Starköchin Sarah Wiener verärgert Veganer*innen – immer noch

© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0(via Wikimedia Commons); Colourbox.de

In der Vergangenheit wetterte sie gegen Sojamilch, letztes Jahr hatte sie den nächsten Milchersatz im Visier: TV-Köchin Sarah Wiener machte sich bei Veganer*innen äußerst unbeliebt – mit einem Facebook-Post, der die User*innen immer noch beschäftigt. 

Ausgangspunkt des Schlagabtauschs war ein Artikel, den Sarah Wiener am 15. Januar 2019 auf ihrer offiziellen Facebookseite geteilt hatte: Demnach sei Mandelmilch keine gute Alternative zu Milch, da ein Großteil der Mandeln aus kalifornischen Monokulturen stamme und dort viel Wasser verbrauche.

Doch um diesen Aspekt ging es der Köchin wohl überhaupt nicht. Sie fügte dem Link hinzu: „Leider enthält industriell hergestellte Mandelmilch nur ca. 2% Mandeln, dafür aber Stabilisatoren und Emulgatoren, damit sich Wasser und Fett nicht trennen. Außerdem ist sie häufig mit Zucker angereichert und ultrahocherhitzt.“

Wasser, Mandeln und Meersalz – von Zucker keine Spur

Diese Aussage schmeckte vielen Veganer*innen auf Facebook überhaupt nicht. Zum einen wegen des Pauschalurteils über den Milchersatz, das „mit falschen Zahlen Stimmung gegen vegane Ernährung mache“: Ein Kommentator verlinkte auf die Zutatenliste seiner bevorzugten Mandelmilch, die einzig aus Wasser, 7% Mandeln und Meersalz besteht – von Zucker keine Spur. „Von gesunder Ernährung haben Sie leider keine Ahnung“, resümiert eine weitere Userin.

Lies auch: Alternative „Mandelmilch“: der bessere Milchersatz?

Mandelmilch Mandeldrink Mandeln Milch Milchersatz
Mandelmilch als Milchersatz. (Foto: Colourbox.de)

Viele vermissten anscheinend bei der prominenten Österreicherin auch ein erkennbares Verständnis dafür, dass Menschen aus ethischen Gründen auf Kuhmilch verzichten: „Selbst wenn die Mandelmilch aus geschredderten Badewannenstöpseln und weißer Farbe bestünde, würde ich sie dennoch echter Milch vorziehen. (…). Sie sollten sich einfach schämen“, antwortete eine Kommentatorin. Ein anderer schrieb: „Als Köchin beschäftigen Sie sich mit Lebensmitteln, aber bedienen die typischen Vorurteile gegenüber Veganismus. Ich finde es traurig.“

„Wie wär’s mit Tipps zum Selbermachen, Frau Wiener?“

Schon früher hatte sich Sarah Wiener in den Medien kritisch gegenüber Veganismus geäußert. Er sei keine Lösung der Probleme unserer Lebensmittelindustrie – insbesondere lehnt sie industriell verarbeitete Ersatzprodukte ab: Sojamilch sei „in etwa so künstlich wie eine Cola“.

Stattdessen spricht sie sich generell für weniger Fleischkonsum sowie natürliche, ökologisch produzierte, regionale und saisonale Lebensmittel aus. Und vor allem dafür, stets frisch zu kochen. Mehrere Kommentare zum Mandelmilch-Post gingen daher auch in die Richtung: „Wie wär’s mit Tipps zum Selbermachen, Frau Wiener?“

Mit einer ausführlichen Erklärung zu ihrer Intention und ihrem Denken rechtfertigte sich die Köchin am folgenden Tag, als ihr offenbar bewusst wurde, was für hohe Wellen ihre Worte geschlagen hatten. Dort lies sie ihre Follower*innen wissen „Sorry, aber: nein, ich bekomme kein Geld von der Fleischindustrie, der Milchindustrie oder irgendeiner Firma, die mit tierischen Proteinen zu tun hat.“

Ein kleiner Kreis von Veganerinnen und Veganern habe kein Monopol auf eine ethische Grundhaltung in der Gesellschaft, schrieb Sarah Wiener weiter. Doch sie plädierte auch für einen respektvollen Dialog: „Ob selber herstellen (bravo) oder andere Milcharten trinken oder doch Industriemandelmilch. Eure freie Entscheidung – es geht um Wissensvermittlung.“ Aktuell wird der Post von letztem Jahr wieder geteilt und kommentiert – dabei haben die User*innen viel Lob übrig für Wieners Ausführungen.

