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Wie groß ist unser digitaler CO2-Fußabdruck?

Fotos: CC0 Public Domain / Unsplash - Glenn Carstens Peters, Nordwood Themes, Dan Nelson


Scrollen, surfen, streamen – was für uns zum Alltag gehört, hat leider Auswirkungen für die Umwelt. Wir zeigen dir, wie sich unser digitaler CO2-Fußabdruck zusammensetzt und wie du ihn senken kannst.

11,17 Tonnen CO2-Äquivalente – so viele Emissionen produziert jede:r Einzelne von uns im Durchschnitt pro Jahr. Um das Klima zu schützen, müssen wir diese Zahl auf unter eine Tonne pro Kopf und Jahr reduzieren. Keine einfache Aufgabe, denn: Diese erlaubte Menge an CO2 bekommen wir aktuell fast allein durch Surfen, Googeln und digitale Geräte zusammen.

Das ergibt zumindest eine Recherche von Jens Gröger, Senior Researcher beim Öko-Institut. Er hat die Herstellung und Nutzung von Geräten wie Smartphones, Computer oder Fernseher untersucht und daraus ihre CO2-Emissionen errechnet – sowie unseren digitalen CO2-Fußabdruck.

Gröger betont, dass einige Daten „möglicherweise inkonsistent und ungenau“ sind. Die Zahlen zur Herstellung basieren auf verschiedenen Ökobilanzen mit unterschiedlichen Bewertungsmethoden. Emissionen zur Entsorgung und für das Recycling konnten nicht berücksichtigt werden, einige Werte mussten geschätzt werden.  Trotzdem können uns die Zahlen helfen, abzuschätzen, wie groß die Auswirkung unseres digitalen Konsums auf die Umwelt ist.

Rund 740 Kilo pro Jahr: So entsteht der digitale CO2-Fußabdruck

Um unseren digitalen CO2-Fußabdruck zu ermitteln, hat Jens Gröger vom Öko-Institut elektronische Geräte wie Fernseher, Laptops oder Smartphones untersucht. Sein Ergebnis: Insgesamt produzieren unsere digitalen Aktivitäten im Durchschnitt 739 Kilo CO2-Äquivalente pro Person und Jahr. Zum Vergleich: Das ist mehr als unser Stromverbrauch im Durchschnitt pro Jahr verursacht – der beträgt nämlich 700 Kilo.

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Mit Strom betriebene Geräte verursachen also mehr Emissionen als der Strom selbst – wie kann das sein? Gröger misst nicht nur den Stromverbraucht (246 Kilo CO2e), sondern auch die Emissionen, die durch die Herstellung der Geräte entstehen (447 Kilo) oder dadurch, dass sie Daten übertragen (46 Kilo).

Bei den 739 Kilo handelt es sich aber nur um einen Durchschnittswert. Grögers Forschungen zeigen: Wer digitale Geräte intensiv nutzt (also mehrere Stunden pro Tag an Computer, Laptop und Fernseher und anderen Geräten verbringt), dessen digitaler CO2-Fußabdruck steigt auf über eine Tonne pro Jahr.

Die Herstellung der Elektrogeräte

Laut Jens Gröger vom Öko-Institut macht die Herstellung von Geräten den größten Teil des digitalen CO2-Fußabdrucks aus – bei einem Flachbildfernseher zum Beispiel 1.000 Kilo CO2-Äquivalente. Bei einem Smartphone sind es dagegen nur 100 Kilo, beim Router 77. Die meisten Emissionen entstehen laut eines Blogeintrags des Experten unter anderem durch Prozesschemikalien, die eingesetzt werden, um Rohstoffe zu gewinnen. Elektronische Geräte zu verarbeiten und Halbleiter zu fertigen, setzt ebenfalls viele Treibhausgase frei.

Um die Werte vergleichbar zu machen, gibt der Forscher die Emissionen der Herstellung pro Jahr an – er teilt sie also durch die durchschnittliche Nutzungsdauer. So kommt der Fernseher auf circa 167 Kilo CO2-Äquivalente pro Jahr.

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Jens Grögers Recherche zeigt: Die meisten Emissionen entstehen bei der Herstellung. (Grafik: Utopia)

Digitaler CO2-Fußabdruck: Die Nutzung der Geräte

Diese Frage würden wir in der Regel als erstes mit unserem digitalen CO2-Fußabdruck verbinden: Wie viele Emissionen entstehen, indem wir Elektrogeräte nutzen? Das sind beim Fernseher immerhin 76 Kilo CO2-Äquivalente pro Jahr – also über 300 Kilometer Autofahrt mit einem dieselbetriebenen Kleinwagen (Rechner: Myclimate). Auch der Router verbraucht stolze 53 Kilo. Die übrigen Geräte sind deutlich sparsamer: Der Laptop kommt im Schnitt mit zwölf Kilo aus, das Smartphone mit fünf Kilo..

Streamen, Googeln, Instagram: Wie klimaschädlich ist das?

Grögers Untersuchung zeigt: Ob und welches digitale Gerät wir uns anschaffen, sollten wir uns gut überlegen. Aber was ist mit digitalen Aktivitäten, für die wir die Geräte nutzen – zum Beispiel eine Suchanfrage stellen?

