GEPA fair+ und GEPA – The Fair Trade Company

Zeichen © Gepa

Das GEPA-Logo ist auf vielen Lebensmitteln wie Kaffee oder Schokolade zu sehen. Welche Standards erfüllt es und für was steht das neue „GEPA fair plus“-Zeichen?

Die GEPA ist kein Label, sondern der Name eines der größten europäischen Fair-Handelsunternehmens, das seit über 40 Jahren Produkte und Rohstoffe von auf dem Weltmarkt benachteiligten Produzenten vor allem der südlichen Länder zu fairen Bedingungen importiert und in Deutschland vermarktet.

1975 wurde die „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH“ gegründet. Heute nennt sich das Unternehmen „GEPA – The Fair Trade Company“.

Fair bedeutet zwar nicht automatisch bio, aber 78 Prozent der Produkte tragen das EU-Bio-Siegel (Stand 2/2018) und sind teils auch Naturland-zertifiziert. Ein strategisches Ziel des Unternehmens ist, dass fair und bio zusammen gehören. Der Bio-Landbau wird daher aktiv unterstützt.

  • Vergeben in: überwiegend Deutschland und Europa
  • Vergeben von: GEPA – The Fair Trade Company / Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH
  • Kategorie: Essen und Trinken, Sport und Spiel, Bekleidung und Schuhe, Bauen und Wohnen
  • Produkte: Kaffee, Tee, Orangensaft, Zucker, Schokolade, Getränke, Kakao, Nüsse, Spielwaren, Sportbälle, Textilien, Lederwaren, Keramik, Korbwaren

GEPA – die Kriterien

GEPA-Logo
GEPA-Logo – ein gutes Zeichen! (Siegel: GEPA)

Die Standards nach Fairtrade International sind für die GEPA eine wichtige Basis. In vielen Bereichen geht das Unternehmen aber darüber hinaus. So ist das Unternehmen mit seinen Produkten und auch selbst als Organisation in verschiedenste Zertifizierungssysteme eingebunden. In einem Statement zur einer Kritik von Stiftung Warentest beschreibt das Unternehmen an Beispielen, wo es weiter geht als andere (siehe dieses PDF).

Die GEPA ist u.a. Mitglied der World Fair Trade Organisation (WFTO) und hat sich auch vom WFTO-Guaranteed-System prüfen lassen. Das Unternehmen will mit dem Fairen Handel die Lebensbedingungen der Menschen verbessern, die aufgrund regionaler und nationaler Wirtschafts- und Sozialstrukturen ihres Landes sowie der Weltwirtschaft benachteiligt sind.

Die Gewinne des Unternehmens werden nach eigener Darstellung im Fairen Handel angelegt. Dadurch sollen die Handelspartner beispielsweise dabei unterstützt werden, ihre Landwirtschaft auf ökologischen Anbau umzustellen und sich entsprechend fortzubilden.

Faire Handelsbeziehungen umfassen unter anderem:

  • Zahlung fairer Preise
  • Vorfinanzierung auf Anfrage durch die Produzenten (damit zum Beispiel Saatgut gekauft werden kann)
  • Langfristige Handelsbeziehungen
  • Beratung bei der Produktentwicklung und Exportabwicklung
  • Förderung biologischer Landwirtschaft

Mit Unterstützung der GEPA und anderer Organisationen sind bei den Produzenten unter anderem folgende Ziele erreicht worden:

  • Verbesserte Strom- und Wasserversorgung
  • Bessere gesundheitliche Versorgung
  • Aufklärung zum Thema Kinderarbeit
  • Errichtung von Schulen und Bildungseinrichtungen
  • Verbesserung der Produktqualität (Biologischer Anbau)
  • Mitspracherecht der Produzenten
  • Geregelte Arbeitszeiten mit Pausen
GEPA fair plus Zeichen
Das „fair plus“- Zeichen wird auf GEPA-Verpackungen das Fair Trade Label ablösen (Zeichen © GEPA)

Das GEPA fair plus-Zeichen

Mit dem eigenen Zeichen „GEPA fair+“ möchte das Unternehmen zeigen, dass es höhere Ansprüche als die aktuellen internationalen Standards hat.

