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Der Bio-Weihnachtsbaum … und andere Alternativen zum Tannenbaum

Foto: © kallejipp / photocase.de

Der klassische Weihnachtsbaum wächst in Monokultur auf, hüllt sich in Pestizide oder reist aus dem fernen Ausland an – all das schadet Umwelt und Gesundheit. Du willst trotzdem nicht auf die Tradition des Christbaums verzichten? Hier nachhaltige Alternativen, von Bio-Weihnachtsbaum bis Leihtanne.

Nur etwa 15 Prozent der Weihnachtsbäume werden laut der Umweltorganisation Robin Wood noch von Waldbetrieben verkauft. Die meisten der etwa 28 Millionen in Deutschland verkauften Christbäume stammen aus Plantagen, die gedüngt und mit Pestiziden bespritzt werden – eine enorme Belastung für Böden, Gewässer und Tiere, insbesondere Insekten.

Und mit einem gespritzten Tannenbaum „von drauß‘ vom Walde“ stellt man sich den nadelnden Chemiecocktail dann auch noch direkt ins Wohnzimmer: Der BUND fand Ende 2017 in drei von vier Weihnachtsbäumen gefährliche Pestizide, eines davon sogar verboten – die Staatsanwaltschaft musste eingreifen.

Dabei gibt es längst umweltschonende und nachhaltige Alternativen zur klassischen Nordmanntanne. Wir stellen sie dir vor – vom Bio-Weihnachtsbaum bis zum Fair Tree.

Alternativen zum Weihnachtsbaum

Hier die wichtigsten Tipps in Kürze, die Links führen zu Abschnitten mit ausführlicheren Details:

  • Plastik-Weihnachtsbaum:
    Er wurde populär, weil es irgendwie einleuchtend klingt, wenn man keine Bäume mehr fällen muß. Aber so einfach ist es nicht: Der Plastik-Weihnachtsbaum ist keine gute Alternative zu Holz!
  • Zertifizierter Bio-Weihnachtsbaum:
    Ein Öko-Christbaum ist viel sinnvoller und inzwischen gut zu kriegen. Achte auf Siegel wie Bio, Naturland, Bioland, FSC. Es gibt gute Listen für Bio-Weihnachtsbäume.
  • Regionaler Weihnachtsbaum
    Die Nordmanntanne gilt als beliebtester Christbaum, wächst aber ursprünglich gar nicht bei uns. Entscheide dich lieber für eine heimische Art, auch auf regionale Siegel für die Herkunft des Baumes.
  • Fairer Weihnachtsbaum:
    Ja, auch das gibt es. Weil nämlich das Saatgut für die Weihnachtsbäume unter gefährlichen Bedingungen gewonnen wird. Fair Trees will hier helfen.
  • Öko-Christbäume ohne Bäume:
    Du brauchst eigentlich gar keinen Baum umsägen (lassen). Du könntest auch einfach etwas basteln, was wie ein Weihnachtsbäumchen aussieht …
  • Weihnachtsbaum leihen:
    Warum nicht einfach einen Baum samt Topf mieten – und danach wieder zurückgeben und einpflanzen lassen?
  • Bäume pflanzen statt fällen:
    Auch eine Möglichkeit: Pflanz doch lieber einen Baum, statt ihn zu fällen. Lies dazu Bäume pflanzen fürs Klima: 16 empfehlenswerte Organisationen.

Hier noch Tipps zum Weihnachtsbaum-Kauf:

  • Stoße den Baum vor dem Kauf mehrmals kurz auf den Boden: Rieseln die Nadeln, ist er nicht mehr frisch.
  • Zu Hause am besten den Baum ins Wasser stellen und ihn zunächst an einem kühlen Ort – Keller, Garage, Terrasse – lagern.
  • Irgendwann ist auch der schönste Baum verbraucht. Frag bei deinen lokalen Abfallwirtschaftsbetrieben nach Möglichkeiten, deinen Weihnachtsbaum zu entsorgen .

Alternative Plastik-Weihnachtsbaum?

Nö. Aus vielen Gründen. So kommen die meisten Plastik-Weihnachtsbäume aus Fernost. Durch die langen Transportwege haben sie einen großen ökologischen Fußabdruck, von den noch immer eher geringen Sozial- und Umweltstandards an Produktionsstandorten wie China mal ganz abgesehen.

Eine Studie wollte es 2009 wissen und betrachtete immerhin mal die CO2-Emissionen. Das Ergebnis: Der Plastik-„Baum“ muß mindestens sechs Jahre verwendet werden, damit er besser abschneidet. Die Wahl des Verkehrsmittels und die Länge der Fahrt bis zum Weihnachtsbaum machen dabei aber einen deutlich größeren Unterschied als die Wahl zwischen künstlichem Baum und dem aus Holz. Wer also unbedingt Kunststoff will, sollte vor allem eines tun: Das Plastik möglichst lange verwenden. Das gilt aber nur bei reiner CO2-Betrachtung.

