„Aus der Klimakrise werden wir nicht mehr lernen können“, Eckart von Hirschhausen

Eckart von Hirschhausen
Foto: Dominik Butzmann

Egal, ob wir in kurzer Hose das Haus verlassen und dann von der Kälte überrascht werden oder uns in die Sonne legen ohne eingecremt zu sein. Hinterher ist man immer schlauer. Bei der Klimakrise ist das anders. In einem Interview mit der Zeit erklärt Eckart von Hirschhausen die Dringlichkeit der Klimakrise und warum Elon Musk einen Baum erfinden möchte.

Bisher erschienen alle Krisen konkreter und wichtiger als die Klimakrise. Doch der Arzt, Wissenschaftsjournalist und Autor Dr. Eckart von Hirschhausen macht in einem Interview mit der Tageszeitung Zeit deutlich: „Wir entscheiden in diesem Jahrzehnt, ob wir Kipppunkte überschreiten.“

Dennoch sei die Dringlichkeit der Klimakrise bisher nur zu ganz wenigen Menschen durchdrungen. „Je mehr ich recherchiere, desto mehr frage ich mich, warum wir nicht alle schreiend durch die Gegend laufen“, so Hirschhausen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Dinge lostreten, die wir mit keinem Geld, mit keiner Innovation der Welt wieder zurückdrehen können, wird jeden Tag größer.“

Darum hat Eckart von Hirschhausen das Image vom lustigen Arzt hinter sich gelassen

Und der Mediziner warnt eindringlich: Es sei ein Mythos zu glauben, „wir werden irgendwas erfinden, das plötzlich wie ein magischer Staubsauger die ganzen Treibhausgase aus der Atmosphäre zieht.“

Hirschhausen erwähnt im Zeit-Interview auch Elon Musk, der einen Preis von 100 Millionen Dollar ausgelobt habe für jemanden, der was erfindet, was CO2 bindet. Dazu habe jemand getwittert: Dürfen sich auch Bäume bewerben? „Das ist mein Humor“, so Hirschhausen.

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Aufgrund der Dringlichkeit der Klimakrise habe er sich vor drei Jahren dazu entschieden, das Image vom lustigen Arzt, der versucht alles mit Humor zu lösen, hinter sich zu lassen. Wenn er den Bericht des Weltklimarates zusammenfassen solle in drei Worten, kann er nur sagen: „Scheiße! Scheiße! Scheiße!“ Er fügt hinzu: „Nicht mein üblicher Wortschatz, aber nötig.“

2020 gründete Hirschhausen die Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, um Klimaschutz als Gesundheitsschutz in der Fachwelt, Gesellschaft und Politik zu verankern und aktiv zur Lösung der Probleme beizutragen. Denn: Laut Lancet Climate Countdown ist die Klimakrise die größte Gesundheitsgefahr im 21. Jahrhundert.

Aus der Klimakatastrophe können wir nicht mehr lernen

Hirschhausen zitiert während des Zeit-Interviews den Kommissar für Klimaschutz in der EU-Kommission, Frans Timmermans, der gesagt hatte, dass wir als Menschen oft nur aus den Vollkatastrophen lernen. Hirschhausen weiß aber: „Aus der Katastrophe der Klimakrise werden wir nicht mehr lernen können, weil sie nicht umkehrbar ist.“

Hirschhausen Die Klimakrise ist auch eine Gesundheitskrise“
Eckart von Hirschhausen: „Die Klimakrise ist nicht umkehrbar“. (Foto: Julian-Engels)

Es brauche laut Hirschhausen eine Aufbruchstimmung wie nach dem Zweiten Weltkrieg und Handlungen, von denen wir selbst nicht unbedingt profitieren, die aber das Überleben, den Wohlstand und die Freiheit der nächsten Generation sichern. „Wenn wir uns überlegen, was uns zukünftige Generationen weniger verzeihen – gestiegene Spritpreise oder gestiegene Meeresspiegel –, ist die Antwort klar.“

Laut Hirschhausen sollten wir uns also viel mehr darüber unterhalten, „wie ein gutes Leben aussehen kann, bei dem wir nicht wie blöde Ressourcen verballern.“ Er hofft, dass diese Krise uns die Augen geöffnet hat: „Es lohnt sich, um jedes Zehntelgrad zu kämpfen, um jede Tonne CO2, die wir verhindern, als Grundlage für eine friedlichere und gesündere Welt.“

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