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Insektenhotel bauen: Bauanleitung und Tipps

Foto: Melanie von Daake / Utopia

Das Insektensterben schreitet immer weiter voran. Wir zeigen dir, wie du dagegen aktiv werden und ein Insektenhotel selbst bauen kannst. So haben die Tiere einen Platz, wo sie nisten und überwintern können.

Wozu dient ein Insektenhotel?

Wildbienen und andere Insekten finden immer weniger natürliche Rückzugsräume.
Wildbienen und andere Insekten finden immer weniger natürliche Rückzugsräume. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

Ein Insektenhotel dient verschiedenen Arten von Insekten als Nisthilfe oder als Überwinterungsmöglichkeit. Der Menschen greift immer mehr in die Lebensräume der Insekten ein, sei es durch:

  • Ausbau der Infrastruktur
  • Einsatz von giftigen Pestiziden
  • Umweltverschmutzung durch Abgase und wachsendes Müllaufkommen

dadurch gibt es immer weniger Rückzugsräume für die Tiere und immer kleiner werdende Populationen.

Mit einem Insektenhotel kannst du einen weiteren wichtigen Beitrag leisten, um den Insekten einen sicheren Raum zu bieten. Es hilft auch, wenn du Blumen pflanzt, die Wildbienen gerne anfliegen.

Insektenhotel – wichtige Tipps vor dem Bau

Marienkäfer suchen sich im Herbst eine sichere Überwinterungsmöglichkeit.
Marienkäfer suchen sich im Herbst eine sichere Überwinterungsmöglichkeit. (Foto: CC0 / Pixabay / Myriams-Fotos)

Ein Insektenhotel wird von den Tieren nur akzeptiert, wenn es richtig aufgebaut wird. Es gibt viele kleine Tipps, damit dein selbst gebautes Haus von den Insekten zum Nisten und Überwintern angenommen wird. Allgemein gilt, dass die Materialien:

  • trocken und
  • unbehandelt (keine giftigen Lacke oder Holzschutzmittel)

sein sollten.

Wie bei uns Menschen zählt auch bei Insekten die richtige Lage des Hotels. Insekten mögen es wettergeschützt, jedoch auch sonnig und warm zum Nisten. Weiterhin benötigen sie eine freie Anflugschneise. Optimal ist daher eine Süd-östliche oder Süd-westliche Ausrichtung (je nach Wetterseite).

Für die einzelnen Insekten in dem von uns gebauten Hotel gilt zusätzlich:

1. Wildbienen sind Hohlraumnister. Das heißt, sie legen ihre Brut in Hohlräume ab, die sie dann verschließen. Um ihnen einen geeigneten Nistplatz im Frühjahr zu bieten, beachtest du am besten Folgendes:

  • Holzblock als Nisthilfe:
    • Wenn du Löcher in einen Holzblock bohren möchtest, nutze bitte trockenes, unbehandeltes Hartholz (z.B.Esche, Buche). Bitte nimm keine weichen oder nassen Hölzer, da die Gefahr von Splittern sonst groß ist. Diese können die Bienen verletzen, was zu ihrem Tod führt.
    • Bohre verschieden große Löcher in den Block, von 4mm bis 8mm. So ist die Nisthilfe für verschiedene Wildbienenarten attraktiv.
    • Die Löcher sollten nicht komplett durch den Holzblock gebohrt werden. Die Rückseite sollte verschlossen sein.
  • Bambusstangen:
    • Bei der Nutzung von Bambusstangen gilt das Gleiche wie beim Holzblock. Bitte nur trockenen Bambus nutzen, auch hier besteht sonst Splittergefahr.
    • Nutze Bambusstangen, die unterschiedliche Durchmesser haben. So gibst du verschiedenen Wildbienenarten die Möglichkeit einen Nistplatz zu finden.

2. Marienkäfer suchen sich im Herbst einen Unterschlupf zum Überwintern. In Gruppen schwärmen sie aus, um einen geeigneten Platz für den Winterschlaf zu finden. Daher sollte das Hotel für sie im Winter an einem wettergeschützten Ort stehen.

3. Florfliegen mögen die Farbe Rot. Sprichwörtlich fliegen sie so sehr auf diese Farbe, dass du das Kästchen für sie mit einem ungiftigen Lack/Farbe rot streichen solltest. Damit machst du den Kasten attraktiv für sie. Wie die Marienkäfer suchen sie ebenfalls im Herbst nach einer passenden Winterbleibe.

