Lush: Wie grün ist die bunte Kosmetikmarke?

Fotos: © Utopia, Lush GmbH

„Fresh handmade cosmetics“, frische handgemachte Kosmetik – das ist der Slogan der Kosmetikmarke Lush. Was steckt dahinter und wie gut ist die trendige Kosmetik wirklich? Wir haben uns Lush genauer angesehen.

Durchdringende Duftwolken, grelle Farben, Kosmetik präsentiert wie Gemüse auf dem Wochenmarkt: Lush weiß, wie man Läden auffällig gestaltet. Mit den Marketingversprechen rund um die Lush-Kosmetik ist es ähnlich: Ohne Tierversuche, ohne Verpackung, fair gehandelt, vegetarisch, frisch und handgemacht – das bleibt im Kopf. Was steckt dahinter?

Der Artikel in der Übersicht:

Lush ist keine Naturkosmetik

Auch wenn mitunter der Eindruck entstehen mag: Lush ist keine Naturkosmetik-Marke. Das heißt erstens: Es gibt keinen festgelegten Anteil an Inhaltsstoffen natürlichen oder gar biologischen Ursprungs. Im Gegensatz zu Naturkosmetik-Herstellern verwendet Lush erdölbasierte Inhaltsstoffe.

Und zweitens: Der Kosmetikhersteller lässt seine Versprechen von keinem unabhängigen Zertifizierer überprüfen. Statt auf Siegel und Zertifizierungen setzt Lush auf eigene Richtlinien und Standards.

Lush-Kosmetik
Schön bunt und unverpackt, aber keine Naturkosmetik: Lush-Kosmetik. (Foto: © Lush GmbH)

Zertifizierte Naturkosmetikhersteller müssen strenge Anforderungen erfüllen und werden regelmäßig kontrolliert – Siegel wie etwa BDIH, Natrue oder Cosmos garantieren, dass sich die Hersteller an festgelegte Nachhaltigkeitsstandards halten und der Verbraucher sich auf die Qualität verlassen kann.

Naturkosmetik ist Lush-Kosmetik also nicht – aber ist sie vielleicht trotzdem besser als herkömmliche Produkte?

Frische, handgemachte Kosmetik?

„All unsere Produkte werden frisch und von Hand hergestellt“,

verspricht Lush. Nach eigenen Angaben werden die Produkte „in Räumen hergestellt, die mehr an große Küchen als an Produktionshallen erinnern.“

Das Unternehmen arbeitet mit frischen Zutaten und verarbeitet nach eigener Aussage bevorzugt ganze Früchte und Gemüse. Die Kosmetika sind deshalb teils weniger lange haltbar als üblich, einige nur ein paar Wochen.

Allerdings setzt Lush nicht nur frische Zutaten ein: Neben pflanzlichen Inhaltsstoffen verwendet das Unternehmen auch „sichere synthetische Inhaltsstoffe“. Nicht alle dieser Stoffe gelten tatsächlich gemeinhin als sicher; einige stehen im Verdacht, gesundheitsgefährdend zu sein (s. unten). In Naturkosmetik sind sie größtenteils nicht zugelassen.

Lush: Ist das Bio?

„Unsere Kunden zahlen nur für die qualitativ hochwertigsten Inhaltsstoffe ethischen Ursprungs – biologisch angebaut, wann immer es möglich ist.“

So wirbt Lush auf der Website. Auf Nachfrage sagt man uns, dass derzeit etwa 80 Prozent aller Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs seien, davon aber nur 10 Prozent aus biologischem Anbau stammen (das entspricht 8 Prozent der gesamten Inhaltsstoffe).

In der Inhaltsstoffliste auf den Produkten bzw. im Onlineshop ist jeweils gekennzeichnet, welche Zutaten aus Bio-Anbau oder aus fairem Handel stammen (s. unten).

Lush-Inhaltsstoffe: transparente Darstellung, problematische Stoffe

Lush ist der Überzeugung, „dass Kunden das Recht haben, genau zu erfahren, was in den Produkten steckt, die sie kaufen. Entsprechend sind die Inhaltsstoffe auf allen Produkten in mengenmäßig absteigender Reihenfolge aufgeführt.“ Die Angabe der Inhaltsstoffe in dieser Form ist nach der EU-Kosmetikverordnung vorgeschrieben (INCI) – ein besonderer Service ist das also erstmal nicht.