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(26) Kommentare

  1. Die Frau hat in vieler Hinsicht Recht. Das Soja absolut zu meiden ist, stimmt eindeutig. Insbesondere Menschen mit Schilddrüsenproblemen sollten Soja meiden wie der Teufel das Weihwasser, weil Soja für die Schilddrüse Selbstmord ist.
    Natürlich kann man Mandelmilch selbst herstellen oder entsprechende Anbieter wählen, die keinen Zucker und Zusatzstoffe verwenden. Ich denke aber, dass Sarah Wiener eher an die Massen von Verbrauchern gedacht hat, die blind ins Supermarkt Regal greifen und auch nicht mehr Geld für vernünftige Produkte zahlen wollen.

    Ich denke da haben wir von ihr durchaus noch mehr zu erwarten, wenn es um die ganzen Pseudoprodukte von Fleisch, Wurst, Käseersatz für inkonsequente Veganer geht. Inkonsequent? Ja, denn wenn ich Veganer bin, bin ich Veganer und dann kaufe ich keine Ersatzprodukte.

  2. Tja, da kommt ja wieder einiges an kruden Vorstellungen zusammen. Sarah Wiener ist jetzt nicht unbedingt für mich ein Vorbild, aber wo sie recht hat, hat sie recht. Ihre Haltung zu den Ersatzmilchen ist richtig. Die Veganer und Veganerinnen sollten lieber einmal darüber nachdenken, warum sie permanent etwas zu sich nehmen wollen, was sie eigentlch verabscheuen: Mandel- und andere Ersatzmilchen statt Milch von Tieren, Erbsenprotein (beyond meat) statt Fleisch von Tieren. Als Veganer und Veganerin esse ich halt weder Fleisch noch trinke ich Milch. Also kann das doch logischerweise auch nicht so heißen. Sondern Wasser aus gemahlenen Mandeln und eben Erbsen. Oder soll es doch darum gehen, ANDERE von etwas zu überzeugen, was die eigentlich gar nicht wollen. Und deshalb tut man so als wäre es Milch und Fleisch. Gewöhnen sich halt irgendwann dran, die doofen Allesesser. Aber liebe Veganer und Veganerinnen: Es hilft nichts, viele vegane Produkte sind hochindustrialisierte Produkte, die ihr immer irgendwie kaufen müsst und nicht selbst herstellen könnt und ihr lasst euch von der Lebensmittelindustrie am Gängelband herumführen. Billigster Wareneinsatz wird zu teurem Produkt. Na – guten Appetit.

  3. Weil es heutzutage sonst nicht mehr verstanden wird: Ich möchte Sie mit dem Folgenden nicht persönlich angreifen, sondern ihre Punkte kritisieren und aufklären:

    „Die Veganer und Veganerinnen sollten lieber einmal darüber nachdenken, warum sie permanent etwas zu sich nehmen wollen, was sie eigentlch verabscheuen: Mandel- und andere Ersatzmilchen statt Milch von Tieren, Erbsenprotein (beyond meat) statt Fleisch von Tieren.“
    Habe ich getan und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass ich nichts zu mit nehme, was ich „verabscheue“ (ich würde das Wort nicht verwenden). Ich will Erbsenproteinpatties essen und ich will Haselnussdrinks trinken, aber ich will kein Fleisch essen oder Kuhmilch trinken. Können sie mir bitte die logische Notwendigkeit erläutern, weshalb ich nur beides gleichzeitig wollen müssen sollte?

