„Ökologischer Irrsinn“: Nestlé hat den Preis für die unsinnigste Plastikverpackung bekommen

Foto: © Utopia

Der „Goldene Geier 2019“ zeichnet das Produkt mit der unnötigsten Plastikverpackung aus. Verbraucher haben eines von sechs nominierten Produkten zum Sieger gewählt: Der traurige Sieger kommt von Nestlé.

2019 kürt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum ersten Mal die unnötigste Einweg-Plastikverpackung des Jahres. Der Hersteller mit der absurdesten Verpackung erhält den Negativpreis „Goldener Geier“. Die Verbraucher konnten bis zum 30. August abstimmen – jetzt steht der Gewinner fest: das aus Frankreich importierte und mehrfach in Einweg-Kunststoff verpackte Mineralwasser Vittel von Nestlé.

„Das ist ökologischer Irrsinn“

Das Flaschenwasser von Nestlé ist aus vielen Gründen umstritten. Dass der Konzern acht Plastik-Wasserflaschen noch einmal zusätzlich in Plastik verpackt, macht es nicht besser. „Wenig Wasser in viel Verpackung, der 8er Pack nochmal mit Schrumpffolie umwickelt und dazu lange Transportwege von Frankreich nach Deutschland: Das ist ökologischer Irrsinn“, sagt Barbara Metz, Stellvertretende Bundesgeschäftsführerin der DUH.

Einwegflaschen werden häufig nur für eine einzige Abfüllung produziert. Für jeden Liter Mineralwasser ist also neues Plastik notwendig, das energie- und ressourcenintensiv neu hergestellt werden müssen. Bei den Vittel-Flaschen von Nestlé kommt hinzu, dass das Mineralwasser aus Frankreich rund 920 Kilometer nach Deutschland transportiert wird.

Über 20.000 Verbraucherinnen und Verbraucher haben bei der Wahl für den „Goldenen Geier“ abgestimmt. Die DUH übergibt den Negativpreis am 10. September um 11 Uhr am Haupteingang vor der Nestlé-Konzernzentrale in Frankfurt am Main.

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Der traurige Gewinner kommt von Nestlé. (Foto: © Deutsche Umwelthilfe)

Goldener Geier 2019: Diese Produkte waren außerdem nominiert

Um die Kandidaten zu bestimmen, hatte die Deutsche Umwelthilfe am 12. Juni dazu aufgerufen, unsinnige Plastikverpackungen unter dem Hashtag #Verpackungswahnsinn zu nominieren. Die sechs Produkte, die am häufigsten genannt wurden, standen anschließend zur Wahl:

  • Melonenwürfel von Rewe: 200 Gramm vorportionierte Melonenwürfel gibt es bei Rewe in rund 17 Gramm Einwegplastik zu kaufen. Zudem wirbt der Hersteller damit, dass man „der Umwelt zuliebe“ auf eine Plastikgabel verzichtet habe.
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Einzelne Wassermelonenstückchen in Plastik. (Foto: © Deutsche Umwelthilfe)
  • Edeka-Küchenkräuter: Edeka verkauft 15 Gramm Kräuter in 9 Gramm Plastikverpackung. Dabei könnten Kräuter auch mit einem Gummiband portioniert werden, kritisiert die Umwelthilfe.
  • Haribo-Goldbären Minis: Auf Kindergeburtstagen sind die kleinen Gummibär-Tütchen der Hit. Doch wieso muss man jeweils fünf bis zehn Bären einzeln verpacken – und dann noch einmal in eine große Plastikhülle stecken? 250 Gramm Gummibärchen kommen hier auf zwölf Gramm Plastikfolie. Dazu sind die Minis teurer als „normale“ Haribo-Goldbären.
  • Lidl Apfelkuchenstücke: Bei Lidl gibt es auch Apfelkuchen – die Kuchenstücke der Lidl-Eigenmarke chef select to go werden allerdings einzeln verpackt. Auf 100 Gramm Kuchen kommen somit zwölf Gramm Plastik. Dazu wird der Nachtisch im französischen Marzan hergestellt, welches über 1.200 Kilometer entfernt liegt.
  • Finish Maschinenpflege-Tabs: Finish verkauft drei einzelne Spülmaschinentabs in einer riesigen Hartplastikverpackung. Die einzelnen Tabs sind dazu auch noch in Folie verpackt. So kommen auf 17,5 Gramm Pflegetabs rund fünf Gramm Plastik.
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Der Goldene Geier wird 2019 zum ersten Mal verliehen. (Foto: Deutsche Umwelthilfe)

Deshalb gibt es den Goldenen Geier

In den vergangenen 25 Jahren hat sich der jährliche Verpackungsmüll aus Plastik mit 37 kg pro Kopf verdoppelt, schreibt die Deutsche Umwelthilfe auf ihrer Website. Außerdem produziert kein anderes europäisches Land so viel Verpackungsmüll wie Deutschland – das zeigte eine Studie des Umweltbundesamtes.

Mit dem „Goldenen Geier“ will die Deutsche Umwelthilfe den Druck auf Handel, Hersteller und Politik erhöhen, erklärt der Verein in einer Pressemitteilung. Diese sollen endlich die Einweg-Plastikflut beenden – und innovative Mehrweg-Lösungen nutzen oder schlicht auf Verpackungen verzichten. Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sagt: „Die nominierten Verpackungen von Lidl, Nestlé, Haribo und Co. […] zeigen, dass Hersteller und Händler noch immer in verschwenderischer Weise mit begrenzt vorhandenen Ressourcen umgehen und die Verschmutzung der Umwelt in Kauf nehmen.“

Verpackungsfrei einkaufen: So geht’s

Diese sechs Beispiele bilden leider keine Ausnahme. Im Supermarkt stecken oft sogar frische Waren wie Obst und Gemüse in Plastikfolie. Allerdings gibt es einige Möglichkeiten, Plastik im Alltag zu vermeiden: Besuche zum Beispiel den Wochenmarkt. Hier ist die Ware in der Regel unverpackt und oft auch regional. Nimm eine Einkaufstasche mit, um deine Einkäufe zu transportieren – so sparst du dir die Plastiktüte. Vielleicht gibt es ja sogar einen Unverpackt-Laden bei dir im Ort. Dort bekommst du auch Haushaltswaren und Kosmetika ohne Plastikverpackung.

Ebenfalls einen Blick wert: Unsere Bestenliste zu grünen Onlineshops. Viele davon verschicken nämlich plastikfrei (z.B. Laguna**) und/oder mit so wenig Verpackung wie möglich:

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(1) Kommentar

  1. Eigentlich müsste es heißen:
    Die nominierten Verpackungen von Lidl, Nestlé, Haribo und Co. […] zeigen, dass VERBRAUCHER noch immer in verschwenderischer Weise mit begrenzt vorhandenen Ressourcen umgehen und die Verschmutzung der Umwelt in Kauf nehmen.“
    Wir haben es in der Hand, dies zu ändern. Es ist unsere Bequemlichkeit, die dem entgegensteht.
    Und warum Nestlé? Die ganze Masse der Billigwässer, 1,5 l in eben diesen Gebinden, die bei den Discountern rausgetragen werden, erzeugt garantiert mehr Müll als das hochpreisige von Nestlé. Nestlé steht vielleicht stellvertretend für die Branche, die sich jetzt denkt: Glück gehabt, dass unser Name nicht fiel. Deshalb gehört der Praxis der goldene Geier, nicht der Firma.