Schleppnetze: Darum sollten sie nicht mehr benutzt werden

Schleppnetze
Foto: CC0/pixabay/Tabea7

Fischfang mit Schleppnetzen gefährdet das Ökosystem Meer, so argumentieren Umweltverbände. Hier liest du, woran das liegt und wie du dich gegen Schleppnetze einsetzen kannst.

Schleppnetze verwenden zum Beispiel die traditionellen Krabbenkutter an der Nordsee. Laut der Umweltorganisation BUND heißt diese Art Netz „Baumkurre“. Eine starre Konstruktion, der Kurrenbaum, hält dabei das Netz offen, während es auf dicken Gummirollen über den Meeresboden rollt.

Andere Arten von Schleppnetzen haben gigantische Dimensionen. Industrielle Fangschiffe ziehen sie hinter sich her, um im Atlantik ganze Fischschwärme aus dem Meer zu fischen. Das betrifft zum Beispiel Hering oder Kabeljau.

Der BUND beschreibt diese industrielle Schleppnetzfischerei so: Die größten Schiffe sind bis zu 140 Meter lang. In die Netze passen bis zu 500 Tonnen Fisch auf einmal. Die technologische Ausrüstung an Bord der Schiffe, etwa Sonar und Echolot, ermöglicht es der Crew, gezielt die Schwärme zu orten.

Schleppnetze zerstören den Lebensraum der Meere

In abgerissenen Tauen der Schleppnetze können sich Vögel verfangen.
In abgerissenen Tauen der Schleppnetze können sich Vögel verfangen.
(Foto: CC0/pixabay/A_Different_Perspective)

Den Fischfang kritisieren Umweltorganisationen als wenig nachhaltig. Vor allem in der industriellen Fischerei mit ihren riesigen Schleppnetzen sehen sie die Ursache für gleich mehrere Probleme im Lebensraum Meer.

Zerstörung des MeeresbodensGreenpeace erklärt, dass die Grundschleppnetze direkt über den Meeresboden schleifen. Die trichterförmigen Netze sind unten mit Gewichten beschwert. Zusätzlich sind oftmals noch Metallkugeln oder Ketten angebracht, die den Meeresboden aufwühlen. Das soll die Fische ins Netz scheuchen. Der Marine Stewardship Council (MSC) erläutert, dass beispielsweise Meeresregionen, in denen Kaltwasserkorallen oder Schwammkolonien wachsen, dadurch besonders gefährdet sind.

Plastikmüll in den Ozeanen – Laut NABU treiben rund 25.000 Netze als Geisternetze in europäischen Gewässern. Das sind Netze, die Schiffe unterwegs verloren haben. Dazu gehören auch Schleppnetze oder Teile davon. Die Organisation erklärt, dass sich die Grundschleppnetze öfter mal am Boden verhaken. Damit dann nicht das ganze Netz Schaden nimmt, reißen stattdessen extra für diesen Fall angebrachte Taue ab. Dieser Scheuerschutz, die sogenannten Dolly Rops, bestehen aus farbigem Plastikgarn. Laut Greenpeace halten die extrem strapazierfähigen Nylongarne rund 600 Jahre, bevor sie vollständig zu Mikroplastik zerrieben sind. Während dieser Zeit sind ihre Folgen für den Lebensraum fatal.

  • Lebensgefahr für Meerstiere und Vögel: Kleine Fische verfangen sich in dem Labyrinth von Netzen. Vögel und Meeressäugetiere verheddern sich bei ihren Tauchgängen darin. Die Netze verhindern, dass sie auftauchen können, um Luft zu holen. Greenpeace berichtet auch von Walen, die ganze Netze verschluckt hatten.
  • Mikroplastik: Fische verschlucken den Abrieb der Plastikgarne bei der Futtersuche. So gelangt das Mikroplastik in die Nahrungskette, an deren Ende auch der Mensch steht. Forscher:innen fanden sogar schon Mikroplastik in menschlichen Stuhlproben.

Schleppnetze bedrohen die Artenvielfalt

Krabbenkutter verwenden Schleppnetze.
Krabbenkutter verwenden Schleppnetze.
(Foto: CC0/pixabay/Detmold)

Überfischung – Umweltorganisationen sehen durch die industriellen Fangmethoden mit Schleppnetzen auch die Artenvielfalt an den Küstenregionen bedroht. Der weltweite Fischkonsum trägt dazu bei, dass die Meere fast leergefischt sind. Laut BUND sind heute schon 34 Prozent der Fischbestände überfischt, weitere 60 Prozent sind kurz davor.

Davon betroffen sind beispielsweise auch die Bestände von Kabeljau oder Hering.

  • Kabeljau – Der MSC sieht die Bestände von der Überfischung bedroht.
  • Hering – Der MSC berichtet, dass die Heringsschwärme schon seit den 1970er Jahren einen gewissen Bestandsschutz durch strikte Fangquoten geniessen. Daher gilt der Hering insgesamt als nicht gefährdet.

