Heumilch und Weidemilch – was hat es damit auf sich?

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Glücklich grasende Kühe sieht man auf jeder zweiten Milchpackung, doch in der Wirklichkeit sind sie weit seltener anzutreffen. Halten Heumilch und Weidemilch, was sie versprechen – oder steckt hinter solchen Milch-Begriffen nur ein Marketingtrick, auf den man besser nicht hereinfällt?

Zufriedene Kühe können sich frei auf der Weide bewegen, fressen grünes, saftiges Gras, Heu und Kräuter – dieses Bild vermitteln die meisten Milchprodukte. Denn die Konsumenten wollen es so: Laut einer Studie der Universität Göttingen achten mehr als die Hälfte aller Verbraucher beim Milchkauf vor allem auf Weidehaltung und eine gentechnikfreie Fütterung der Kühe.

Kein Wunder also, dass Heumilch und Weidemilch immer populärer werden. Doch was steckt eigentlich hinter den Begriffen?

Heumilch versus Weidemilch

Beide Begriffe verfolgen das grundsätzliche Ziel, den Milchkühen ein artgerechteres Leben zu ermöglichen.

  • Der Begriff Weidemilch bezieht sich auf die Haltung. Die Kühe sollen möglichst viel Zeit auf der Weide verbringen. Der Begriff ist nicht gesetzlich geschützt, aber es gibt mit „Pro Weideland“ seit 2017 ein Label, hinter dem namhafte Verbände stehen und das Weidehaltung stärken will.
  • Heumilch hingegen betrifft die Nahrung der Milchkühe – sie sollen möglichst viel Grünfütter und keine bzw. möglichst wenig Silage (Futter, das durch Gärung haltbar gemacht wird) und Kraftfutter (v.a. Getreide, Raps- und Sojaschrot) zu sich nehmen. Die Bezeichnung ist ab März 2018 EU-weit geschützt. Mit „Demeter HeuMilch Bauern“ existiert unabhängig auch ein erstes Label.

Weidemilch und Heumilch: nur Marketing-Tricks?

Heumilch und Weidemilch sollen dabei nicht nur gut für das Wohl der Tiere sein, sondern auch für unsere Gesundheit. In einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie (PDF) fand man heraus, dass die Milch von Kühen, die mit Gras und Heu gefüttert wurden, deutlich mehr für die Gesundheit wichtige Omega-3-Fettsäuren enthält als die Milch von Kühen, die konventionell – also mit Silage und Kraftfutter – ernährt wurden.

So weit, so gut. Ein Milch-Test von Öko-Test zeigte allerdings, dass es dann vor allem „Bio“ ist, das bei Heu- und Weidemilch für bessere Milchqualität sorgt.

Tierschützer wie Peta finden diese Produkte übrigens nicht besser als konventionelle Milch.

Lange war es so, dass nicht genau festgeschrieben war, was hinter den Begriffen steht – zumindest in Deutschland. In Österreich gibt es das sogenannte Heumilchregulativ, das genau definiert, wie groß der Anteil an Heu am Gesamtfutter der Kuh sein muss. In Holland ist festgelegt, dass es sich dann um Weidemilch handelt, wenn die Kühe mindestens an 120 Tagen im Jahr für sechs Stunden auf die Weide dürfen. Das Ideal für Heumilch und Weidemilch findet man in Irland: Hier stehen die Kühe mehr oder weniger das ganze Jahr auf der Weide.

„Heumilch g.t.S.“ und Demeter HeuMilch Bauern

Inzwischen hat sich die Situation verbessert. Seit (theoretisch) 2016 ist „Heumilch“ eine „garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.) gemäß der Verordnung (EU) Nr. 1151/2012. In der Praxis begannen Kontrollen bei Milcherzeugern erst Anfang März 2017 im Jahr danach gibt es eine Übergangsfrist.

