Wutrede gegen Rindfleischabkommen: Bauer rechnet mit der Politik ab

Foto: Screenshot Instagram (Hof Barslund) und CC0 Public Domain / Pixabay

Wegen eines neuen Handelabkommens wird die EU künftig mehr Rindfleisch aus den USA importieren. Was bedeutet das für uns und die deutsche Landwirtschaft? Ein Bauer aus Schleswig-Holstein hat eine düstere Prognose – und macht der Politik schwere Vorwürfe.

„Ich seht mich heute Morgen ziemlich sprachlos, ziemlich ratlos und auch ziemlich verzweifelt“, sagt Thomas Andresen vom Hof Barslund in einem Video, das er auf Instagram und Facebook gepostet hat. Der Grund für seine Verzweiflung: Vergangenen Freitag haben die USA und die EU ein neues Handelsabkommen unterzeichnet.

Künftig dürfen die USA jährlich 35.000 Tonnen (hormonfreies) Rindfleisch zollfrei an die EU liefern. Im Gegenzug verhängen die USA keine Strafzölle auf Autos und Autoteile aus der EU. „Wieder wurden die Bauern verkauft zugunsten der Autoindustrie“, sagt Andresen. „Ich hab kein Bock mehr, mich länger von der Politik verarschen und verkaufen zu lassen.“ Manchen wird der Bauer bekannt vorkommen. Erst im Juli ging eines seiner Videos viral, in dem er sich über das Essen in der Bundestags-Kantine aufregte.

Mehr Fleisch aus den USA, weniger Arbeit für heimische Landwirte?

Andresens befürchtet, dass die deutsche Landwirtschaft „regelrecht abgeschafft“ wird, wenn Deutschland mehr Lebensmittel aus den USA importiert. Seine Frage an Agrarministerin Julia Klöckner: „Was soll in den nächsten 30 Jahren unsere Aufgabe sein? Weil die Ernährung der Bevölkerung kann es ja nicht sein. Die übernehmen ja die USA, Argentinien und Uruguay demnächst für uns. Sollen wir nur noch Landschaftspfleger werden?“

Der Landwirt warnt in seinem Video vor den möglichen Folgen – nicht nur für die betroffenen Bauern selbst. Jeder Bauernhof versorge Dorfgemeinen mit Arbeitsplätzen. Wenn Betriebe schließen, seien ganze Dörfer in Gefahr.

Er selbst könne sich weiterhin mit seinen eigenen Lebensmitteln selbst versorgen, sagt der Landwirt. Die meisten anderen Menschen schaffen das jedoch nicht – Andresen warnt davor, dass sie bald auf minderwertige Produkte aus den USA angewiesen sind. „Irgendwann, wenn wir hier nur noch verseuchte Lebensmittel von drüben kriegen, unsere eigene Landwirtschaft komplett am Boden liegt, dann wird vielleicht der eine oder andere wach werden und merken, dass wir das Geld, was wir mit der Industrie da drüben verdienen, nicht essen kann.“

Rindfleisch-Abkommen: Die Gesamtimportmenge bleibt gleich

Fleisch im Supermarkt
Die EU importiert jährlich 45.000 Tonnen Rindfleisch aus dem Ausland. (Bild von Karamo auf Pixabay / CC0 Public Domain)

Auch wenn die Sorgen des Bauern nachvollziehbar sind: Es ist unwahrscheinlich, dass tatsächlich Betriebe wegen des Abkommens zwischen den USA und der EU schließen müssen. Die EU wird insgesamt nicht mehr Rindfleisch importieren als in den letzten Jahren – lediglich die Verteilung der Importländer ändert sich.

Die EU erlaubt jährlich die Einfuhr von 45.000 Tonnen Rindfleisch aus dem Ausland. Davon werden mit dem neuen Abkommen 35.000 Tonnen für die USA reserviert. Die Verlierer des Deals sind Länder wie Argentinien oder Uruguay, die dadurch weniger Fleisch an die EU liefern dürfen.