    „Als Veganer und Veganerin esse ich halt weder Fleisch noch trinke ich Milch. Also kann das doch logischerweise auch nicht so heißen.“
    1. Den meisten Veganerinnen und Veganern ist (behaupte ich) scheißegal, ob das „Sojamilch“, „Sojadrink“ oder „Wuluwulubambam“ heißt.
    2. Ich putze meinen Herd auch nicht mit Kuhmilch. Kann das Putzmittel jetzt „logischerweise“ auch nicht Scheuermilch heißen? Wie ist es mit Kokosmilch? Fruchtfleisch?
    3. Sprachliche Definitionen sind -an sich- weder logisch noch unlogisch. Es ist in der deutschen Sprache auch möglich, dass die Bedeutung einer Verbindung aus zwei Wörtern sich von der kombinierten Bedeutung der beiden Wortbausteine unterscheidet. Beispiel: Leseratte. Wenn sie Interesse daran haben, was „Logik“ überhaupt ist und wie sie funktioniert, hier eine Bechempfehlung: Hardy, Jörg / Schamberger, Christoph: Logik der Philosophie. Einführung in die Logik und Argumentationstheorie, (2. Aufl. ) Stuttgart 2018.

    „Und deshalb tut man so als wäre es Milch und Fleisch.“
    Glauben Sie, die Chinesen, die Sojamilch/drink und Saitan vor über 2000 Jahren in China erfunden und getrunken bzw. gegessen haben, oder die Europäer, die Mandelmilch im Mittelalter tranken, sich dachten: „Las mal so tun, als wäre das Milch/Fleisch!“? Wie tut man denn so, als wäre etwas Milch oder Fleisch?

  4. Fortsetzung:
    „Es hilft nichts, viele vegane Produkte sind hochindustrialisierte Produkte, die ihr immer irgendwie kaufen müsst und nicht selbst herstellen könnt und ihr lasst euch von der Lebensmittelindustrie am Gängelband herumführen.“
    Wo ist das Problem mit „hochindustrialisieren Produkte[n]“? Sind kauffertige Schweineschnitzel oder Hackfleisch oder Milchprodukte etc. keine „hochindustrialisierten Produkte“? (Biofleisch ist auch hochindustrialisiert und Biotiere enden mit Ausnahme einiger Höfe im selben Schlachthof wie die aus anderen Massenfarmen) Wenn es ein Problem damit gibt und sie nur beim „Metzger ihres Vertrauens“ einkaufen: Wie machen sie das auswärts im Restaurant? Essen Sie da nur vegane Gemüsepfannen, um hochindustrielle Produkte zu vermeiden?
    Ist es für Sie ein Problem, die Produkte, die man konsumiert nicht selbst herstellen zu können? Wenn ja: Stellen Sie das Fleisch selbst her (Schwein aufziehen, Bolzen in Kopf Schießen, ausbluten lassen, zerhacken, etc.) oder müssen Sie das auch kaufen? Wie ist es mit anderen Sachen, die man im Alltag konsumiert und nicht selbst herstellen kann?
    Kann man es vermeiden, von der Lebensmittelindustrie am Gängelband herumgeführt zu werden (auch Sie)? Haben Sie sich dahingehend mit Lebensmittelpsychologie auseinandergesetzt?

    „Billigster Wareneinsatz wird zu teurem Produkt.“
    Angebot und Nachfrage. Es ist schon einiges günstiger geworden. Außerdem können Veganer auch nichts dafür, dass Tierprodukte mit Unsummen subventioniert werden und die Mehrwertsteuer auf Tierprodukten bei 7% und bei Sojadrink u. A. bei 19% liegt.

  5. Mit einigen Antworten hier kann ich mal wieder ein Bullshitbingo zum Thema Veganismus gewinnen. =)

    Danke für die Belehrungen, was DIE VeganerInnen zu tun und zu lassen haben, wo sie konsequent sein müssen, und wie diese Konsequenz auszusehen hat. Das könnense ja besonders gut, die TierkonsumentInnen: uns erklären, was konsequenter Veganismus ist.

