Bäume pflanzen fürs Klima: Sinnvoll – wenn man es richtig macht

Foto: CCC0 Public Domain / Unsplash/ gustavgullstrand

Aufforstung gilt oft als eine der wichtigsten Waffen im Kampf gegen den Klimawandel. Kritiker*innen zufolge ist diese Einschätzung aber nicht nur übertrieben optimistisch; sie warnen sogar, dass das Bäumepflanzen sich negativ auf das Klima auswirken kann. Stimmt das?

Ärmel hochkrempeln, Schaufel in die Hand, Loch buddeln, Bäumchen rein, gießen und vor allem: Lächeln. Besonders Firmenchef*innen und Regierungsvertreter*innen lassen sich gerne beim Bäume pflanzen fotografieren. Schließlich zeigt das vermeintlich, wie sehr ihnen die Zukunft unseres Planeten am Herzen liegt.

Laut einer Studie der ETH Zürich könnten ganze zwei Drittel der bislang durch uns Menschen verursachten CO2-Emissionen durch das Pflanzen neuer Bäume ausgeglichen werden. Kritiker*innen jedoch bezeichnen das als Augenwischerei und kritisieren die Aussagen der Studie als nicht differenziert genug. Anlass für uns, die Sinnhaftigkeit des Bäumepflanzens genauer unter die Lupe zu nehmen.

Jeder Baum ein Gewinn fürs Klima?

6 H2O + 6 CO2 + Licht = 6 O2 + C6H12O6. Dunkle Erinnerungen an den Biologieunterricht der 6. Klasse werden wach: Bäume und andere Pflanzen machen aus Wasser, Kohlenstoffdioxid und Licht feinsten Sauerstoff und Glucose. Dank Fotosynthese scheint die Erde für Emissionsverursacher wie uns Menschen perfekt designt zu sein.

„Jede Pflanze speichert Kohlenstoff und ist damit gut für unser Klima“, bestätigt auch Forstberater Lorenz Freiherr Klein von Wisenberg. „Doch reiner Aktionismus hat bisher nur selten zum Ziel geführt. Beim Bäumepflanzen muss man sich genau anschauen, wo gepflanzt wird, was gepflanzt wird, und wie es anschließend bewirtschaftet wird“, gibt der Experte zu bedenken. „Forstwirtschaft ist die Wiege der Nachhaltigkeit – es kann nicht jährlich auf Erfolg oder Misserfolg reagiert werden.“

Mit anderen Worten: Bäume zu pflanzen hat nur dann einen Mehrwert fürs Klima, wenn einige Dinge beachtet werden.

1. Bäume pflanzen für den Klimaschutz: nicht überall richtig

Kritiker*innen der oben genannten Züricher Studie bemängeln beispielsweise zu Recht, dass nicht jede auf den ersten Blick karg aussehende Landschaft durch das Pflanzen von Bäumen automatisch klimafreundlicher wird. Das gilt besonders für Moore, die laut BUND weltweit etwa doppelt so viel CO2 wie alle Wälder zusammen speichern.

Menschliche Eingriffe in solche Ökosysteme sollten daher auf ein Minimum reduziert werden, damit der Kohlenstoff möglichst im Boden bleibt. Bis hier gepflanzte Bäume groß genug wären, um allein die bei der Pflanzung verursachten Emissionen auszugleichen, würden Jahrzehnte vergehen, die CO2-Bilanz wäre bis dahin negativ. Kohlenstoffreiche Böden sollten wir daher besser schützen, als sie zu bepflanzen.

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2. Bäume pflanzen für die Zukunft: Auf die Baumart kommt es an

Verschiedene Baumarten haben verschiedene Standortansprüche. Durch den Klimawandel aber ändern sich die Standortbedingungen so schnell, dass sich nicht alle Pflanzen entsprechend anpassen können. „In Deutschland wie auch in den Nachbarländern sehen wir vor allem seit 3 bis 4 Jahren, wie sehr unsere heimischen Baumarten, ganz besonders Nadelhölzer, unter Hitze und Wassermangel leiden. Aber auch unsere Laubhölzer, wie zum Beispiel Buche und Eiche, sind in zunehmendem Maße betroffen. Von dem Klimawandel profitieren zugleich wärmeliebende Insekten wie der Borkenkäfer, der ganze Nadelwälder zu Fall bringt. Auch beobachten wir eine erhebliche Zunahme von Schädlingen an Laubhölzern,“ sagt Forstexperte von Wisenberg.

Bäume pflanzen ist sinnvoll, wenn die Baumarten sich heimisch fühlen. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash / arturd)

Er rät: „Wenn wir Bäume pflanzen wollen, um nachhaltig unser Klima zu stabilisieren, müssen wir sorgfältig und mit dem nötigen Weitblick prüfen, welche Arten wo standortsangepasst und langfristig überlebensfähig sind, wie auch der Holzverwendung dienen.“ So werde zum Beispiel bereits erforscht, inwiefern es Sinn machen könnte, in Deutschland Buchen aus Griechenland oder Zedern aus dem Libanon zu pflanzen. Als klimatolerante Baumarten gelten auch Douglasie oder Roteiche, deren Anbau sich seit mehr als 200 Jahren in Europa bewährt hat.

Aber: „Das Pflanzen nicht-heimischer Bäume birgt durchaus Risiken. Sie können invasiv werden und andere Baumarten verdrängen, was sich negativ auf die Lebensräume von Tieren und Pflanzen auswirken kann“, warnt von Wisenberg.

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3. Nachhaltig aufforsten: Die Mischung macht’s

Zunehmend werden auch in Deutschland schnell wachsende Pappeln und Weiden in sogenannten Kurzumtriebsplantagen – kurz KUPs – kultiviert, um etwa Holz-Hackschnitzel für Verbrennungsöfen zu produzieren. Im Vergleich zu vielfältigen Mischwäldern sind solche Monokulturen allerdings anfälliger für Schädlinge, bieten weniger Tieren und Pflanzen Schutz und Nahrung und speichern weniger CO2.

