Hähnchen statt Rind: Wieso das keine gute Idee ist

hähnchen statt rind
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Viele Menschen greifen zu Hähnchen statt Rind, um CO2-Emissionen einzusparen und rotes Fleisch zu vermeiden. Doch tatsächlich hat auch die konventionelle Haltung von Hühnern fatale Folgen für die Umwelt und die Tiere selbst.

Laut einer Studie der schwedischen Chalmers University of Technology müssen wir nicht komplett auf Fleisch verzichten, um das Klima zu retten. Stattdessen sollten wir vor allem Rind und Milchprodukte meiden und diese durch Hühnchen und Eier ersetzen. Damit könnten sich die Treibhausgasemissionen einer fleischessenden Person bereits um die Hälfte verringern.

Tatsächlich hat Rindfleisch laut Öko-Test eine CO2-Bilanz, die im Vergleich zu Geflügel etwa viermal so hoch ist. Zudem verbraucht die Produktion von Rindfleisch im Gegensatz zu Hühnerfleisch etwa 23 Mal so viel Land und dreimal so viel Wasser. Orientieren wir uns nur an diesen Zahlen, würden sich die freigesetzten Treibhausgasemissionen pro Person also erst einmal verringern, wenn Menschen Hähnchen statt Rind essen.

Doch das ist zu kurz gedacht: Beginnen immer mehr Personen deutlich mehr Geflügel zu essen, müssen auch deutlich mehr Hühner gemästet und geschlachtet werden. Greifen wir dabei auf Fleisch aus konventioneller Landwirtschaft zurück, würde dies bedeuten, dass die Zahl an Massentieranlagen weiter steigt. Das bedeutet nicht nur großes Leid für die Tiere, sondern bringt auch fatale Umweltverschmutzungen mit sich. 

Hähnchen statt Rind: Die Zahl geschlachteter Hühner steigt

Der Verzehr an Rindfleisch hat in Deutschland seit 1995 abgenommen.
Der Verzehr an Rindfleisch hat in Deutschland seit 1995 abgenommen.
(Foto: CC0 / Pixabay / IlonaBurschl)

Aus Klimagründen Hähnchen statt Rind zu essen, scheint immer mehr Anklang zu finden. So hat der Verzehr von Rindfleisch in Deutschland seit 1995 abgenommen. Lag der Verzehr 1995 noch bei 11,5 Kilogramm pro Person, so liegt diese Zahl 2020 bei nur 9,8 Kilogramm. Der Konsum von Geflügel steigt hingegen seit 1995 kontinuierlich an. 1995 betrug der Verzehr pro Kopf noch acht Kilogramm. 2020 lag der Wert bei 13,3 Kilogramm. Dies mag damit zusammenhängen, dass oft die Aussage kursiert, rotes Fleisch sei ungesünder als helles.

Auch in den USA hat sich der Verzehr von Rindfleisch zwischen den 1970ern und 2017 um etwa ein Drittel verringert. Der Konsum von Geflügel ist in diesem Zeitraum hingegen um mehr als das Doppelte angestiegen.

Das hat Konsequenzen: Um in etwa die Fleischmenge eines einziges Rindes zu produzieren, müssen 134 Hühner sterben. Um die steigende Nachfrage decken zu können, entstehen also immer mehr Anlagen, in denen die Tiere auf kleinstem Raum zusammengepfercht leben müssen.

Dies belegen auch die Zahlen der Albert-Schweitzer-Stiftung: Während die Anzahl an geschlachteten Tieren in Deutschland pro Jahr generell zurückgeht, steigt die Zahl der geschlachteten Hühner weiterhin an. 2020 töteten deutsche Schlachthöfe im Vergleich zum Vorjahr 2,6 Millionen Hühner mehr. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Landwirt:innen die Tiere stärker mästen, damit ein einzelnes Huhn bei der Schlachtung mehr Fleisch hergibt. Diese Qualzucht bedeutet großes körperliches Leid für die Tiere.

Hähnchen statt Rind: Das Leid der Tiere

Die steigende Nachfrage nach Hähnchen hat schwere Folgen für die geselligen Vögel. 2020 hielten Landwirt:innen in Deutschland etwa 92 Millionen Hühner für die Produktion von Geflügelfleisch. 97 Prozent dieser Tiere lebten in konventioneller Bodenhaltung. Laut der Albert-Schweitzer-Stiftung leben die Hühner dabei in geschlossenen Hallen, haben kaum Auslauf und bekommen im Leben meist nicht einmal Sonnenlicht zu sehen. 

Auf engstem Raum siechen die Tiere in ihren eigenen Ausscheidungen dahin. Aufgrund des Platz- und Bewegungsmangels leiden sie unter hohem Stress und entwickeln Verhaltensstörungen und Krankheiten. Da sie einander nicht ausweichen können, kommt es immer wieder dazu, dass einzelne Tiere erdrückt werden. Zudem steigt mit der Zeit die Konzentration an Staub und Schadstoffen in der Luft. Die Qualzucht sorgt dafür, dass die Tiere sich nur noch langsam und unter großen Schmerzen bewegen können.

