Leihen statt kaufen – dieser Laden macht es möglich

Leihladen Leila in Berlin, Tauschladen, Umsonstladen, leihen, umsonst
Foto: Utopia/vs

Schoko-Brunnen, Gästebett, Waffeleisen oder Umzugskarton: Die meisten von uns besitzen viele Dinge, die sie nur selten oder gar nicht nutzen. Wie wäre es, sie in einer Art Bibliothek zum Verleih anzubieten – und dafür andere Sachen mit nach Hause zu nehmen?

Tauschen statt kaufen, teilen statt besitzen – so sieht alternativer Konsum aus und der wird besonders oft online organisiert. Einige Leihläden in Deutschland und darüber hinaus machen es offline möglich. Wir haben uns mal im Berliner Leihladen „Leila“ für euch umgeschaut.

Eine Bibliothek der Dinge

„Leila“ steht für „Leihladen“ und ist zugleich Verschenk- und Verleihladen. Den größeren Teil des ehrenamtlich betriebenen Ladens bildet der Verleih, in dem man Koffer, Spiele oder Schoko-Brunnen ausleihen kann. Im Verschenk-Bereich gibt es vor allem Kleidung, Schuhe, Geschirr und Bücher. „Dieses T-Shirt gehörte einer Flamenco-Tänzerin“, kommentiert Diane vom Leihladen meinen Griff zur Kleiderstange. Spannende Geschichten hinter den Dingen und Gegenständen gibt es also auch noch umsonst dazu.

Doch mehr zum interessanten Verleihsystem: Leila bietet bekannten Staubfängern wie Fondue- und Raclettegeräten, Zelten, Werkzeugen, Gästebetten oder Spielen ein neues gemeinsames Zuhause. Im Leihladen werden sie gelagert und warten auf die temporäre Ausleihe von Interessierten.

Um das Leihsystem zu nutzen, muss man wie in der Bibliothek zunächst Mitglied werden. Und das funktioniert so: Als Neumitglied bringt man einen verleihfähigen Gegenstand mit und gibt ihn in das Verleihsystem. Der Artikel gehört nun der Leila-Gemeinschaft und verbleibt im Leihsystem. Zusätzlich zahlt man Mitgliedsgebühren, die bei einem Euro pro Monat anfangen. Wer es sich leisten kann und will, darf gerne mehr geben. Die Mindestdauer einer Mitgliedschaft beträgt drei Monate, jedes Mitglied ist zudem aufgerufen, im Leihladen hin und wieder mit anzupacken.

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Menschen aus der Nachbarschaft bringen Kleidung, Geschirr und Bücher zum Verschenken. (Foto: Utopia/vs)

Leila Leihladen: flexible Verleihdauer

Um Mitglied zu werden, würde ich also beispielsweise meinen ungenutzten Fahrradhelm (ich habe einen zweiten) abgeben und könnte mir dann dafür den Donut-Maker ausborgen. Für einmal im Jahr Donut-Party mit Freunden muss ich schließlich kein eigenes Gerät besitzen. Ein gutes Prinzip, wenn Herumfragen im Bekanntenkreis nichts bringt oder dafür keine Zeit ist.

Für einen eingebrachten Gegenstand kann man dann maximal drei Dinge zur gleichen Zeit ausleihen. Die Verleihdauer ist dabei flexibel und theoretisch bis zu einem halben Jahr ausdehnbar, zudem kann man die Ausleihe wie in der Bibliothek zweimal verlängern. Praktisch, denn ein Festivalzelt beispielsweise will man vielleicht nicht schon nach drei Tagen zurückbringen müssen. Generell halten kürzere Ausleihen jedoch das Tauschsystem lebendig, schließlich will man nicht jedes Mal mit leeren Händen aus dem Laden gehen, weil ständig vieles ausgeliehen ist.

Saisonbedingt kann es natürlich passieren, dass zum Beispiel alle Schlafsäcke und großen Koffer ausgeliehen sind – zur Urlaubs- und Festivalzeit sind diese sonst selten genutzten Dinge besonders begehrt.

Leihladen: die Idee funktioniert

Welche der tausenden Dinge werden wohl am meisten ausgeliehen? Die hauseigene Statistik zeigt, dass Heimwerker besonders gern das Leihsystem nutzen: Im vergangenen Jahr wechselten am häufigsten Bohrmaschinen die Benutzer – gefolgt von Zelten, Wanderrucksäcken sowie Luftmatratzen. Aber auch Geschirr, Autokindersitze und Schlafsäcke wurden oft ausgeliehen.

Mit ihrem Leih- und Sharing-Konzept wollen Erfinder Nikolai Wolfert und das Team von Leila die Produktion überflüssiger Dinge vermindern und den Umgang mit den natürlichen Ressourcen verbessern. Im vergangenen Jahr gab es 700 Ausleihen, die womöglich hunderte Neukäufe (siehe Donut-Maker) überflüssig gemacht haben – die Idee funktioniert.

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Wie oft der Eiscrusher wohl benutzt wurde? (Foto: Utopia/vs)

Ehrenamtlich betrieben und durch Mitglieder finanziert

Leila Berlin verleiht nun seit knapp fünf Jahren seinen mittlerweile rund 1000 Mitgliedern die unterschiedlichsten Dinge. „Im Schnitt kommen zehn bis 20 Leute an den Tagen, an denen geöffnet ist“, erzählt Diane. Sie ist seit drei Jahren ehrenamtlich im Laden tätig, nimmt Dinge entgegen, sortiert und katalogisiert sie oder tauscht sich einfach mit den „Kunden“ über die Herkunft von Kleidung, Schlauchboot oder Weingläser-Set aus.

Meinen nicht genutzten Fahrradhelm habe ich nicht dabei, aber das T-Shirt der Flamenco-Tänzerin wandert schließlich in meine Tasche und ein paar Münzen in die Spendenbox. Denn die Miete und die Versicherung des Ladens finanzieren sich ausschließlich durch Spendengelder und die Mitgliedsbeiträge.

Fazit: Leihläden sind ein Ort der Begegnung, des Austauschs und gleichzeitig des nachhaltigen Konsumierens und sie tragen zur Müllvermeidung bei. Sie bieten zudem auch Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit, Dinge zu nutzen, für die sonst das Geld fehlt. Hoffentlich regen die Leihläden viele Menschen zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten an und tragen auf lange Sicht zu einem bewussteren gesellschaftlichen Umgang mit Ressourcen bei.

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Leihladen: Ehrenamtlich getragen und daher auf Spenden angewiesen. (Foto: Utopia/vs)

Leila Berlin findest du in der Fehrbelliner Str. 92 (10119 Berlin-Mitte) Der Laden hat Montag, Mittwoch und Freitag jeweils von 16-18 Uhr geöffnet. An manchen Tagen auch länger, reinschauen lohnt sich auf jedem Fall. Engagier dich: Leila sucht ehrenamtliche Unterstützung.

In diesen Städten gibt es auch Leihläden:

Bericht der britischen BBC über den Berliner Leihladen Leila:

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(3) Kommentare

  1. Ja, wie ist es mit der Wartung und der Pflege, beispielsweise mit dem verdeckten Zelt nach dem Festival? Und könntet ihr zu dem Öffnungszeiten auch die Adresse schreiben?
    Ich find die Idee und das Engagement super.

  2. Hallo Lea, danke für den Hinweis, die Adresse haben wir ergänzt. Zur Pflege: Auf wertvolle Gegenstände wird Pfand erhoben, der dann gegebenenfalls einbehalten wird.

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