Kokoswasser: 5 unangenehme Fakten zum Trend-Getränk

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Kokoswasser ist das neue In-Getränk für Sportler, Figurbewusste und Freunde der gesunden Ernährung. Doch was ist dran am neuen Super-Drink, ist Kokoswasser wirklich so gesund? Ein Faktencheck.

Stars und Sternchen werden mit dem neuen Fitness-Getränk gesichtet und können beim Sport angeblich nicht mehr auf Kokoswasser verzichten. Der Super-Drink erscheint als natürliche Variante isotonischer Sportgetränke voller Mineralstoffe, enthält nicht viele Kalorien und hat in den Herkunftsländern der Kokosnuss eine lange Tradition als regional verfügbares Erfrischungsgetränk.

Was auf den ersten Blick sehr gut klingt, hat auf den zweiten ein paar kleine Haken.

1. Kokoswasser schmeckt nicht nach Kokos.

Kokoswasser ist nicht zu verwechseln mit der hierzulande schon lange bekannten Kokosmilch. Diese ist sehr fetthaltig, wird aus dem Fruchtfleisch der reifen Kokosnuss gewonnen und spielt vor allem in der asiatischen und karibischen Küche eine zentrale Rolle.

Im Gegensatz dazu wird Kokoswasser aus der unreifen, noch grünen Kokosnuss gewonnen. Dafür wird ein Loch in die Nuss gebohrt, und die darin befindliche Flüssigkeit, eben das Kokoswasser, abgesaugt. In Südostasien oder der Karibik wird oft auch nur ein Strohhalm durch die Öffnung gesteckt und die Kokosflüssigkeit direkt aus der grünen Frucht getrunken.

Wie Wasser ist Kokoswasser auch eine klare bis leicht trübe Flüssigkeit, die nur sehr schwach halb säuerlich, halb süßlich schmeckt – jedoch ohne die typische Kokosnote. Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten, aber jede Wette: Ingwerwasser oder selbstgemachten Limonaden schmecken besser.

2. Nährwerte & Kalorien: Kokoswasser macht nicht schlank.

Das Getränk aus der Kokosnuss ist angeblich besser als jeder Sportlerdrink, was den Gehalt an Mineralstoffen betrifft.

Nun, so ganz stimmt das nicht. Tatsächlich enthält Kokoswasser sehr viel Kalium, das beim Schwitzen stark verloren geht und ersetzt werden muss. Und auch der Gehalt an Natrium, Kalzium und Magnesium ist beachtlich und entspricht etwa dem eines Mineralwassers.

Proteine und Vitamine sind dagegen kaum enthalten. Als unbehandeltes Naturprodukt schwankt der Energiegehalt des Kokoswassers zwischen 15 und 20 kcal pro 100 ml – für ein Sportgetränk durchaus sinnvoll, um Energie schon während der Bewegung zuzuführen. Als Wellness-Getränk schon weniger sinnvoll, sofern man nicht wirklich Sport treibt.

Kokoswasser
Kokoswasser wird aus unreifen Kokosnüssen gewonnen. (Fotos: © Unsplash)

Als Schlankmacher eignet sich das Kokosgetränk wegen seines Kaloriengehaltes nur bedingt: Ein Liter der Flüssigkeit entsprechen immerhin 200 kcal. Kaloriensparender lassen sich verlorene Elektrolyte da mit einem guten Mineralwasser ersetzen.

Ein Anregen des Stoffwechsels durch Kokoswasser konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden. Ein „Schlankmacher“ ist Kokoswasser nicht. Eine Studie fand 2016 keine signifikanten Unterschiede für gemessene physiologische Variablen, auch nicht für die Rehydratation beim Sport.

3. Gesundheit: Kokoswasser wird überhypet.

Behauptungen über die gesundheitsfördernde Wirkung des Wassers gibt es viele.

  • Kokoswasser soll den Stoffwechsel anregen,
  • bei der Entgiftung helfen,
  • die Zellerneuerung fördern,
  • den Magen beruhigen und
  • gegen Bluthochdruck und Herzerkrankungen helfen.

Diese Behauptungen sind allerdings gar nicht oder nicht ausreichend durch Studien belegt. Ein positiver Effekt auf die Gesundheit mag existieren, erwiesen ist er nicht.

Schädlich ist das sehr bekömmliche Kokoswasser allerdings auch nicht direkt, nicht mal für Kleinkinder. Und im Vergleich zu einem künstlich zusammengepanschten „isotonischen Getränk“ ist es möglicherweise die bessere Wahl, zumal wenn es Bio ist. Indirekt schadet uns das Kokoswasser aber schon – durch seinen ökologischen Fußabdruck (siehe 5.).

