Öko-Test Magnesium: Warum es überflüssig oder sogar schädlich sein kann

Magnesium Test
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Magnesium als Pulver, Tabletten oder Kapseln soll gegen verschiedene Beschwerden helfen. Öko-Test hat für die Juli-Ausgabe 24 Magnesium-Präparate analysiert – und kann kein einziges empfehlen.

Wadenkrämpfe, Kopfschmerzen oder Menstruationsbeschwerden – bei solchen oder ähnlichen Leiden greifen viele gerne zu Magnesium-Präparaten. Magnesium ist das in Deutschland am meisten verkaufte Nahrungsergänzungsmittel – Öko-Test rät jedoch eher davon ab.

Für die aktuelle Untersuchung hat Öko-Test sich 24 Magnesium-Nahrungsergänzungsmittel genauer angesehen. Die Mittel stammten aus Discountern, Apotheken, Reformhäusern, Drogerien und Supermärkten und enthielten alle ausschließlich Magnesium (ohne Zusätze wie Zink oder Calcium). Kriterien im Test waren unter anderem die Dosierung und zusätzlichen Inhaltsstoffe.

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Magnesium-Test: So fällt die Bewertung aus

Das Fazit von Öko-Test:

  • Kein einziges der 24 Präparate ist empfehlenswert
  • Nur vier Mittel erhielten die Note „befriedigend“ – sie alle stammen von Disountern (Rewe, Edeka, Penny und Norma)
  • Neun Präparate schnitten mit „ausreichend“ ab
  • Elf der Nahrungsergänzungsmittel fielen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch

Der Hauptkritikpunkt von Öko-Test: Die meisten Produkte sind viel zu hoch dosiert. Das Bundesamt für Risikobewertung empfehle, dass Nahrungsergänzungsmittel höchstens 250 Milligramm Magnesium enthalten sollen. 17 der 24 untersuchten Produkte überschritten diese Empfehlung. Manche enthielten sogar die doppelte Menge, schreibt Öko-Test.

Öko-Test Magnesium: Phosphate in den Präparaten

Magnesium gibt es in Pulver-, Tabletten- oder Kapselform
Magnesium gibt es in Pulver-, Tabletten- oder Kapselform (Foto: "pills" von scott feldstein unter CC-BY 2.0)

Außerdem problematisch: Bei einigen der Kapseln, Pulver oder Tabletten fehlen Warnhinweise. Bei Personen, die schon genug Magnesium über die Ernährung zu sich nehmen, können Präparate abführend wirken und zu Durchfall führen. Auf den Verpackungen fehlt diese Information jedoch.

Bei acht Herstellern kritisiert Öko-Test außerdem, dass sie Phosphate einsetzen. Die Phosphate sollen das Volumen von Tabletten erhöhen, eine bestimmte Farbe oder einen speziellen Geschmack erzeugen. Öko-Test zufolge haben Studien jedoch gezeigt, dass hohe Phosphatmengen im Blut das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen. Ob die Konzentration in den Magnesium-Präparaten schon bedenklich ist, führte Öko-Test jedoch nicht weiter aus.

Zwischen den 24 untersuchten Präparaten gab es darüber hinaus große Preisunterschiede: Die Preise liegen bei zwei Cent pro Tagesdosis (z.B. bei Edeka, Penny oder Norma) bis hin zu 79 Cent bei einem Reformhaus-Produkt.

Wie sinnvoll sind solche Nahrungsergänzungsmittel?

Kürbiskerne haben einen besonders hohen Magnesiumgehalt.
Kürbiskerne enthalten viel Magnesium. (Foto: CC0 / Pixabay / siobhandolezal)

Generell gilt bei Magnesium wie auch bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln: In vielen Fällen sind die Produkte wenig sinnvoll: Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, ist ausreichend mit den Nährstoffen versorgt und braucht auch keine Extraportion „Mg“.

Nicht nur sind die Mittel oft überflüssig – es kann sogar zu gesundheitlichen Risiken kommen. Insbesondere, wenn hochdosierte Produkte über einen längeren Zeitraum eingenommen und gleichzeitig angereicherte Lebensmittel gegessen werden, kann das zu bedenklichen Überdosierungen führen – und im Falle von Magnesium zu Nebenwirkungen wie Durchfall, die ihrerseits anderer Mangelerscheinungen nach sich ziehen können. Diese Präparate sollte man also auf keinen Fall vorbeugend zu sich nehmen, schreibt Öko-Test.

Nur bei Magnesiummangel empfiehlt es sich, auf die Magnesiumzufuhr zu achten – am besten aber auch erst einmal über die Ernährung. Viel steckt zum Beispiel in Sonnenblumen- und Kürbiskernen, Leinsamen, verschiedenen Nüssen und Bohnen, Rosenkohl oder Brokkoli. Mehr Informationen dazu: Magnesium in Lebensmitteln 

Eine Übersicht über alle 24 getesteten Präparate findest du in der aktuellen Juni-Ausgabe von Öko-Test (Juli) auf www.oekotest.de.