Daher ist das Pflanzen von KUPs nur bedingt sinnvoll. Nachhaltiger ist es, Mischwälder anzulegen – auch wenn diese in der Bewirtschaftung etwas aufwändiger sind.

4. Der soziale Aspekt: Bäume brauchen Pflege, Menschen brauchen Platz

Sowohl für Erstaufforstungen als auch für Wiederaufforstungen werden Baumschulpflanzen verwendet, die insbesondere in den ersten Jahren nach der Pflanzung Pflege benötigen. Ob sie diese auch bekommen oder ob sie vernachlässigt oder – noch schlimmer – gleich wieder abgeholzt werden, hängt stark davon ab, ob bei der Entscheidung über Flächen zur Aufforstung auch die Interessen der lokalen Bevölkerung berücksichtigt wurden. Das gilt besonders in Entwicklungsländern.

„Wenn man [durch Bäumepflanzen] für den Menschen mehr Lebensqualität schaffen kann, schwindet auch der finanzielle Druck, Land an Bergbau- und Rodungsunternehmen oder große Landwirtschaftsbetriebe zu verkaufen. Und wenn das Plus an Lebensqualität dann noch in direktem Zusammenhang mit den gepflanzten Bäumen steht, haben die Menschen allen Grund, diese […] zu schützen – und selbst weitere Bäume anzupflanzen“, schreibt dazu der Suchmaschinenbetreiber Ecosia, der mit seinen Einnahmen Aufforstungsprojekte weltweit finanziert.

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Umwelt-Initiativen kümmern sich auch um den Erhalt bereits bestehender Wälder. (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash / baihakihine)

Organisationen und Projekte, die unter anderem Familien für den Anbau von Bäumen und deren Pflege bezahlen, und Prämien bieten, wenn sie auf ungenutzten Flächen Bäume pflanzen, tragen dazu bei, den Lebensunterhalt der Menschen vor Ort zu sichern.

Wachsen die Bäume, ist das gut für die Umwelt, das Klima und für die Menschen. Zudem erhalten die Bauern später aus den Erträgen der nachhaltig bewirtschafteten Wälder ein weiteres Einkommen. Dazu kommt, dass die Bäume über ihre Wurzeln Wasser speichern und so die Böden vor Dürre und Austrocknung schützen können.

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5. Baumpflanz-Initiativen können falsche Anreize setzen

Die guten Absichten hinter Baumpflanz-Initiativen und Aufforstungsgesetzen können nach hinten losgehen, wenn politisch falsche Schwerpunkte gesetzt werden. In Chile wurde beispielsweise über Jahre hinweg das Pflanzen neuer Bäume so stark subventioniert, dass der Schutz bestehender, alter Wälder vernachlässigt und diese sogar zum Teil durch Plantagen ersetzt wurden.

Dabei sind alte Wälder so viel mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen: Sie sind komplexe Ökosysteme und vielfältige Lebensräume, die nicht nur Kohlenstoff speichern, sondern auch durch Verdunstungsprozesse Wasserkreisläufe und schließlich unser Wetter beeinflussen.

Schutz und Pflege bestehender Wälder sollten daher nicht aufgrund von Aufforstungsprojekten in den Hintergrund geraten. Hiervor warnt auch der NABU und fordert, „dass Finanzhilfen nicht nur in die schnelle Aufforstung geschädigter Flächen und den Umbau naturferner Forste fließen. Der Erhalt der noch intakten und naturnahen Waldökosysteme ist mindestens genauso wichtig.“

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6. Bäume pflanzen ist kein CO2-Freifahrtschein

Insgesamt bergen Ausgleichsmaßnahmen wie das Pflanzen von Bäumen stets das Risiko, dass sie dringend notwendige Verhaltensänderungen verlangsamen, weil sie suggerieren, dass man sich das gute Gewissen quasi mit dazukaufen kann.

„Der Anbau von Pflanzen und das Speichern des von ihnen aus der Atmosphäre aufgenommenen CO2 ist kein brauchbares Mittel zur Stabilisierung unseres Klimas, wenn fossile Brennstoffe einfach unvermindert weiter verfeuert werden“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

So wäre dem Klima zum Beispiel insgesamt viel mehr geholfen, wenn wir alle weniger fliegen würden, als wenn wir uns unsere Flugreisen durch Spenden für Aufforstungsprojekte grün kaufen.

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Wann macht Bäume pflanzen also Sinn?

Bäume pflanzen ist kein Patentrezept, mit dessen Hilfe wir unsere Klimasünden ungeschehen machen können. Unter den richtigen Bedingungen kann Aufforstung jedoch einen wichtigen Beitrag leisten, um klimaschädliches CO2 aus der Atmosphäre zu binden.

Insgesamt macht Bäume pflanzen dann Sinn, wenn…

  • eher kohlenstoffarme Böden bepflanzt werden, sodass bei der Aufforstung möglichst wenig CO2 aus dem Boden freigesetzt wird.
  • die richtigen Baumarten für die richtigen Standorte gewählt und dabei zukünftige Klimaszenarien mit in Betracht gezogen werden.
  • dadurch Mischkulturen entstehen, die Lebensräume für Pflanzen und Tiere bieten.
  • sichergestellt wird, dass die Bäume langfristig auch gepflegt und bei der Aufforstung die Interessen der lokalen Bevölkerung berücksichtigt werden.
  • entsprechende Initiativen politisch klug gesteuert werden und zugleich auch der Schutz bestehender Wälder vorangetrieben wird.
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