Was dürfen wir der Beauty-Branche glauben?

Foto: Miss X Quelle: photocase.com

Sie werben mit der Verwendung von frischem Obst und Gemüse sowie ätherischen Ölen. Auch verwenden sie laut eigenen Angaben verstärkt Bioprodukte. Utopia hat die Kosmetikmarke Lush einmal unter die Lupe genommen.

Aromatische Düfte durchziehen die Luft. Farben, Formen und noch mehr begrüßen uns beim verabredeten Pressetermin. Wir bekommen ein Arsenal an Produkten vorgestellt; dürfen sogar in einer extra mit Wasser gefüllten Schüssel mit sprudelnder Badekugel plantschen. Ein Erlebnis.

Wir erfahren, dass Produkte frisch in Handarbeit erstellt würden, dass sie zu 100 Prozent vegetarisch und zu 70 Prozent vegan seien, aber vor allem nicht an Tieren getestet wurden. Ferner seien 70 Prozent der angebotenen Waren ohne Konservierungsstoffe, und etwa 80 Prozent enthielten kein Palmöl. Des weiteren seien circa 70 Prozent der Kosmetika unverpackt, und die Restlichen in Recycling Verpackung gehüllt. Beeindruckende Zahlen, findet Utopia. Doch was ist mit Bio?

Ja, es gebe inzwischen vermehrt Inhaltsstoffe aus biologischem Anbau. Die ausweichende Antwort wird durch das Thema Verpackung ersetzt. Plastiktüten fände der Kunde erst gar nicht vor, sondern nur recycelbare Papiertüten. Auch fielen Verpackungen zum größten Teil ganz weg. Vor allem feste Produkte wie Badekugeln und Seifen kämen ganz ohne das sonst so gewohnte Drumherum aus. Mitarbeiter würden die Seifen von den großen Seifenblöcken in beliebig vielen Stücken frisch ausschneiden, und schlügen sie dann in bleichfreies Papier zum Mitnehmen ein. Flüssige Produkte seien in recycelbaren Containern abgefüllt, könnten gern zum Laden zurückgebracht und auf Wunsch wieder aufgefüllt werden.

Auch bekenne sich Lush offen gegen Tierversuche. In der Vergangenheit hätten hierzu mehrere Aktionen stattgefunden, die den Zweck hatten, die Bevölkerung über Tierversuche in der Kosmetikindustrie aufzuklären. Auch richteten sich mittlerweile viele Aktionen gegen die Verwendung von unnötigem Verpackungsmaterial, um gleichzeitig Ressourcen und die Umwelt vor anfallendem Müll zu schonen, als auch gegen den Anbau von Palmöl.

Stichwort: Palmöl

Palmöl, so versichert Lush, wäre seit Mai 2008 in allen seinen Seifen, Buttercremes und Smoothies nicht mehr enthalten. Die neue umweltfreundlichere Variante bestehe jetzt aus Rapsöl und Sonnenblumenöl. Die Rezeptur bietet Lush sogar als Teil ihrer Palmöl Kampagne anderen interessierten Kosmetikfirmen kostenlos an.

Grund für diese Umstellung sei die Tatsache, dass 90 Prozent des weltweit gewonnenen Palmöls aus Malaysia und Indonesien stamme. Dort angelegte Palmölplantagen sind die Hauptursache für die Abholzung des artenreichen Regenwalds, und der resultierenden Verdrängung einheimischer Flora und Fauna. Dadurch, dass es einen stetig wachsenden Bedarf an Palmöl auf dem Weltmarkt gibt, haben sich die Plantagen in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet. Die Konsequenz war und ist, dass die Fläche des noch bestehenden Regenwaldes immer weiter abnimmt und Affen wie der Orang-Utan vom Aussterben bedroht sind.

Das Konzept „Lush“ gibt es schon seit den späten Siebzigern, jedoch erst 1994 gründeten Mark und Mo Constantine ihr erstes Ladengeschäft in Poole/ Großbritannien. Heute operiert Lush mit mehreren Hundert Läden weltweit in 43 Ländern – und wächst stetig.

Hier stellt sich die Frage, warum bei diesem globalen Konzern keine Zertifizierungen in Frage kommt? Verbraucher wünschen sich in zunehmendem Maße Zertifikate und Beweise dafür, dass Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem, nachhaltigem, als auch sozial ethischem Anbau stammen. Wenn kleinere Unternehmen solche Zertifizierungen nicht haben, liegt dies oft an den finanziellen Mitteln. Bei einer global aufgestellten Kosmetikmarke wie Lush sollte dies aber kein Hindernis sein. Oder?

Was uns bei Utopia noch mehr verblüfft, ist dass die zugesandten Pressetexte ausgiebig über fair gehandelte Inhaltsstoffe wie etwa Kakaobutter aus Costa Rica und der Dominikanischen Republik berichten, diese und ähnliche Informationen aber nicht auf der Website – für jedermann ersichtlich – zu finden sind. Selbst nach mehrmaligem Nachfragen konnten wir hierfür leider keine Klarheit schaffen.