Lush: unverpackte Kosmetik
Nur ein Teil der Inhaltsstoffe in Lush-Produkten ist Bio – viele sind natürlich. (Fotos: © Lush GmbH)

Allerdings ist die Angabe der Inhaltsstoffe auf den Produkten und im Onlineshop tatsächlich transparent, übersichtlich und verständlich. Viele Zutaten sind dort nicht nur mit INCI-Bezeichnung vermerkt, sondern auch auf deutsch erklärt, und es wird farblich zwischen „natürlichen“ und „sicheren synthetischen“ Inhaltsstoffen unterschieden.

Die Verwendung einiger dieser synthetischen Inhaltsstoffe, etwa Parabene und Sodium Lauryl Sulfate, versucht Lush in ausschweifenden Erklärungen zu rechtfertigen; sie fußen aber vor allem in der Kritik an bestehenden Studien.

Nicht beachtet wird dabei eine einfache Tatsache: Zertifizierte Naturkosmetik-Hersteller zeigen längst, dass der Einsatz dieser umstrittenen Stoffe nicht notwendig ist, um effektive und sichere Pflegeprodukte herzustellen.

Mehr dazu: Die schlimmsten Inhaltsstoffe in Kosmetik

Synthetische Konservierungsstoffe und bedenkliche Duftstoffe

80 Prozent der Lush-Kosmetika sind laut Unternehmen frei von synthetischen Konservierungsstoffen. Das heißt im Umkehrschluss: Rund ein Fünftel der Kosmetika enthält noch synthetische Konservierungsstoffe.

Obwohl die Stoffe inzwischen weithin in der Kritik stehen, weil sie als hormonell wirksam gelten, verwendet Lush nach wie vor Parabene zur Konservierung. Die beiden eingesetzten Parabenverbindungen Methylparaben und Propylparaben werden unter anderem mit einer verfrühten Pubertät bei Jugendlichen in Verbindung gebracht. Der Lush-Onlineshop listet derzeit über 70 Produkte, die Methylparaben enthalten und rund 60 Produkte mit Propylparaben.

Neben umstrittenen Parabenen und Sodium Lauryl Sulfaten setzt Lush auch PEG/PEG-Derivate ein, welche im Verdacht stehen, die Haut durchlässiger für Schadstoffe zu machen.

Lush-Kosmetik
Ein Teil der Lush-Produkte enthält synthetische Konservierungsstoffe. (Foto: © Utopia)

Viele Produkte enthalten zudem Duftstoffe, die als besonders allergen gelten, etwa den hoch allergenen Duftstoff Lilial (auf der Zutatenliste „Butylphenyl Methylpropional“). Öko-Test wertet Produkte, die Lilial enthalten, regelmäßig ab, weil der Duftstoff im Verdacht steht, die Fruchtbarkeit zu stören. Das Verbrauchermagazin kritisiert zudem die Verwendung des bedenklichen Duftstoffs Isoeugenol. Auch einige der Farbstoffe, die den Lush-Produkten ihre bunten Farben geben, gelten als problematisch.

In zertifizierter Naturkosmetik ist keiner dieser Inhaltsstoffe zugelassen.

Lush und das Palmöl

Sehr transparent geht Lush mit dem Thema Palmöl um. Nach eigenen Angaben setzt das Unternehmen heute kein reines Palmöl mehr ein. Aber: „Auch wenn wir kein Palmöl mehr direkt in unseren Produkten verwenden, enthalten einige unserer sicheren synthetischen Inhaltsstoffe Abkömmlinge von Palmöl, weil wir bislang einfach keine passenden Alternativen finden konnten“, heißt es auf einer Palmöl-Themenseite. Dort listet der Kosmetikhersteller auf, welche Inhaltsstoffe heute noch auf Palmöl basieren.

Mit dem Problem ist Lush nicht alleine: Auch Hersteller von Naturkosmetik und Öko-Reinigungsmitteln haben Schwierigkeiten, die Verwendung von Palmöl ganz auszuschließen: Viele Inhaltsstoffe, die sie zukaufen, sind heute (noch) nicht in ökologischer oder palmölfreier Qualität verfügbar. Und nicht immer ist es überhaupt möglich, herauszufinden, auf welcher Basis bestimmte Stoffe produziert wurden – auch, weil sich das immer wieder ändern kann.

