Gegrillter Hund in der Innenstadt: Aktion in Thüringen sorgt für Aufregung

Hund auf dem Grill: Mit einer ähnlichen Aktion informierte PETA in Sydney über die Thematik. Foto: © PETA Australia

In den Fußgängerzonen von Erfurt und Jena gab es am Dienstag ein „Hunde-Barbecue“. Die Aktion sorgte vor Ort und im Netz für viel Irritation – das steckt dahinter.

Gerade in Thüringen kommen zur Grillsaison bekanntlich gern Bratwürste auf den Rost. In den Innenstädten von Erfurt und (später am selben Tag) von Jena kam jedoch am Dienstag ein Grillgut zum Einsatz, das viele Passanten verstörte: ein gehäuteter Hund, an dessen Kopf noch das Fell zu sehen war.

Zur Beruhigung vorweg: Es handelte sich dabei um eine Attrappe. Die ist bereits viel herumgekommen und hatte laut der Thüringer Allgemeinen zuletzt in Großbritannien Station gemacht. Das täuschend echt wirkende Objekt ist nämlich das Kernutensil einer Aktion der Tierschutzorganisation Peta.

Bundesweite Kampagne für vegane Lebensweise

Es handelt sich dabei um eine bundesweite Kampagne, die sich nicht nur auf Thüringen beschränkt: Unter anderem sind Termine in Hamburg, Essen und Köln geplant. Das Ziel dabei ist, Menschen mit der Frage zu konfrontieren: „Wenn Sie keinen Hund essen würden, warum dann ein Schwein?“ – um gegen die Ungleichbehandlung von Tieren zu protestieren und für eine vegane Lebensweise zu werben. Neben dem Standgrill informieren die Tierschützer Passanten mit Flyern und Gesprächen.

„Es macht keinen Unterschied, ob das Fleisch auf unseren Tellern von einem Huhn, Rind oder Hund stammt – denn alle Tiere leiden gleich“, so Jens Vogt, Aktionskoordinator bei Peta, in einem Statement. „Mit unserer Aktion appellieren wir an das Mitgefühl der Menschen und möchten sie dazu animieren, anstelle der zerstückelten Teile einer Tierleiche lieber Gemüse oder Fleischalternativen auf den Grill zu legen.“

Hier kannst du den Post zur Aktion von Peta Deutschland auf Facebook sehen:

Wie bei einer solch provokanten Kampagne zu erwarten war, gab es in den sozialen Netzwerken reichlich Diskussion – etwa unter dem dazugehörigen Facebook-Post des lokalen Onlineportals „Thüringen24“. Von wütenden Reaktionen wie „Manche Leute sind nicht ganz sauber“, „Peta nervt tierisch“ und „Warum müssen sowas bitteschön Kinder sehen??“ bis Zuspruch mit Kommentaren wie: „Gute Aktion, gefällt mir. Sowas prägt sich ein.“

Peta wird oft für provokante Aktionen kritisiert

Peta setzt sich gegen sogenannten „Speziesismus“ ein (die Auffassung, dass Menschen anderen Lebewesen überlegen sind) und leitet daraus ab, dass Tiere nicht dazu da sind, gegessen oder in anderer Weise ausgebeutet zu werden. Die Organisation ist für ihre teilweise extremen Aktionen bekannt und geriet dafür schon oft in die Kritik – zum Beispiel für die Kampagne „Holocaust auf dem Teller“, die plakativ Bilder von Massentierhaltung und Aufnahmen aus KZs gegenüberstellte.

Unter Petas Facebook-Post zur aktuellen Hunde-Grill-Aktion ist der Großteil der Kommentatoren begeistert. Eine Nutzerin hätte sich jedoch statt der makabren Darstellung eine positive Inspiration gewünscht und schreibt: „Na ja, besser hätte ich es gefunden, wenn ihr einen Grill mit verschiedenen veganen Gerichten aufgebaut hättet. Man hätte den Leuten das Essen anbieten und nebenbei aufklären können.“

Das „Hunde-Barbecue“ erregt in jedem Fall Aufsehen

Utopia meint: Ob man die Aktionen von Peta persönlich gutheißt oder nicht: Die Organisation erregt mit ihrem „Hunde-Barbecue“ in jedem Fall Aufsehen und gibt Denkanstöße, wie etwa den, dass die Unterscheidung Nutztier/Haustier unserem Kulturkreis entsprungen ist – und dass ein Schwein in Sachen Intelligenz und Schmerzempfinden einem Hund in nichts nachsteht.