Plastikbäume verbrauchen jedoch vor allem begrenzte fossile Rohstoffe, die CO2 freisetzen. Auch bestehen sie meist aus Kunststoffen wie PVC und PE, die jeweils besondere Entsorgung erfordern. Ob bei Produktion, Nutzung und Entsorgung diverse Schadstoffe wie Weichmacher, BPA, PAKs und andere austreten, hängt dann noch vom jeweiligen Plastikbaumproduzenten ab.

Beim Bio-Weihnachtsbaum gibts all das nicht …

Alternative zertifizierter Bio-Weihnachtsbaum

Bio-Weihnachtsbäume sind eine Alternative, mit der auch langjährige Nadel-Fans zufrieden sein können. Anders als die konventionellen wachsen die Bio-Weihnachtsbäume in Mischkulturen auf. Das macht sie weniger anfällig für Insekten-Schädlinge und die Flächen werden wie bei Bio üblich nicht mit Herbiziden bespritzt. Statt dessen halten oft Schafe die Pflanzen zwischen den Bäumen kurz.

Besser Bio-Weihnachtsbäume – das sind ökologische, regionale Alternativen
Besser Bio-Weihnachtsbäume (Foto: © Helgi / photocase.de)
  • Alternative Bio-Weihnachtsbäume aus ökologischen Christbaum-Kulturen erkennst du an Siegeln der Bio-Anbauverbände, vor allem BioBiokreis, Bioland, Demeter und Naturland. Kunstdünger und Pestizide sind hier ausgeschlossen.
  • Speziell bei Naturland-Weihnachtsbäumen wurden die Richtlinien für die ökologische Waldnutzung von Naturland zusammen mit den Umweltverbänden Robin Wood, Greenpeace und BUND erarbeitet. Zu den Bio-Kriterien gehört der Verzicht auf Kahlschlag, Pestizide, Düngungen und Entwässerungsmaßnahmen.
  • Nachhaltige Weihnachtsbäume kommen auch aus FSC-zertifizierten Wäldern. Das FSC-Siegel verspricht eine umweltgerechte, sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Waldnutzung ohne Pestizide und Mineraldünger. Streng genommen dürfen nur Holzprodukte das Siegel tragen, doch die Baumanbieter dürfen damit werben, dass ihre Öko-Weihnachtsbäume aus einem „FSC-zertifiziertem Forstbetrieb“ kommen.
  • PEFC-Tannenbäume kommen aus PEFC-zertifizierten Wäldern. PEFC gilt als industrienäher als FSC. Die Christbaum-Kulturen dürfen daher nach bestimmten Kriterien gedüngt und mit Herbiziden behandelt werden. Doch auch PEFC bemüht sich um nachhaltige Waldwirtschaft.

Eine Liste bundesweiter Anbieter von Öko- und Bio-Weihnachtsbäumen samt Adressen, Telefonnummern und anderen Infos findest du bei den Umweltschutzorganisationen

Alternative: Regional-Weihnachtsbaum

Der beliebteste Christbaum der Deutschen ist die Nordmanntanne. Was viele nicht wissen: Sie wächst ursprünglich gar nicht bei uns. Überhaupt haben etwa drei Millionen der fast 30 Millionen verkauften Weihnachtsbäume in Deutschland weite Transportwege hinter sich. Sie kommen aus Nachbarländern wie Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen oder Tschechien zu uns – entsprechend groß ist der ökologische Fußabdruck. Für Holz, das wir nach vier Wochen wegwerfen.

Es ist besser, sich hier als Weihnachtsbaum-Alternative für eine regionale Baumart zu entscheiden – eine Fichte, Kiefer oder Tanne. Eine Möglichkeit dafür sind Bäume aus regionaler Forstwirtschaft. Der NABU empfiehlt, auf Bäume von sogenannten Sonderflächen (unter Strom- oder auf Leitungstrassen) zurückzugreifen, da diese Flächen Teil der regionalen Forstbetriebe sind.

Alternativen zum Weihnachtsbaum: öko, regional, gemietet
Alternativen zum Weihnachtsbaum gibt es öko, regional, gemietet … (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com)

Wer sich für so eine Weihnachtsbaum-Alternative interessiert, fragt am besten beim Förster oder Forstamt nach. Dort kann man oft auch Bäume bekommen, die ohnehin beim Durchforsten von Wäldern anfallen. Manche Waldbesitzer bieten in der Weihnachtszeit auch die Möglichkeit, einen Christbaum selber zu schlagen.

Durch den Kauf von regional erzeugten Christbäumen unterstützt du die heimischen Forstbetriebe und ersparst dir und der Umwelt unnötige Transportwege. Regionale Anbieter von Öko- oder Bio-Weihnachtsbäumen (auch zum Selberschlagen) findest du in deiner Nähe über die Christbaum-Map der Webseite proplanta.de, aber auch in den Listen von Robin Wood und BUND.