„Ethischer Handel“ – ohne Zertifizierung

Lush bezieht nach eigenen Angaben Inhaltsstoffe aus „ethischem“ Handel und gibt an, möglichst viele Zutaten für die Kosmetika direkt von den Produzenten zu kaufen.

Das Unternehmen berücksichtige dabei eigene ethische und ökologische Standards und unterstütze Produzenten vor Ort. Das Lush-„Ethical Buying Team“ kontrolliere vor Ort auch unangekündigt die Produktionsbedingungen.

Lush-Kosmetik
Ein kleiner Teil der Inhaltsstoffe von Lush-Produkten stammt aus fairem Handel. (Foto: © Lush GmbH)

Der Anteil fair gehandelter Inhaltsstoffe ist allerdings gering: „2018 waren insgesamt 6 % unserer erworbenen Rohstoffe für den europäischen Markt aus fairem Handel“, schreibt uns ein Unternehmenssprecher. Hinzu kämen einige fair gehandelte, aber nicht zertifizierte Zutaten.

„Ein Logo zu verwenden, das zeigt, dass jemand anders unsere Lieferketten überprüft hat, kann sinnvoll sein, aber wir überprüfen das lieber selbst“,

schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Auch auf Nachfrage erklärt man uns, man wolle direkte Kommunikation mit den Herstellern, und die Zertifizierungsgebühren seien außerdem für viele kleine Zulieferer zu hoch.

Damit kann Lush zwar durchaus die volle Kontrolle über seine Lieferkette haben und alles richtig machen – allerdings ist von außen auch kaum nachzuprüfen, wie „ethisch“ die Handelsbeziehungen tatsächlich sind.

Lush-Kosmetik: vegetarisch und tierversuchsfrei

Auf Ethik legt Lush auch in einem anderen Bereich Wert: Alle Lush-Produkte sind vegetarisch und aktuell 87 Prozent des regulären Sortiments sogar vegan.

Zudem ist der gesamte Produktionsprozess frei von Tierversuchen. Der Kosmetikhersteller verwendet ausschließlich Rohstoffe von Unternehmen, die nicht in Tierversuche involviert sind oder ihre Produkte an andere, in Tierversuche involvierte Unternehmen verkaufen.

„Es ist dabei unerheblich, ob ein Lieferant […] Produkte für andere Zwecke als den Kosmetikbereich, beispielsweise für die Verwendung in der Pharmazie, an Tieren hat testen lassen“,

schreibt uns ein Sprecher.

Zwar sind Tierversuche für Kosmetik in der EU schon seit 2013 verboten. Allerdings geht Lush mit dem Kooperationsverbot mit Unternehmen, die in Tierversuche involviert sind, einen Schritt weiter als die gesetzlichen Vorgaben. Zudem fördert das Unternehmen die Erforschung und Etablierung von tierversuchsfreien Testmethoden.

Allerdings verwendet das Unternehmen auch hier keines der gängigen Siegel, welche die Tierversuchsfreiheit garantieren.

Mehr dazu: So erkennst du Kosmetik ohne Tierversuche

Vorreiter beim Thema Unverpackt

Auch wenn an anderer Stelle Kritik angebracht sein mag: Im Umgang mit Verpackungen macht Lush viel richtig.

Als eines der ersten Kosmetikunternehmen bietet Lush schon seit den 90ern Shampoos und Badekugeln in fester Form ganz ohne Verpackung an, inzwischen ist das Angebot an unverpackten Produkten riesig. Die festen Pflegeprodukte werden in den Lush-Läden lose angeboten, Seifenstücke kann man sich teils in der gewünschten Größe abschneiden lassen. Nach dem Kauf nimmt man die Waren in Recycling-Papiertütchen mit nach Hause.

Das Unternehmen entwickelt regelmäßig neue feste Produkte ohne Verpackung: Mittlerweile gibt es etwa auch Gesichtsöl, Lippenstift, Parfüm und Sonnencreme in fester Form. Im Herbst 2018 eröffnete Lush in Berlin die erste komplett verpackungsfreie Filiale.