Ob Peta mit dieser Aktion Menschen tatsächlich von einer veganen Lebensweise überzeugen wird, bleibt fraglich. Bei vielen, die gerne Fleisch essen, erzeugt der gegrillte Hund wohl eher Abwehr, als dass er zur Reflexion über den eigenen Fleischkonsum inspiriert. Dabei muss es nicht immer ganz oder gar nicht sein: Auch wer weniger Fleisch isst (aus artgerechter Haltung), geht schon einen Schritt in die richtige Richtung. Denn angefangen bei Tierleid und Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung bis hin zum enormen Ressourcenverbrauch, der Fleisch zu einem klimaschädlichen Lebensmittel macht – die Fleischproduktion ist aus vielen Gründen problematisch.

Gerade in der Grillsaison lohnt es sich, einmal über den Tellerrand zu schauen und vegetarisches Grillen auszuprobieren – das ist in jedem Fall geschmackvoller als Hund auf dem Rost!

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(10) Kommentare

  1. Warum wird so selten thematisiert, wieviele Tiere für die Herstellung vonTierfutter in Massentierhaltung leiden? Und auch hinsichtlich Klimaschutz/ CO2 ist das mit Sicherheit kein ganz unerheblicher Faktor! Aber in Betracht der vielen Tierhalter wohl ein sehr heißes Eisen….

  2. Ja, daran sieht man wieder sehr schön die Doppelmoral unserer Gesellschaft. Haustiere zum persönlichen Vergnügen zu halten ist in Ordnung aber Tiere auch als natürliche Ressource zu sehen nicht.

    Was sollen wir in Zukunft noch essen, wenn Pflanzen auch fühlende Lebewesen sind? Pillen mit synthetischen Nährstoffen aus Mikroplastik?
    Durch unsere entkoppelte Lebensweise bauen wir uns immer mehr ein verzerrtes Bild von „Gutmenschen“ und „Bösewichten“ auf – wie in den Marvel-Comics. Nur, dass die künstliche Fantasiewelt in der wir leben allem Anschein kein Happy End haben wird.
    60 % der Deutschen sind sich darüber bewust und sehen eher pessimistisch in die Zukunft aber Frau Glöckner, Herr Seehofer und wie sie alle heißen, versuchen weiter uns für dumm zu verkaufen und verkaufen stattdessen unser aller Lebensgrundlage für privatwirtschaftliche Interessen.
    Momentan überschwemmt Deutschland ganz Europa mit Billigfleisch aus immer größeren Industrie-Massenproduktionsanlagen und macht sich damit bei unseren Nachbarn nicht gerade beliebt, weil die sich an die Gesetze halten und Deutschland nicht einmal Mindeststandarts einhält, Lohndumping mit Arbeitern aus Osteuropa mit einbegriffen.
    Auf 1,60 € pro Kilo Schweinefleisch haben sie die Kosten schon gedrückt – wie krank ist das? Davon kann kein Tierwohl oder Menschenwohl finanziert werden!

    Auf den Wirtschaftsstandort Deutschland! 34 Millionen Haustiere müssen ja schließlich perfekt versorgt werden!!!

  3. Naja, die Haustiere selbst tragen sicher keine Schuld an der Fleischproduktion in Deutschland. Es ist wohl eher das kranke Verhältnis zum Tier. Anstatt sich all derer anzunehmen, die durch jahrhundertelange Domestizierung und Züchtung nun wirklich auf menschliche Fürsorge angewiesen sind – und die Anzahl dann durch konsequente Kastration zunehmend zu reduzieren – wird immer weiter gezüchtet und vermehrt. Die Tierheime laufen über, in südl./östl. Ländern wird sich überhaupt nicht drum gekümmert. Hätte übrigens auf dem Grill anstatt einem Hund ein Spanferkel gelegen, hätte keiner sich drüber aufgeregt, auch wenn die lieben Kleinen es gesehen hätten. So wird man von frühester Kindheit an konditioniert. Kranke Gesellschaft.

