Alternativen zum Weihnachtsbaum: Bio, öko, gemietet & aus der Region

Weihnachtsbaum-Alternativen: bio, regional oder mieten
Foto: © kallejipp / photocase.com

Klassische Weihnachtsbäume wachsen in Monokulturen, werden mit Pestiziden behandelt oder reisen aus dem fernen Ausland an – das schadet Umwelt und Gesundheit. Zugleich ist der Christbaum eine Tradition, auf die kaum jemand verzichten möchte. Utopia stellt dir nachhaltige Alternativen zum klassischen Weihnachtsbaum vor.

Etwa 90 Prozent der weihnachtlichen Tannenbäume wachsen bei uns. Klingt erst Mal gut. Doch die eigens dafür angelegten Weihnachtsbaum-Plantagen sind Monokulturen ohne großen Nutzen für das sie umgebende Ökosystem. Insektizide, Herbizide und Mineraldünger sollen zudem dafür sorgen, dass Christbäume möglichst gerade wachsen und sich die Nadeln intensiver grün färben.

Gut für den Christbaum-Verkauf. Schlecht für Böden und Gewässer. Und mit einem gespritzten Weihnachtsbaum „von drauß‘ vom Walde“ stellt man sich den nadelnden Chemiecocktail auch noch direkt ins Wohnzimmer: Der BUND fand Ende 2017 in drei von vier Weihnachtsbäumen gefährliche Pestizide, eines davon sogar verboten.

Das muss nicht sein – denn es gibt umweltschonende und nachhaltige Alternativen zum klassischen Weihnachtsbaum.

Plastik-Weihnachtsbaum

Nein, der ist keine Alternative. Zum einen besteht er aus Plastik. Das wäre noch nichts schlimmes, wenn es um meine über viele Jahre verwendbare Brotzeitdose ginge. Aber Plastik-Weihnachtsbäume tendieren dazu, dass sie einstauben, nicht mehr gefallen oder aus anderen Gründen keine lange Lebenszeit haben, auch wenn sie sie rein theoretisch immerhin mehrfach verwendet werden können.

Plastik-Weihnachtsbäume landen im Müll und werden bestenfalls verbrannt – ein echter Baum kann immerhin Humus werden (frag bei deinen lokalen Abfallwirtschaftsbetrieben nach Entsorgungsmöglichkeiten).

Auch kommen die meisten Plastik-Weihnachtsbäume aus Fernost. Durch die langen Transportwege haben sie einen tiefen ökologischen Fußabdruck, von den noch immer eher geringen Sozial- und Umweltstandards an diesen Produktionsstandorten mal ganz abgesehen.

Alternative zertifizierter Bio-Weihnachtsbaum

Bio-Weihnachtsbäume sind eine Alternative zum Weihnachtsbaum, mit der auch langjährige Nadel-Fans zufrieden sein können. Anders als die konventionellen wachsen die Öko-Weihnachtsbäume in Mischkulturen auf. Das macht sie weniger anfällig für Insekten-Schädlinge und die Flächen werden wie bei Bio üblich nicht mit Herbiziden bespritzt. Statt dessen halten oft Schafe die Pflanzen zwischen den Bäumen kurz.

Besser Bio-Weihnachtsbäume – das sind ökologische, regionale Alternativen
Besser Bio-Weihnachtsbäume (Foto: © Helgi / photocase.de)
  • Alternativ-Weihnachtsbäume aus ökologischen Weihnachtsbaum-Kulturen erkennst du an Siegeln der Bio-Anbauverbände, vor allem BioBiokreis, Bioland, Demeter und Naturland.
  • Speziell bei Naturland-Weihnachtsbäumen wurden die Richtlinien für die ökologische Waldnutzung von Naturland zusammen mit den Umweltverbänden Robin Wood, Greenpeace und BUND erarbeitet. Zu den Bio-Kriterien gehört der Verzicht auf Kahlschlag, Pestizide, Düngungen und Entwässerungsmaßnahmen.
  • FSC-Weihnachtsbäume kommen aus FSC-zertifizierten Wäldern. Das FSC-Siegel verspricht eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldnutzung ohne Pestizide und Mineraldünger. Streng genommen dürfen nur Holzprodukte das Siegel tragen, doch die Baumanbieter dürfen damit werben, dass ihre Öko-Weihnachtsbäume aus einem „FSC-zertifiziertem Forstbetrieb“ kommen.
  • PEFC-Tannenbäume kommen aus PEFC-zertifizierten Wäldern. PEFC gilt als industrienäher als FSC, die Weihnachtsbaum-Kulturen dürften nach bestimmten Kriterien gedüngt und mit Herbiziden behandelt werden. Doch auch PEFC ist besser als kein Siegel.

