Sind Fertiggerichte gesund? Sind sie mit Bio gesünder?

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Fertiggerichte sind im Trend – doch das Fertigessen aus der Mikrowelle ist auch bekannt dafür, dass allerlei Lebensmittelzusätze enthalten sind. Gilt die Regel „Bio ist gesünder“ auch für Bio-Fertiggerichte wie Tütensuppen, Bio-Lasagne und Tiefkühlpizza?

Heute muss es eben etwas schneller gehen. Mit dieser Entschuldigung hat beim Einkaufen sicherlich fast jeder schon einmal zu Fertiggericht und Mikrowelle gegriffen, statt zur frischen Ware. Ist ja auch in Ordnung – wenn es die Ausnahme bleibt. Zum Problem werden Fertiggerichte, wenn sie zum Dauerzustand werden.

Eigentlich wissen wir ja alle, dass selber kochen gesünder ist. Aber hin und wieder wärmen wir uns eben trotzdem ein Essen aus der Tiefkühltruhe auf, weil wir mal wieder keine Zeit zum Kochen haben. Und weil wir dann schon ein schlechtes Gewissen haben, hätten wir gerne, dass es das Fertiggericht nicht ganz so ungesund ist. Zum Glück gibt es Bio, denken sich einige.

Aber reicht Bio beim Fertiggericht?

Was sind Fertiggerichte?

Fertiggerichte sind fertig zubereitete Mahlzeiten, die nur noch erhitzt werden müssen. Vom Pfannengemüse über Pizza und Lasagne bis hin zu Dosenravioli findet der Verbraucher heute ein riesiges Sortiment an vorgefertigtem Essen.

Selbst zubereitete Gerichte sind im Kühlschrank meist höchstens ein paar Tage haltbar. Dank luftdichter Verpackung und allerlei Zusatzstoffe bleibt handelsübliche Fertigkost dagegen wesentlich länger haltbar, oft sogar für mehrere Jahre.

Die Bio-Branche bietet längst ebenfalls vielfältige Fertiggerichte an. Die Verpackung ist dabei leider ebenso unnachhaltig wie bei konventioneller Convenience-Kost. Immerhin ist der Inhalt besser.

Bio-Fertiggerichte sind gesünder

Immerhin gesünder als konventionell: Bio-Fertigpizza für die Mikrowelle
Nicht gesund, aber gesünder als konventionell: Bio-Fertigpizza (Foto: Biopolar)

Viele Verbraucher erwarten, dass Fertiggerichte und andere Produkte mit dem Bio-Siegel automatisch gesünder sind. Die gute Nachricht: Das stimmt in der Regel auch, weil die verwendeten Zutaten und Gewürze zum größten Teil aus ökologischer Produktion stammen, also weniger mit Pestiziden belastet und garantiert frei von Gentechnik sind.

Aber es kommt eben auch auf das Fertiggericht selbst an. Beim Fertig-Buttergemüse aus der Mikrowelle, wo der Bio-Variante nichts außer Butter und Salz beigefügt wurde, mag es richtig sein. Aber: Pommes, Fischstäbchen, Lasagne und andere Pasta oder Pizza und Burger sind auch mit EU-Bio-Siegel nicht gesund.

Bio-Zucker bleibt immer noch Zucker. Übertrieben fetthaltige Speisen sind auch in Bio-Qualität nichts für das Idealgewicht. Daher gilt: Bio ist nicht automatisch gleich gesund.

Bio-Fertiggerichte sind aber gesünder als ihre konventionellen Gegenstücke, weil ihre Zutaten aus Bio-Landwirtschaft stammen. Lies dazu auch: Wann Bio wirklich Bio ist und Studie: Bio ist gesünder.

Bio-Fertiggerichte enthalten viel weniger Zusatzstoffe

Bio-Produkte enthalten prinzipiell weitaus weniger Zusatzstoffe. Während in herkömmlichen Fertigprodukten die Liste der Zusätze oft ellenlang ist, reduzieren Bio-Hersteller diese nämlich auf ein Minimum.

Bio-Fertiggerichte enthalten daher garantiert weniger Zusatzstoffe:

  • Über 300 Zusatzstoffe sind in Deutschland in konventionellen Lebensmitteln erlaubt.
  • Nur knapp 50 Zusatzstoffe davon dürfen in Produkten mit EU-Bio-Siegel enthalten sein.

Die Bioverbände sind noch strenger: Demeter zum Beispiel erlaubt nur 13 Zusatzstoffe, Bioland 21 und Naturland 22. Die zugelassenen Stoffe sind bei allen dreien jeweils streng auf bestimmte Produkte und Verwendungszwecke festgelegt. Demeter verwendet beispielsweise nur echte Aromaextrakte, keine künstlichen, aber auch keine sogenannten „natürlichen Aromen“, die mikrobiell auf Sägemehl erzeugt wurden. Bei keinem der drei großen Bioverbände sind synthetische Zusatzstoffe oder Enzyme erlaubt.

Daher: Fettig bleibt Fettig, aber immerhin steckt in Bio-Fertiggerichten nicht auch noch Chemie drin.

