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Bienen retten mit Urban Beeing & Stadtimkern?

Model Foto: Colourbox.de

Unsere Bienen machen schlapp und die Imker sorgen sich schon. Wo liegen die Probleme – und was können wir auch in den Städten dagegen tun?

Wenn der Begriff „Nutztier“ fällt, denken wir automatisch an Rinder, Schweine oder vielleicht noch an Hühner, aber wohl kaum an die kleine Biene. Tatsächlich aber ist die Biene das drittwichtigste Nutztier in Deutschland, wobei der Honig, den die Biene produziert, eher ein leckeres Nebenprodukt ist, denn ihre wichtigste Aufgabe ist eine andere: Die Biene sorgt dafür, dass Obstbäume bestäubt werden und gewährleistet den Fortbestand einer vielfältigen Pflanzenwelt.

Etwa dreiviertel unserer heimischen Pflanzen sind von der Bestäubung durch Bienen abhängig. Doch ob die Biene ihre wichtige Aufgabe auch in Zukunft noch im notwendigen Umfang erfüllen kann, ist fraglich, denn das Bienensterben bereitet Imkern, Obstbauern und Naturschützern seit Jahren Sorgen.

Erst im April dieses Jahres meldete der Deutsche Imkerbund, dass 20 Prozent der heimischen Bienenvölker den letzten Winter nicht überlebt haben. Bedroht wird der Bienenbestand nicht nur durch die Varroamilbe, einen Parasiten, der Bienen befällt, sondern auch durch Monokulturen und den vermehrten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.

Auf dem Land wird es also langsam eng für die Biene. Erstaunlicherweise bietet sich zunehmend die Stadt als neues Refugium für Honig- und Wildbienen an. Und hier kann jeder ohne allzu großen Aufwand seinen Teil dazu beitragen, den Bestand an heimischen Insekten zu sichern und die Bienen zu retten.

Bienen retten mit der Balkon-Bienenweide

Parks, Grünstreifen und private Gärten sorgen dafür, dass Bienen in der Stadt ein reichhaltiges und vielfältiges Nahrungsangebot vorfinden. Damit der Kühlschrank für die Stadtbienen gut gefüllt bleibt, kann man seinen Balkon in eine Bienenweide, auch Tracht genannt, verwandeln. Für Bienen ist es wichtig, ein „Trachtfließband“ zu haben, das heißt, dass sie über die gesamte Vegetationsperiode ein ausreichendes Angebot an Blütenpflanzen vorfinden.

Aber Vorsicht, Bienen schmeckt nicht alles, was blüht! Das Wichtigste ist, dass man einheimische Blühpflanzen setzt, denn importierte Pflanzen werden von Bienen oft nicht angeflogen. Vor allem im Frühling, nach der langen Winterpause, brauchen Bienen dringend Pflanzen, die ihnen Pollen und Nektar spenden. Schneeglöckchen, Huflattich, Winterlinge oder Krokusse passen gut in den kleinsten Balkonkasten und sind bei Bienen sehr beliebt.

Doch selbst heimische Blühpflanzen sind nicht immer gute Bienennahrung: Die prächtig blühende Forsythie ist zum Beispiel für Bienen völlig nutzlos, weil ihre Blüten nektarlos sind. Gutes Bienenfutter liefern dagegen Salweide, Kornelkirsche, Schlehe oder Weißdorn.

Bienenfreundlich gärtnern

Wer einen eigenen Garten besitzt, kann daraus ein richtiges Bienenparadies machen. Wenn man neben der Auswahl von geeigneten Pflanzen beim Gärtnern ein paar weitere Dinge beachtet, muss der Garten gar nicht groß sein, um ihn bienengerecht zu gestalten. Je naturbelassener ein Garten ist, desto wohler fühlen sich Bienen. Deshalb kann man dort, wo es einen nicht stört, ruhig ein paar „wilde Ecken“ stehen lassen, die nicht gemäht werden. Im Herbst darf das Laub liegen bleiben und die Stängel verblühter Pflanzen brauchen auch nicht zurückgeschnitten werden.

Grundsätzlich gilt: Nur regionales oder Bio-Saatgut verwenden und im Garten auf jegliches Gift verzichten! Gute Tipps für Bienenfreundliche Bepflanzung und Gartengestaltung findet man im Internet bei hortus-insectorum.de oder beim Netzwerk blühende Landschaft bluehende-landschaft.de, das auch Bezugsadressen für bienenfreundliches Saatgut nennt.

Übrigens: Viele Imker freuen sich, wenn man ihnen in seinem Garten einen Stellplatz für Bienenkästen zur Verfügung stellt.

