Betäubungslose Ferkelkastration ab Januar 2021 verboten

Foto: CC0 Public Domain / Pixabay / aitoff

Bislang wurden in Deutschland jährlich 20 Millionen Ferkel  ohne Betäubung kastriert. Damit ist ab dem neuen Jahr Schluss: Ab 1. Januar 2021 ist die qualvolle betäubungslose Ferkelkastration endgültig verboten

Nach sieben Jahren Übergangsfrist ist es endlich so weit: Das Kastrieren von Ferkeln ohne Betäubung ist ab Januar 2021 verboten. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, bezeichnet den Ausstieg aus der Ferkelkastration als „längst überfällig“.

Eigentlich hätte mit der qualvollen Praxis schon vor zwei Jahren Schluss sein sollen, doch die Große Koalition hatte die Ferkelkastration ohne Betäubung für zwei Jahre verlängert. „Dass die Regierungsfraktionen im Bundestag das 2013 beschlossene Verbot Ende 2018 noch mal gekippt haben und so die Tierqual für deutschlandweit etwa 50 Millionen Ferkel um weitere zwei Jahre verlängerten, war ein Schlag ins Gesicht für den Tierschutz“, resümiert Thomas Schröder.

Ferkelkastration ohne Betäubung – endlich Vergangenheit

Männliche Ferkel für die Fleischproduktion wurden in Deutschland bislang ohne irgendeine Art von Betäubung kastriert. Eine qualvolle Praxis, die knapp 20 Millionen kleine Eber jährlich erdulden mussten. Die Kastration hat nur einen Sinn: Durch sie soll vermieden werden, dass das Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt.

Grund für die Verzögerung: Fehlende Alternativen und Kosten

Grund für die lange Verzögerung des Verbots waren nach Ansicht der Großen Koalition und des Bauernverbands fehlende Alternativen und zu hohe Kosten. Pro Ferkel würden die Kosten um zwei bis fünf Euro steigen – zu viel aus Sicht vieler Landwirte. Die Schweinehalter fürchteten billigere Konkurrenz aus dem Ausland, die sie ihre Existenz kosten könnte.

Alternativen zur betäubungslosen Ferkel-Kastration

Als Alternativen zur Ferkelkastration ohne Betäubung gibt es mehrere Verfahren:

  • Ebermast (d.h. die Mast unkastrierter Eber)
  • Impfung gegen Ebergeruch (sog. Immunokastration)
  • Kastration unter Vollnarkose durch einen Tierarzt. Diese Methode wird bereits bei Neuland-Betrieben praktiziert.
  • Kastration unter Lokalanästhesie durch den Landwirt. Land- und Fleischwirtschaft favorisieren diesen sogenannten „skandinavischen Weg“, der in Dänemark bereits praktiziert wird. Tierschützer lehnen die Methode aber ab, da auch sie Schmerzen für die Jungtiere bedeutet.

Ein Schritt in Richtung bessere Tierhaltung

Utopia meint: Das Verbot der Kastration ist richtig und längst überfällig. Nicht vergessen werden darf dabei: Es ist nur ein Schritt hin zu einer besseren Tierhaltung.

Bio-Schweinefleisch beispielsweise besetzt eine extrem kleine Nische und hat laut der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) nur einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Umgekehrt bedeutet das: Mehr als 99 Prozent der Mastschweine dürfen nicht unter Bio-Bedingungen aufwachsen, sondern vegetieren in engen, reizarmen Ställen dahin.

Zudem ist die Investition in teure Narkosegeräte und Schulungen für kleine Ferkelzüchter kaum zu stemmen – trotz der Fördermöglichkeit durch das Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft. Viele von ihnen mussten in den vergangenen Jahren wegen der Konkurrenz großer Mastbetriebe aufgeben. Derzeit kämpfen die Schweinezüchter mit einem massiven Absturz der Schweinefleischpreise.

Grund sind zum einen die coronabedingten Schließungen vieler Schlachthöfe und der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland. Die Folge: Asiatische Länder haben den Import von deutschem Schweinefleisch gestoppt. 

