Präsentiert von:

Grüne Kreditkarte: Ist sowas überhaupt sinnvoll?

Fotos: anson_adobe / stock.adobe.com; CC0 Public Domain / Unsplash - Jackie DiLorenzo

Unser Geld und unser Konsum müssen nachhaltiger werden, ja klar – aber wie genau? „Grüne“ Kreditkarten scheinen da eine ideale Verbindung von „Shoppen und Weltretten“ darzustellen. Ganz so einfach ist das aber nicht. Wir erklären, wieso.

In Sachen Nachhaltigkeit befinden wir uns in einer spannenden Übergangsphase: Das Thema ist längst raus aus der Nische, das Bewusstsein vieler Konsument:innen hat sich zu echtem Interesse gewandelt. Auch die Unternehmen horchen auf und bilden Expertise – soweit ist alles auf dem Weg zum Besseren (siehe auch die Utopia-Studie 2020).

Aber ach: Natürlich beginnt nun auch die Zeit der Produkte, auf die Nachhaltigkeit als nachträgliches Gimmick aufgeklebt wird, um sie grüner erscheinen zu lassen. Bei einigen Produktkategorien fällt es sogar besonders leicht, via Marketing etwas grüne Farbe aufzutragen. Zum Beispiel bei komplizierten oder undurchsichtigen, weil abstrakten „Produkten“ – wie eben Kreditkarten.

Wir sollten grüne Finanzprodukte deshalb nicht gleich unter Generalverdacht stellen – aber genau hinschauen sollten wir.

Grüne Kreditkarten: Was soll das überhaupt sein?

Es gibt keine rechtlich oder anderweitig verbindliche Definition dessen, was eine „nachhaltige“ oder „grüne“ Kreditkarte sein könnte. Hier ein paar Eigenschaften, mit denen Banken ihre Produkte gerne mal bewerben – jeweils samt dem Versuch einer Bewertung:

1. Die Kreditkarte ist zu einem gewissen Teil aus Holz, vielleicht auch Metall – jedenfalls nicht aus Plastik.

Ja, klingt irgendwie nachhaltig, immerhin waren 2019 laut Bundesbank fast 153 Millionen Zahlungskarten (Debit- und Kreditkarten) im Umlauf, bei ca. 5 Gramm pro Karte sind das etwa 765 Tonnen Plastik.

Es wäre also schon nett, wenn diese Karten irgendwie aus einem anderen Material wären als aus Kunststoff. Aber eben nur nett: Denn der oder die Einzelne verändert auf diese Weise nur 5 Gramm Plastik von 38 Kilo (jährlich, laut Plastikatlas 2019, pro deutscher Person). Da geht mehr, in anderen Bereichen. Zumal man seine Kreditkarte nicht jedes Jahr wechselt, der „Plastikabdruck“ also eher 1 Gramm betragen dürfte (= 5 Gramm verteilt auf 5 Jahre).

Impact: 5 Gramm von 38 Kilo, ergo etwa 0,01 Prozent. Wir wollen es mal so sagen: Nur deswegen braucht niemand die Kreditkarte zu wechseln.

2. Die Kreditkarte pflanzt oder schützt Bäume oder Wälder für einen Betrag X im Monat/Jahr/pro Transaktion/abgebuchtem Betrag/etc.

Ja, das klingt schon nachhaltiger. Denn wir brauchen Bäume und Wälder, und das nicht nur, weil diese CO2 binden. Es ist also gut, wenn in Verbindung mit der grünen Kreditkarte „irgendwie irgendwas mit Pflanzen“ passiert.

Doch das „Aber“, das an dieser Stelle kommt, hat mehrere Facetten. Zum einen: Emissionen erst nachträglich durch Baum- und Waldprojekte zu kompensieren – denn darum geht es im Kern –, ist immer nur zweite Wahl; besser wäre es, wenn diese Emissionen gar nicht erst entstehen. Wenn ich aber umso grüner bin, je öfter ich die Kreditkarte nutze, dann konsumiere ich möglicherweise auch umso mehr – und erzeuge nur noch mehr Emissionen.

Impact: Bäume für das Klima zu pflanzen ist zweifellos sinnvoll, wenn man es richtig macht. Der Impact bei „nachhaltigen“ Kreditkarten ist am Ende aber abhängig vom individuellen Konsum – und davon, wie und wo die Bäume gepflanzt werden. Und mit einer direkten Spende an eine empfehlenswerte Baumpflanz-Organisation, könntest du sogar noch selbst entscheiden, was wo gepflanzt wird – statt hinzunehmen, was die Kreditkarte dir vorsetzt.