Laut treehugger.com fühlen die Hühner unter diesen Bedingungen die gleichen Schmerzen wie menschliche Brandopfer. Beginnen immer mehr Menschen Hähnchen statt Rind zu essen, vergrößert sich auch die Anzahl der Hühner, die solches Leid ertragen müssen.

Konventionelle Hühnerhaltung: Folgen für die Umwelt

Der Kot von Tieren wird als Dünger verwendet.
Der Kot von Tieren wird als Dünger verwendet.
(Foto: CC0 / Pixabay / TheDigitalArtist)

Viele Menschen gehen davon aus, es sei gut für die Umwelt, Hähnchen statt Rind zu essen. Doch blickt man genauer auf die Auswirkungen der Hühner-Mastanlagen wird klar, dass sie der Natur massiven Schaden zufügen. So fallen bei konventioneller Haltung der Tiere auf engstem Raum hohe Mengen an Ausscheidungen an. In den USA belaufen sich diese laut treehugger.com auf zehn Millionen Tonnen pro Jahr.

Normalerweise dient der Kot von Tieren als Dünger für Ackerflächen. Doch diese großen Massen an Hühnerkot übersteigen den Bedarf an Düngemittel um Längen. Stattdessen gelangt der Kot oftmals in umliegende Gewässer. Dort sammelt sich ein Überfluss an Nährstoffen, insbesondere an Stickstoff und Phosphor an. Das hat wiederum sogenannte tote Zonen zur Folge, in denen keine Pflanze mehr wachsen kann. Zudem kontaminieren die Ausscheidungen Gewässer mit Krankheitserregern wie Salmonellen. Darunter finden sich immer wieder Bakterienstämme, die resistent gegen Antibiotika sind.

Die Folgen dieser Verschmutzungen bekommen vor allem Menschen zu spüren, die in der Nähe solcher Mastanlagen leben. Neben störenden Gerüchen kann sich dies im schlimmsten Fall in verschmutztem Grundwasser und somit gesundheitlichen Folgen niederschlagen.

Fazit: Was sollten wir essen?

Wenn du doch hin und wieder Fleisch essen möchtest, achte beim Kauf auf Geflügel in Bio-Qualität.
Wenn du doch hin und wieder Fleisch essen möchtest, achte beim Kauf auf Geflügel in Bio-Qualität.
(Foto: CC0 / Pixabay / music4life)

Hähnchen statt Rind kann also nicht die Ernährung der Zukunft sein. Um sich tatsächlich tier- und klimafreundlich zu ernähren, müssen wir vor allem weniger tierische Produkte essen und durch pflanzliche Nahrungsmittel ersetzen. Wenn du nicht von heute auf morgen zu einer veganen Ernährung wechseln möchtest, kannst du dich dieser Ernährungsweise auch in kleinen Schritten nähern. Helfen können beispielsweise unsere 10 Tipps, um ein bisschen veganer zu werden. Beginne pro Woche mit zwei bis drei Tagen, an denen du nur vegan isst. Im Laufe der Zeit kannst du deine pflanzlichen Tage vielleicht immer mehr steigern.

Du hast Sorge, dass du dann nicht genug Protein zu dir nimmst? Tatsächlich gibt es eine Vielzahl an pflanzlichen Lebensmitteln, die dich mit jeder Menge Eiweiß versorgen. Dazu gehören zum Beispiel Linsen, Kichererbsen, Bohnen oder Tofu. Mehr dazu erfährst du in diesem Artikel: Vegane Proteine: Die 5 wichtigsten Quellen

Dir fehlen noch Inspirationen für vegane Gerichte? Dann kann dir dieser Artikel weiterhelfen: Veganer Ernährungsplan: Rezepte für 7 Tage

Für einen moderaten Fleischkonsum empfiehlt der WWF nicht mehr als 300 Gramm Fleisch pro Woche zu essen. Für die Tage, an denen du gern etwas Fleisch essen möchtest, solltest du auf Geflügel in Bio-Qualität zurückgreifen. So garantierst du eine artgerechtere Tierhaltung, bei der die Hühner im Vergleich zu konventioneller Haltung etwa doppelt so viel Platz und Auslauf im Freien haben und keiner Qualzucht ausgesetzt sind. Das Demeter– und Bioland-Siegel machen diesbezüglich besonders strikte Vorschriften. Mehr dazu erfährst du hier: Bio-Siegel: Was haben die Tiere davon?

Da in der ökologischen Landwirtschaft weniger Tiere auf einer größeren Fläche gehalten werden, entstehen so übrigens auch nicht so große Mengen an Ausscheidungen. Zudem können die Hühner ihren Kot besser selbst über die Weide verteilen.

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