4. Für Schlupfwespen gelten die gleichen Tipps wie für Wildbienen.

Hinweis: Es gibt viele Wildbienenarten (z.B. Sandbienen), die im Erdboden nisten. Diese Arten benötigen extra Nisthilfen.

Bauanleitung für ein Insektenhotel

Die Bodenplatte versiehst du mit Winkeln.
Die Bodenplatte versiehst du mit Winkeln. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

Für den Bau deines eigenen Insektenhotels benötigst du folgendes Material:

1. Gehäuse:

  • Bodenplatte 38,3×38,3×1,8cm
  • 2 Seitenplatten 38,3×38,3×1,8cm
  • Rückseite 35x30x2,8cm
  • Dachplatte
  • 8 Winkel (4 oben, 4 unten)
  • 32 Schrauben 3,5x15mm
  • 9 Schrauben 5x35mm
  • 3 Schrauben 6x65mm

2. Innen:

  • min. 4 Bambusstöcke (5-8mm Innendurchmesser) (z.B. aus dem Baumarkt)
  • Baumwollwatte
  • 4 Pappelholzplatten 25x15cm (du kannst auch andere dünne Holzplatten nutzen)
  • Leiste 1,5cmx1,5cm Stärke, Gesamtlänge 50cm (2x25cm)
  • Leiste 2cmx2cm Stärke, Gesamtlänge 61cm (2x16cm, 2×14,5cm)
  • Holzbrettreste
  • ungiftiger roter Lack
  • Pinsel
  • ca. 50 Nägel 1,2x20mm
  • Schrauben 3,5x15mm
  • Stroh
  • Pfeifenreiniger
  • Schleifpapier in Stärke 50

3. Holzblock:

  • Holzblock aus Hartholz, unbehandelt 30x15x15cm (z.B. aus dem Baumarkt)
  • 4-8mm Holzbohrer
  • Stift
  • Schleifpapier in Stärke 50
  • Pfeifenreiniger

4. Ständer:

  • 4 schmale Bretter ca. 85cm lang
  • 6 Schrauben 6x65mm

5. Werkzeug:

  • Akkubohrer mit Holzbohrern in verschiedenen Größen (4mm bis 8mm)
  • Holzsäge
  • Schraubstock
  • Hammer
  • Handbohrer

Hinweise:

  • Wenn du unbehandeltes Hartholz und andere Materialien noch von anderen Projekten hast, nutze diese ruhig mit. Bei diesem Insektenhaus wurden z.B. saubere und unbehandelte „Holzabfälle“ mit verwertet.
  • Die Größenangaben kannst du gegebenenfalls für dein bereits vorhandenes Material anpassen.
  • Die Kosten für das Insektenhotel belaufen sich auf ca. 20-50 Euro, je nachdem wieviel Material du bereits zuhause hast.

So fängst du an, das Gerüst für dein Insektenhotel zu bauen:

  1. Lege die Bodenplatte auf die Arbeitsfläche.
  2. Nimm vier Winkel und bringe sie mit den Schrauben an der Bodenplatte folgendermaßen an: Zwei Winkel an den beiden hinteren Ecken, zwei Winkel an der Vorderseite, 5cm von der Front nach hinten versetzt.
Mit Winkeln baust du das Gerüst auf und verstärkst es von außen mit Schrauben.
Mit Winkeln baust du das Gerüst auf und verstärkst es von außen mit Schrauben. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

3. Als nächstes schraubst du die Seitenteile an. Schau dabei, dass die Seitenteile später mit der Rückseite  gut abschließen.

4. In den oberen hinteren Ecken setzt du jeweils einen Winkel, so dass du damit die Seiten- und das Rückenteil verbinden kannst.

5. Danach setzt du die Rückseite an.

6. Die Seitenteile verbindest du mit der Rückwand ebenfalls noch von außen mit Schrauben.

7. Die Dachplatte legst du nun oben drauf und befestigst sie von außen mit Schrauben.

Holzblock als Nisthilfe für Wildbienen und Schlupfwespen

Mit verschieden großen Holzbohrern (4-8mm) bohrst du die Gänge für Wildbienen und Schlupfwespen.
Mit verschieden großen Holzbohrern (4-8mm) bohrst du die Gänge für Wildbienen und Schlupfwespen. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

So verwandelst du einen trockenen Holzblock aus Hartholz in einen sicheren Nistplatz:

  1. Markiere den Holzblock mit einem Stift an den Stellen, an denen du die Löcher in das Längsholz bohren möchtest. Wichtiger Hinweis: Bitte nicht ins Hirnholz – die Stirnseite des Holzblocks mit den Jahresringen – bohren. Es besteht die Gefahr von Splitterbildung, wodurch die Flügel der Insekten verletzt werden können.
  2. Die Löcher kannst du, wie abgebildet, von groß nach klein (8 bis 4mm) anbringen oder die verschiedenen Lochgrößen wild durcheinander ansetzen.
  3. Du kannst die Abstände zwischen den Löchern von 3cm in der Höhe und 2,5cm in der Breite nutzen. So reißen die einzelnen Gänge nicht ein.
  4. Bedenke beim Bohren, dass der Bohrer schnell heiß werden kann. Am besten bohrst du immer nur ein kleines Stück in das Holz, ziehst den Bohrer raus. Dann bohrst du wieder ein Stück weiter hinein in den Holzblock.
  5. Nach dem Bohren glättest du die Öffnungen mit Schleifpapier. Wildbienen mögen keine Splitter (Verletzungsgefahr), daher sollten die Oberflächen glatt sein.
  6. Mit dem Pfeifenreiniger reinigst du zusätzlich noch die Löcher, so dass etwaige Späne aus den Gängen entfernt werden.

Den fertig gebohrten Holzblock kannst du nun an der Unterseite des Gerüsts anbringen. Dazu schraubst du ihn mit 1cm nach hinten versetzt (als Überstand) an die Unterseite des Gerüsts. Da die Gänge „nur“ knapp 9-10cm in den Holzblock hineingebohrt sind, kannst du die Schrauben von oben durch das Gerüst am hinteren Ende des Blocks einbohren.

Der Ständer für das Insektenhotel wurde upcycelt - von einer alten Kindertafel. Du kannst aber auch einfach zwei Bretter pro Seite im Winkel anschrauben.
Der Ständer für das Insektenhotel wurde upcycelt – von einer alten Kindertafel. Du kannst aber auch einfach zwei Bretter pro Seite im Winkel anschrauben. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

Die Ständer für das Insektenhotel kannst du aus je zwei Brettern bauen, die du im 30-40° Winkel mittig von außen an dem Gerüst anschraubst.

Die hier genutzten Bretter für die Ständer sind 85cm lang und am unteren Ende leicht angewinkelt, so dass sie gerade auf dem Boden stehen.

Hinweis: Der hier verwendete Ständer ist upcycelt von einer alten Kindertafel. Die Bretter waren bereits gestrichen – mit einem Öko-Lack.

Innenausbau des Insektenhotels

Nach dem Anbringen des Holzblocks geht es an die Aufteilung der "Zimmer".
Nach dem Anbringen des Holzblocks geht es an die Aufteilung der „Zimmer“. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

Wenn du das Gerüst und den Holzblock aufgebaut hast, geht es weiter mit dem Innenausbau des Insektenhotels – den Zimmern:

  1. Dazu baust du ein „T“ aus zwei Brettern mit den Maßen:
    • unteres Brett: 16cm hoch, 25cm tief, 2cm dick
    • oberes Brett: 29,8cm breit, 1cm Überstand nach vorn zum unteren Brett
  2. Nun hast du unten zwei Abteile, die je 14cm breit sind. Diese beiden Abteile werden für Florfliegen und Marienkäfer ausgebaut.
  3. Damit das „T“ sicher steht, schraubst du zwei Leisten an die Innenwand des Gerüsts. Die Querplatte des „T“s sollte genau darauf sitzen. Dazu nutzt du die 1,5×1,5cm großen Leisten.
  4. Darüber ist ein Regalboden entstanden, auf dem du mit verschieden großen Bambusstäben Wildbienen eine weitere Nistmöglichkeit bietest.
  5. Die Bambusstangen sägst du auf eine Länge von 20cm zu.
  6. Damit die Bienen sie gut annehmen, glättest du die Sägekanten mit Schleifpapier und reinigst die Stäbe von innen mit einem Pfeifenreiniger.
  7. Da die Bienen gerne Nisthilfen mit nur einer Öffnung mögen, verschließt du die Bambusstäbe auf der Rückseite mit etwas Baumwollwatte.

„Zimmer“ für Marienkäfer und Florfliegen zum Überwintern

Die "Zimmer" für Marienkäfer und Florfliegen (rot gemalt) füllst du mit Stroh aus.
Die „Zimmer“ für Marienkäfer und Florfliegen (rot gemalt) füllst du mit Stroh aus. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

Die beiden „Zimmer“ für die Florfliegen und Marienkäfer sind vom Aufbau gleich. Das Abteil für die Florfliegen streichst du mit einem ungiftigen Lack rot an.