Magnesium-Präparate: der Testbericht auf oekotest.de Öko-Test (ePaper/PDF) bei United Kiosk kaufen Öko-Test (Heft) bei United Kiosk kaufen

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(4) Kommentare

  1. Als oftmals von nächtlichen, heftigen Wadenkrämpfen Gebeutelter, schwöre ich auf die Einnahme von Magnesium. Wer diese nächtlichen, sehr schmerzhaften Teufelstänze persönlich nicht erlebt hat, kann gar nicht mitreden. Zumal, wenn man nach wenigen Stunden wieder arbeiten musste. Restless- Leggs-Syndrom? Abends, sich zum Schlafen hinzulegen hat oftmals echt keinen Spaß gemacht. Denn man ahnte schon,was kommt. Oftmals sehr grausam, wenn man seine Muskelzuckungen nicht mehr kontrollieren kann. Bis ich hier mal an einen Aphotheker kam. Nimm täglich mal eine Kapsel 400.er Magnesium zu Dir. Ein sehr guter Rat! Auf Dauer kriegt man diese etlichen Brausepulver auch nicht mehr runter. Doch die Kapseln sind echt gut, wobei ich die auch nicht mehr täglich brauche. Ein Zuviel von allem ist ohnehin nicht gut. Dank der gelegentlichen Zufuhr von Magnesium habe ich schon seit einigen Jahren keine Probleme mehr, nächtens hier unfreiwillig herumtanzen zu müssen.

  2. „Generell gilt bei Magnesium wie auch bei anderen Nahrungsergänzungsmitteln: In vielen Fällen sind die Produkte wenig sinnvoll: Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, ist ausreichend mit den Nährstoffen versorgt und braucht auch keine Extraportion „Mg“.“

    Seit wann ist es hier eigentlich Standard geworden, die 0815-Medien wie Stiftung Warentest blind zu repetieren?

    Nährstoffmängel treten aus vielerlei nicht eben wenig verbreiteten Gründen durchaus nicht selten auf: Hormonelle Verhütung, Einnahme von Medikamenten (z.B. Protonenpumpenhemmer = Mittel gegen Sodbrennen, inzw. leider sogar rezeptfrei in Apotheken), Verwertungsstörungen (z.B. durch chronische Erkrankungen).

    Selbstredend bringt wahlloses Einwerfen von Nährstoffen nichts und kann sogar nach hinten losgehen.

    Die vielzitierten DGE-Richtwerte jedoch kann man getrost in der Pfeife rauchen – es sind Werte zur Nahrungsergänzung von Gesunden. Entweder ist man gesund, hat somit auch keine Nährstoffmängel und benötigt ergo keine als Nahrungsergänzung. Oder man hat einen oder mehrere Mängel, ist dementsprechend nicht gesund und benötigt eine meist weit höher als die von der DGE festfelegte Dosis, um seinen Mangel zu decken.

  3. dem Kommentar von chaoskoeppsche schließe ich mich vollumfänglich an.
    Es gibt längst Nachweise z.B. dafür, dass unsere Böden nicht mehr die Mengen an Mineralstoffen wie Mg enthalten wie vor 20 Jahren – durch die intensive Landwirtschaft.
    Hinzu kommen Darmprobleme bei vielen Menschen durch unsere heutige Nahrung, Lebensweise etc. d.h. man nimmt auch aus der Nahrung gar nicht mehr die notwendigen Nährstoffe auf.
    Nachgewiesen ist ein gravierender Mangel an Vit. D3 nicht nur bei alten Leuten. Es gibt zig Beispiele, die belegen, dass man eben heute nicht mehr über einigermaßen gute Ernährung alles erhält was man braucht.
    Ich hatte Herzrasen durch gravierenden Mg-Mangel bereits im Blut (blut will Werte bekanntlich stabil halten), viele schlaflose Nächte 2,5 Jahre lang, Ärztebesuche usw. Jetzt nehme ich hochdosiert täglich über 1000Mg und mir gehts prächtig (Da ich viel Sport mache brauche ich viel Mg, habe Darmprobleme, nehme verschiedene Sorten Mg, Durchfall ist kein Thema).

    Ich würde mir wünschen, hier tatsächlich nicht einfach diese längst nicht mehr gültigen Sätze zu lesen wie zitiert (wer sich ausgewogen ernährt usw. – wer tut das schon?), sondern differenzierte Artiekl oder lieber nichts.

  4. Am besten kauft man Magnesiumchlorid, gibt etwas Wasser dazu, so dass das sogenannte Magnesiumöl entsteht, und gibt es auf die Haut, optimal mit etwas DMSO, damit es besser einzieht. Dann weiß man, dass keine sonstigen Chemikalien enthalten sind, und es ist außerdem noch sehr günstig.

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