Beifang – Als Beifang gelten Meerestiere, die durch Zufall mit in den Schleppnetzen landen. Für kommerzielle Zwecke sind diese Tiere „nicht zu gebrauchen“. Der Beifang landet oftmals wieder im Meer. Teilweise sind die Tiere verletzt oder schon an Bord verendet. Seit 2015 gelten zwar in der EU Bestimmungen, dass der Beifang an Land zu dokumentieren ist. Der BUND beklagt jedoch die mangelnde Kontrollen.

  • Der BUND berichtet ebenfalls, dass regelmäßig Haie, Wale oder Schildkröten in den bis zu 1,5 Kilometer langen Schleppnetzen verenden.
  • Die Deutsche Stifung Meeresschutz stellt einen Zusammenhang zwischen toten Delfinen und den industriellen Fangfahrten der riesigen Schiffe her. Entlang ihrer Routen steigt die Anzahl der verendeten Delfine an den Ständen drastisch.
  • Eine Studie des WWF kommt zu der Schlussfolgerung, dass bei der traditionellen Krabbenfischerei unverhältnismäßig viel Beifang entsteht. Der BUND spricht von bis zu 80 Prozent Beifang wie Seesternen, Schecken oder Muscheln.

Gibt es für Schleppnetze nachhaltige Alternativen?

In Meeresschutzgebieten wollen Umweltorganisationen die Schleppnetze verbieten.
In Meeresschutzgebieten wollen Umweltorganisationen die Schleppnetze verbieten.
(Foto: CC0/pixabay/Martijn_Schaftenaar)

Schleppnetze sind vor allem in europäischen Gewässern nicht überall erlaubt. Den derzeit gültigen Stand der Verordnungen erläutert der MSC. 

  • Selektives Verbot in Schutzgebieten – Ein (Grund-)Schleppnetzverbot besteht für Schutzgebiete mit empfindlicher Bodenstruktur. Das umfasst beispielsweise die bekannten Kolonien von Kaltwasserkorallen oder Schwämmen. Be sandigem Meeresboden wie im Wattenmeer sieht die Organisationen dagegen weniger Handlungsbedarf. Durch die Kraft der Gezeiten ist sandiger Meeresgrund regelmäßig in Bewegung.
  • EU-weites Verbot in Tiefseegebieten – Der MSC betrachtet die Schleppnetzfängerei in Tiefseegebieten sehr kritisch. In den tiefen Zonen der Ozeane laufen die Fortpflanzungzyklen langsamer ab und sind daher entsprechend zu schützen. Seit 2016 besteht in der EU ein Verbot für Grundschleppnetze in Tiefseeregionen. Die Fangmethode ist nur bis zu einer Wassertiefe von 800 Metern erlaubt.

Umweltorganisationen sind sich einig, dass die Fischerei nachhaltiger zu organisieren ist, um Lebensräume und Lebewesen zu schützen. Der BUND fordert beispielsweise:

  • Die jeweiligen Fangquoten sollten nach wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung festgelegt werden.
  • In Meeresschutzgebieten möchte die Organisation die zerstörerischen Grundschleppnetze generell verbieten.
  • Mindestens für die Hälfte aller Natura-2000-Meeresschutzgebiete sollte ein grundsätzliches Fischerei-Verbot gelten. Natura 2000 ist der Überbegriff für ein europaweites Netz von Schutzgebieten.

Der WWF macht sich für eine naturverträgliche Krabbenfischerei stark. Mitglieder fordern dringend nachhaltigere Massnahmen, um den ökologischen Fußabdruck der Kutter zu verkleinern. Laut MSC ist die Krabbenfischerei derzeit kaum reglementiert und es gibt keine gesetzlichen Fangquoten.

    Der NABU schlägt Taue aus Hanf oder Sisal vor, um das Plastikproblem durch abgerissene Nylontaue einzudämmen. Der BUND ruft zur Weiterentwicklung nachhaltiger Fangmethoden auf.

    Problematik Schleppnetze – das kannst du tun

    Fischzucht ist eine Alternative zum Fang mit Schleppnetzen.
    Fischzucht ist eine Alternative zum Fang mit Schleppnetzen.
    (Foto: CC0/pixabay/LTapsaH)

    Mit deinen Einkäufen kannst du ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit setzen. Der aktuelle Greenpeace-Fischratgeber 2021 informiert dich, welche Sorten in der Fischtheke bereits von Überfischung bedroht sind.

    • Der BUND empfiehlt grundsätzlich, Fisch nur sparsam und als besondere Delikatesse auf den Tisch zu bringen. Mit dieser Einstellung reduzierst du deinen Fischkonsum. Die Organisation rät ganz von kritischen Fischsorten ab, etwa von europäischem Aal, Thunfisch, Lachs oder Schillerlocken. Letztere bestehen aus den geräucherten Bauchlappen des Dornhais.
    • Achte bei deinen Einkäufen auf Fisch, der mit einem Nachhaltigkeitssiegel zertifiziert ist. Der Marine Stewardship Council zertifiziert beispielsweise nachhaltige Fischfangmethoden. Du kannst auch zu Zuchtfisch aus Aquafarmen greifen.

    Wenn du ganz auf tierische Produkte verzichten möchtest, probiere mal vegane Fischalternativen aus. Hier findest du einige Ideen für deine nächste (fischfreie) Mahlzeit:

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