Tipps für den Kauf von Schweinefleisch

Wenn du Schweinefleisch kaufst, solltest du Fleisch von Bio-Anbauverbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter wählen. Auch das hellblaue Label vom Deutschen Tierschutzbund mit den zwei Sternen steht für „ein hohes Tierschutzniveau im Vergleich zum gesetzlichen Standard“, so das Urteil der Verbraucherzentrale. Schweinefleisch vom Discounter erfüllt hingegen meist nur die gesetzlichen Mindeststandards.

Generell solltest du Fleisch (und andere tierische Produkte) nach der Devise „weniger ist mehr“ konsumieren. Wenn du weniger Fleisch isst, lernst du, tierischen Produkten mehr Wert beizumessen. Eine weitere Alternative: ganz auf den Konsum von Fleisch verzichten. Hier findest du die wichtigsten Erkenntnisse rund um bewussten Fleischverzicht.

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(9) Kommentare

  1. Der Mensch ist anatomisch gesehen ein reiner Pflanzenfresser. Wie auch alle anderen Tiere auf diesen Planeten muss er auch keine Milch trinken. Der Mensch hat früher Fleisch gegessen, um in kalten Gegenden zu überleben. Heute ist das nicht mehr notwendig. Es gibt Veganer, die bereits seit Jahrzehnten erfolgreich rein pflanzlich leben. Der Verzehr von Tierprodukten hat nur mit Genuß zu tun bzw. ist eine Tradition.
    Die Kastration von männlichen Schweinen (damit das Fleisch überhaupt irgendwie schmeckt) ist nicht mal die Spitze des Eisbergs. Klar denkende Menschen sollten sich von Tierprodukten grundsätzlich fern halten, da sie nicht für den Menschen bestimmt sind und zu allerlei Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Krebs oder Diabetes Typ 2 führen können.

    https://veganistungesund.de
    https://nutritionfacts.org/topics/

  2. Es ist absolut richtig, dass es einen Ausstieg aus der betäubungslosen Kastration geben soll!

    Doch stehen noch einige strittige Punkte im Raum, die bis jetzt noch nicht geklärt sind!
    (u.a. Akzeptanz der Immunokastration, Sicherstellung der Fleischqualität bei der Ebermast, Wie sollen die Tierärzte das extra Arbeitsvolumen für die Kastration bestreiten? )

    Des Weiteren ist es möglich, dass Tiere aus dem Ausland in Deutschland vermarktet werden, obwohl sie betäubungslos kastriert wurden.
    Dies würde dem Verbraucher nur den geforderten Standard vorgaukeln.

    Mit einer Verlängerung der Frist könnten und müssten diese Fragen geklärt werden.

    Würde es zu einer Fristverlängerung kommen, könnte man dies zudem nutzen, um eine weitere Verbesserung des Tierwohls zu erreichen.

    Mit einer entsprechenden Übergangszeit könnte eine komplette Abschaffung der Ferkel-Kastration angestrebt werden. Dazu muss jedoch die Schlacht- und Verarbeitungsindustrie sich auch entsprechend darauf einstellen (Sensoren zur Feststellung von „Stinkerfleisch“, Abnahme von leichtgewichtigeren Ebern ohne Abschläge). Die Kastration mit Betäubung wäre dann nur für den Übergang vorzusehen.

    Daher ist die Forderung, dass die strittigen Fragen endlich mit der Fristverlängerung geklärt werden, zielführender. Weitere Verlängerung darf es jedoch nicht geben.

  3. „Deswegen muß ich es doch trotzdem nicht verstehen.“
    Nein, musst du natürlich nicht. Wir sind alle von Mutter Natur ganz unterschiedlich gesegnet.
    „Ganz früher (also so vor 100 Jahren) ging es doch auch ohne.“
    Ach, ganz früher, das waren noch Zeiten. Da gab es auch noch kein Internet, wo man seine Ahnungslosigkeit als Tugend zelebrieren konnte.

  4. Denkenderbuergerschrieb am 8. November 2018 um 07:36 Uhr
    „Deswegen muß ich es doch trotzdem nicht verstehen.
    Ganz früher (also so vor 100 Jahren) ging es doch auch ohne.“

    Etwas – nur ein klein wenig – Recherche hilft auch Dir ganz sicher auf die Sprünge.