Dazu zählen etwa:

  • Bessere Bezahlung
  • Hoher fairer Anteil von bis zu 100 Prozent (Mischprodukte wie z.B. Schokolade mit fairer Milch)
  • Recyclingfähige und möglichst aluminiumfreie Verpackungen
  • Rückverfolgbarkeit der gesamten Lieferkette

Das Zeichen ist nach Eigenaussagen nicht als Hinweis auf eine zusätzliche Zertifizierung gedacht. Es ist aber zusätzlich zum GEPA-Logo auf so gut wie allen Verpackungen zu sehen und wird daher von vielen Konsumenten so wahrgenommen.

Die Kontrollen

Das „Fair Trade“-Zeichen wird vergeben, indem die Zertifizierungsgesellschaft FLO-CERT Inspekteure beauftragt, die vor Ort überprüfen, ob bei Produzenten und Händlern die Fairtrade-Standards eingehalten werden und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Kriterien erfüllt sind.

Die Inspekteure kontrollieren auch, ob die Produzentenorganisationen den festgelegten Mindestpreis für ihre Produkte und die Fairtrade-Prämie ausgezahlt bekommen. Diese Prämie soll in zusätzliche Verbesserungen wie Schulen oder Krankenstationen investiert werden.

Ob die Kriterien eingehalten werden, wird in jährlichem Rhythmus kontrolliert. Alle drei Jahre muss das Fairtrade-Zertifikat erneuert werden, was mit einer umfangreichen Prüfung verbunden ist.

Kritik am GEPA-Siegel

In den letzten Jahren gab es vermehrt allgemeine Kritik am Fairen Handel: Vor allem die unklare Definition des Fairen Handels, fehlende Transparenz, die Anwendung des sogenannten Mengenausgleiches und die Rechte der Wander- und Leiharbeiter wurden in Frage gestellt.

GEPA zählt zu den Organisationen, die sich intensiv mit der Kritik auseinandersetzen, zu sehen etwa in der lesenswerten Sammlung auf gepa.de/service/infomaterial.html.

Das Unternehmen verwendet zwar keinen Mengenausgleich und setzt auf Transparenz, dennoch kommt bei Mischprodukten wie zum Beispiel Schokolade oder Bonbons auch mal nur ein Teil der Zutaten aus Fairem Handel. Auf der Verpackung ist das aber entsprechend gekennzeichnet.

Seit etwa 2012 rückt das kirchlich geprägte Unternehmen sein eigenes Logo und das „GEPA Fair+“-Zeichen in den Mittelpunkt und möchte stärker als eigenständiger Akteur wahrgenommen werden.

Zugleich verzichten viele Produkte auf das Fairtrade-Siegel, obwohl die meisten weiterhin von Fairtrade-zertifizierten Produzentengruppen importiert und von FLO-CERT zertifiziert werden, also zusätzlich auch das Fairtrade-Siegel tragen könnten. Aus Sicht von Fairtrade geht das „leider zu Lasten der Transparenz“, gewiß geht es zu Lasten der Markenbekanntheit.

Aus Utopia-Sicht gilt: Konsumenten sollten speziell Fairtrade und GEPA nicht als Konkurrenten betrachten, sondern als zwei Wege zum gleichen Ziel. Fairtrade-Produkte sind auch bei Discountern zu haben, GEPA-Produkte nicht; was die einen als Verwässerung der Idee betrachten, ist für die anderen die Chance, mehr Kunden für faire Produkte zu interessieren.

Alternativen zum GEPA-Siegel

Wichtige Alternativen zu GEPA fair+:

  • das Fairtrade-Siegel
  • Produkte von „El Puente“ oder „dwp eG“
  • faire Direct-Trade-Projekte, bei Schokolade etwa fairafric

Verfügbarkeit: hoch

Produkte mit diesem Zeichen kannst du sowohl in Biosupermärkten, Weltläden, Naturkostgeschäften, gut sortierten Supermärkten oder im hauseigenen Online-Shop kaufen: www.gepa-shop.de**.

Utopia-Fazit

Wenn du Fair Trade einkaufen willst, dann halte dich an das GEPA-Logo oder das „GEPA fair+“-Zeichen. Die Fair-Trade-Kriterien des Handelsunternehmens sind sehr streng und 78 Prozent der Produkte sind zusätzlich bio. Außerdem bemüht sich das Unternehmen auch bei der Verpackung um Umweltschutz: Die Innenverpackung der GEPA-Schokolade besteht zu 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zellulose. Beim Onlineshop haben wir allerdings oft auch viel Plastik-Verpackung festgestellt.

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