Plastikfrei: Startup bietet feste Reinigungsmittel in Tablettenform

Screenshot: everdrop.de

Während es in anderen Lebensbereichen inzwischen viele plastikfreie Lösungen gibt, kommen Reinigungsmittel fast immer in Plastikflaschen. Ein Münchner Startup will das ändern und hat feste Putzmittel auf den Markt gebracht. Wir haben sie uns genauer angesehen.

Weil sie Plastikmüll einsparen, werden feste Seifen, Shampoos und sogar Haarspülungen immer beliebter – warum also benutzen wir eigentlich nicht auch feste Putzmittel?

Putzmittel-Tabletten zum Auflösen

Die Idee des Münchner Startups Everdrop: Reinigungsmittel in Tablettenform, verpackt in Papiertütchen. Die Tablette wird zuhause in Leitungswasser aufgelöst – fertig ist das Putzmittel.

So kann man durch die Tabs nicht nur viele Einweg-Plastikflaschen vermeiden, sondern auch CO2-Emissionen. Herkömmliche Putzmittel bestehen oft zu rund 95 Prozent aus Wasser. Weil dieses Gewicht bei den Tabs wegfällt, könnten sie hochgerechnet eine Menge Transportwege und damit CO2-Emissionen sparen.

Derzeit bietet Everdrop Allzweck-, Bad- und Glasreiniger in Tablettenform an. Ein Tab ergibt 500 Milliliter fertiges Reinigungsmittel, das dann mindestens sechs Monate halten soll.

In einem Papiertütchen stecken drei Tabs; drei Tütchen kosten 9 Euro – also einen Euro pro 500 Milliliter Putzmittel. Verglichen mit herkömmlichen Markenprodukten ist das ziemlich günstig.

Everdrop: Wie gut sind die Inhaltsstoffe?

Die Everdrop-Reinigungstabs sind vegan, ohne Tierversuche hergestellt, vollständig biologisch abbaubar und frei von Mikroplastik. Hergestellt werden sie in Deutschland.

Die Hauptwirkstoffe, so kann man es auf der Website lesen, sind Zitronensäure, Natriumhydrogencarbonat (Natron), ein Tensid, ätherische Öle und Lebensmittel-Farbstoffe.

Wir wollten es aber noch genauer wissen und haben bei David Löwe, Gründer von Everdrop, nachgefragt.

Für die Tabletten wird derzeit ein Tensid verwendet, welches zwar vollständig biologisch abbaubar ist, aber auf petrochemischer (d.h. Erdöl-)Basis hergestellt wird. Allerdings arbeitet das Unternehmen laut Löwe im Austausch mit Expert*innen daran, eine pflanzliche Alternative zu finden und so die bestmögliche – also umweltfreundlichste – Zusammensetzung von Inhaltsstoffen zu erreichen.

Denn die Frage, welche Tenside eingesetzt werden, ist tatsächlich komplex: Auch Tenside auf pflanzlicher Basis können wenig nachhaltig sein, nämlich dann, wenn sie auf herkömmlichem Palmöl basieren.

„Uns ist es wichtig, dass wir kein Greenwashing betreiben“, sagt Löwe im Gespräch mit Utopia. „Deshalb suchen wir ständig nach den besten Lösungen.“

Gut durchdachtes Drumherum

Die Everdrop Tabs kann man ganz einfach in einer leeren, gereinigten Sprühflasche auflösen, die man eh schon zuhause hat. Das Startup bietet aber auch 500 Milliliter-Sprühflaschen an. Die bestehen komplett aus recyceltem Plastik und kommen ohne Kunststofflabel aus. Hergestellt werden sie in Deutschland.

Auch die Versandverpackungen und Flyer bestehen aus recyceltem Papier, werden klimaneutral mit Bio-Farben bedruckt. Die Kartons werden mit Papierklebeband aus Naturkautschuk verschlossen .

Die Tütchen, in denen die Putz-Tabletten verpackt sind, bestehen allerdings aus Papier aus Frischfaser. Das hat einen guten Grund: Um die Tabs zu schützen, darf das Papier keine Feuchtigkeit durchlassen. Üblicherweise wird Papier für solche Anwendungen mit Plastik oder Aluminium beschichtet. Everdrop aber verwendet ein Spezialpapier, das – so widersinnig das klingen mag – eine Feuchtigkeitsbarriere auf Wasserbasis hat. Die Papiertütchen sind daher frei von Kunststoffen, Alu, Lacken etc. und können im Altpapier entsorgt und recycelt werden.

In Zukunft mit Nachhaltigkeitssiegel

Everdrop plane derzeit, seine Produkte in Zukunft mit einem Nachhaltigkeitssiegel zu kennzeichnen, so Löwe. So können Verbraucher*innen direkt auf den Produkten erkennen, dass sowohl die Produktionsprozesse als auch die Inhaltsstoffe strengen Ansprüchen an Umweltverträglichkeit genügen. Derzeit befindet sich der Hersteller dazu im Gespräch mit möglichen Labels.

Everdrop: feste Putzmittel in Tablettenform
Everdrop: feste Putzmittel in Tablettenform (Screenshot: everdrop.de)

Kaufen kann man die Everdrop-Tabs im Moment nur im eigenen Onlineshop; angeboten werden verschiedene Sets mit oder ohne Sprühflaschen. „Sobald wie möglich“ hofft Löwe, die Produkte auch im lokalen Einzelhandel anbieten zu können.

„Wir möchten die Masse bewegen, ihr Verhalten zu verändern“, erklärt er seine Motivation. Deshalb biete sein Unternehmen die Reinigungstabs relativ kostengünstig an und arbeite ständig daran, sie noch besser zu machen.

Utopia meint: Die Idee, Reinigungsmittel in fester Form anzubieten und so Plastikverpackungen zu reduzieren, ist ziemlich gut. Everdrop ist eine der ersten Firmen, die das anbietet und zwar auf gut durchdachte Weise – hoffentlich bald auch mit zertifiziert nachhaltigen Inhaltsstoffen.

Übrigens: Ähnliche Produkte gibt es von ecotab und Biobaula, letztere sind Ecocert– und flustix-zertifiziert.

Nicht ganz vergessen sollte man allerdings: Die meisten Putzmittel kann man einfach durch Hausmittel ersetzen und spart so ebenfalls Plastikmüll, Geld und zudem potenziell schädliche Chemikalien.

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