3. Die Kreditkarte ist Teil eines Kontos bei einer Ökobank.

Ja, das klingt irgendwie am nachhaltigsten, oder? Denn auch wenn die Kreditkarte da meist aus Plastik besteht, so widmet sich eben der ganze Rest einer echten Ökobank ausschließlich dem Thema nachhaltiges Geld. Lies dazu auch unseren Beitrag zu ethischen Banken und beachte unsere Utopia-Bestenliste zu Ökobanken mit strengen Kriterien.

Natürlich gibt’s auch hier ein Aber: Das Konto bei einer solchen Bank ist meist nicht umsonst, auch die Kreditkarte kostet extra. Dafür ist dann auch dein Girokonto grün, und wenn du größere Geldmengen nachhaltig investieren willst, bist du auch schon an der richtigen Adresse.

Impact: Hoch. Ein Konto bei einer Ökobank – samt Kreditkarte – ist das Sinnvollste und Nachhaltigste, was du für den finanziellen Impact deines Tagesgelds tun kannst.

Auffällig ist übrigens, dass keine der echten Ökobanken eine explizit „grüne“ Kreditkarte anbietet. Niemand will zitiert werden, warum das so ist, aber hinter vorgehaltener Hand hört man heraus, dass diese Banken derlei als „Greenwashing“ empfinden und sich regelrecht weigern, entsprechende Karten als Marketinginstrument einzusetzen. Der Impact echter Ökobanken ist einfach so viel größer – und das seit Jahrzehnten.

Nachhaltige Kreditkarten: ganz konkret

Der einfachste Weg zur besseren Kreditkarte ist also: Bank wechseln zu einem nachhaltigen Anbieter mit grünem Girokonto – geht u.a. bei Ethikbank, GLS Bank oder Triodos Bank.

Einige Banken, die nicht ausdrücklich nachhaltig arbeiten, sowie einige Fintech-Statups versuchen inzwischen aber auch, „grüne“ Kreditkarten als eigenständige Finanzprodukte an Kund:innen zu bringen. Hier einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): 

  • Das Fintech bunq verspricht bei der bunq Premium SuperGreen Mastercard, pro 100 Euro Zahlungen über die Karte einen Baum zu spenden.
  • Das Fintech Tomorrow bietet nur eine Debitkarte, die online aber teils kreditkartenähnlich nutzbar ist, und schützt pro Euro Zahlungsverkehr „einen Quadratmeter Regenwald vor der Abholzung“, zumindest bis 2049.
  • Auch die Hanseatic Bank verspricht bei der Visa Kreditkarte awa7, pro 100 Euro Kartenzahlung einen Baum pflanzen zu lassen.
  • Die Stadtsparkasse Saarbrücken bietet eine Grüne Kreditkarte als Mastercard, dafür fließen 10 Euro pro Jahr (etwas vage) in „ein ausgewähltes nachhaltiges Projekt“.

Utopia meint: Grüne Kreditkarten? Knifflig. Prinzipiell sind die Angebote nicht abzulehnen und Anbieter wie die Stadtsparkasse Saarbrücken meinen es sicher nur gut. Auch würde die Welt ja nicht besser, wenn solche Banken ihre Angebote abschaffen würden – es würde dann nur weniger Geld in Klima- und Umweltschutz-Projekte fließen.

Und doch bleibt immer ein Nachgeschmack: Dass man X kauft und mit einem Prozentsatz des Preises „Gutes tut“, ist eben in vielen Fällen vor allem ein Marketing-Instrument, das man irgendwie nicht schlecht finden darf.

Zu bedenken ist aber auch: Bäume spenden kannst du auch direkt, das geht zielgerichteter und ganz ohne „nachhaltige“ Kreditkarte. Durch den Kauf von drei Tafeln „Die gute Bio-Schokolade“ spendest du zum Beispiel auch einen Baum – und das ohne 100 Euro Konsum-Umsatz. Oder du könntest bei Primaklima einen Baum für 3 Euro pflanzen lassen, ganz ohne Konsum – und wüsstest dann auch noch, wohin genau dein Geld fließt.

Kurzum: Echte Ökobanken sind ein „Must“, grüne Kreditkarten eben nur ein „Nice-to-have“.

Mehr darüber, wann, wo und wie Bäumepflanzen besonders sinnvoll ist, erfährst du auch in unserem Podcast:

** Links zu Bezugsquellen sind teilweise Affiliate-Links: Wenn ihr hier kauft, unterstützt ihr aktiv Utopia.de, denn wir erhalten dann einen kleinen Teil vom Verkaufserlös.

Gefällt dir dieser Beitrag?

Vielen Dank für deine Stimme!

Schlagwörter: