Bist du ein Öko-Snob? Neue Studie liefert unbequeme Erkenntnisse

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Du kaufst Bio, vermeidest Plastik und machst in Sachen Umweltschutz sowieso einiges besser als der Rest der Bevölkerung? Einer schwedischen Studie zufolge stimmt das nicht unbedingt: Die meisten Menschen überschätzen demnach ihren Beitrag zum Umweltschutz. Das könnte problematische Konsequenzen haben.

Das Klima erwärmt sich, die Ozeane ersticken in Plastik und schätzungsweise eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Die Erde ist in keinem guten Zustand – weshalb viele Menschen versuchen, umweltfreundlicher zu leben. Allerdings schätzen viele ihre Anstrengungen falsch ein, wie eine neue Studie aus dem wissenschaftlichen Journal „Basic and Applied Social Psychology“ zeigt.

Für die Studie hat Magnus Bergquist von der Universität Göteburg (Schweden) in einem mehrstufigen Verfahren 4.042 Teilnehmer*innen aus Schweden, Indien, UK und den USA befragt. Bei den Fragen ging es unter anderem darum, wie wichtig den Teilnehmenden Umweltschutz im täglichen Leben ist – etwa ob sie auf bestimmte Öko-Siegel achten, Energie sparen oder Plastik vermeiden. Außerdem mussten sie ihren eigenen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz mit dem ihrer Freund*innen oder Mitbürger*innen vergleichen.

Der „Besser-als-der-Durchschnitt-Effekt“

Das Ergebnis: Die meisten Teilnehmenden hielten sich für umweltfreundlicher als der Durchschnitt. Sie gaben auch an, mehr auf Umweltschutz zu achten als ihre Freund*innen.

Die Tendenz, sich selbst im Vergleich mit anderen zu überschätzen, ist schon länger bekannt – unter dem Namen „Better-than-Average-Effekt“ („Besser-als-der-Durchschnitt-Effekt“). Man hält sich selbst für intelligenter, freundlicher oder ehrlicher als andere. Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass dieser Effekt dazu dient, den eigenen Selbstwert zu stärken. Neu ist laut Bergquist allerdings, dass der Effekt auch in Bezug auf Umweltschutz wirkt. „Wenn man logisch darüber nachdenkt, kann die Mehrheit nicht umweltfreundlicher sein als die anderen“, sagt der Wissenschaftler.

Der Effekt birgt eine gewisse Gefahr

Was bei der schwedischen Studie auffiel: Der Besser-als-der-Durchschnitt-Effekt war besonders stark bei Aktivitäten, welche die Teilnehmer*innen besonders häufig durchführten. Wenn eine Versuchsperson beispielsweise oft regional einkaufte, ging sie stärker davon aus, das häufiger als ihre Mitbürger*innen zu tun.

Studie, Umweltschutz, Überlegenheit
Magnus Bergquist: Eine „umweltfreundliche Norm“ kann unser Verhalten positiv beeinflussen. (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay)

Die Universität Göteburg sieht darin eine gewisse Gefahr. Wenn man denke, umweltfreundlicher als andere zu sein, könne das „die Motivation reduzieren [… ] sich in Zukunft umweltfreundlich zu verhalten“, heißt es in einer Pressemitteilung zur Studie. Um das zu vermeiden, hat Studienautor Magnus Bergquist zwei Empfehlungen:

  1. Versuchen, die eigenen Bemühungen für Umweltschutz realistisch einzuschätzen.
  2. Menschen darüber informieren, dass andere Personen sich für die Umwelt einsetzen. Dadurch entstehe eine „umweltfreundliche Norm“, die uns alle zu mehr Umweltschutz inspirieren könne.

Den eigenen Lebensstil ehrlich reflektieren

Die schwedische Studie zeigt einmal mehr, dass unsere Einstellungen oft nicht mit der Realität übereinstimmen, wenn es um Umweltschutz geht. In Umfragen geben Menschen in Deutschland beispielsweise immer wieder an, wie wichtig ihnen es ist, ökologisch und umweltbewusst einzukaufen. Die Statistiken zeigen jedoch: Die meisten kaufen konventionelle Lebensmittel im Discounter ein – tierische Produkte aus Massentierhaltung statt Bio-Fleisch.

Wer etwas für die Umwelt und das Klima tun will, sollte sich und seinen Lebensstil immer mal wieder ehrlich reflektieren. Verschiedene Rechner und Webseiten können dabei helfen:

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(2) Kommentare

  1. Oje – irgendwie ist das ein unzusammenhängendes Geschreibsel. Eine schwedische Studie mit deutschem Kaufverhalten zu vergleichen – mmmh. Und die Differenz zwischen der Angabe ökologisch und bewusst einzukaufen und der Statistik (welcher Statistik?) dass die meisten beim Discounter einkaufen. Vielleicht liegt das daran, dass die die gefragt werden und antworten andere sind als die die beim Discounter einkaufen. Schließlich hat ökologischer und bewusster Einkauf auch was mit dem Geld zu tun, das man zur Verfügung hat. Und viel Geld haben wenige Leute, wenig Geld aber viele Leute in diesem Land. Da ist es nicht verwunderlich, dass die meisten beim Discounter einkaufen.

  2. Hallo pamina, es gibt Umfragen, die einen hohen Prozentsatz vermelden an Menschen, die mehr für regionale, umweltfreundliche, nachhaltige und Bio-Lebensmittel ausgeben würden. Und an der Kasse entscheidet nur „Geiz ist geil“.
    Geld ist nicht die Frage: Nach dem 2. Weltkrieg lag der Kostenanteil für Lebensmittel eines Haushaltes in Deutschland deutlich höher. Heute ist der so niedrig wie noch nie und ein Spitzen(niedrig)wert innerhalb der EU. Ich kenne eine Familie mit sehr eingeschränktem Budget, die es trotzdem schafft, Lebensmittel möglichst regional (usw.) einzukaufen. Bei Familien mit schmalem Budget sollte dann auch die Frage nach dem Ausgabenumfang für elektronische Geräte gestellt werden. Oftmals sind Smartphone, Playstation, Audioausstattung, Fernseher, Rechner, … sehr teuer und werden trotzdem gekauft (keine Frage, woher das Zeug kommt – meistens aus China. Da wird niemals überlegt! Bestellung online, so billig wie möglich. Dass damit hier in Deutschland Arbeitsplätze vernichtet werden – kein Gedanke). Im Discounter wird nicht eingekauft, weil manche Leute wenig Geld haben, sondern weil es dort am billigsten und das ganze Jahr verfügbar ist. Welche von den Leuten mit limitiertem Budget versuchen sich andere Quellen zu erschließen (Streuobst für Essäpfel und/oder Apfelsaft, Eigenanbau, Absprachen im Bekanntenkreis für Gemüsebezug, …)?
    Ach ja, es stimmt, der Beitrag von Utopia ist nicht so arg rund. Aber jeder entscheidet selbst, wie er sich verhält. Das wird Utopia nicht verändern, solange nicht jeder Mensch ein eigenes Bewusstsein entwickelt, das ihn garnicht anders als umweltfreundlich handeln lässt. Bequemlichkeit steht für viele obenan („Faulheit siegt“ ist immer mein Spruch, dessen Wahrheitsgehalt ich täglich beobachten kann).