Lush: Unverpackt-Filiale
Lush: Unverpackt-Filiale in Berlin (Foto: © Lush GmbH)

Viele der verpackten Cremes, Lotions und Masken werden in kleinen schwarzen Platiktöpfchen angeboten – diese bestehen aus recyceltem PP, werden von Lush zurückgenommen und in einem geschlossenen Kreislauf wieder zu neuen Behältern recycelt.

Mehr lesen: Kosmetik nachfüllen statt wegwerfen: Diese Hersteller setzen auf Refill-Systeme

Lush als Arbeitgeber in der Kritik

Weniger vorbildlich sollen die Arbeitsbedingungen bei Lush sein: Ehemalige oder aktuelle Angestellte werfen Lush immer wieder vor, die Mitarbeiter in den Läden auszubeuten, sie unter Druck zu setzen, möglichst viel zu verkaufen und zu aufdringlichen Verkaufsstrategien zu drängen. Auch Sexismus-Vorwürfe wurden bereits laut.

Angestellte, die Verkaufsziele nicht erreichen oder die Unternehmenspolitik kritisieren, sollen angeblich regelmäßig gekündigt werden. Einige sprachen von Angst vor Überwachung durch den Arbeitgeber. Das berichtet unter anderem die Taz.

Fazit: Gutes Konzept – aber es geht besser

Grundsätzlich hat Lush ein interessantes Konzept: Verpackungen zu minimieren und Recycling-Materialien zu benutzen, auf Tierversuche zu verzichten, Palmöl zu reduzieren und überwiegend natürliche Inhaltsstoffe einzusetzen – all das sind begrüßenswerte und zukunftsweisende Schritte. Die Lush-Produkte sind damit nachhaltiger als viele andere auf dem Markt.

Dennoch sollte man sich nicht vom grünen Image täuschen lassen: Lush ist keine Naturkosmetik, setzt umstrittene Inhaltsstoffe ein und will seine Versprechungen nicht von unabhängigen Zertifizierern überprüfen lassen. Der Umgang mit den Mitarbeitern und die Verkaufsstrategien scheinen zumindest fragwürdig.

Naturkosmetik-Hersteller gehen da, zumindest was Inhaltsstoffe und Überprüfbarkeit angeht, heute schon einen Schritt weiter. Wir empfehlen daher, am besten zertifizierte Naturkosmetik zu verwenden – und dabei auf unnötige Produkte und Verpackungen zu verzichten.

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(25) Kommentare

  1. Ich gebe euch recht und würde mir hierzu auch mehr Offenheit wünschen. Wobei ich hinzufügen muss, dass all meine Fragen durch meine Lushverkäuferin geklärt wurden. Sie setzte sich dann einfach mit England auseinander und konnte mir in Kürze meine Fragen beantworten. Zudem hat Lush schon einiges geändert, nachdem Kunden sich vermehrt geäussert haben.

    Mir scheint Lush somit ein Unternehmen zu sein, was Kritik anerkennt.

    Ich liebe die Produkte. Viele meinen die bunten Farben und starken Düfte sollten über die Qualität hinweg täuschen. Dem ist aber nicht so. Ich nehme seit einigen Jahren die Produkte und vor allem meine Haare danken es mir. Ich habe natürlich glänzendes Haar und das sogar in einer Zeit, in der ich mal regelmäßig meine Haare blondierte. Ich kann ohne Lushprodukte nicht mehr und bin von ihnen überzeugt.

    Und als Veganerin ist dieser Laden natürlich ein Paradies, wenn es um das Thema Auswahl geht.

  2. Mich überzeugt Lush mit seinen umweltfreundlichen Produkten und vor allem unter anderem auch damit, dass das Unternehmen gänzlich auf Tierversuche verzichtet. Dazu gehört für mich auch der weitgehende Verzicht auf Palmöl – auch das hilft Tier- und Umwelt gleichermaßen. Laut dem Unterenehmen läuft die Prüfung in Sachen Tierversuche wie folgt. „Die Vegan Society (Großbritannien) als unabhängige Institution, die unsere veganen Produkte zertifiziert, garantiert die Tierversuchsfreiheit sowohl von Endprodukt als auch von Rohstoffen. Lush wird zusätzlich einmal pro Jahr einem unabhängigen Audit unterzogen, welches auch die Lieferanten einschliesst. Zudem müssen unsere Lieferanten bei jeder Bestellung schriftlich die Tierversuchs-Regelung unterschreiben.“

    Ähnlich wie anifadschy finde auch ich die Produkte toll, vor allem das Shampoo mit Nelken- und Zimtöl benutze ich unheimlich gerne, da meine Haare damit super gepflegt und glänzend aussehen.