Honig beim heimischen Imker kaufen

Wir Deutsche sind Weltmeister im Verzehr von Honig: Etwa 1,1 Kilo Honig verbraucht jeder von uns pro Jahr. Allerdings stammen nur 20 bis 30 Prozent des in Deutschland verkauften Honigs von einheimischen Imkern, das Gros wird aus Süd- und Mittelamerika oder sogar China importiert. Dieser Honig, den man meist im Supermarktregal findet, ist zwar relativ günstig, aber in den vergangenen Jahren haben Kontrollen bei importiertem Honig immer wieder Antibiotika-Rückstände oder andere Schadstoffe nachgewiesen.

Dass die meisten Verbraucher beim Kauf von Honig zuerst auf den Preis und selten auf die Herkunft achten, hat für deutsche Imker zur Folge, dass sich der Verkauf von Honig für sie kaum noch lohnt. Ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung heimischer Honigbienen ist also der Einkauf direkt beim Imker. Bei Preisen zwischen sechs und zehn Euro für das Pfund Honig muss man hier zwar etwas tiefer in die Tasche greifen, aber dafür erhält man auch ein naturreines Produkt, das in der Regel frei von Schadstoffen ist.

Honig aus regionaler Herstellung wird auf vielen Bauern- und Wochenmärkten angeboten, man kann ihn im Bioladen oder direkt beim Imker kaufen. Im Internet bietet heimathonig.de über 200 Sorten Honigs garantiert von deutschen Imkern an. Optional kann man nach speziellen Honigsorten oder regionalen Anbietern suchen, online bestellen oder beim Imker in der Nachbarschaft direkt abholen.

Honig von Bienen aus der Nachbarschaft kann man übrigens auch bei dem jungen Startup nearbees.de online suchen und bestellen. Honig kaufen geht ohne Anmeldung, wer selber Honig verkaufen will, registriert sich dazu einfach.

Veganer wollen in der Regel keinen Honig verzehren – für sie gibt es aber pflanzliche Honig-Alternativen.

Urban Beeing: Stadtimker werden

Im Frühjahr 2011 startete in Berlin die Initiative „Deutschland summt“, in deren Rahmen an verschiedenen repräsentativen Standorten der Hauptstadt Bienenstöcke aufgestellt und in Kooperation mit den Hausbesitzern und erfahrenen Imkern unterhalten wurden. Mittlerweile summt auch auf den Dächern und in den Parks von sechs weiteren deutschen Großstädten, zum Beispiel auf dem Berliner Dom, dem Gasteig in München oder der Kampnagelfabrik in Hamburg.

Platz für einen Bienenstock ist jedoch nicht nur auf den Dächern öffentlicher, sondern auch privater Gebäude. Wenn man selbst ein Haus besitzt bzw. sich mit der Hausgemeinschaft oder dem Hausbesitzer einig ist, kann man auf jedem Dach, das nicht zu zugig oder zu sonnig ist, ein Bienenvolk unterbringen und in die Imkerei einsteigen. Wichtig: Unbedingt vorher einen Kurs machen um die Grundlagen des Imkerns zu lernen. Projekte wie das 3D-Druck-System HiveHaven sind zwar gut gemeint, zur Bienenrettung gehört aber mehr.

Viele Imkervereine leiden an Überalterung und unter Nachwuchsproblemen und freuen sich über Zuwachs. Dazu bieten sie für Interessenten Schnupper- und Einsteigerkurse an, in denen man alles Wissenswerte für einen Start als Hobbyimker lernt. Informationen über Kurse, Workshops und die nötigen Voraussetzungen für die Hobbyimkerei liefern die lokalen Imkervereine und die regionalen Verbände. Kontaktadressen findet man unter anderem auf den Internetseiten der Partnerstädte von „Deutschland summt“ deutschland-summt.de.

Für alle, denen die Imkerei zu aufwendig, aber ein Engagement für Bienen und Natur wichtig ist, bietet „Deutschland summt“ oder stadtimker.de viele weitere Ideen und Anregungen – von einer Wildbienenpatenschaft bis hin zu konkreten Tipps für den Alltag.

