Hara Hachi Bu: Länger und gesünder leben dank japanischer Lehre

Hara Hachi Bu
Foto: CC0 / Pixabay / pixel2013

Hara Hachi Bu beschreibt eine leicht zu befolgende Ernährungsform, die nicht nur die Gesundheit verbessern, sondern auch die Lebensdauer verlängern soll. Was hinter der japanischen Lehre steckt, erfährst du hier.

Hara Hachi Bu (oder auch: Hara hachi bun me) ist eine konfuzianische Lehre, die rät, den Magen immer nur zu 80 Prozent zu füllen. Dies soll unter anderem Übergewicht und damit verbundenen Krankheiten vorbeugen, Wohlbefinden fördern, die sexuelle Lust steigern und Alterserscheinungen verlangsamen.

Was ist Hara Hachi Bu?

Um Hara Hachi Bu in der Praxis umzusetzen, musst du keine Kalorien zählen. Stattdessen sollst du beim Essen genau auf dein Hungergefühl achten. Dafür ist es wichtig, dass du langsam und achtsam isst. Wenn du dich gerade satt genug fühlst, also nicht mehr hungrig bist, aber auch keinen vollgestopften Magen hast, solltest du aufhören zu essen. Siehe dazu auch unseren Artikel zum intuitiven Essen.

Die Lehre ist vor allem in Japan bekannt. Besonders die Einwohner:innen der Insel Okinawa sollen die Regel befolgen. Deshalb gilt sie auch als Ursache für ihren beachtlichen Altersdurchschnitt: Im Jahr 2020 waren 15 von 3.000 Bewohner:innen mindestens 100 Jahre alt, 171 Menschen waren in ihren Neunzigern. Untersuchungen zufolge setzen Einwohner:innen der Insel Hara Hachi Bu um, indem sie pro Tag im Durchschnitt etwa 1800 bis 1900 Kilokalorien zu sich nehmen.

Mittlerweile wird die japanische Lehre auch in Europa bekannter. So empfehlen sie verschiedene Ratgeber und Magazine als Diätmethode oder gesunde Lebensweise.

Hara Hachi Bu: Was sagt die Wissenschaft?

Auch die Wissenschaft belegt, dass sich Hara Hachi Bu positiv auf unsere Gesundheit auswirken kann.
Auch die Wissenschaft belegt, dass sich Hara Hachi Bu positiv auf unsere Gesundheit auswirken kann.
(Foto: CC0 / Pixabay / dbreen)

Ob und wie Ernährungsweisen uns gesünder machen oder unsere Lebensdauer verlängern können, ist auch in der Wissenschaft ein populäres Thema. Spezifisch zu Hara Hachi Bu gibt es zwar noch keine Studien, jedoch haben einige Forschungsgruppen eine Kalorienrestriktion von 25 bis 30 Prozent genauer unter die Lupe genommen.

Eine US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2016 untersuchte die Auswirkungen einer geringeren Kalorienzufuhr auf Stimmung, Lebens- und Schlafqualität sowie sexuelle Lust. Dafür untersuchten die Wissenschaftler:innen 220 normalgewichtige bis maximal leicht übergewichtige Personen, die zwischen 20 und 50 Jahren alt waren. Die Forscher:innen teilten diese in zwei Gruppen: Eine Gruppe sollte zwei Jahre lang pro Tag etwa 25 Prozent weniger Kalorien konsumieren, die andere sollte sich wie gewohnt ernähren.

Was zu erwarten war: Proband:innen aus der ersten Gruppe verzeichneten zunächst einmal einen Gewichtsverlust. Überraschend ist jedoch, dass sie auch von einem erholsameren Schlaf, weniger Anspannung und einem besseren Sexleben berichteten. Die Studie belegt somit, dass es nicht nur für Übergewichtige gesund ist, die Kalorienzufuhr einzuschränken, sondern auch für junge bis mittelalte normalgewichtige Menschen.

Eine weitere Forschungsgruppe untersuchte 2020 genauer, wie sich eine geringere Kalorienaufnahme auf Zellen von Ratten auswirken. Das Ergebnis: Die Zellen von Ratten, die über neun Monate hinweg 30 Prozent weniger Kalorien zu sich nahmen, waren weniger von Alterserscheinungen gekennzeichnet als Tiere aus der Vergleichsgruppe. So waren die Zellen weniger von Entzündungsprozessen beeinträchtigt. Zudem wiesen Tiere aus der ersten Gruppe mehr Immunzellen auf. Die Forscher:innen gehen davon aus, dass diese Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind. Sie schlussfolgern, dass Kalorienrestriktion Alterserscheinungen und damit auch Krankheiten aufhalten könne. Dabei kommt es jedoch auch darauf an, was wir essen.

Gesund leben und essen: Wichtige Prinzipien

Für eine gesunde Lebensweise ist nicht nur wichtig, wie viel, sondern auch was wir essen.
Für eine gesunde Lebensweise ist nicht nur wichtig, wie viel, sondern auch was wir essen.
(Foto: CC0 / Pixabay / stevepb)

Ob der hohe Altersdurchschnitt der Okinawa-Bewohner:innen tatsächlich nur auf Hara Hachi Bu zurückzuführen ist, bleibt fraglich. Schließlich scheint auch eine große Rolle zu spielen, mit welchen Lebensmitteln man seinen Magen füllt. Laut National Geographic ist es Teil der okinawesischen Ernährungs- und Lebensweise, pro Tag mehr als fünf Portionen Obst und Gemüse und eher Fisch als Fleisch zu essen. So sind okinawesische Gerichte nicht nur kalorienarm, sondern reich an wichtigen Mikronährstoffen.

Für eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise empfiehlt die DGE zudem unter anderem:

  • Vollkorn zu wählen,
  • möglichst vielseitig zu essen,
  • tierische Produkte nur in Maßen zu konsumieren,
  • ausreichend Wasser zu trinken,
  • Zucker und Salz zu reduzieren,
  • langsam zu essen,
  • und sich regelmäßig zu bewegen.

Mehr zu diesem Thema erfährst du hier: Richtige Ernährung: 10 Ernährungsmythen aufgedeckt

Hara Hachi Bu: Mögliche Risiken

Auch wenn die japanische Ernährungslehre einige gesundheitliche Vorteile hat und keine Lebensmittelgruppen verbietet, birgt Hara Hachi Bu auch Risiken: So könnte das Konzept dazu verleiten, über einen längeren Zeitraum deutlich zu wenig Kalorien zu sich zu nehmen und sich an ein ständiges Hungergefühl zu gewöhnen. Schließlich ist es schwer abzuschätzen, wann der Magen nur zu 50 oder tatsächlich zu 80 Prozent voll ist.

Eine unkontrollierte Kalorienrestriktion kann so Untergewicht, Mangelerscheinungen oder auch Heißhungerattacken und den berüchtigten Jojo-Effekt begünstigen. Wenn du Hara Hachi Bu in deinen Lebensalltag integrieren möchtest, solltest du dabei achtsam sein und weiterhin auf dein Sättigungs- und Hungergefühl hören.

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