    Hier gibt es auch noch einen interessanten und gut recherchierten Artikel zum Thema:
    http://www.yaacool.com/index.php?article=1415

    Viele Grüße, Guinevere

  3. Noch eine kleine Ergänzung zu den Gütezeichen (aus Grennpeace Magazin, Ausgabe 3.09, http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5755)

    DIE WICHTIGSTEN NATURKOSMETIKLABEL

    BDIH – Kontrollierte Naturkosmetik
    Das bekannteste Naturkosmetik-Label wurde bereits Tausenden Produkten 
verliehen. Nach den Kriterien des BDIH, ein Zusammenschluss von Naturkosmetik­­herstellern, sind synthetische Substanzen wie Paraffine, Silikonöle, synthetische Farbstoffe und Duftstoffe tabu. 15 festgelegte Rohstoffe müssen aus Bio­erzeugung stammen, ansonsten gibt es keine Vorgaben zum Anteil an biologischen Rohstoffen in einem Produkt. Wer sie verwendet, kann den Anteil deklarieren.

    NaTrue
    Bei diesem neuen, von etablierten Naturkosmetikherstellern ins Leben gerufenen Label gibt es drei Qualitätsstufen. NaTrue mit drei Sternen, die höchste Kate­gorie, bedeutet: Die Kosmetik enthält mindestens 20 Prozent Naturstoffe – das sind Substanzen wie Fette und Öle, die lediglich physikalisch, nicht jedoch 
chemisch verändert wurden. Die Naturstoffe müssen zu 95 Prozent aus kontrolliert-biologischem Anbau stammen. Höchstens 15 Prozent der Gesamtrezeptur dürfen hingegen aus „naturnahen“ Substanzen bestehen, die mithilfe chemischer Verfahren aus Naturstoffen gewonnen werden. Erdöl als Rohstoff ist tabu.
    Zwei Sterne stehen für einen Anteil von mindestens 15 Prozent Naturstoffen 
und höchstens 15 Prozent naturnahen Stoffen. Die Naturstoffe müssen zu 
70 Prozent bio sein.
    Ein Stern entspricht ungefähr dem BDIH-Siegel. Es steht für Anteile an Naturstoffen zwischen drei (tensidhaltige Reinigungsprodukte, Emulsionen zur Haarpflege) und 90 Prozent (Öle), die aber nicht aus Biolandwirtschaft stammen müssen. Bestimm­te „naturidentische“ Stoffe wie Pigmente, Mineralien und Konservierungsstoffe sind 
in allen drei Kategorien erlaubt, sofern sie nicht als Naturvariante erhältlich sind.

    Ecocert
    Die unabhängige Kontrollorganisation Ecocert hat ihren Hauptsitz in Frankreich, zertifiziert aber Naturkosmetik in ganz Europa. Auch in Deutschland sind viele 
Produkte damit ausgezeichnet. Für das Ecocert-Siegel „Ökologische Naturkosmetik“ müssen 95 Prozent der Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs und 95 Prozent 
der pflanzlichen Rohstoffe „bio“ sein. Das einfachere Signet „Naturkosmetik“ steht ebenfalls für 95 Prozent Naturstoffe, aber nur für 50 Prozent pflanzliche 
Bio-Rohstoffe. Ein Anteil von fünf Prozent synthetischen Substanzen ist erlaubt.

    Naturland
    Bei Kosmetik, die mit dem Emblem des Bio-Anbauverbandes Naturland aus­gezeichnet ist, müssen 95 Prozent der landwirtschaftlichen ­Rohstoffe 
aus Naturland-Erzeugung stammen, BDIH-Zertifizierung ist Voraussetzung.