Gutes Konzept
Generell hat Lush ein interessantes Konzept: Verpackungsmaterialen stark einzuschränken, recycelbare Container zu benutzen, weniger Palmöl für die Produkte zu verwenden sowie Inhaltsstoffe nicht an Tieren zu testen. Maßgeblich dafür, dass Lush 2006 und 2007 mit dem „RSPCA Good Business Award“ ausgezeichnet wurde und 2007 mit dem „PETA Trailblazer Award for Animal Welfare“. Außerdem duften die Lush-Produkte wirklich betörend und alles schaut sehr stylish oder bunt aus und es macht Spaß, die Kosmetik zu verwenden. Jedoch bleibt die Frage nach der beweisbaren Verwendung von Inhaltsstoffen aus biologischem Anbau. Was können wir Konsumenten davon halten?

Starten Sie die Bildstrecke, um bei „Produkte  von Lush“ herein zu  schauen:

Eine Liste mit Kosmetik Anbietern, die zertifizierte Produkte mit dem BDIH-Prüfzeichen „Kontrollierte Natur-Kosmetik“ vorweisen können, finden Sie unter:

http://www.kontrollierte-naturkosmetik.de/hersteller_naturkosmetik.htm

Was denken Sie über Kosmetikprodukte, denen ein Zertifikat fehlt? Müsste es eines geben? Welche Marken verwenden Sie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Ein internationales Gütezeichen für Naturkosmetik gibt es (noch) nicht. Aber wer nicht in mühseliger Detektivarbeit die Inhaltsstoffe auf der Verpackung entschlüsseln will, kann sich an diese drei Siegel halten. Sie werden allerdings immer für ein einzelnes Produkt vergeben, nicht für eine gesamte Marke.

naturkosmetik-bdih-logo

BDIH-Siegel
Wird auf Antrag vergeben vom Verband deutscher Industrie- und Handelsunternehmen. Überprüft wird der gesamte Unternehmen und seine Herstellungsprozesse: vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Lagerung des Endprodukts.

 

neuform
Neuform-LogoVergabe durch die neuform Vereinigung Deutscher Reformhäuser. Nur pflanzliche Rohstoffe aus biologischem Anbau oder Wildsammlung, Einsatz von tierischen Rohstoffen aus artgerechter Tierhaltung, Vermeidung von synthetischen Konservierungs-, Duft und Farbstoffen, Silikonen, Paraffinen und Erölprodukte, keine Tierversuche.


Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik: "Hase mit schützender Hand"Hase mit schützender Hand
Die Richtlinien für das Warenzeichen „Hase mit der schützenden Hand“ wurden vom Deutschen Tierschutzbund zusammen mit dem Internationalen Herstellerverband gegen Tierversuche in der Kosmetik e.V. (IHTK e.V.) entwickelt. Die dort aufgestellten Standards gehen über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus und berücksichtigen sowohl die Gewinnung und Erstellung der Inhaltsstoffe als auch das Endproduktes.

 

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(25) Kommentare

  1. @lukita: der Verdacht kommt von den Menschen, die sich ein Leben lang damit beschäftigt haben (Quelle: Steinman, D. & Samuel S. Epstein: The Safe Shopper’s Bible). Prof. Samuel S. Epstein hat für sein Lebenswerk (Nachweis der krebserregenden Inhaltsstoffe in konventionellen Körperpflegemitteln) den alternativen Friedensnobelpreis bekommen.
    Und bei ‚Sodium Laureth Sulfat‘ braucht man nicht nach der Menge zu fragen. Dieser äußerst bedenkliche Stoff steht fas überall an zweiter oder dritter Stelle in Shampoos, Duschgels und Handseifen, so sie nicht biologisch sind. Leider eine Ausnahme: Speick Duschgel. Wird bei Alnatura verkauft, enthält aber Sodium Laureth Sulfat. Ich habe Alnatura darauf aufmerksam gemacht, doch mahlen die Mühlen sehr, sehr langsam.

    @dupetit: super! Genau so ist es! ‚Perfume/Fragance‘ steht inzwischen bei Hautärzten ganz oben auf der Allergieliste.

    @heartwise_ch: richtig, Christian. Die ätherischen Öle haben ein großes allergenes Potenzial. ‚Normale‘ Bio-Körperpflegemittel‘ werden mit ätherischen Ölen haltbar gemacht, damit sie im Geschäft verkauft werden können. Biologische Frischekosmetik, wie z. B. bei http://www.mybestbio.de zu finden, verzichtet komplett auf jegliche Konservierungsmittel. Wird daher direkt vom Hersteller bezogen, ist ungeöffnet 8 – 10 Monate haltbar, darf nicht lt. Gesetz im Laden verkauft werden.