Trotzdem bleibt der Fleischimport an sich problematisch, um nicht zu sagen absurd: Die EU produziert mehr als genug Fleisch – so viel, dass sie jedes Jahr Geflügel-, Rind- und Schweinefleisch im Wert von mehreren Milliarden Euro ins Ausland exportiert. Wieso also überhaupt Fleisch aus den USA oder anderen Ländern importieren?

Fleisch und Fleischtransporte: Beides schlecht fürs Klima

Jeder Fleischtransport ist mit seinen Emissionen und dem hohen Energieverbrauch eine enorme Belastung für die Umwelt: Das Fleisch wird energieaufwendig gekühlt und mit Schiffen, Flugzeugen oder Lastwägen zwischen den Ländern transportiert. Aber weil wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, nimmt die Politik diese Umweltschäden in Kauf.

Gerade in Zeiten der Klimakrise sollte die Umwelt bei politischen Entscheidungen eigentlich eine wichtigere Rolle spielen. Und Menschen auf der ganzen Welt sollten dem Klima und den Tieren zuliebe generell weniger Fleisch essen.

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(3) Kommentare

  1. Tja, auch die Nahrungsmittelproduktion wird immer globalisierter.
    Immer mehr wird auf Masse produziert und am einheimschen Markt vorbei. Der ausländische Markt soll unterboten werden, koste es was es wolle, notfalls auch durch Subventionen durch uns Steuerzahler.
    Das gefährdet nicht nur regionale Arbeitsplätze und faire Löhne, sondern sprengt auch die Belastbarkeit unserer Ökosysteme bei Weitem!

    Fr. Klöckner interessieren scheinbar nur die Wirtschaftszahlen aus dem Bereich der Großkonzerne. Alle anderen haben das Nachsehen, leider.
    Ein Grund mehr sich davon unabhängig zu machen 😉
    Schade nur, dass wir in Sachen Nachhaltigkeit nicht auf die Hilfe unseres Staates setzen können, welcher es nicht einmal schafft richtig zu reagieren, geschweige denn im Vorraus Probleme zu identifizieren und die Zukunft zu gestalten.

  2. Wie heuchlerisch ist das denn? Einer der für die Klimakrise-/katastrophe und die Zerstörung sämtlicher Lebensgrundlagen allen Lebens selbst/mit HAUPTverantwortlich* ist, empört sich über die anderen HAUPTverantwortlichen* für die Klimakrise-/katastrophe und die Zerstörung sämtlicher Lebensgrundlagen allen Lebens!!!

    Die Welt scheint nicht „nur“ so zugrunde zu gehen, sondern heuchlerisch!

    „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche* Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher“ – Albert Einstein

    *HAUPTverantwortliche: Tierqualindustrien (Fleisch, Milch/Milchprodukte, Eier, Fisch, Tierhaut: Leder, Pelz, Federn, Wolle…) und deren Auftraggeber: Omnivore und Vegetarier

  3. Stimmt, die deutschen Bauern waschen ihre Hände auch nicht gerade in Unschuld. Aber man muss auch hier differenzieren. Es geht auch immer noch schlimmer… Wenn sich unsere Landwirtschaft nähmlich immer mehr den amerikanischen Standards annähert.
    Der Markt ist einem ständigen Wandel unterlegen und zur Zeit gehen immer nur die großen Global Player gestärkt daraus hervor. Die Betriebe, die noch halbwegs nachhaltig wirtschaften und auch auf Tierschutz wert legen, können da nicht mithalten und werden einfach ersetzt.

    Daher ist es ist völlig richtig, wenn uns deutsche Bauern davor warnen.
    Nichtsdestotrotz gibt es auch hier viel Nachholbedarf in Sachen Artenschutz und nachhaltiger Landwirtschaft.
    Würden wir uns bei der Produktion der Grundnahrungsmittel hautpsächlich auf den regionalen Markt beschränken, dezentralisiert mit kurzen Lieferketten, weniger industrielle Verarbeitung und Verschwendung, wieder mehr auf die natürlichen Gegebenheiten Rücksicht nehmen würden so wie früher, wären auch die Probleme längst nicht so groß 😉

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