    Demeter
    Die Bezeichnung „Demeter-Kosmetik“ kann verwendet werden, wenn 
das Produkt nachweislich über 90 Prozent aus Demeter-Rohstoffen besteht. 
Gentechnik wird strikt abgelehnt.

  4. also die erste idee, die mir beim lesen gekommen ist: ich kann ja gerne sagen, dass 70% meiner produkte ohne palmöl sind … was ist aber, wenn ich 80% meines umsatzes mit den anderen 30% der artikel mache?! sehr merkwürdig … auch wurde im bericht nicht auf die nachhaltigkeit im bereich des personals eingegangen: arbeitsbedingungen, tarifverträge, gesundheitsschutz und sonstige unternehmerische leistungen für ihre mitarbeiter die ja auch etwas mit einem besseren leben und einer besseren umwelt zu tun haben ….

  5. Hoffentlich klärt sich das mit den Pressetexten noch, und LUSH äußert sich dazu, bzw macht auch seine Webseite transparent. Denn ich bin begeistert von den Lush Produkten, und wäre ehrlich enttäuscht, wenn ich selbst dort in Zukunft nicht mehr mit gutem Gefühl Geschenke oder Eigenbedarf kaufen könnte.

  6. Mir geht es ebenso wie Wunder – ich finde einen Teil der Lush-Produkte mittlerweile fast unersätzlich für mich. Aber natürlich sollte sich die Sache mit den Presstexten noch aufklären. Schon etwas merkwürdig. Auch ich möchte weiterhin mit gutem Gewissen die Produkte benutzen, verschenken und damit weiterempfehlen können. Ich werde die Sache auf jeden Fall verfolgen …
    Und natürlich habe ich mir auch schon mal Gedanken darüber gemacht, was die Arbeitsbedingungen dort angeht …
    Ich finde es mittlerweile umheimlich schwer in allem korrekt zu handeln, obwohl ich mich sehr darum bemühe … aber ich liebe mein Lush-Shampoo und wäre wirklich sehr enttäuscht … aber was wäre dann die Alternative für mich? Das ist natürlich auch die Frage.
    Im Hautpflegebereich auf jeden Fall Weleda und/oder Dr. Hauschka – die arbeiten wohl wirklich ganzheitlich.

  7. Produkte der Fa. Lush enthalten u. a.:
    – Ci 18050 in ‚Lush Catastrophe Cosmetics Frischemaske‘, das ist ein chemischer Farbstoff.
    Greift die Leber an und kann Anilin abspalten, das im Verdacht steht, Krebs auszulösen. Anilin ist ein Farbstoff-Baustein und gehört zur Gruppe der aromatischen Amine. Er steht im Verdacht, beim Menschen Krebs zu verursachen.

    – Butyl Methoxydibenzoylmethane, ein Lichtschutzfilter; für Naturkosmetika nicht geeignet., da fotoallergen. Zu finden in der Tagescreme mit UV-Schutz (Lush Paradise Regained)

    – Sodium Laureth Sulfate in ganz vielen Shampoos und Duschgels von Lush. Sodium Laureth Sulfat ist die alkoholische Form des Sodium Lauryl Sulfats. Sodium Laureth Sulfat kann in Shampoos und Duschgels durch Reaktion mit anderen Inhaltsstoffen möglicherweise zur Bildung von krebserregenden Nitraten und Dioxinen beitragen. Schon durch eine einzige Shampoobehandlung können größere Nitratmengen in den Blutkreislauf gelangen. Oft ist SLS mit 1,4-Dioxan belastet (entsteht durch den Ethoxylierungs-Prozess von Lauryl zu Laureth).
    1,4-Dioxan ist eine Substanz, die den Hormonhaushalt stört; zudem steht sie im Verdacht, Hauptauslöser zahlreicher Krebserkrankungen zu sein. Diese Substanz ist dem Hormon Östrogen sehr ähnlich, und man vermutet, dass es die Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs, Gebärmutterkrebs, Lymphkrebs und stressbedingte Erkrankungen erhöht und eine reduzierte Spermienproduktion zur Folge haben kann (Quelle: Steinman, D. & Samuel S. Epstein: The Safe Shopper’s Bible).