Ab März 2018 aber steht „Heumilch g.t.S.“ dann für eine Fütterung mit frischen Gräsern, Hülsenfrüchten, Kräutern (im Sommer) sowie Heu (im Winter), denen anderes Futter (Getreide, Mais …) nur in geringeren Anteilen beigemengt sein darf. Verboten sind Silage und Feuchtheu sowie das Verfüttern von Nebenprodukten aus Brauereien, Mostereien und Brennereien. Untersagt sind auch Futtermittel tierischen Ursprungs (Ausnahme: Milch und Molke für Jungvieh) sowie als gentechnisch verändert gekennzeichnete Futtermittel. Doch „Bio“ ist das alles damit noch nicht.

Noch besser daher: Mit dem Zeichen „Demeter HeuMilch Bauern“ bietet die Erzeugergemeinschaft Demeter Milchbauern Süd seit Ende Januar 2018 erstmalig eine Art Siegel für Bio-Heumilch. Sie verfüttert keinerlei Silage und erhielt als erste deutsche Organisation überhaupt ein Heumilchzertifikat. Das Logo „Demeter HeuMilch Bauern“ signalisiert Verbrauchern, dass sie Milch von engagierten, unabhängigen Bio-Landwirten kaufen, die ihre Tiere „wesensgemäß und nach den biodynamischen Richtlinien“ (von Demeter) halten und ausschließlich Heu und Gras verfüttern.

Demeter HeuMilch Bauern

Erste Produkte soll es bald geben – den Anfang macht die Demeter Heumilch der Edeka-Marke „Unsere Heimat – echt&gut“. Auch im Naturkostfachhandel wird das Logo im Frühjahr zu sehen sein, nämlich auf der „Demeter Heumilch“ der Marke „Die feine Linie“, bei Dennree, Tegut und anderen Bioläden.

Pro Weideland - Deutsche Weidecharta
Pro Weideland – Deutsche Weidecharta (Zeichen © Pro Weideland - Deutsche Weidecharta)

Bei der Weidemilch gibt es nach wie vor keine EU-Regelung. In Deutschland gibt es immerhin seit April 2017 das Zeichen Pro Weideland – Deutsche Weidecharta. Es verspricht, dass die Milchkühe Weideauslauf an mindestens 120 Tagen im Jahr für mindestens 6 Stunden haben, wobei 2000 m² Dauergrünland pro Kuh zur Verfügung stehen müssen, davon mind. 1000 m² Weidefläche. Das Zeichen sichert auch ganzjährige Bewegungsfreiheit der Kühe zu und untersagt Gentechnik-Futter. Beteiligt sind unter anderem BUND und NABU. Lidl hat mit „Milbona Weidemilch“ ein entsprechendes Produkt im Programm.

Utopia meint: Der Grundgedanke hinter Weidemilch und Heumilch ist gut, wenn damit kein Schindluder getrieben wird. Mit dem „Demeter HeuMilch Bauern“ (eher im Süden verbreitet) existiert ein erstes Zeichen, anhand dessen Verbraucher etwas besser nachvollziehen können, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden bzw. welches Futter sie bekamen. Weil Bio gerade von Demeter immer gut ist, empfehlen wir das Zeichen allen Heumilch-Interessierten. Beim bloßen Hinweis „Heumilch g.t.S.“ raten wir dazu, gleichzeitig auf mindestens das EU-Bio-Siegel, besser noch ein Siegel der Anbauverbände Bioland, Naturland etc. zu achten. Bei Weidemilch ist derzeit das Zeichen „Pro Weideland“ (eher im Norden verbreitet) das Zeichen der Wahl.

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(21) Kommentare

  1. hab mal ne frage, habe mir den artikel plus ähnliche artikel durchgelesen. Ich wollte jetzt genau wissen was mit der Rewe weidemilch ist ? da steht auf der verpackung das sie mindestens 120 tage im jahr für 6 stunden täglich draußen sind. Nachdem es ja kein verbindliches siegel ist frag ich mich jetzt kann man dem glauben oder nicht ? wenn ich das thema bei google suche komme ich nicht wirklich zu einem ergebnis. Wisst ihr darüber mehr ?