Eine empfehlenswerte und nützliche Liste bundesweiter Anbieter von Öko- und Bio-Weihnachtsbäumen samt Adressen, Telefonnummern und anderen Infos gibt es bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood (PDF). Viele Infos auch beim BUND.

Alternative: Regional-Weihnachtsbaum

Der beliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen ist die Nordmanntanne. Was viele nicht wissen: Sie wächst ursprünglich gar nicht bei uns. Überhaupt haben etwa drei Millionen der fast 30 Millionen verkauften Weihnachtsbäume in Deutschland weite Transportwege hinter sich. Sie kommen aus Nachbarländern wie Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen oder Tschechien zu uns – entsprechend groß ist der ökologische Fußabdruck.

Es ist besser, sich als Alternative für eine regionale Baumart zu entscheiden – eine Fichte, Kiefer oder Tanne. Eine Möglichkeit dafür sind Bäume aus regionaler Forstwirtschaft. Der NABU empfiehlt, auf Bäume von sogenannten Sonderflächen (unter Strom- oder auf Leitungstrassen) zurückzugreifen, da diese Flächen Teil der regionalen Forstbetriebe sind.

Alternativen zum Weihnachtsbaum: öko, regional, gemietet
Alternativen zum Weihnachtsbaum gibt es öko, regional, gemietet … (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com)

Wer sich für so einen Alternativ-Weihnachtsbaum interessiert, fragt am besten beim Förster oder Forstamt nach. Dort kann man oft auch Bäume bekommen, die ohnehin beim Durchforsten von Wäldern anfallen. Manche Waldbesitzer bieten in der Weihnachtszeit auch die Möglichkeit, einen Christbaum selber zu schlagen.

Durch den Kauf von regional erzeugten Christbäumen unterstützt du die heimischen Forstbetriebe und ersparst dir und der Umwelt unnötige Transportwege. Regionale Anbieter von Öko-Weihnachtsbäumen (auch zum Selberschlagen) findest du in deiner Nähe über die Christbaum-Map der Webseite proplanta.de, aber auch in der Liste von Robin Wood (PDF). Viele Infos auch beim BUND.

Öko-Weihnachtsbäume mal ganz anders

Es geht auch ganz ohne grüne Nadeln: Wer wenig Platz hat, klebt sich den Weihnachtsbaum zum Beispiel an die Wand – aus echten Zweigen oder als Baum-Druck auf einem Poster. Du kannst dir aber auch ein Modell selber bauen oder basteln: zum Beispiel aus Holz und Ästen. Das Internet ist voll mit schönen Ideen!

Passend zum Öko-Weihnachtsbaum gibt es statt Anhängern und Lametta aus Kunststoff auch nachhaltigen Baumschmuck: selbstgebastelte Papiersterne, bemalte Anhänger aus Salzgebäck oder Tannen- und Kiefernzapfen, Samen und getrocknete Fruchtringe. Mit etwas Übung kannst du auch Strohengel und -sterne basteln. Um auch bei der Beleuchtung des Baumes Energie zu sparen, am besten LED-Lichterketten verwenden.

Fairer Weihnachtsbaum als Alternative

Zertifiziert faire Christbäume – das garantiert die Zertifizierung und das Unternehmen “Fair Trees“: faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung für die Samenpflücker, umweltschonenden Anbau und schadstoffarme Weihnachtsbäume.