Der Biowandler verwandelt konventionelle in Bio-Waren
Leider nur ein Promotion-Gag: der Biowandler (lustiges Video) verwandelt konventionelle in Bio-Waren (Foto: Biofach)

Bio-Fertiggerichte sind umweltschonender

Mit bloßem Auge sehen wir nicht, wie umweltfreundlich Lebensmittel und Zutaten für Fertiggerichte hergestellt wurden – bei unserem Kauf sollte es dennoch eine Rolle spielen. Auch hier gilt: Egal, ob es um die Salami auf der Pizza, die Tomaten in der Nudelsauce oder den Käse in der fertigen Lasagne geht: Bio ist besser und gesünder.

Die ökologische Erzeugung ist schonender für die Umwelt, das Klima, die Tiere und unsere Gesundheit. Nicht nur verursacht die biologische Landwirtschaft weniger Treibhausgase und verbraucht weniger Wasser, sie verbessert im Idealfall auch die Böden, die dann mehr CO2 speichern können. Die Tiere bekommen frische Luft und Bewegung statt Antibiotika und auf die Felder kommt nur natürlicher Dünger. Lies dazu auch: Bio-Siegel: Was haben die Tiere davon?

Vielleicht merkt man einer Tiefkühlpizza nicht an, ob das Schwein in der Salami in Massentierhaltung gelitten oder sich draußen auf der Wiese im Matsch gesuhlt hat. Man kann vielleicht nicht wirklich schmecken, ob die Tomaten der Fertiggerichte mit Pestiziden belastet sind oder nicht.

Doch die Bio-Siegel auf den Produkten geben darüber Auskunft. Sie garantieren ökologische Standards in der Herstellung. Das grüne EU-Bio-Siegel definiert dabei Mindeststandards, während die verschiedenen Anbauverbände, allen voran Demeter, Naturland und Bioland, strengere Richtlinien haben.

Wer also seine Fertiggerichte mit halbwegs gutem Gewissen in den Backofen oder die Mikrowelle schieben will, der wird kaum um ein Bio-Siegel auf der Verpackung herum kommen. Die Verpackung bleibt aber auch bei Bio derzeit unnachhaltig.

Bio-Fertiggerichte sind teurer

Bio-Fertiggerichte für die Mikrowelle gibt es heute ebenso vielfältig wie konventionelle
Bio-Fertiggerichte gibt es heute ebenso vielfältig wie konventionelle (Foto: Hänsel & Gretel)

Bio-zertifizierte Lebensmittel sind meist teurer als konventionelle. Das gilt auch für Fertiggerichte. Der Grund ist, dass die ökologischere Produktion eben arbeitsintensiver ist. Ein Biohof hält weniger Tiere. Sie erhalten teureres Futter, bekommen mehr individuelle Pflege und leben länger. Ein Biohof muss unter Umständen mehr Fläche pachten, mehr Unkraut jäten, und muß teurere natürliche Pflanzenschutzmittel kaufen.

Der Hersteller muß in umweltschonende Verarbeitung und Verpackung seine Fertiggerichte investieren. Gesetzlich vorgeschriebene Bio-Kontrollen müssen die Hersteller selber tragen, bei konventionellen gibt es sie nicht. EU-Agrarsubventionen fließen selten in Biolandwirtschaft, meistens in die industrielle Landwirtschaft.

All das schlägt sich natürlich im Preis der Fertiggerichte nieder. Im Durchschnitt sind Bio-Fertiggerichte circa 50 bis 100 Prozent teurer als herkömmliche. Eine Pizza kostet statt zwei Euro fünfzig etwa drei fünfzig, Fischstäbchen statt zwei Euro vier Euro oder eine Pastasauce drei Euro anstatt zwei.

Aber: Fertiggerichte sind schon von Haus aus eigentlich zu teuer teuer – jedenfalls verglichen damit, was es kosten würde, das gleiche Gericht selbst herzustellen. Und allzu oft sollte man Fertigkost ja sowieso nicht konsumieren.

Fazit: Wenn Fertiggericht, dann Bio

Wenn man mal wieder keine Zeit zum Kochen hat und Fertiggerichte aus der Mikrowelle isst, dann ist das nicht ungesund, solange es die Ausnahme bleibt. Die Bio-Tiefkühlpizza schmeckt vielleicht nicht bedeutend besser und ist für sich genommen auch nicht besonders gesund. Doch im Vergleich zum konventionellen Fertiggericht ist sie eben doch gesünder – als Produkt wegen der weniger belasteten Zutaten und wegen der geringeren Zahl von Lebensmittelzusätzen, aber auch ganzheitlich betrachtet wegen der umweltfreundlicheren Landwirtschaft.

Darum unsere Empfehlung: Fertiggerichte möglichst selten, und wenn, dann nur Bio. Wirklich leckeres, gesundes Essen, in dem garantiert keine bedenklichen Zusatzstoffe stecken und das ganz ohne Plastikpackung auskommt, kochst du hingegen ab besten selbst aus frischen Zutaten.

Simon Reichel/aw

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