    danke

  2. Bei REWE gibt es verschiedene Weidemilch. In Bio oder konventionell, länger haltbar oder nicht und auch regionale Ableger, wie Weidemilch aus dem Schwarzwald.
    Man kann also ohne nähere Angaben Deine Frage nicht beantworten.
    Aber grundsätzlich hast Du schon recht, daß der Begriff keine Verbindlichkeit enthält.
    Wenn Du es genau wissen willst, mußt Du raus finden, von welchen Betrieben die Milch kommt und dort nach fragen oder besser schauen.
    Grundsätzlich sollte die Milch Bio sein, weil dann die Haltungsbedingungen besser sind. Aber eine Garantie über eine bestimmte Anzahl Stunden / Tage bekommst Du auch dort nicht.

  3. Bei mir in leipzig im rewe gibt es nur eine weidemilch. Wenn da aber jetzt 120 tage im jahr draufsteht heißt das jetzt das es stimmen muss oder ist das eventuell ein etikettenschwindel ? werde aber darrauf schauen und nachgucken.

  4. Sicher muß das mit den 120 Tagen wenigstens im Ansatz stimmen.
    Die bauen natürlich auch drauf, daß keiner hin geht und das nachkontrolliert.
    Machbar wäre es natürlich, weil jeder Bauer über jeden Furz seiner Kuh Buch führen muß.

    Aber es gibt meines Wissens keine Kontrollstellen – im Gegensatz zu Bio, wo die Haltungsvorschriften – soweit möglich – kontrolliert werden.

    Hier ein ganz interessantes Doku:
    http://www.kuhplusdu.de/wp-content/uploads/Milchratgeber_Welttierschutzgesellschaft-eV.pdf

    Du hast immer noch nicht beantwortet, ob es sich bei REWE um eine Bio-Weidemilch handelt. Wenn ja, wie bei Arla Bio-Weidemilch , dann hast Du schon eine sehr gute Kombination.

  5. Ich stecke da in einem ganz anderen zwiespalt, bei uns in der gegend gibt es einen Hof der die Tiere gut hält, Bio ist und eine eigene kleine Molkerei hat. Eigentlich top, man zahlt einen fairen Preis an den Erzeuger, Tierhaltung, kurze Wege , etc. alles Super . Und man kann die Sachen sogar im Rewe bei den Landmarkt Produkten kaufen. Das spart Weg und Zeit.( ist auf dem Land ein echter Faktor, hier bekommt man zwar fast alles vom Erzeuger wenn man bereit ist viele Höfe die Kilometerweit auseinander sind abzufahren, Biosupermarkt aber 25 km weg). Aber, mir gefällt die Verpackung nicht. Milch in Plastikflaschen( Pfand) und sogar die Butter kommt in runde stabile Plastikdosen. Diese werden nicht mehrmals verwendet und irgendwann hat man zuhause auch keine Verwendung mehr dafür. Die restlichen Produkte sind auch alle in Einwegplastik verpackt. Da ärgert mich der Müll. Man sieht , korrektes einkaufen ist nicht so einfach….

  6. Hab auch Frische Weidemilch gekauft 3,8 % – die erste Flasche hatte sehr gut
    geschmeckt- beim zweiten und dritten Einkauf war sie von einem anderen
    Lieferanten, die Flaschenform ( PET) war jetzt rund von zuvor quadratisch…
    nach dem Oeffnen ( 12 Tage vor MHD ) in den Kuelschrank bei +7° C – drei
    Tage spaeter flockte die Milch total aus, schmeckte aber eigenartigerweise
    noch fast wie normale Milch… den Hersteller angeschrieben – mal sehen was
    die sagen… übrigens PET-Flasche stoert mich generell, nicht nur bei Milch …

  7. Wirklich Frische Milch hat kein so langes MHD.
    Bist Du sicher, daß es wirklich genau die gleiche Milch – nach dem gleichen Verfahren hergestellt – ist?
    Unsere frische Demeter-Flaschenmilch schmeckt um Enden besser, als andere Bio-Frischmilch. Die hat ein kürzeres MHD. Kann aber nicht auswändig sagen, wie viele Tage.

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