapier-Alternative: das Bidet

Bidets, eine französische Erfindung aus dem 18. Jahrhundert, waren noch den neunziger Jahren in den Badezimmern vieler Deutschen zu finden. Inzwischen sind Bidets bei uns sehr selten geworden.

Wikipedia sagt: „Ein Bidet ist ein niedrig angebrachtes Sitzwaschbecken. Es dient zur Reinigung der Genitalien, des Anus und der Füße.“ In der Praxis wird es allerdings meist zusätzlich zu und nicht anstelle von Toilettenpapier verwendet.

Vorteil: hygienische und bequeme Reinigung. Nachteil: aufwendige Installation. Aus rein ökologischer Sicht bringt das Bidet aber, wenn man es zusätzlich zur Reinigung mit Toilettenpapier verwendet, keinen echten ökologischen Mehrwert.

3. Die Crowdfunding-Neuheit: HappyPo

„Das erste Bidet für alle“, so nennen die Erfinder von „HappyPo“ ihre handliche Popodusche.

HappyPo sieht auf den ersten Blick ein wenig aus wie eine elektrische Zahnbürste, ist aber in Wahrheit eine Art kleine Handdusche für den Hintern und Intimbereich. Sie braucht keinen Wasseranschluss: Die Kunststoffflasche mit Dusch-Aufsatz wird ganz einfach am Wasserhahn befüllt.

Alternative zu Toilettenpapier: HappyPo, mobiles Bidet
HappyPo: das mobile „Bidet“ (Foto: © HappyPo)

„Nach dem Verrichten des Geschäftes wird die Po-Dusche, durch den selben Bewegungsablauf wie bei Klopapier, in Position gebracht. Der Druck und die Position des Wasserstrahls lässt sich einfach und gut regeln“, so beschreiben die Erfinder die Benutzung von HappyPo. Sie versprechen, dass die Füllmenge der Flasche von gut 300 Millilitern ausreicht.

HappyPo wurde 2017 per Crowdfunding finanziert, zu kaufen gibt es die Po-Dusche für 19,99 Euro bei dm, im Online-Shop von HappyPo und bei **Amazon.

Vorteile: HappyPo braucht keine aufwendige Installation und eignet sich auch für unterwegs. Nachteil: Man muss vor dem Geschäft daran denken, das Fläschchen zu befüllen. Und möglicherweise findet nicht jeder das Ding an der Wand sonderlich dekorativ.

Fun Fact: Ganz so innovativ, wie sich HappyPo gibt, ist es nicht. Die Inspiration für das Gerät stammt offenbar aus Ägypten und wurde dort als Unterwegs-Lösung für muslimische Reisende entwickelt. Auch andere Hersteller bieten bereits vergleichbare Produkte an, oft unter Namen wie „mobiles Bidet“ oder „Reisebidet“.

4. Praktische Toilettenpapier-Alternative: Hygiene-Dusche

Wer schon einmal in Südostasien oder auch Nordafrika unterwegs war, kennt die Dusch-Schläuche neben der Toilette. Meist ist ein biegsamer Brauseschlauch einfach als Extra neben „normalen“ Sitz- oder Hock-WCs angebracht und die Brause wird – genau wie in der Dusche – in einer Halterung an der Wand oder am Spülkasten gehalten. Wie eine Duschbrause lässt sich die Hygiene-Dusche in die Hand nehmen, das Wasser kommt auf Knopf- oder Hebeldruck aus einer Art Mini-Duschkopf.

Es gibt verschiedene Varianten der Hygiene-Brause: Manche werden am selben Kaltwasser-Anschluss wie der Spülkasten oder, falls das nicht möglich ist, am Waschbeckenanschluss installiert, manche kann man direkt an den Wasserhahn anschließen.

Alternative zu Toilettenpapier: Hygiene-Dusche, Bidet-Dusche
Hygiene-Duschen oder Bidet-Duschen sind in Asien und Afrika weit verbreitet. (Foto: © sasinparaksa / Fotolia.com)

Vorteil: hygienische, saubere Reinigung und einfache Handhabung. Nachteile fallen uns gerade keine ein – abgesehen davon, dass es offensichtlich gewöhnungsbedürftig ist.

Wer mit dem Gedanken spielt, eine Hygiene-Dusche zu installieren, sieht sich am besten nach hochwertigen und langlebigen Produkten um, zum Beispiel von überwiegend in Europa produzierenden Traditionsunternehmen wie beispielsweise Grohe**.

Übrigens, falls du dich jetzt fragst, ob du hinterher mit nasser Unterhose herumlaufen sollst: Das Abtrocknen mit Toilettenpapier nach der Wasser-Reinigung ist in manchen Gegenden der Welt üblich, in anderen nicht. Wer den Klopapier-Verbrauch wirklich ganz einstellen will, kann es ja mal mit Waschlappen zum Abtrocknen versuchen …

5. Die All-in-One-Alternative: Das Dusch-WC

Alternative zu Toilettenpapier: einfaches Dusch-WC in Ägypten
Alternative zu Toilettenpapier: einfaches Dusch-WC in Ägypten (Foto: © Utopia)

Die bequemste, diskreteste und – je nach Anspruch – wahrscheinlich auch teuerste Art, sich den Hintern oder Intimbereich mit Wasser zu reinigen sind fest installierte Dusch-WCs. Solche Toiletten sind unter der Klobrille mit einer Art Wasserhahn-System ausgestattet, das bei Bedarf Wasser nach oben spritzt.

