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Ende der Corona-Isolationspflicht laut Ärztekammer vertretbar – Studie widerspricht

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Vier Bundesländer setzen der Corona-Isolationspflicht ein Ende. Virologin Sandra Ciesek warnt davor, und auch eine neue Studie aus den USA legt den Schluss nahe: Corona bleibt eine Gefahr für die Gesundheit.

Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt hat die von vier Bundesländern angekündigte Aufhebung der Isolationspflicht für Corona-Infizierte begrüßt. Angesichts der zurückgehenden Infektionszahlen und überwiegend milden Krankheitsverläufen sei der Schritt medizinisch vertretbar, sagte er der Rheinischen Post.

Das zeigten auch Erfahrungen anderer europäischer Länder, die diesen Schritt bereits gegangen seien. „Isolationspflichten sind weitreichende freiheitseinschränkende Maßnahmen, die zum jetzigen Zeitpunkt unverhältnismäßig sind.“

Reinhardt zufolge wäre es wünschenswert, wenn sich die Länder auf ein bundesweit einheitliches Vorgehen einigen. „Es dürfte schwierig werden, die Menschen in einem Bundesland anzuhalten, sich auch bei symptomfreien Verläufen an strikte Isolationsvorgaben zu halten, wenn im Nachbarbundesland in gleich gelagerten Fällen keine Beschränkungen gelten“, sagte er. Die Menschen müssten lernen, eigenverantwortlich mit diesen Lockerungen umzugehen und Rücksicht zu nehmen. Auch der Deutsche Hausärzteverband sah dem Bericht der Rheinischen Post zufolge kein Problem in der Lockerung.

Vier Bundesländer lasse generelle Isolationspflicht fallen

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein hatten am Freitag angekündigt, die generelle Isolationspflicht für positiv getestete Menschen aufzuheben. In diesen Ländern sollten „zeitnah“ neue Regelungen in Kraft treten, die derzeit ausgearbeitet werden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Weitere Bundesländer dachten zuletzt darüber nach, andere lehnten einen solchen Schritt ab.

Die Virologin Sandra Ciesek warnte auf Twitter vor einer Lockerung der Isolationspflicht: „Keine Isolationspflicht mehr zu haben, bedeutet nicht, dass Covid-19 für jeden ab jetzt völlig harmlos und nur ein Schnupfen ist.“

Corona-Isolationspflicht: US-Studie legt anderen Schluss nahe

Auch eine Studie aus den USA widerspricht jedoch der Einschätzung der Bundesärztekammer.  Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louiseine fanden heraus, dass eine vermeintlich hohe Grundimmunität – etwa durch Impfungen und/oder Infektionen – nicht helfe, Folgeschäden einer Corona-Infektion abzumildern.

Das heißt: Corona würde nach mehreren Infektionen harmloser bzw. milder werden, lässt sich offenbar nicht sagen. Mehr noch: Das Ergebnis der US-Studie legt den Schluss nahe, dass reinfizierte Personen ein mehr als doppelt so hohes Sterberisiko hatten wie Patient:innen, die lediglich einmal an SARS-CoV-2 erkrankt waren. Ihr Risiko für einen Krankenhausaufenthalt war sogar dreimal höher. Das erhöhte Risiko für Komplikationen betraf Organe wie Lunge, Herz, Nieren, aber auch Probleme mit Blut, Knochen und Muskeln konnten auftreten.

Für die Studie wurden etwa 5,8 Millionen anonymisierte Krankenakten in einer Datenbank des US Department of Veterans Affairs analysiert, des größten integrierten Gesundheitssystems der USA. Die Patient:innen gehörten mehrere Altersgruppen, ethnische Gruppen und Geschlechtern an. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Medicine.

Mit Material der dpa

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