 Am besten sind Weihnachtsbäume direkt aus heimischen Wäldern, weil dafür keine Plantagen angelegt werden müssen oder ökologisch produzierte Bäume mit Öko-Siegel“
– Ralf Straußberger, Bund Naturschutz

Fairer Weihnachtsbaum als Alternative

Der Großteil des Saatguts für die Weihnachtsbaumproduktion stammt aus Georgien. Die Zapfenpflücker arbeiteten dort oft unter gefährlichen Bedingungen.

Fair Trees“ verbessert die Arbeitsbedingungen: Die Pflücker bekommen einen angemessenen Lohn und sichere Kletterausrüstungen. Zudem unterstützt die „Fair Tree Foundation“ örtliche Gemeinden in Georgien, etwa im Bereich Bildung, Gesundheit oder Umwelt.

Weihnachtsbäume mit „Fair Trees“-Zertifikat werden in ganz Europa verkauft, in Deutschland seit 2018 zum Beispiel in toom-Baumärkten. Mehr im Beitrag zu „Fair Trees„.

Öko-Christbäume ohne Bäume

Es geht auch ganz ohne grüne Nadeln: Wer wenig Platz hat, klebt sich den Weihnachtsbaum zum Beispiel an die Wand – aus echten Zweigen oder als Baum-Druck auf einem Poster – lies auch unsere Bastelideen für Weihnachten.

Du kannst dir aber auch ein Modell selber bauen oder basteln: zum Beispiel aus Holz und Ästen. Das Internet ist voll mit schönen Ideen!

Passend zum Öko- oder Bio-Weihnachtsbaum gibt es statt Anhängern und Lametta aus Kunststoff auch nachhaltigen Baumschmuck: selbstgebastelte Papiersterne, bemalte Anhänger aus Salzteig oder Tannen- und Kiefernzapfen, Samen und getrocknete Fruchtringe. Mit etwas Übung kannst du auch Strohengel und -sterne basteln. Um auch bei der Beleuchtung des Baumes Energie zu sparen, am besten LED-Lichterketten verwenden.

Nachhaltigen Weihnachtsbaum leihen

Einige lokale Baumschulen, Förstereien und Gärtnereien bieten die Alternative, einen Christbaum zu mieten statt ihn zu kaufen. Der nachhaltige Weihnachtsbaum kommt im Topf, nach einer langsamen Gewöhnung an die wärmere Temperatur stellst du ihn über die Feiertage ins Wohnzimmer und hinterher holt ihn der Vermieter wieder ab. Der Baum wird eingepflanzt und kann weiter wachsen.

Allerdings solltest du auch beim Baum-Ausleihen darauf achten, woher die Bäume stammen und ob sie mit Pestiziden behandelt wurden. Auch ist das Vermieten eine große Belastung für die Bäume, nicht alle vertragen es. Details im Beitrag Weihnachtsbäume im Topf mieten statt kaufen.

Topf-Weihnachtsbaum selber ziehen?

Es ist nicht ganz einfach, aber man kann seinen Baum alternativ auch einfach zu Hause züchten. Dabei gilt es allerdings ein paar Dinge zu beachten.

  • Der Baum sollte schon im Topf gewachsen sein, wenn man ihn kauft.
  • Falls du ihn nach Weihnachten in den Garten pflanzen möchtest, sollte er nicht größer als 1,20 Meter sein, dann wächst er besser an.
  • Man sollte den Baum nicht länger als zehn Tage im Zimmer stehen haben – und das an einem möglichst kühlen Standort.
  • Zur Pflege: die Nadeln am besten mehrmals täglich mit Wasser einsprühen und den Baum ungefähr jeden zweiten Tag gießen.
Weihnachtsbäume-Alternativen
So muss es nicht enden: Weihnachtsbäume kann man auch mieten! (Foto: Pixabay CC0 8Moments)

Zudem braucht er nach seinem Auftritt als selbstgemachter Öko-Weihnachtsbaum ein bisschen Zeit, um sich wieder an die kalten Temperaturen draußen zu gewöhnen. Am besten ist es also, den Baum zum Beispiel in der Garage oder im Treppenhaus bis zum Frühjahr aufzubewahren und erst nach dem Frost wieder ins Freie zu stellen oder einzupflanzen.

Schenk doch mal dem Wald einen Baum!

Noch ein Tipp am Ende. Das Bergwaldprojekt ist eine Umwelt- und Naturschutzorganisation, die sich dem Schutz und Erhalt heimischer Wälder verschrieben hat. Ziel des Projekts ist es, Waldbestände zu sichern und zu pflegen und der Bevölkerung ein Verständnis für Zusammenhänge in der Natur zu vermitteln. Dort lassen sich auch Weihnachtsbäume spenden.

Lies auch: Bäume pflanzen fürs Klima: 16 empfehlenswerte Organisationen – und worauf du achten solltest.

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(25) Kommentare

  1. Seit 20 Jahren habe ich ein und den selben Plastikbaum. Mittlerweile sollte das Teil eine ausgewogene Umweltbilanz haben. Wem es nicht passt, der/die kann ja einen meiner diversen, im Garten stehenden, Laubbäume ansehen.