Das verbraucht ebenfalls Energie, denn dazu müssen Anfragen verarbeitet sowie Daten hoch- und heruntergeladen oder gespeichert werden. Das machen unter anderem Rechenzentren und auch die brauchen Strom und Kühlung. Und das verursacht eine Menge Treibhausgase – laut einer früheren Untersuchung Grögers (veröffentlicht: April 2020) sind es allein in Deutschland circa 213 Kilo CO2-Äquivalente pro Internetnutzer:in und Jahr. Zum Vergleich: Bei einer Autofahrt von Berlin nach Vaduz mit einem Dieselbetriebenen Kleinwagen entstehen weniger CO2-Emissionen. (Rechner: myclimate)

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Videostreaming ist sehr energieintensiv: Vier Stunden pro Tag verursachen circa 62 Kilo CO2-Äquivalenten. (Grafik: Utopia.de)

Was das konkret heißt, zeigen ein paar Rechenbeispiele aus der Untersuchung vom April 2020:

  • Jede einzelne Suchanfrage stößt Emissionen aus – laut Grögers Rechnung etwa 1,45 Gramm. Wer viel googelt, bei dem steigt der Wert entsprechend. 50 Suchanfragen pro Tag ergeben aufs Jahr gerechnet immerhin 26 Kilo CO2-Äquivalente.
  • Wer vier Stunden pro Tag mit Videostreaming verbringt, soll um die 62 Kilo CO2-Äquivalente pro Jahr verursachen. Das entspräche ungefähr einer Autofahrt von Berlin nach Jena.
  • Ein Gigabyte Daten als Backup zum Beispiel in der Cloud zu speichern, schlägt mit elf Kilo CO2-Äquivalente zu Buche.
  • Zehn Fotos in soziale Netzwerke hochzuladen, produziert auch schon ein Kilo CO2-Äquivalente.

Hinweis: Einige der Zahlen weichen in der neueren Studie Grögers leicht ab. Videostreaming beziffert er zum Beispiel mit 65 statt 62 Kilogramm CO2e-Emissionen pro Jahr.

Dass Videostreaming sehr energieintensiv ist, darauf deuten auch weitere Studien hin. Nach einer Untersuchung des Think-Tanks „The Shift-Project“ hat Videostreaming 2019 global in einem Jahr 300 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente verursacht. Das entspräche ungefähr der Menge, die das gesamte Land Spanien im selben Zeitraum ausgestoßen hat. Auch diese Studie basiert auf groben Schätzwerten und gilt deshalb als umstritten.

Digitalen CO2-Fußabdruck senken: 7 Tipps

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Datenübertragung und Ökobilanzen sind beides komplexe Themen – hier lassen sich kaum klare Aussagen treffen. Aber darum ist es umso wichtiger, zu versuchen, sich einen Überblick zu verschaffen. Selbst wenn Zahlen wie die des Öko-Instituts nicht auf das Gramm genau sind, können sie uns doch helfen, unseren digitalen CO2-Fußabdruck und damit die Folgen unseres Konsums einzuschätzen. Und sicher ist: Energie und Emissionen sparen schadet nicht – weder der Umwelt noch deinem Geldbeutel. Darum hier ein sieben Tipps:

  • Bei der Herstellung von Elektrogeräten entstehen am meisten Emissionen. Kaufe deshalb nur langlebige Geräte, die du wirklich brauchst. Geht mal etwas kaputt, dann versuche, es zu reparieren, bevor du es ersetzt. Musst du doch etwas neu kaufen, dann schau nach, ob du es auch gebraucht bekommst.
  • „Small ist beautiful“ gilt auch für Elektrogeräte, so Jens Gröger vom Öko-Institut. Soll heißen: Kleine Fernsehgeräte haben einen geringeren digitalen CO2-Fußabdruck als große. Gehe beim Kauf nicht nach Effizienzklasse, sondern nach dem absoluten Energieverbrauch des Geräts.
  • Benutze, Smartphone, Laptop oder Fernseher sparsam. Konzentriere dich auf ein Gerät und lasse andere nicht parallel laufen. Schalte den Laptop aus und klappe ihn nicht nur zu, wenn du ihn länger nicht brauchst. Schalte auch dein Handy mal aus – dafür gibt es viele gute Gründe.
  • Streame bewusst: Deaktiviere die Autoplay-Funktion und schau dir nur die Inhalte an, die dich wirklich interessierten. Wenn du bei Videos die Auflösung etwas niedriger einstellst, spart das Datenvolumen. Auf Spotify oder anderen Musikdiensten kannst du dir deine Lieblingssongs downloaden. So musst du sie nicht jedes Mal neu laden, um sie anzuhören.
  • Sprachanrufe sind sparsamer als Videoanrufe. „Bei Videokonferenzen bzw. Online-Seminaren können Datenmengen reduziert werden, indem die nicht-aktiven Teilnehmer:innen Mikrofone und Videokameras abstellen“, rät Gröger.
  • Noch ein Tipp des Experten: Internet-Router verbrauchen dauerhaft viel Energie. Das muss nicht sein: Richte über die Online-Benutzeroberfläche deines Router Zeiträume ein, in denen das W-LAN sich abschaltet (– zum Beispiel nachts).
  • Praktiziere digitalen MinimalismusRäume zum Beispiel mal dein Postfach auf und lösche Mails, die du nicht brauchst. Auch andere Dateien, die du in der Cloud oder online gespeichert hast, kannst du auf eine Festplatte umziehen.

Viele weitere Stream- und Stromspartipps findest du hier: Netflix, Youtube, Spotify: So klimaschädlich ist Streaming wirklich und im Artikel Strom sparen: Stromspartipps, die du noch nicht kanntest

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