Dominique Salcher/aw

Weiterlesen auf Utopia.de: 

  1. 9 Gegenentwürfe zu TTIP (z.B. Stadtbienen)
  2. 15 ausgefallene Geschenke, die Gutes bewirken (z.B. eine Bienenpatenschaft)
  3.  Filmtipps: Bienen – Himmelsvolk in Gefahr und More than Honey

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(9) Kommentare

  1. Danke für den schönen Beitrag der auch ein paar Lösungsansätze bietet. Man muss den Bienen ja nicht unbedingt den Honig stehlen, wenn man ihnen ein Zuhause im eigenen Garten bieten und sie nicht für die kommerzielle Honigproduktion verwenden möchte. Da sie nebenbei fleißig Obst- und Gemüseblüten besteuben ist das doch schon ein Gewinn für sich.
    ~Anne
    ______________________
    http://grüneralltag.de

  2. Jetzt bekommt der Mensch kalte Füße! – Aber vor dem Bienensterben hat bereits Albert Einstein gewarnt!. Naja, der Mensch ist nun mal KEIN Blitzgneisser, denn die größten Umweltschäden hat er in den letzten Jahrzehnten verbockt.

  3. moin moin,
    eine kurze frage, wie kann man hobby-imker werden ? wir haben eine riesige blumenwiese und einen großen garten, so das wir am überlegen sind,einem bienenvolk ein zu hause zu bieten,was muß man dafür tun und wo gibt es bezugsquellen? vielen dank im voraus !

  4. Also;
    Ich liebe Bienen bin aber kein Imker. Ich weiß aber dass es Imkerverbände oder Imkervereine gibt.
    Einfach mal in Deinem Landkreis googlen würde ich da sagen.
    sie lieben gewisse Blume: Phacelia, Ringelblume, Kapuzienerkresse, Borretsch und Senf. Kann man biologischer Qualität beim Dreschflegel oder beim Bingenheimer Saatgut bestellen (da gibt es fertige Mischungen).
    viel Spaß!

  5. „Beekeeping“, bitte. „Beeing“ ist kein Wort und, als „urban being“ missverstanden (= „städtisches Wesen, städtisches Dasein“), sorgt für Stirnrunzeln. 🙂

  6. Neben der Honigbiene gibt es auch wilde Solitärbienen. Die sind sehr fleißig und da es verschiedene Arten sind werden sie nicht unbedingt von den selben Problemen betroffen. (Schädlinge, Pestizide etc.)
    Ok, es gibt keinen Honig, aber es ist extrem einfach, ihnen Lebensraum zu geben und braucht äußerst wenig kümmern: Ein einigermaßen unbehandeltes Holzstück mit Löchern verschiedener Größe so etwa 5cm tief anbohren, eher südlich und etwas regengeschützt aufhängen. Geht auch auf dem Balkon im 10ten Stock. Oder ein käufliches Insektenhotel aufhängen. Findet sich leicht, zB hier: http://shop.taz.de/product_info.php?products_id=243864
    Wildbienen bestäuben brav und es ist durchaus schön, zuzugucken, wie sie die Löcher mit Pollen und ihrem Nachwugs füllen. Und diese Maßnahme fördert auch die Artenvielfalt.

  7. Hallo an Alle;
    Also wer keinen Platz für einen eigenen Bienenstaat hat, der kann auch super helfen indem er Bienenblumen säht.
    Diese Blühen idealerweise im Frühling früh bis zum Frost, so dass es immer etwas für die kleinen zu Essen gibt. Habe iuf meinem Gemüse -Acker immer mindestens eine Reihe Bienenblumen, und es brummt und summt eigentlich immer.

    Diese gibt es zu bestellen bei:
    http://www.dreschflegel-shop.de

    https://www.bingenheimersaatgut.de

    Außerdem kaufe ich schon lange keinen Honig mehr und frage mich warum solange keiner drauf kam, dass diese Ausbeutung die Bienen nur schwächen kann. Nicht ohne Grund essen ja auch Menschen Honig statt Zucker, es ist einfach gesünder. Deshalb ist Zuckerwasser sicher keine Ersatz!
    Also selber Imkern und keinen Honig stehlen finde ich schon wirklich noch besser!

  8. Interessanter Artikel über die Bienen in der Stadt. Ich bin Stadtimker in Nürnberg (meine Stöcke stehen u. a. auf dem Neuen Museum) und möchte Firmen und Institutionen dafür gewinnen, ihre Flachdächer in vernetzte Grünflächen zu verwandeln. Dadurch würde sich auch das Nahrungsangebot für die Bienen verbessern.

    Ich habe mein Projekt beim Award „Dein Weg“ vorgestellt und bin mit meinem „Bienenweg“ im Finale. Würdet Ihr mich und meine Stadtbienen stimmen? Hier kannst Du für mich http://smartl.ink/4ix8 voten. Jede Stimme zählt und hilft mir!

    Viele Grüße und vielen Dank,
    Bernd

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