    Wirkliche Bio-Produkte haben bessere Inhaltsstoffe. 🙂

  8. Erst Palmölprodukte, die zu umschiffen sind, dann das mit den Pressetexten und nun diese Nachricht.
    Bisher habe ich seit Jahren darauf geachtet, die von Dir angesprochenen Substanzen zu vermeiden. Nur beim Spontankauf meiner Lavera-Rosen-Gesichtscreme habe ich nicht hingesehen. Was mir daran als der ersten Kosmetik zu schaffen macht, das bekomme ich noch raus, bisher tippe ich auf en ätherisches Öl. Das erste Mal, dass ich ein Produkt nicht vertrage – es braucht wirklich eine Menge Aufmerksamkeit für das Thema der Inhaltsstoffe.
    Danke, mybestbio!

  9. „… steht im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen“. Woher kommt dieser Verdacht? Wurde der Stoff an Menschen oder Tieren erprobt? In welcher Konzentration? In welchem psychischen Zustand waren Mensch oder Tier, an denen die Stoffer erprobt wurden? Wie wurde der Kontakt mit dem Stoff hergestellt?

    Grundsätzlich gilt die Regel: die Dosis macht das Gift. Salz ist in der falschen Dosis tödlich!

    Generell sind mir für Kosmetika auch Zutaten lieber, die nicht synthetisch aus Erdöl hergestellt worden sind. Am besten auch ohne Tierversuche, die allzu oft auch nur eingeschränkte Aussagekraft haben.

  10. ich habe mal bei lush gearbeitet. das heisst ich wollte, bis ich mich einmal einarbeiten „durfte“ und dann den stundenlohn von 6,50 € erfuhr. für 4 stunden einarbeiten gabs eine badekugel nach wahl…die fahrt mit den öffentlichen verkehrsmitteln zum geschäft und zurück nach hause hätte jedesmal 4,40 gekostet, das heisst für eine 4 stunden schicht hätte ich rund 22€ verdient. es arbeiteten nur junge studentinnen da, die aber keinen besonders glücklichen eindruck als kolleginnen auf mich machten. gegenüber kunden haben sie sich aber immer als fröhliche menschen gegeben, das ist vorschrift! überhaupt braucht man als lush-mitarbeiter entertainer-fähigkeiten z.b. für die aktion mit der plansch-schüssel. ich mag die produkte, darum konnte ich mir vorstellen dort zu arbeiten. aber dieses theater für sowenig geld war mir dann als 48 jährige gestandene frau dann doch zu blöd. es hat mich ziemlich enttäuscht, dass lush nach aussen so tut, als wären die mitarbeiter die besten freunde (siehe die ganzen namen in den katalogen, wer was mit wieviel liebe gemacht hat…) aber intern die leute ganz schön unter druck setzt und ausbeutet. ich wollte eigentlich nicht mehr hingehen, weil mich die hyperaktiven verkäufer so nerven, aber das zeug riecht so himmlisch gut, dass ich mir trotzdem immer wieder mal was hole….

  11. Liebe Conny,
    danke für Deinen Beitrag. Dieses Thema gehört ganz entscheidend in jede Nachhaltigkeitsanalyse. Wer Stundenlöhne unter 12 Euro bezahlt, lagert Kosten auf die Steuerzahler aus. Mit weniger kann man nicht am Leben der Gesellschaft teilnehmen und auch nicht gleichberechtigt strategische Konsumentscheidungen treffen. Das kann nicht hingenommen werden. Meine kurzzeitige Begeisterung für Lush ist schon vor dem ersten Ladenbesuch wieder erloschen.

  12. Solange Kosmetika oder Parfüm in der Inhaltsdeklaration (INCI) die geheime Zutatmischung „Perfume“ trägt ohne weiter zu erklären ob diese Mischung von Duftstoffen „100% natürlich“ ist, sprühen/schmieren sich die Konsumenten möglicherweise die Inhaltsstoffe von etwaige 5000 verschiedenen geheimen Chemikalienkoktails (heute im Parfüm- und Kosmetikhandel) auf die Haut!

    Alles gesagte und/oder geschriebene über Nachhaltigkeit kann diesen Umstand nicht verstuschen!
    Plastikblumen zu Weihnachten schenken?

    Alfredo Dupetit
    BioScent.info