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Probiotische Reinigungsmittel: Mit Bakterien gegen Bakterien

probiotische reinigungsmittel
Foto: CC0 / Pixabay / congerdesign

Probiotische Reinigungsmittel sollen auf natürliche und umweltfreundliche Weise Schmutz beseitigen – mithilfe von Bakterien. Was dahinter steckt und ob das Konzept tatsächlich funktioniert, erfährst du hier.

Der Begriff „probiotisch“ ist dir vermutlich vor allem von Lebensmitteln wie Sauerkraut, Kimchi oder Kefir bekannt. Dies sind fermentierte Produkte, die unsere Darmgesundheit fördern. Verantwortlich dafür sind darin enthaltene lebende Mikroorganismen, die sich positiv auf unsere Darmflora auswirken sollen.

Solche Zubereitungen, die diese lebenden Mikroorganismen enthalten, nennt man auch Probiotika. Genau  diese Mikroorganismen sind es, die auch die probiotischen Reinigungsmittel auszeichnen.

Wie wirken probiotische Reinigungsmittel?

Mikroorganismen in Probiotika ernähren sich im Darm von Bestandteilen, die wir über die Nahrung aufnehmen – und zwar von Fetten, Eiweißen und Kohlenhydraten. Diese Bestandteile, sowie Harnstoffe, finden sich auch in Schmutzpartikeln wieder. Sprühst du also probiotische Reinigungsmittel auf verschmutzte Stellen, sollen die Bakterien Enzyme bilden und so die unerwünschten Partikel aufspalten.

Zudem sollen die Reinigungsmittel auch dabei helfen, „böse“ Bakterien zu bekämpfen – also Bakterienstämme, die beim Menschen Krankheiten auslösen. Mittlerweile findest du auf dem Markt sogar probiotische Lufterfrischer. Auch diese sollen die Stoffe, die für den schlechten Geruch verantwortlich sind, aufspalten, verstoffwechseln und so neutralisieren. 

Unternehmen preisen die relativ neuen probiotischen Reinigungsmittel als umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Putzmitteln an. So enthalten laut Angaben der Bundesregierung einige Reinigungsmittel teilweise stark ätzende Säuren, Laugen und Desinfektionsmittel. Die Desinfektionsmittel töten dabei auch die nützlichen Bakterien ab. Säuren und Laugen gelangen beim Putzen zudem in den Abfluss und über das Abwasser in die Natur. Dort können sie großen Schaden anrichten.

Probiotische Reinigungsmittel sollen hingegen ohne die aggressiven Chemikalien auskommen und deinen Haushalt dabei trotzdem sauber halten.

Funktionieren probiotische Reinigungsmittel?

Probiotische Reinigungsmittel sollen Oberflächen auf nachhaltige Weise sauber halten.
Probiotische Reinigungsmittel sollen Oberflächen auf nachhaltige Weise sauber halten.
(Foto: CC0 / Pixabay / Michael-T)

Forschende vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben probiotische Reinigungsmittel genauer unter die Lupe genommen. Im Labor fanden sie heraus, dass sich in einigen Proben bis zu zwei Milliarden Mikroorganismen pro Milliliter befanden.

Von der Wirksamkeit sind der Wissenschaftler Johannes Gescher und sein Team trotzdem nicht überzeugt. Denn: Stoßen Bakterien auf Schmutzpartikel, können sie diese zwar verstoffwechseln. Dabei stoßen sie jedoch wiederum neue Biomasse und CO2 aus. Die Bakterien vermehren sich so immer weiter und sorgen für noch mehr Ausscheidungen. Wirklich sauber werden Oberflächen mit dieser Technik nicht.

Sinnvoll sind die Mikroorganismen zum Beispiel in Klärwerken. Dort können sie organischen Kohlenstoff aufspalten und dabei helfen, das Abwasser zu reinigen. In Kläranlagen finden dann aber noch weitere Prozesse statt, die das Wasser gründlich reinigen. Die Bakterien allein reichen dafür nicht aus.

Einige Bakterien, die in probiotischen Reinigungsmitteln enthalten sind, können nicht einmal organischen Kohlenstoff und somit Schmutz aufspalten. Blaualgen zum Beispiel, auch als Cyanobakterien bekannt, ernähren sich nur von Luft und Licht und nicht von Fetten oder Kohlenhydraten. Milchsäurebakterien verstoffwechseln organischen Kohlenstoff nur, wenn sie nicht ausreichend Sauerstoff bekommen.

Die Forschenden halten es ebenso für unwahrscheinlich, dass „gute“ Bakterien gegen „böse“ Bakterien wirken können. Mikroorganismen kommen nämlich nicht isoliert vor, sondern befinden sich in der Regel in einem Biofilm. Diese unsichtbare Schleimschicht ist an die entsprechende Oberfläche angepasst, auf der sie sich befindet, und kann nicht einfach von Bakterien in einem Reinigungsmittel aufgespalten werden.

Ein weiterer Minuspunkt: In probiotischen Reinigungsmitteln fanden Gescher und sein Team auch Stoffe, die Bestandteile vieler herkömmlicher Reinigungsmittel sind. Dazu gehören zum Beispiel Butter- und Propionsäure. Auch Alkohol und gewöhnliche Essigsäure waren in den Proben enthalten. Die Forschenden vermuten, dass es viel mehr diese Stoffe in den probiotischen Mitteln sind, welche die Reinigungsleistung erbringen, und nicht die Mikroorganismen an sich.

Eventuell betreiben einige Hersteller also vor allem Greenwashing, indem sie ihre Produkte als „natürlich“ probiotisch reinigend anpreisen, aber ihnen herkömmliche Stoffe beisetzen, die eigentlich für die Reinigungswirkung verantwortlich sind. 

Ökologisch putzen: Bessere Alternativen

Besser als probiotische Reinigungsmittel: Kernseife, Zitronensäure und andere Hausmittel.
Besser als probiotische Reinigungsmittel: Kernseife, Zitronensäure und andere Hausmittel.
(Foto: CC0 / Pixabay / PDPics)

Um umweltfreundlich zu putzen, benötigst du keine meist teuren probiotischen Reinigungsmitteln. Nachhaltiger und kostengünstiger ist es, auf Hausmittel zurückzugreifen. Essig, Zitronensäure, Natron, Soda und Kernseife sind biologisch abbaubar, enthalten keine aggressiven Chemikalien und sind für wenig Geld zu bekommen.

Diese fünf Hausmittel kannst du für nahezu alle notwendigen Reinigungen im Haushalt nutzen. So kannst du aus ihnen Allzweckreiniger oder WC-Reiniger herstellen, sie zum Entkalken oder als Spül- und Waschmittel verwenden. Dabei kannst du übrigens auch Verpackungsmüll sparen. Weitere Tipps dazu findest du hier: Diese 5 Hausmittel ersetzen fast alle Putzmittel

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