  4. Ja, Tiere zum persönlichen Vergnügen zu halten ist in Ordnung, aber sie auch als Ressource sinnvoll zu Nutzen nicht? Das zeigt wiedermal sehr schön die Doppelmoral unserer Gesellschaft in der wir am Liebsten Alles von Allem entkoppeln würden und die wirklichen Zusammenhänge und Auswirkungen immer mehr in den Hintergrund geraten – Absicht?

    Was sollen wir in Zukunft noch essen, wenn Pflanzen auch fühlende Lebewesen sind?
    Pillen mit synthetischen Nährstoffen aus Mikroplastik?
    Die Industrialisierung trägt immer seltsamere Früchte…
    Statt einer integrierten, natürlichen Lebensweise in der wir an allen Prozessen beteiligt sind, noch echte Wertschätzung stattfindet und Missstände sofort sichtbar werden würden, entfernen wir uns immer mehr davon. Unsere Probleme werden einfach „ausgelagert“. Aus den Augen – aus dem Sinn. Und wir werden immer mehr zu einer Horde von Idioten denen man einfach eine Meinung aufdrücken kann.
    So schaffen wir uns ein absurdes Bild von „Gutmenschen“ und „Bösewichten“ – wie in den Marvel-Comics, nur dass diese Fantasiewelt in der wir leben allem Anschein nach kein Happy End haben wird.
    Na gut, 60 % der Deutschen sind halbwegs realistisch und sehen pessimistisch in die Zukunft…. Kein Wunder, Frau Glöckner, Herr Seehofer und wie sie alle heißen verkaufen weiter unsere Lebensgrundlagen für privatwirtschaftliche Interessen, versuchen Missstände unter den Tisch zu kehren oder sagen: „Da kann man nichts machen“.
    Nein, denn genau deshalb wurden sie gewählt! Wo kommen wir denn hin wenn die Politiker nicht mehr auf die Mehrheit des Volkes hören und meinen sie wüssten alles besser? …genau – Diktatur!

    Momentan überschwemmt Deutschland ganz Europa mit steuerlich subventiertem Billigfleisch aus immer größeren Industrieanlagen und macht sich bei unseren Nachbarn nicht gerade beliebt weil die sich an Gesetze halten und Deutschland noch nicht einmal Mindeststandarts einhält. Lohndumping Osteuropäischer Arbeiter miteinbegriffen.
    1,60 € für ein Kilo Schweinefleisch. Wie krank ist das?
    Welches Tier, welcher Arbeiter soll davon ein würdiges Leben führen können?

    Hey, auf den Wirtschaftsstandort Deutschland, 34 Millionen Haustiere müssen ja schließlich perfekt versorgt werden!!!

  5. @unbequeme Wahrheit: Bitte unterstellen Sie nicht allen „Allesfressern“, dass uns das Tierwohl egal ist und wir nichts dafür tun. Vielen Dank!

    Eine Frage, Sie scheinen eine sehr starke Phobie zu haben gegen jedwede Nutzung von Tieren, obwohl sie die menschliche Zivilisation seit jeher begleitet haben, und zwar auch sehr oft im gegenseitigen Nutzen.
    Haben sie es schon einmal mit einer Konfrontationstherapie probiert? Vielleicht eine Woche auf einem Bio-Bauernhof 😉

    Der Tod des Einen ermöglicht das Überleben der Anderen, denn auch der Tod gehört zum Leben dazu. So funktioniert Evolution. Wir haben uns davon soweit entfernt und jetzt bekommen wir die Quittung!
    In einem FUNKTIONIERENDEM System sind alle Lebewesen voneinander abhängig. Kranke und tote Tiere werden restlos verwertet.

    Angesichts der sich immer weiter zuspitzenden Lage auf der Welt bin ich mal gespannt, wie lange wir noch die Möglichkeit haben uns teures „moralisch einwandfreies“ Essen aus prall gefüllten Veggi-Regalen überall zusammenzusuchen. Schon heute kann sich das nicht jeder, der einen Hungerlohn verdient, leisten.
    Vielleicht steht ja auch bei uns bald wieder Hund auf der Speisekarte…
    Letztendlich stecken auch da viele gute Nährstoffe drin!