    Ihr habt bestimmt Zertifikate, die euch zur Veganerpolizei ernennen. =)

    Zu „Milch“, dem Wort.

    Sonnenmilch, Löwenzahnmilch, Scheuermilch… Mandelmilch, Dinkelmilch, Sojamilch, Kuhmilch (= Muttermilch), etc.pp.

    Was haben Leuts plötzlich so ein Problem mit der Sprache? Wo genau tuts denn weh, wenn Sojamilch Sojamilch genannt wird?

    Die Existenz von Kuhmilchersatz tut der Milch- und Fleischindustrie weh, und die tun alles, um vegane Produkte unattraktiv zu machen. Das ist der einzige und wahre Grund für diese schwachsinnige Debatte zu den Bezeichnungen. Ich wundere mich immer wieder, dass Privatpersonen auf den Zug aufspringen. Durchs ewige Wiederholen werden die Argumente allerdings nicht besser.

    Noch was zu Wörtern, weil ich grad dabei bin:
    „Wurst“ bezeichnet eine Form.
    „Burger“ bezeichnet einen Bratling, egal woraus er ist. Guckt nach im Webster’s wenn ihrs nicht glaubt.
    „Schnitzel“ bedeutete ursprünglich „Fetzen“. Es wird heute hauptsächlich mit Fleisch assoziiert (Früchte haben übrigens auch Fleisch), weil sich Sprache entwickelt.
    Diese Entwicklung hat zur Folge, dass wir heute z.B. ne ganze Menge verschiedene Sorten Milch haben. Kuhmilch ist EINE davon.

    Zum Inhalt der Nahrung:
    Ich verrat euch jetzt ein gut gehütetes Insidervegangeheimnis. Damit seid ihr endlich umfassend informiert!

    Hier kommts:
    VeganerInnen bemühen sich nicht, Bezeichnungen zu vermeiden, sondern TIERLEID.
    Wenn also jemand ein in Dinkel paniertes Rote-Beete-Schnitzel brät und das „Blutiges Schwein“ nennt, ess ich das. Ja, wirklich. Und ich bin dann immer noch vegan.
    Glaubts nur.

    Noch was.
    Dass ALLE Veganerinnen sich von Beyond Meat ernähren ist mir neu, aber Pamina kennt ja sicher ALLE und weiß bescheid.
    Wobei ich welche kenne, die sowas nicht anrühren, aber was weiß ich schon.

    Fleischersatzprodukte werden übrigens hauptsächlich von Fleischessern gekauft, die ihrem Tierkonsum reduzieren wollen.
    Glaubt ihr, die paar Prozent VeganerInnen in Deutschland (und Weltweit) könnten den Hype und den reißenden Absatz bewerkstelligen?
    So weit sind wir leider noch lange nicht.

  6. Danke vetch, dem ist eigentlich kaum etwas hinzuzufügen. Schon traurig, wie von Carnivoren stets versucht wird, Veganer anhand der angebotenen (großindustriellen) Produkte zu be-/verurteilen um sich bloß nicht mit dem eigenen Gewissen (so vorhanden) auseinandersetzen zu müssen. Das „Veganwerden“ und -bleiben ist ein wohlüberlegter Prozess der meist irgendwann darin mündet, soviel wie möglich selbst „herzustellen“ bzw. zubereiten zu wollen. Die meisten MitVeganer die ich kenne, kaufen keine Rügenwalder Aufschnitte oder die Alpro-Produktpalette. Das mag anfangs vielleicht so sein, da sich die Möglichkeiten erst nach und nach erschließen, aber wer diesen Schritt geht, hat für gewöhnlich eine Lebensphilosophie, welche stets auf Optimierung, Nachhaltigkeit und Empathie fußt. Und da passen diese ErsatzproduktePlastikOrgien ganz schnell nicht mehr ins Konzept.