Der Großteil des Saatguts für die Weihnachtsbaumproduktion stammt aus Georgien. Die Zapfenpflücker arbeiten dort meist unter gefährlichen Bedingungen. Fair Trees verbessert die Arbeitsbedingungen: Die Pflücker bekommen einen angemessenen Lohn und sichere Kletterausrüstungen. Zudem unterstützt die Fair Tree Foundation örtliche Gemeinden in Georgien, etwa im Bereich Bildung, Gesundheit oder Umwelt.

Fair Trees Weihnachtsbäume werden in ganz Europa verkauft. Wer sich für diese Weihnachtsbaum-Alternative interessiert: Alle Standorte in Deutschland findest du auf fairtrees.de.

Nachhaltigen Weihnachtsbaum mieten

Einige lokale Baumschulen, Förstereien und Gärtnereien bieten die Alternative, einen Christbaum zu mieten statt ihn zu kaufen. Der Christbaum kommt im Topf, nach einer langsamen Gewöhnung an die wärmere Temperatur stellst du ihn über die Feiertage ins Wohnzimmer und hinterher holt ihn der Vermieter wieder ab. Der Baum wird eingepflanzt und kann weiter wachsen.

Allerdings solltest du auch beim Weihnachtsbaum-Mieten darauf achten, woher die Bäume stammen und ob sie mit Pestiziden behandelt wurden. Auch ist das Vermieten eine große Belastung für die Bäume, nicht alle vertragen es. Details im Beitrag Weihnachtsbäume im Topf mieten statt kaufen.

Topf-Weihnachtsbaum selber ziehen

Apropos: Es ist nicht ganz einfach, aber man kann seinen Weihnachtsbaum alternativ auch einfach zu Hause züchten. Dabei gilt es allerdings ein paar Dinge zu beachten.

Der Baum sollte schon im Topf gewachsen sein, wenn man ihn kauft. Falls du ihn nach Weihnachten in den Garten pflanzen möchtest, sollte er nicht größer als 1,20 Meter sein, dann wächst er besser an. Man sollte den Baum nicht länger als zehn Tage im Zimmer stehen haben – und das an einem möglichst kühlen Standort. Zur Pflege: die Nadeln am besten mehrmals täglich mit Wasser einsprühen und den Baum ungefähr jeden zweiten Tag gießen.

Weihnachtsbäume-Alternativen
So muss es nicht enden: Weihnachtsbäume kann man auch mieten! (Foto: Pixabay CC0 8Moments)

Zudem braucht er nach seinem Auftritt als Weihnachtsbaum ein bisschen Zeit, um sich wieder an die kalten Temperaturen draußen zu gewöhnen. Am besten ist es also, den Baum zum Beispiel in der Garage oder im Treppenhaus bis zum Frühjahr aufzubewahren und erst nach dem Frost wieder ins Freie zu stellen oder einzupflanzen.

Tipps für deinen Öko-Weihnachtsbaum

  • Die Nordmanntanne gilt als beliebtester Weihnachtsbaum, wächst aber ursprünglich gar nicht bei uns. Entscheide dich lieber für eine heimische Fichte, Kiefer oder Tanne.
  • Achte auf Siegel (Bio, Naturland, Bioland, FSC…), um einen Öko-Weihnachtsbaum zu finden.
  • In vielen Bundesländern weisen regionale Siegel auf die Herkunft eins Baumes hin. Wenn ein Baum keinerlei Herkunftssiegel trägt, frag besser nach.
  • Stoße den Weihnachtsbaum vor dem Kauf mehrmals kurz auf den Boden: Rieseln die Nadeln, ist er nicht mehr frisch.
  • Zu Hause am besten den Baum ins Wasser stellen und ihn zunächst an einem kühlen Ort – Keller, Garage, Terrasse – lagern.