    Leute, uns gehts noch viel zu gut, wenn wir uns Haustiere leisten können, die keinen anderen Sinn haben als uns zu unterhalten und wir mittlerweile viel zu weichgespült sind um uns noch eine weitere Nutzung vorzustellen. Ich nenne das Dekadenz, Geringschätzung und Verschwendung von wertvollen Ressourcen 😉

  6. @Petra M: ja, es ist schlimm was viele Menschen den armen Tieren zumuten.
    Hunde im Handtaschenformat, die so ängstlich sind, dass sie ständig betreut werden müssen… Nacktkatzen, die beheizt werden müssen… amerikanische Präsidenten, mit dem IQ einer Amöbe die ihren toten Pudel auf dem Kopf tragen… was bringt unsere Hochkultur wohl als Nächstes hervor? Wir dürfen gespannt sein.

    An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Amöben für den schlechten Vergleich entschuldigen 😉

  7. Wo ist eigentlich das Problem? Jede/r, der/die mal ein Haustier hat/hatte, möchte bestimmt nicht, dass andere Tiere unnötig für uns leiden müssen.
    Es ist noch gar nicht lange her, da hatten fast alle Menschen den selben direkten Bezug zu ihren Nutztieren, wie zu ihren Haustieren. Man wusste dass man aufeinander angewiesen ist und im Prinzip landete alles irgendwann im Kochtopf. Wie ich finde eine sehr nachhaltige Lebensweise mit gegenseitigem Nutzen. Oder nicht? Was hat sich daran heute geändert?
    U.a. die intensive Massentierhaltung, die schockierenden, unwürdigen Zustände in den Massenproduktionsbetrieben, die sich in den Köpfen eingebrannt haben!
    Ich denke mal zumindest hier ist allen bewusst, die Bedingungen der Tiere werden immer schlechter. Ähnlich wie auch die Mehrheit der „human ressources“ werden sie eingespannt in ein enges Konzept zur Gewinnoptimierung unter Ausnutzung wirklich ALLER Mittel. Wo keiner so genau hinschaut sogar höchst kriminell.
    Wo gilt dort Grundgesetz Artikel 1 oder 20a ?
    So wie sich die Situation für viele der (Aus-)Nutztiere verschlechtert hat, so verschlechtert sie sich auch für viele Menschen die die Drecksarbeit im Hintergrund machen müssen.
    Das ist kein Miteinander mehr, sondern immer mehr Gegeneinander. Kriege werden heute wirtschaftlich geführt. Im Kleinen wie im Großen. Der Preis ist nicht nur unser Zukunft, sondern auch unsere Vergangenheit. Am Ende ist alles umsonst gewesen, die Menschheit wäre Geschichte und würde nur einen Trümmerhaufen hinterlassen…Keine gute Perspektive.
    Also muss sich etwas tun! Und da kann jeder bei sich anfangen aber die Politik muss jetzt endlich auch klare Zeichen setzen! Gegen den großen Raubbau an Mensch und Natur vorgehen und nicht die schwarzen Schafe weiter ihr Unwesen treiben lassen. Diese vorgespielte Alternativlosigkeit nimmt denen doch keiner mehr ab, oder? CDU und AfD sind auch nur Lobbysprecher. SPD gibt sich gerade Mühe sich neu zu erfinden. Schon mal nicht schlecht für den Anfang…

  8. …manchmal sind auch 2500 Zeichen nicht genug.
    Nur so eine Idee: wenn wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel nutzen wollen, um uns klimaneutral zu verhalten oder vielleicht sogar irgendwann eine positive Bilanz zu erreichen, der Natur wieder einen Raum geben wollen, sollten wir dann nicht auch wieder lernen, all die vielfältigen Nahrungsangebote um uns herum sinnvoll zu nutzen und lieber ein der Natur nachempfundenes Landschaftsbild zu propagieren und nutzbar zu machen?
    Wer selbst nicht die Zeit hat oder sich vor totem Fleisch ekelt, ein guter Koch weis aus Allem etwas Leckeres zuzubereiten 🙂 Und für überzeugte Veganer schafft man es vielleicht auch, Insekten wie Tofu und Buddy oder Bello wie Brokkoli schmecken zu lassen, sozusagen als Ersatz für klimaintensivere Fleischersatzprodukte aus der Monokultur, die auch noch extra hergestellt werden müssen 😉 Ist nicht böse gemeint!

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