Gift auf der Haut? Öko-Test hat Damenbinden und Slipeinlagen getestet

Foto: © Oeko-Test

Öko-Test hat Damenbinden und Slipeinlagen getestet. Das Ergebnis: Vor allem konventionelle Produkte überzeugen. Wir haben uns angeschaut, warum – und geben andere Empfehlungen.

Damenbinden, Slipeinlagen und Co. sollen Frauen während ihrer Periode zuverlässig schützen und bequem zu tragen sein. Für die aktuellen Ausgabe hat Öko-Test 25 Damenbinden und 25 Slipeinlagen einem Praxistest unterzogen und sie für eine Schadstoffanalyse ins Labor geschickt. Alle Testergebnisse gibt es gratis.

Mit dabei waren auch Produkte von Öko-Anbietern wie Eco by Naty, Mylily**, Organyc, Padsy Bonjo, Natracare und Einhorn. Sie besitzen oft eine Oberseite aus Bio-Baumwolle, andere bestehen komplett aus Naturmaterialien wie Bio-Baumwolle und Zellstoff.

Öko-Test Binden und Slipeinlagen

Damit Binden viel Flüssigkeit aufnehmen können, bestehen sie aus mehreren Lagen: Die Oberseite aus Zellulose, synthetischen Fasern, Polymeren oder Baumwolle. Ein Saugkern aus Zellstoff bei Maxi-Binden bzw. einer mit Superabsorber: quellfähige Kügelchen, genauer Kunststoffpolymere, die ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Flüssigkeit aufsaugen können.

Das Problem an Superabsorbern: Sie sind nicht biologisch abbaubar und nur unzureichend recycelfähig. Öko-Hersteller verzichten auf solche Superabsorber. Sie setzen Bio-Baumwolle oder Zellstoff als Saugschicht ein.

Die letzte Schicht der Binde bildet eine wasserdichte Unterseite. Sie schließt mit einem Klebestreifen ab.

Öko-Test untersucht auf Inhaltsstoffe und Alltagstauglichkeit

Für das Gesamturteil bewertet Öko-Test nur die Praxistauglichkeit:

  • Ob die Produkte ausreichend Flüssigkeit aufnehmen und diese auch halten, sodass die Haut trocken bleibt
  • Ob sie die Wäsche schützen und ob Rückstände vom Haftstreifen bleiben
  • Ob sie gut im Slip haften, auch bei viel Bewegung

Bei der Untersuchung prüften die Tester*innen aber auch auf kritische Substanzen, die die Haut reizen oder problematisch für Gesundheit und Umwelt sein können. Produkte, die solche bedenklichen Inhaltsstofffe enthalten, wurden in der Gesamtnote allerdings nicht abgewertet. 

  • Formaldehyd, das als Nassverfestiger eingesetzt wird, um Zellstofffasern auch bei Feuchtigkeit stabil zu halten
  • Halogenorganische Verbindungen, die über die Bleiche des Zellstoffs in die Einlagen gelangen können
  • Optische Aufheller

Alle Ergebnisse und Details findest du in Ausgabe 03/2020 von Öko-Test sowie gratis auf www.ökotest.de.

Das Ergebnis: Öko-Marken schneiden am schlechtesten ab

Das Öko-Test-Urteil ist enttäuschend, ausgerechnet die Öko-Marken erhalten überwiegend schlechte Bewertungen – die Produkte können dem Praxistest nicht standhalten. Dazu sei nochmal gesagt: Öko-Test zieht ausschließlich diesen für das Gesamturteil heran.

Die Ergebnisse im Detail:

  • Die „sehr gut“ bewerteten Slipeinlagen schützen die Unterwäsche zusätzlich zum Tampon oder zur Menstruationstasse zuverlässig. Darunter konventionelle Produkte wie Jessa Slipeinlagen von dm oder Facelle So Free von Rossmann.
  • Die Slip-Flip-Slipeinlagen von Einhorn und Facelle hinterließen beim Entfernen Rückstände der Klebestreifen.
  • Viele Ultra-Damenbinden schneiden im Test sehr gut ab. Darunter Jessa Ultra-Binden von dm.
  • Alle elf Maxi-Binden und fünf Ultrabinden schneiden „gut“ ab. Darunter die bekannten Always-Binden vom Konzern Procter & Gamble und Oliva-Damenbinden von Aldi.
  • Am schlechtesten bei den Ultras schneidet die Binde von Natracare ab. Obwohl das Öko-Produkt aus Bio-Baumwolle und pflanzlicher Zellulose besteht, zudem kunststofffrei und chlorfrei ist, keine synthetischen Stoffe oder chemischen Zusatzstoffe enthält und außerdem biologisch abbaubar und kompostierbar ist.

Öko-Test wertet Produkte mit Problemstoffen nicht ab

Im Tampons- und Menstruationstassentest von 2017 erklärte Öko-Test noch, was das Problem an halogenorganischen Verbindungen ist: Sie sollen Allergien auslösen können. Öko-Test wertet Produkte mit diesen Verbindungen im aktuellen Test aber nicht ab.

Das Labor fand diese Verbindungen in allen Maxi-Binden, den drei „sehr guten“ Ultra-Binden sowie in vier Slipeinlagen. z.B.

  • Jessa Ultra-Binden Active Shape, normal mit Flügeln von dm
  • Always Cotton Protection Dailies Slipeinlagen normal
  • Facelle 16 Ultra-Binden, normal mit Flügeln von Rossmann

Utopia meint: Binden und Slipeinlagen sind ein Umweltproblem. Für die Herstellung werden große Mengen Rohstoffe benötigt wie Holz, Baumwolle aber auch Erdöl. Zusätzlich verursachen sie jede Menge Müll.  Öko-Produkte sind besser. Sie verursachen zwar auch Müll und verbrauchen Ressourcen. Sie bestehen aber immerhin teilweise oder – noch besser – komplett aus nachhaltigen Materialien wie zum Beispiel Bio-Baumwolle, die umweltfreundlicher ist als konventionelle Baumwolle und zudem frei von Pestiziden und Gentechnik.

Öko-Produkte sind aus einem weiteren Grund besser: Der Test zeigt, dass sie keine bedenklichen Inhaltsstoffe enthalten – auch wenn Öko-Test das in seinem Gesamturteil nicht abbildet. Wir raten zu diesen Produkten, weil wir keine kritischen Substanzen auf unserer Haut haben wollen.

Noch besser sind Monatshygiene-Produkte, die man wiederverwenden kann, wie Menstruationstassen, waschbare Binden und Slipeinlagen. Mehr dazu hier: In der Regel besser: Alternativen zu o.b., Always & Co.und hier: Menstruationstasse: die müllfreie Alternative zu Tampons und Binden

Alle Test-Ergebnisse findest du in Ausgabe 03/2020 von Öko-Test sowie gratis auf www.ökotest.de.

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