4. Kaufen: Kokoswasser ist sehr teuer.

Kokoswasser gibt es dank des Hypes mittlerweile praktisch an jeder Ecke. Egal ob im Supermarkt, im Bioladen, Reformhäusern, Drogeriemärkten, beim Discounter, über Onlineshops oder in Asia-Läden – das Wasser findet sich in verschiedenen Geschmacksrichtungen fast immer in den Regalen. Kaufen solltest du stets nur Bio-Produkte.

Kokoswasser
Kokoswasser von dm, von Alnatura und von The Elements (erhältlich bei Feinkost Dittmann) (Fotos: © dm / Alnatura / The Elements)

Der natürliche Durstlöscher ist allerdings recht teuer: für etwa 300 ml zahlt man rund 1,80 Euro. Angesichts der geringen gesundheitlichen Wirkung (siehe oben) und den Problemen der Nachhaltigkeit (siehe unten) sollte man sich allerdings gut überlegen, ob man das Geld nicht besser einfach für regionales und saisonales Obst und Gemüse ausgibt. Enthält genauso viele Nährstoffe, kostet aber weniger – und macht weniger Müll.

Die Auswahl an Marken und Produkten ist bei dem Kokosgetränk derzeit riesig, meist wird es für einen besseren Geschmack mit anderen exotischen Früchten wie Mango oder Lychee gemischt. Ein Blick auf die Packung lohnt sich im Hinblick auf die Kalorienanzahl in diesem Fall mit Sicherheit.

In Deutschland sind viele Marken wie VitaCoco, Cocowell oder Dr. Martins nur über Onlineshops zu beziehen. In lokalen Supermärkten gibt es zum Beispiel Alnatura Coco Drink, dmBio Kokoswasser natur, Rewe Bio Kokosnuss-Wasser , Edeka Bio Kokoswasser und viele mehr.

5. Die Ökobilanz von Kokoswasser: nicht so toll

Kokosnüsse wachsen nur in fernen Regionen der Welt. Sie haben daher lange Transportwege hinter sich, wenn sie in Deutschland ankommen, und hinterlassen dadurch einen großen ökologischen Fußabdruck. Transportiert man die Nüsse zur Gewinnung des Kokoswassers erst in die Fabriken und dann als fertiges Produkt nach Deutschland, fällt die Bilanz noch schlechter aus. Jeder Tetrapak Kokoswasser kommt nicht nur mit einem Tetrapak zum Wegwerfen, sondern auch noch mit einer Benzin-Rechnung für den Transport.

Anders gesagt: Kokoswasser ist ein ziemlich überflüssiges Wellness-Produkt.

Daran ändert auch der Umstand nichts, dass es fast überall als Bio-Produkt verkauft wird. Ja: Bio ist der Inhalt. Doch die kleinen Plastikflaschen und Tetrapacks mit meist nur etwa 300 ml Inhalt lassen die Müllberge anwachsen, mit oder ohne Bio, und der Umwelt hilft es auch nicht, dass Bio-Ware vom anderen Ende der Welt hier her gekarrt werden muß (solange wir das nicht konsequent mit regenerativen Energien tun).

Wir wollen niemandem eine gelegentliche Freude am Kokostrunk verderben. Ökologisch unbedenklich ist Kokoswasser aber eigentlich nur auf eine Art: direkt vor Ort vom Baum aus der Nuss geschlürft. In unseren Breiten ist es hingegen unsinnig bis umweltschädlich, das Kokosgetränk zu kaufen und zu trinken – auch wenn es Bio ist.

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(2) Kommentare

  1. Weiß jemand wie es mit dem ökologischen Fußabdruck bezüglich des Öls aussieht? Ich benutze es ausschließlich (neben Jojobaöl) für meine Haut als Creme und Sonnenschutz. Ein Liter hält bei mir über ein Jahr. Es wird nie ranzig. Es gibt ja auch einen Hype in der Küche. Das halte ich für schlecht, da es laut Dr. Greger als Fett in der Ernährung ungeeignet ist. Für asiatische Gerichte ersetze ich die fette Kokosmilch aus Dosen oder Tetrapacks mit Kokos-Chips, aus denen ich im Mixer eine Creme mache. Auch für Kokos-Chips würde mich die Ökobilanz interessieren und ich würde mich über Antworten und Hinweise freuen!

  2. Wenn ich bisher gelegentlich Kokoswasser getrunken habe, dann nur aus einem einzigen Grund: Ich stehe wahnsinnig auf den Geschmack! Es ist mild und perfekt säußerlich-süß.

    Aber angesichts der Ökobilanz und des Preises, werde ich es wohl weiterhin nur selten genießen.

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