Röntgenbilder zeigen dreiste Tricks: So viel Luft steckt in beliebten Produkten

Oreo Verbraucherzentrale Hamburg Verpackungen Luft
Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg

Wer im Supermarkt einkauft, bringt jede Menge Verpackungsmüll mit nach Hause. Vieles davon wäre gar nicht nötig: Wie die Verbraucherzentrale Hamburg mit Röntgenaufnahmen zeigt, sind die Verpackungen oft viel zu groß und enthalten hauptsächlich Luft.

Es ist ein alter Trick: Damit Produkte größer aussehen, stecken die Hersteller sie in überdimensionale Verpackungen. Von außen sieht man nicht, wie viel wirklich drinsteckt, die Überraschung kommt beim Öffnen.

Die Verbraucherzentrale Hamburg enthält regelmäßig Beschwerden über Verpackungen, die mehr Luft als Lebensmittel enthalten. Die Verbraucherschutzorganisation hat sich nun 14 gemeldete Produkte genauer angesehen – und mit einem Röntgengerät durchleuchten lassen. Das Ergebnis: Die meisten Verpackungen waren nicht mal bis zur Hälfte gefüllt.

Der Verlierer

Verbraucherzentrale Hamburg Verpackungen Luft
Der Mondamin-Grießbrei mit über 80 Prozent ohne Inhalt. (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Das Produkt, das am meisten enttäuschte, war der „Mondamin Lieblingsgrießbrei Klassische Art“. Die Tüte ist 18 Zentimeter hoch – sie ist aber nur etwas über drei Zentimeter mit Griesbrei gefüllt. Damit ist die Verpackung zu 83 Prozent leer.

Finish Powerball

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27 Tabs in einer großen Verpackung. (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Nicht nur bei Lebensmitteln tricksen die Hersteller: Die Verpackung der Spülmaschinentabs von „Finish Powerball“ ist zu fast drei Viertel leer.

Maoam Crazy Roxx

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„Maoam Crazy Roxx“ (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Bei diesen Süßigkeiten von Maoam waren die Hersteller besonders raffiniert: Die Verpackung hat ein Sichtfenster, durch das die Kaubonbons sichtbar sind. Man hat den Eindruck, die Packung sei voll. Dreht man sie jedoch auf den Kopf, ist im Sichtfenster nichts mehr von den Süßigkeiten zu sehen. Nicht mal die Hälfte des Beutels enthält Süßigkeiten.

Bounty-Trinkschokolade

Viel Verpackung für wenig Pulver (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Bounty gibt es nicht nur als Schokoriegel, sondern auch als Trinkschokolade. Die Verpackung ist allerdings nur zu gut einem Drittel der Höhe mit Pulver gefüllt. Das fällt aber nicht auf: Der Verbraucherzentrale Hamburg zufolge ist der Beutel mit Gas aufgebläht, sodass sie prall gefüllt aussieht.

Risotto

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Bei Fertiggerichten übertreiben es die Hersteller gerne mit der Verpackung. (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Vor allem bei Fertiggerichten steckt oft nur wenig Inhalt in der Verpackung – so auch beim „Risotto Milanese“ der Marke Riso Scotti.  Die ermittelte Höhe des Luftanteils beträgt 81 Prozent.

Oreo Crispy & Thin

Oreo Verbraucherzentrale Hamburg Verpackungen Luft
Ein paar Oreo-Kekse und viel Verpackung. (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Die „Crispy & Thin“-Kekse von Oreo sind dünner als das Original. In ihrer Verpackung haben sie jede Menge Platz: Der Karton ist nur gut zur Hälfte gefüllt. Dazu kommen zwei einzelne Plastiktütchen – viel Verpackungsmüll für wenig Kekse.

