Ohne-Gentechnik-Siegel: Was steckt dahinter?

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In Deutschland gibts doch gar keine gentechnisch veränderten Lebensmittel, oder? Wozu gibt es dann das Ohne-Gentechnik-Siegel?

In der EU gibt es etwa 50 Zulassungen (Stand 2014) für importierte gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel. Hauptsächlich handelt es sich um Agrarprodukte wie Mais, Soja, Raps und Baumwolle. In Deutschland werden die importierten Rohstoffe meist für Futtermittel verwendet, die dann als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden müssen. Gentechnisch veränderte Lebensmittel gibt es in Deutschland nur sehr selten. Warum das Siegel Ohne Gentechnik trotzdem wichtig ist, hat Utopia für dich zusammengefasst.

  • Vergeben in: Deutschland
  • Vergeben von: Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG)
  • Kategorie: Essen und Trinken
  • Produkte: Eier, Milchprodukte, Fleischprodukte, Backwaren, Teigwaren, Getreideerzeugnisse, Öle und viele weitere
  • Gelabelte Produkte: Über 2.900

Die Kriterien

Die Kennzeichnung gentechnisch veränderter Lebensmittel ist bisher lückenhaft. In der EU müssen gentechnisch veränderte Lebensmittel zwar gekennzeichnet werden – Erzeugnisse von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, sind allerdings von der Kennzeichnungspflicht befreit. Bei Eiern, Milch und Fleisch kann man sich also nicht sicher sein, ob Reste von gentechnisch verändertem Futter enthalten sind.

In anderen Lebensmitteln können durch technische Probleme wie Verunreinigungen beim Transport kleine Mengen gentechnisch veränderter Bestandteile enthalten sein. Bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent ist das nicht kennzeichnungspflichtig, wenn es sich um eine zufällige oder technisch unvermeidbare Verunreinigung handelt.

Diese Kennzeichnungslücken füllt das Ohne-Gentechnik-Label:

  • das Lebensmittel und die Lebensmittelzutaten dürfen nicht gentechnisch verändert sein und auch nicht aus gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) hergestellt sein
  • es dürfen keine Aromen, Vitamine, Enzyme und andere Lebensmittelzusatzstoffe, die mit Hilfe von GVOs hergestellt wurden, für das Lebensmittel verwendet werden
  • Tiere dürfen (innerhalb einer bestimmten Frist) nicht mit gentechnisch veränderten oder von GVOs hergestellten Futtermitteln gefüttert werden

Siegel „Ohne Gentechnik“: Die Kontrollen

Das Ohne Gentechnik Label ist eine freiwillige Kennzeichnung. Soll ein Produkt mit dem Siegel gekennzeichnet werden, muss die Einhaltung der Kriterien anhand von Dokumenten belegt werden. Eine externe Zertifizierungsstelle überprüft die Einhaltung der Kriterien.

Die Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer kontrollieren regelmäßig. Bei schweren Verstößen kann der VLOG die Lizenz des Siegels zurückziehen.

Kritik am Ohne-Gentechnik-Siegel

Bisher ist das Ohne-Gentechnik-Siegel nur eine freiwillige Kennzeichnung. Es gibt also Produkte, die zwar frei von Gentechnik sind, die aber nicht als solche erkennbar sind. Zudem gibt es andere von Unternehmen selbst gestaltete Gentechnik-Siegel. Eine einheitliche Kennzeichnungspflicht wäre besser.

Problematisch ist auch, dass Lebensmittelzusatzstoffe (z.B. Enzyme und Vitamine), die durch GVOs hergestellt wurden, bei der Produktion von Ohne-Gentechnik-gelabelten Lebensmitteln verwendet werden dürfen, wenn sie als Ausnahme durch die Öko-Verordnung zugelassen wurden. Bisher gab es eine solche Ausnahme aber noch nicht.

Zwar dürfen die Tiere nicht mehr mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden. Diese Regelung gilt allerdings nicht von Geburt an. Es gibt aber Fristen, an die sich Landwirte halten müssen. Für gentechnikfreie Milch beispielsweise muss der Landwirt nur drei Monate zuvor auf gentechnisch verändertes Futter verzichtet haben.

Bei Fleischprodukten gilt zudem auch die 0,9-Prozent-Regelung: Selbst bei Produkten mit dem Ohne-Gentechnik-Label darf es zu einer gentechnischen Verunreinigung von 0,9 Prozent kommen.

Alternativen zum Ohne-Gentechnik-Siegel

EU-Bio-Siegel = ohne Gentechnik
EU-Bio-Siegel = ohne Gentechnik (Siegel © EU)

Eine (in unseren Augen bessere) Alternative zum Ohne-Gentechnik-Siegel bieten Bio-Produkte: Produkte mit dem EU-Bio-Siegel müssen Gentechnik-frei sein. Aber auch für Bio-Produkte gilt, dass Verunreinigungen bis zu einem Anteil von 0,9 Prozent von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind, wenn es sich um zufällige oder technisch unvermeidbare GVO-Verunreinigungen handelt. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Verunreinigung ist bei deutschen Bioprodukten allerdings sehr gering.

Utopia-Fazit

Wer Wert auf Gentechnik-freie Lebensmittel legt, kann sich ein bisschen am Zeichen Ohne Gentechnik orientieren. Eine hundertprozentige Garantie bietet das Siegel aber nicht: Milch, Eier oder Fleisch können unter Umständen trotzdem gentechnisch veränderte Anteile von bis zu 0,9 Prozent enthalten und vor allem bei Milch stört doch sehr, dass es reicht, dass die Milchkuh in den letzten drei Monaten kein gentechnisch verändertes Futter gegeben wurde. Bisher ist das Siegel noch eine freiwillige Kennzeichnung, eine einheitliche Kennzeichnungspflicht mit strengeren Kriterien wäre noch besser.

Insgesamt erscheint uns das Siegel als zu wenig streng und daher nicht empfehlenswert. Ab Geburt, aber einfach 3 Monate vor Verkauf der Milch kein Gen-Futter mehr verfüttern – und dann trotzdem ein Gentechnikfrei-Siegel draufpappen dürfen? Das leuchtet uns nicht ein.

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Externe Info-Seiten:

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