So baust du die „Zimmer“:

  1. Zersäge die 2cmx2cm großen Leisten in folgende Stücke:
    1. zwei mal 14,5cm lang (gehen an die Außenkante mit den Stützleisten für das „T“)
    2. zwei mal 16cm lang
  2. Als nächstes markierst du zwei Pappelplatten so, dass du 5cm hohe Stücke absägen kannst.
  3. Die Sägekanten schmirgelst du mit Schleifpapier gründlich ab.
  4. Nun nagelst du die Leisten und die Plattenzuschnitte zusammen. Da die Leisten mit den Brettern vorne auf die 14cm breiten Abteile gesteckt werden. Schau bitte, dass du sehr genau arbeitest, sonst passen sie nicht.
  5. Zwischen den einzelnen Pappelplatten sollten ca. 0,5cm Abstand sein, so dass die Marienkäfer und Florfliegen problemlos ein- und ausfliegen können.
  6. Die Front für die Florfliegen streichst du rot an mit Öko-Farbe.
  7. Jetzt kannst du die „Zimmer“ mit Stroh füllen und die Frontteile vorne aufstecken.

Insektenhotel: Das „Bambus Penthouse“ bauen

Das fertige Insektenhotel ist auf der wettergeschützten Seite (hier: Süd-Ost) ausgerichtet, hat eine offene Anflugschneise und viel Sonnenschein.
Das fertige Insektenhotel ist auf der wettergeschützten Seite (hier: Süd-Ost) ausgerichtet, hat eine offene Anflugschneise und viel Sonnenschein. (Foto: Melanie von Daake / Utopia)

Im obersten „Zimmer“ kannst du Bambusstäbe unterbringen für Wildbienen und Schlupfwespen. Entweder füllst du das gesamte Abteil mit Bambusstöcke aus oder baust, wie wir, eine Verblendung.

  1. Markiere die langen Bambusstöcke alle 23cm. Schau dabei, dass du – je nach Wuchs des Stockes – eine offene Seite und eine geschlossene Seite durch die Scheidennarben im Bambus erhälst.
  2. Säge die Bambusstücke entsprechend ab.
  3. Nun glättest du die Öffnung mit Schleifpapier, so dass sie splitterfrei ist.
  4. Die Innenräume der Stangen kannst du mit einem Pfeifenreiniger von etwaigen Spänen befreien.
  5. Sollte deine Bambusstange von innen noch verschlossen sein, kannst du mit einem Handbohrer den Gang freilegen.
  6. Bei Bambusstücken, die keine Scheidennarbe am Ende haben, kannst du etwas Baumwollwatte in das eine Ende stopfen. So haben die Bienen einen idealen Nistplatz, der nur an einer Seite geöffnet ist.
  7. Für unser Hotel haben wir vier Bambusstangen á 2m genutzt. Allerdings braucht es viel mehr, um das ganze „Zimmer“ zu füllen. Daher haben wir eine Verblendung gebaut. Du kannst natürlich auch noch mehr Insekten anlocken, indem du das komplette „Penthouse“ mit Bambus befüllst.
  8. Die Verblendung besteht aus Holzbrettresten und zwei Pappelholzbrettern.
  9. Je nachdem, wie viele Bambusstöcke du in dem Abteil haben möchtest, passt du die Verblendung entsprechend an. Die abgebildete Verblendung ist 29,8cm breit und 9,8cm hoch.
  10. Säge die Pappelbretter entsprechend zu, so dass du einen passenden Freiraum für die Bambusstäbe hast.
  11. Nun nagelst du die Pappelzuschnitte und die passenden Holzbrettreste zusammen.
  12. Setze die Verblendung in das „Penthouse“ und stecke die Bambusstäbe in den Freiraum, so dass sie fest sitzen.

Hinweis: Die Nist- und Überwinterungshilfen für die verschiedenen Insektenarten kannst du auch einzeln herstellen. Die oben genannten Tipps helfen dir dabei. Jeder noch so kleine Beitrag zum Insektenschutz zählt. Anleitungen für kleine Nisthilfen gibt es auch beim NABU.

Buchtipps:

  • „Insekten- & Tier-Hotels – 50 Projekte mit Bauanleitungen“ (online bei **Booklooker oder **Buch7)
  • „Mein Insektenhotel – Wildbienen, Hummeln & Co. im Garten“ (online bei **Booklooker oder **Buch7)
  • „Das Kinder-Gartenbuch – Vom Minigarten bis zum Insektenhotel“ (online bei **Booklooker oder **Bücher.de)

Weiterlesen auf Utopia.de: Insektenhotel bauen: Bauanleitung und Tipps

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