Lenor-Waschmittel

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Auch bei Lenor-Waschmittel wird die Packung nicht vollständig gefüllt. (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Die Verpackung des Lenor-Vollwaschmittels sieht im Vergleich zu den anderen Produkten im Röntgenbild gar nicht so schlimm aus: Der Großteil der Flasche ist gefüllt. Trotzdem bleiben einige Zentimeter der Verpackung leer – ohne dass es einen logischen Grund dafür gäbe. Es spräche nichts dagegen, die Flasche komplett zu befüllen.

Kellogs-Müsli

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Kellogs-Müsli mit viel zu wenig Inhalt. (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Gleiches gilt auch für das „Disney Kitchen“-Müsli von Kellogs. Rund ein Drittel des Kartons besteht aus ist leer – das müsste nicht sein.

Mymuesli

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Mymuesli (Foto: © Verbraucherzentrale Hamburg)

Bei Müsli scheint das Gang und Gebe zu sein. Auch bei „mymuesli“ wäre noch Platz für mehr Müsli. Knapp sieben Zentimeter der 26 Zentimeter langen Dose sind nicht gefüllt.

Alle Produkte und eine Übersicht aller gemessenen Werte gibt es bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Doppelter Irrsinn

Die Mogelpackungen aus dem Supermarkt sind doppelt ärgerlich: Die Kunden werden getäuscht: Wir bekommen weniger Inhalt, als wir glauben, zu bezahlen. Zugleich sind die überdimensionalen Verpackungen eine unnötige Verschwendung.

Deutschland ist im EU-Vergleich ohnehin schon Spitzenreiter was Verpackungsmüll angeht – jede Person in Deutschland verbraucht mehr als 220 Kilogramm Verpackungen im Jahr. Im Jahr 2018 hat Deutschland wieder mehr Plastikverpackungen produziert als noch im Vorjahr. Mogelverpackungen wie die aus der Analyse der Verbraucherzentrale Hamburg tragen ihren Teil dazu bei.

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(2) Kommentare

  1. Da kann ich nur noch mitteilen,
    nicht ein einziges Produkt ist dabei, das ich einkaufe!!

    Wenn ich dann auch noch den Mondamin-Grießbrei sehe …
    Igitt, so eine Pampe aus der Packung. Wie viel Geschmacksverstärker,
    Zucker und Konservierungsstoffe sind da drin?
    Da ist ja die Luft noch das Gesündeste, smile.
    Wenn ich Grießbrei wollte, würde ich ihn selber machen und womöglich auch billiger, trotz guter Milch von Biobauern und deshalb auch etwas teurer.
    Dafür bezahle ich gerne (bei Alnatura) ein paar Cent mehr für alle Milchprodukte.
    Aber nicht für diesen Verpackungsmüll, den man auch mitbezahlt.

  2. Was nicht gesagt wird ist, dass es ein Gesetz gibt, welches besagt dass 70% der Verpackung gefüllt sein muss. Das schützt Verbraucher. Jede Verpackung im Handel muss diese sogenannte Eichgesetzprüfung durchlaufen und freigegeben werden. Verpackungen welche durchfallen werden gesperrt und aus dem Handel genommen.
    Dementsprechend hat jede hier aufgeführte Verpackung diese Prüfung bestanden.
    Wichtig zu beachten ist gerade bei den Beuteln die Form. Es wird nicht mit der Höhe sondern mit dem Volumen gerechnet. Das FüllVolumen sieht man auf den RöntgenBildern nicht. So ist es klar, dass beim konisch zulaufenden Beutel der Inhalt unten keinen besonders hohen Füllstand hat.
    Sonderregelungen gibt es bei Sichtfenstern und klarer Deklaration bzw. Abbildung des Inhalts.
    Zudem begründen auch viele Abpackprozesse das Füll Volumen, wie beispielsweise beim Müsli. Rein technisch kann man die Verpackung nicht voller machen.
    Bin vom Fach und wollte das eben klarstellen.

    Ansonsten bin ich natürlich absolut der Meinung unnötig viel Verpackungsmüll zu vermeiden.
    In den meisten Konzernen gibt die schön genannte Size Impression den Ton an. Große Packungen werden einfach eher gekauft. Schade.

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