Gemüse und Brötchen müllfrei einkaufen: der Praxistest mit dem Stoffbeutel

Nachhaltig einkaufen mit Stoffbeutel
Foto: Utopia/vs

Verpackungsmüll sollten wir so gut es geht vermeiden – zum Beispiel, indem wir beim Einkaufen lose Waren in wiederverwendbare Taschen füllen. Wir haben ausprobiert, wie gut das klappt und waren mit dem Stoffbeutel beim Bäcker, im Bioladen, im Supermarkt und im Discounter.

Wer einen kleinen Stoffbeutel dabei hat, kann die leidigen Plastik- und Papiertüten für Brötchen, Obst und Gemüse umgehen – in der Theorie zumindest. Wir haben den Praxistest gemacht. Ausgestattet mit zwei Beuteln aus dünnem Baumwollgewebe sind wir zum Einkauf losgezogen.

Erster Stop: Bäcker

„Könnten Sie mir die Brötchen bitte hier reinpacken?“ Beim Bäcker muss die Frage schnell kommen, denn zeitgleich zur Bestellung greift die Verkäuferin schon zur bekannten Papiertüte. Dass sie die Brötchen dann stattdessen in den mitgebrachten Baumwollbeutel stecken soll, ist kein Problem.

Stiftung Warentest hat übrigens vergangenes Jahr Bäckertüten von 27 Backwarenanbietern auf Schadstoffe getestet. Das erfreuliche Ergebnis: Keine der bedruckten Tüten im Test enthielt bedenkliche aromatische Amine, die Belastung mit Mineralölen (MOSH und MOAH) war sehr gering.

Bäckertüten geben laut diesem Test keine Schadstoffe an den Inhalt ab – umweltfreundlich sind sie trotzdem nicht, denn sie werden in der Regel nur wenige Minuten benutzt und landen dann im Müll. Der eigene wiederverwendbare Beutel ist also eine gute Alternative. Weiter geht’s damit zum Bioladen.

Nachhaltig einkaufen mit Stoffbeutel
Wiederverwendbarer Beutel statt Bäckertüte, die nach kurzer Benutzung im Müll landet. (Foto: Utopia/vs)

Zweiter Stop: Bioladen

Im Bioladen sind die Verkäufer vielleicht Kunden mit eigenem Sackerl gewöhnt? Schließlich kaufen hier vor allem umweltbewusste Kunden ein – so zumindest das Klischee. Auf Nachfrage verneint die Kassiererin, wenige Kunden würden mit eigenem wiederverwendbaren Beutel für Obst, Gemüse oder Backwaren kommen. Bei der Wahl zwischen Papier und Plastik würden die Kunden zudem eher zu den Plastiktüten in der Obst- und Gemüseabteilung greifen.

Doch auch hier hat niemand ein Problem mit meiner mitgebrachten Tasche: Ich jedenfalls fülle eine Handvoll kleine Tomaten in den Stoffbeutel, bezahle und begebe mich zur nächsten Station: dem Discounter.

Nachhaltig einkaufen mit Stoffbeutel
Kauf von Tomaten im Biomarkt (Foto: Utopia/vs)

Dritter Stop: Discounter

Zugegeben, im Discounter fühle ich mich mit meinem kleinen Stoffbeutel etwas fehl am Platz – was mich aber nicht daran hindert, wie selbstverständlich Esskastanien in den naturfarbenen Beutel zu füllen. Die Schlaufe zugezogen, stelle ich mich an die Kasse. Der Verkäufer schaut kurz in den Sack und nennt kommentarlos den zu zahlenden Preis.

Hat die junge Frau hinter mir in der Schlange nicht verwundert geguckt? Egal, ich verlasse zufrieden den Discounter und merke: Plastiktütenfrei einzukaufen ist wirklich nicht schwer. Auf geht’s zur letzten Station: dem Supermarkt.

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Kauf von Esskastanien im Discounter (Foto: Utopia/vs)

Vierter Stop: Supermarkt

Nach diesen drei Einkaufserlebnissen begebe ich mich positiv gestimmt zum letzten Stop: einem großen Supermarkt, der erst vor Kurzem nach Sanierung wiedereröffnet hat. Ich befülle den Beutel mit sechs Zwiebeln – der kleine Sack könnte gut die doppelte Menge fassen – und stelle mich an die Kasse.

„Wie niedlich!“, ruft die Kassiererin beim Anblick meines Beutels. Auf Nachfrage bestätigt sie den Eindruck aus dem Biomarkt: Wenige Kunden würden mit eigenem Beutel kommen. Die meisten würden sich Obst und Gemüse in die bereitgestellten Plastiktüten abfüllen oder die bereits fertig gepackten Mandarinen- und Zwiebelnetze wählen.

Dabei ist es auch hier ganz offensichtlich kein Problem, die lose Ware einfach in eine mitgebrachte Tasche zu füllen.

Nachhaltig einkaufen mit Stoffbeutel
Bitte kein ganzes Netz: Der Stoffbeutel ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch praktisch für Single-Haushalte. (Foto: Utopia/vs)

Ab sofort immer dabei

Fazit: Einkaufen mit dem eigenen Gemüse- und Brötchenbeutel ist sehr einfach – vorausgesetzt, man denkt immer daran, den Beutel dabeizuhaben. Vielleicht sollte ein solcher Beutel neben dem großen Stoffbeutel für den Gesamteinkauf zum Basis-Equipment jedes umweltbewussten Einkäufers gehören? Bei mir jedenfalls ist der kleine Stoffbeutel ab sofort immer dabei.

Die für den Praxistest genutzten ultraleichten Baumwoll-Beutel gibt es z. B. von „Naturtasche“ im Avocado Store als Obst- und Gemüsebeutel (18×18 cm) passend für 300g Kirschen (oder eine Brezel) und in der größeren Variante (26×36 cm) passend für acht Brötchen (belastbar bis zu 9 kg).

Wer handwerklich geschickt ist, der kann die kleinen Beutel natürlich auch selber nähen. Achte beim Kauf des Stoffs darauf, dass er waschbar und sehr leicht ist. Schließlich willst du an der Kasse nur für den Inhalt bezahlen und nicht für das Gewicht des selbstgenähten Beutels.

Nachhaltig einkaufen mit Stoffbeutel
Noch läuft der Beutel einsam über das Band – wenn mehr mitmachen, dann nicht. (Foto: Utopia/vs)

Bezugsquellen** Baumwoll-Beutel: Avocado Store, DaWanda, Amazon

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(16) Kommentare

  1. Hallo in die Runde,

    ich habe seit einiger Zeit eine weitere wiederverwendbare Obstbeutel Alternative im Einsatz. Sie heißen Fregie Beutel, gibt es unter http://www.fregie.de und laut Hersteller werden diese in Deutschland gefertigt, sind handgenäht, waschbar und von einem unabhängigen Institut auf Lebensmittelechtheit geprüft. Praktisch ist die Netzstruktur, so kann man beim Kassieren immer sehen was drinnen ist. Brötchen Beutel gibt es dort aber leider nicht 😉

    Weiterhin frohes Verpackungssparen!
    LG Maike

  2. Die fregie Beutel habe ich auch.
    Ich gehe nun schon seit fast 3 Wochen konsequent in den Biomarkt Aleco und habe sie dort entdeckt.
    Hinein tue ich so Kleinobst wie Kirschen,Beeren etc…weil sie lose wohl durchs Raster des Wagens fallen würden.
    Nektarinen,Äpfel u.s.w. kaufe ich nach wie vor lose,die Schale reicht da aus.

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