    Ein frohes, neues, gesundes und inspirierendes Jahr 2010!!! 🙂

  2. Es ist so eine Scheisse, was in den Geschäften mit den Mitarbeitern abgezogen wird.
    Ich waurde auf einem veganen Sommerfest auf Lush aufmerksam.
    Die Mädels haben geackert wie die Wahnsinnigen, haben den ganzen Tag die KundInnen gesalbt und beraten.
    Ich hab mir dann eine feste Bodylotion mitgenommen und finde das Produkt wunderbar!
    Mein Mann hat sich ein festes Shampoo mitgenommen, es ist so unglaublich ergiebig, das kann man fast nicht glauben.
    Der Preis ist somit vollkommen gerechtfertigt.
    Mir gefällt auch die Philosophie die dahintersteckt.
    Aber das mit den MtarbeiterInnen finde ich nicht gut.

  3. Liebe Redaktion,

    wenn ich keine Zertifizierung finde, dann denke ich das da was nicht stimmt. Ich greife deswegen zu mir „altbekannten“ Marken. SantaVerde / Hauschka / Kokosöl aus Bioanbau. Firmen, die schon lange wirklich biologische Kosmetik herstellen, haben das Knowhow und die Erfahrung. Vielleicht etwas teurer, aber es ist ein gutes Gefühl, wenn ich weiß, dass ich weder Pestizide noch Insektizide etc. auf meine Haut bringe und das dafür keine Tiere sterben müssen oder gequält werden.
    Mit herzlichen Grüßen
    C. Kuckenburg

    Da ich neu bei Ihnen bin, wünsche Ich mir viele Anregungen. Verzichte z.B. schon lange auf Plastik aller Art, wenn es Alternativen gibt. Habe die Brotbox gesehen, die mich interessiert.

  4. Hallo, als Vegetarier, Naturliebhaber und Umweltschützer bin ich vor einigen Monaten über ein Lush gestolpert und mich natürlich erst mal riesig gefreut. Keine Tierversuche, keine unnötige Verpackung, gute Produkte. Der Preis ist auf den ersten Blick vielleicht etwas überteuert, allerdings halten die Produkte dafür ihr Versprechen: ich benutze seit zwei Monaten ein Stück Shampoo (8€) und es ist noch lange nicht fertig! Und meine Haare fühlen sich richtig stark an und das Shampoo schäumt (im Gegensatz zu manchen Konkurrenten) richtig schön!
    Doch der Artikel hat mich schon ein bisschen skeptisch gemacht, wenn die Inhaltsstoffe biologisch wären, würde Lush doch sicher damit prahlen wollen und sich ein Zertifikat holen, oder nicht?
    Da muss jemand seine Hausarbeiten besser machen, liebes Lush. Wenn schon, denn schon.

  5. Bin gestern auch mal in so nen Laden rein. wollte n bissl bio-flüssigseife kaufen.
    vom aufdringlichen Verkäufer wurden wir gleich ausgiebig beraten und mit sämtlichen Produkten beschmiert. auf die frage warum da propylenglycol ,parfüm ,propylparabene usw. drin sind kam nur:“ das ist alles aus der Natur gezogen und bio“. ja ne, is klar. bei meiner Freundin endetet der abend mit nem
    allergieanfall. obs nun daher kommt oder nicht sei dahin gestellt. mein Fazit, maßlos überteuerte Möchtegern bio-falle. danke nein

  6. Lush ist nicht Bio! Das bedeutet, dass beim Anbau der Inhaltsstoffe Pestizide eingesetzt werden. Von vegan kann also keine Rede sein, oder sind Insekten keine Tiere? Die knalligen Farben der Produkte sind NICHT natürlich. Es handelt sich dabei um Lebensmittelfarben, die bekannterweise zum Teil krebserregend sind. Das „alles natürlich, alles unbedenklich“ ist ein Image das Lush mit Nachdruck kreiert, damit Leute wie wir das Zeug kaufen. Allein schon die manipulative Verkaufsstrategie sollte die Leute aber stutzig machen. Ein Unternehmen welches transparent und authentisch ist, hat so etwas nicht nötig.

  7. Habe gerade diesen Artikel gefunden, weil ich mich gefragt hatte, warum Utopia Lush nie empfiehlt. Jetzt weiß ich es :'(
    Allerdings ist der Text von 2009. Weiß jemand, ob sich da mittlerweile etwas verändert hat? Ich habe Lush bisher sehr gern benutzt und fände es schade, wenn ich jetzt umstellen müsste. Ich finde die Läden u.a. deswegen toll, weil man alles ausprobieren kann. Man kauft also kein teures Produkt als Katze im Sack, sondern kann vorher Proben mitnehmen und schauen, wie z.B. die Haut reagiert. Das habe ich bisher bei keiner anderen Marke gefunden.
    Also, gibt es Neuigkeiten zu dieser Firma?

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