Sehr moderne Varianten dieses Klos haben Sensoren, beheizbare Toilettensitze, funktionieren voll elektronisch, bieten verschiedene Brausen und Einstellungen für Wasserdruck und –menge und können die ganze Vorrichtung diskret im WC-Rand verschwinden lassen. Solche Hightech-Dusch-WCs gibt es zum Beispiel von Grohe, Geberit und anderen Herstellern; sie können schon mal weit über 2.000 Euro kosten.

Übrigens: Als „Washlet“ sind solche elektronischen WC-Bidet-Kombinationen mit beheizbarem Sitz vor allem in Japan bereits weit verbreitet. Einfachere Alternativen sind zum Beispiel in Nordafrika üblich.

Auch für Dusch-WCs gibt es vergleichsweise günstige Modelle zum Nachrüsten normaler Toiletten. Auf Popodusche.de zum Beispiel gibt es verschieden ausgestattete Varianten von unter 100 bis über 700 Euro.

Könntet ihr euch vorstellen, euch von Klopapier zu verabschieden und euren Popo stattdessen mit Wasser zu waschen? Oder habt ihr damit vielleicht sogar schon Erfahrungen mit Alternativen zu Klopapier? Schreibt uns eure Meinung in einem Kommentar!

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(48) Kommentare

  1. Die verfassten Kommentare sind teils höchst interessant.
    Wenn man allein davon ausgeht das im Nachbarland Frankreich von Rheinland-Pfalz, praktisch in jedem privaten Wohn – oder auch öffentlichen Bereich ein Bidet bereits seit Jahrzehnten zur gängigen sanitären Einrichtung zählt, wird man schon nachdenklich. wenn sich dann noch die Menschen um „Lokuspapier“ streiten oder es sogar horten wollen, fehlt jegliches Verständnis!
    Schon vor Jahrzehnten plädierte ich beruflich auf vielen Veranstaltungen, wie Messen etc. für die Installation von einem Bidet bei der Planung des Sanitär-Bereiches.
    Vielleicht wird die Pandemie auch in unserem Lande ein Umdenken bewirken?

  2. Gute Alternative aber…. schon wieder einer der nur von Männer redet. Frauen gebrauchen mehr Klopapier für ihre kleine Botschaft als die Große. Die Hälfte der Weltbevölkerung ist Frau! Männer können meistens an nichts anderes denken bei Frauen als an ihre Untere aber wenn sie daran denken müssen, sich realisieren müssen dass es dort noch etwas anderes gibt und sogar auch Frauen peepee machen und ihre untere dann trocknen statt alles herum schütteln…. daran denken wir -die meiste- Männer nicht, es ist nicht Sexy und Frauen haben natürlich nur eine Funktion (denk mal nach über das verborgene Sexismus dass hier-hinter steckt! Meine Tochter Untersucht dies jetzt, über den ganzen Welt spricht man nur von dem „hinteren“ im Bezug aufs Klopapier).

    Übrigens: ich bin Cybercrime Expert und kann nur sagen: ihr Passwort Policy ist echt schlecht: Übertrieben, sehr gute werden als „Schwach“ bezeichnet womit Leute eher echt Schwache Passwörter brauchen als gute.

    weiterhin ist Ihr schreiben gut, eine Tipp für Frauen: Lappen von Baumwolle gebrauchen, diese kann man auch als Einlage gebrauchen. Das ist viel besser und bald brauchst du keine Einlage mehr weil es Infektionen Vorbeugt.

  3. Ich hoffe, dass das ganze Klopapier nicht in der Toilette landet (unser Trinkwasser!), denn Pipipapier oder sonst benutztes Klopapier kann in einem Badeimer getan werden – wie diese schrecklichen Feuchttücher oder Papiertaschentücher 🙁 alles wird dann über den Restmüll entsorgt.

    In Indien habe ich die Podusche genossen, die in jeder Toilette vorhanden ist. In manchen Ländern gibt es auch noch Bidets, dass ist gut.

    Eltern sollten ihren Kindern zeigen, wie man mit wenig Papier zurechtkommt. Meist brauchen sie Unmengen und die WC in Kinos oder anderen öffentlichen Einrichtungen sind verstopft. Sie spielen mit dem Wasser beim Hängewaschen rum, wie ich das gesehen habe und nehmen oft drei/vier Papierhandtücher.

    Ich benutze Mikrofasertücher, da diese besser sauber werden und vor allem viel schneller trocknen, denn Frotteewaschlappen sind Keimschleudern, da sie lange nass rumhängen.

    Ebenso wichtig wegen Keime usw. TOILETTENDECKEL zu machen!