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(18) Kommentare

  1. Ich/wir stehen auf echt klassisch „echte“ Nordmanntannen. Was gut zu empfehlen ist, das kostenlose Finderportal Weihnachtsbaum-Zentrale.info. Hier werden Weihnachtsbaum-Produzenten direkt mit Verkaufsplatz im regionalen Sinne verbunden. Denn unserer Ansicht nach ist ein guter Weihnachtsbaum der, dieser kürzere Wegstrecken innerhalb Deutschland zurücklegt und nicht aus nördlichen Ländern ein importiert – und dann meist beim Aufstellen schon seine Nadeln lässt.

  2. Bio-Weihnachtsbäume – leider sind viele Verbraucher nicht bereit, für verschulte Weihnachtsbäume auch wirklich mehr zu bezahlen. Am schlimmsten ist es, wenn vor Weihnachten die massenweise Händler die Hälfte ihrer unverkauften abgeholzten Bäume wegschmeissen, und dann sich auch noch nach Weihnachten die Tannenbaumberge türmen am Straßenrand – die Entsorgung eines Festes. Irgendwie wird doch in der Welt schon genug Wald gerodet, da ist das ein Anachronismus in einem Land was sich pseudohaft „nachhaltig“ schmückt. Eine nette Idee findet sich in dem Berliner Urban Gardening Projekt Weihnachtsurwald – http://www.weihnachtsurwald.de – da werden „lustige“ Tannenbäume verkauft, ähnlich wie krummes und schiefes Obst und Gemüse, also Bäume die nicht der Norm entsprechen. Die Nordmanntannen sehen dabei absolut super aus, besser als Topfware aus dem Baumarkt, manche sogar wie kleine megawertvolle Bonsais, kosten aber weniger als die Hälfte. Das sind Bäume mit Charakter die normalerweise gar nicht auf den Markt kämen aber jahrelang gehegt und gepflegt wurden in einer Spezialkultur, damit die Pfahlwurzel erhalten bleibt. Anwachsgarantie gibt es auch, wer nach Xmas keinen Platz hat (und wer hat denn wirklich Platz jedes Jahr ein neuer Baum…), mietet den Baum und gibt ihn wieder zurück für ein Wild- und Waldprojekt das ist besonders wichtig nach dem extrem trocknen Sommer wo so viele Tannenbaumkulturen vertrocknet sind https://www.visitberlin.de/de/event/weihnachtsurwald-berlin-lustige-weihnachtsbaeume-mitten-aus-berlin

  3. Eine nette Idee ist der Weihnachtsurwald http://www.weihnachtsurwald.de, ein Berliner Urban Gardening Projekt – da gibt es „lustige Weihnachtsbäume“, ähnlich wie krummes Obst und Gemüse, also Nordmanntannen die nicht der Weihnachts-Norm entsprechen, aber auch aufwändig verschult wurden und nach Weihnachten wieder ausgepflanzt werden können. Können auch gemietet werden und kommen dann in ein Wald- oder Wildprojekt was dieses Jahr besonders wichtig ist nach dem extrem trockenen Sommer…

  4. Ich weiß gar nicht mehr, seit wie vielen Jahren ich mir keine Baumleichen mehr ins Zimmer stelle.
    Anfangs dachte ich immer, wenn ich einen Weihnachtsbaum mit Wurzeln kaufe, also einen kleinen, dann ist das besser. Aber die sind mir regelmäßig eingegangen, bis ich erfahren habe, dass die einfach aus der Erde gestochen werden und in einen Plastikeimer mit Erde geknallt werden. Also die Wurzeln werden dabei so stark beschädigt, dass der Baum das nicht überlebt. Da fühlte ich mich so mies hinters Licht geführt, dass es bei mir nur noch Weihnachtsdeko auf den Zimmerpflanzen gibt, aber nie wieder werde ich mit meinem Einkauf dafür sorgen, dass Bäume dafür abgemurkst werden – ist mir egal, ob die extra dafür gezüchtet werden, ich will nicht mehr Teil dieser Praktiken sein.

  5. Wie wäre es denn, dem ganzen Weihnachts-Theater zu entsagen und gar nicht zu feiern?
    Das schont die Umwelt, die Nerven und den Geldbeutel!
    Ich mache das seit über 20 Jahren so und lebe seitdem viel ruhiger.

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