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Utopia-Podcast: Arbeitet meine Bank nachhaltig? Ein Gespräch mit dem Fair Finance Guide

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Markus Spiske

Ein eigenes Konto hat eigentlich jeder – aber lässt deine Bank dein Geld auch wirklich nachhaltig für dich arbeiten? Du denkst jetzt vielleicht, es sei total kompliziert, da durchzublicken. Wir sagen: Stimmt nicht! Worauf du bei der Wahl deiner Bank achten solltest, erklärt Thomas Küchenmeister vom Fair Finance Guide im Podcast-Interview.

In dieser Folge unseres Podcasts unterhält sich Frenzy aus der Utopia-Redaktion mit Thomas Küchenmeister: Er ist geschäftsführender Vorstand von Facing Finance e.V. und gibt den Fair Finance Guide heraus. Darin werden Banken unter die Lupe genommen und danach bewertet, wie nachhaltig sie wirtschaften.

Hier liest du einen gekürzten Auszug aus dem Podcast-Gespräch mit Thomas Küchenmeister. Das komplette Interview hörst du in der Podcast-Folge – klick dazu einfach auf „Play“:

Utopia: Herr Küchenmeister, worum geht es beim Fair Finance Guide?

Thomas Küchenmeister: Der Fair Finance Guide ist ein Projekt der NGO Facing Finance, für den wir mit anderen deutschen NGOs wie Südwind oder der Verbraucherzentrale Bremen zusammenarbeiten. Wir schauen uns dafür die Nachhaltigkeitskriterien für das Investment und das Finanzierungsgeschäft von Banken an und bewerten sie. Seit Kurzem machen wir das auch für Versicherungen. 

Aus welcher Motivation heraus ist der Fair Finance Guide entstanden?

Wir haben festgestellt, dass die Menschen sehr verunsichert sind, was das Thema Banken angeht. Für die meisten ist es schwer zu entscheiden, was nachhaltig ist und was nicht. Zumal es nicht so einfach ist, an Infos zu kommen.

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist ja nicht geschützt und wird leider auch missbraucht. Deswegen verstehen wir den Fair Finance Guide als Transparenz-Initiative, um diesem Defizit entgegenzuwirken.

Wir wollen Orientierung bieten und es ermöglichen, mit möglichst wenig Aufwand einen ersten Zugang zu der Frage zu finden, welche Bank nachhaltig mit dem Geld der Kunden umgeht und welche nicht.

Und was genau schauen Sie sich da an? Welche Bewertungskriterien verwendet der Fair Finance Guide?

Wir schauen uns die Banken aktuell auf Basis von über 280 Bewertungskriterien an. Die kann man sich auch im Einzelnen bei uns auf der Webseite ansehen. Zwar arbeiten wir gerade an einer Reform der Methodik, aber sehr viel weniger Punkte werden es sicher nicht.

Grundsätzlich bewerten wir Querschnitts- und Sektorthemen wie Klimawandel, Menschenrechte, Arbeitsrechte, Natur und Umwelt, Steuern und Korruption. Auch Geschlechtergleichstellung ist ein wichtiges Thema. Zu den Querschnitt-Themen gibt es internationale Verträge wie das Pariser Klimaabkommen für den Klimawandel oder die ILO-Richtlinien in Bezug auf Arbeitsrechte.

Dementsprechend schauen wir dann, ob wir Referenzen dazu in den Richtlinien der Banken finden, die beispielsweise besagen: Im Rahmen unserer Geschäftsbedingungen beachten wir das Pariser Klimaabkommen. Das bedeutet im Umkehrschluss, sie arbeiten mit niemandem zusammen, der das Klima schädigt.

Auch der Sektor Waffen ist natürlich ein ganz großes Thema. Wir schauen hier, ob die Banken mit Waffenexporteuren zusammenarbeiten, ob sie diese finanziell – mit dem Geld ihrer Kunden – unterstützen. Nahrungsmittel sind ein weiteres großes Thema, ebenso wie Öl und Gas und der Bergbau. Gerade hier passieren viele Verstöße gegen sozialökonomische Normen. Hier erwarten wir von den Banken, dass sie dazu Richtlinien veröffentlichen.  

Die im Fair Finance Guide aufgeführten Banken tragen je nach Bewertung Farben wie Grün, Orange oder Rot. Die GLS, die Ethikbank oder die Triodos Bank sind mit über 80 Prozentpunkten grün und damit gut bewertet. Die DKB, mal als Beispiel, wirbt aktiv mit Nachhaltigkeit, liegt aber mit Orange am Ende des Mittelfeldes. Können Sie uns Kriterien nennen, die Banken wie die GLS, die Ethikbank oder Triodos Bank von einer DKB, Deutschen Bank oder der Hypo unterscheidet? Oder allgemeiner: eine gute von einer schlechten Bank?

Der Bereich Nachhaltigkeit wurde inzwischen zum Mainstream erklärt. Da der Begriff nicht geschützt ist, heißt das leider auch nicht, dass alles nachhaltig ist, was sich nachhaltig bezeichnet.

Um ein paar Beispiele zur DKB zu geben: Dass sie im Bereich Klimaschutz schlechter abschneidet als Nachhaltigkeitsbanken, liegt daran, dass sie zwar keine Kredite für Förderer von Kohle, Erdgas oder Erdöl gibt, aber auch keine generellen Aussagen zu Stromproduzenten macht. Sprich: Zu Kohle- oder Gaskraftwerken oder anderen fossilen Energieträgern vermissen wir, dass Ausschlüsse stattfinden. Deswegen hat die DKB hier eine schlechtere Bewertung.

Bei Menschenrechten ist die Bewertung ebenfalls unterdurchschnittlich. Zwar bekennt sich die DBK zu den ILO-Kernarbeitsnormen und zu Menschenrechtskonventionen, allerdings nicht zu den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte. Und die sind wesentlich relevanter. Auch für den Bereich Nahrungsmittel haben wir kaum positive Punkte gefunden. Da eine der acht Kundengruppen der DKB die Landwirtschaft ist, wären hier Leitlinien, die soziale und ökologische Anforderungen an die finanzierten Unternehmen richten, dringend erforderlich.

Ebenso, wenn es um Tierschutz geht, beispielsweise um Beschränkungen von Tiertransporten oder den Einsatz von Pestiziden. Auch Richtlinien zum Umgang mit Gentechnik fehlen. Deswegen hat die DKB dort nur eine sehr schlechte Bewertung. Und auch im Bereich Natur und Umwelt haben wir nur wenig gefunden. In diesem Bereich stellt die Bank so gut wie keine Anforderungen an die Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeitet.

Das ist natürlich ein deutlicher Unterschied zu dem, was Alternativ-Banken in ihren Richtlinien formulieren.

Welche fünf Punkte sollte man checken, bevor man zu einer anderen Bank wechselt?

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt aber eine ganze Reihe von Umfragen, wo man per Ranking sehen kann, was den Leuten wichtig ist. Dort zeigt sich, was sie mit ihrem Geld auf keinen Fall unterstützen wollen, beispielsweise Waffenhandel und Klimazerstörung. Den meisten sind Umweltschutz und Menschenrechte sehr wichtig. Vor dem Hintergrund, dass das die beiden Hauptgründe für Fluchtursachen sind, sind das echte Kernthemen. Wer sich nachhaltig orientieren will, muss oder sollte sein Hauptaugenmerk darauf richten.

Herr Küchenmeister, wir danken für das Gespräch!

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