Smartphone Shift 5 und 7: Konkurrenz fürs Fairphone

iPhone 6 Alternative: Shift 5
Foto: Monagoo / Shift

Mit dem Fairphone startete 2013 der erste Versuch, ein nachhaltiges Smartphone zu schaffen und noch 2015 soll das Nachfolgemodell erscheinen. Bis dahin ist die Konkurrenz schon (fast) da: In Form des „Shift“-Smartphone und -Phablet aus Hessen.

Schon im vergangenen Jahr kündigte das kleine Familienunternehmen Shift aus Falkenberg bei Frankfurt am Main an, dass man bald vier nachhaltige Geräte auf den Markt bringen wollen. Letztlich handelt es sich um ein Gerät in zwei Größenklassen und zwei unterschiedlichen Ausstattungen: Das Shift 5 ist ein 144 x 72 x 7 mm großes 5-Zoll-Smartphone, das Shift 7 ein 190 x 110 x 8,5 mm großes „Phablet“ (eine Mischung aus Smartphone und Tablet).

[Update]
Inzwischen ist das Shift 5 verfügbar, Utopia hat es getestet:
Test Shift 5 – das faire Smartphone.

In der Grundversion kommt das Shift 5 für etwa 222 Euro mit Unterstützung für 3G-Mobilfunk, Quadcore-Prozessor, 1 GB Arbeitsspeicher, 8 GB interner Speicher, IPS-Display mit 1280×720 Pixel Auflösung einer 8-Megapixel-Kamera. Das sowohl als kleines Tablet als auch etwas zu groß geratenes Smartphone nutzbare Shift 7 (222 Euro) besitzt ähnliche Eckdaten, das Display ist allerdings 7 Zoll groß. Eine Version Shift 5+ für 333 Euro hat mehr Speicher, ein schnelleren Prozessor, ein besseres Display und eine höher auflösende Kamera sowie andere technische Extras. Diesem Schema folgt auch die Version Shift 7+ für ebenfalls 333 Euro. Shift 5 und 7 nutzen Android 4.4, die Plus-Modelle Android 5.

Kurzum: Als Smartphone folgt das Shiftphones Shift der Idee des Fairphone und bietet solide Leistung zu einem zwar höheren, aber noch bezahlbaren Preis. Das Shift ist damit eine wirklich interessante Alternative zu den „schmutzigen“ Geräten namhafter Anbieter. Es mit einem 799-Euro-Gerät zu vergleichen ergibt hingegen keinen Sinn.

Das Shift-Smartphone und -Phablet in Bildern

 

Shift: Nachhaltiges Smartphone und Tablet

Das Shift soll nachhaltiger werden als seine Kollegen von Samsung, Apple und Co. So sind die Akkus (2000 mAh beim Shift 5, 3000 mAh beim Shift 7) bei allen Geräten austauschbar und nicht fest verbaut, was im Idealfall die Gerätelebensdauer erhöht. Auf den problematischen Rohstoff Coltan (Tantalum) verzichtet man nach eigenen Anhaben, weil er aus Konfliktgebieten stammen würde.

Der Speicher ist erweiterbar und wer das Gerät öffnet oder rootet, etwa um Google-Dienste stillzulegen, behält seine Garantie. Preiswerte Ersatzteile und Hilfevideos sollen dabei helfen, damit man durch Reparaturen möglichst lange was von seinem Gerät hat. Das Gehäuse verwendet hierfür auch Standardschrauben und verzichtet auf unnötige Klebungen. Auch steht man zum Beispiel mit FairLötet in Kontakt, um faires Lötzinn zu beschaffen.

Auch die sonstige Produktion ist nach Shift-Angaben auf Nachhaltigkeit und mehr Fairness ausgelegt. Shift verspricht ausdrücklich faire Löhne (drei Mal höher als üblich) und Arbeitszeiten (8 Stunden pro Tag), keine Kinderarbeit, gute Arbeitsbedingungen und reduzierte Umweltbelastung in einem 300-Personen-Betrieb in China. Die deutschen Entwickler, die das Projekt über Crowdfunding ins Leben riefen, wollen das alles selbst geprüft und sichergestellt haben.

Shift rechnet halbwegs transparent vor, was mit dem Geld des Käufers passiert: 19% Mehrwertsteuer, 25% Entwicklungskosten, 50% entfallen auf Produktion und Transport, 6% auf Projektplanung, Zertifizierungen und anderes. Etwas mehr Transparenz fehlt noch, hier ist zum Beispiel Nager IT mit seiner „fairen Maus“ schon weiter.

Ist das Shift wirklich nachhaltig?

Je nach Statistik hat etwa jeder vierte Mensch auf Erden ein Handy. Ohne einen vollständigen Rohstoffkreislauf ist es nicht möglich, diesen Zustand nachhaltig aufrecht zu erhalten. Anders gesagt: Smartphones können nicht nachhaltig gebaut werden, jedenfalls heute noch nicht. Und Fairness ist immer auch eine Frage der Definition.

Andererseits braucht man sich da keinen Illusionen hingeben: Wir werden weiterhin massiv Smartphones nutzen, auch jeder dritte Utopia-Leser kommt inzwischen per Smartphone oder Tablet. Wenn diese Massen von Geräte also auch nur etwas nachhaltiger und fairer produziert werden können, bewegt das in der Masse schon eine ganze Menge.

Die Leistung des Shift liegt darin, aufzuzeigen, dass es möglich ist, bessere Smartphones zu bauen, und diese auch zu einem vernünftigen Preis verfügbar zu machen. Zusammen mit dem Fairphone wird das Thema so hoffentlich stärker ins Bewusstsein rücken und auch Nachahmer in anderen Elektronik-Bereichen finden.

Weitere Infos finden Sie auf shiftphones.de, technische Daten in diesem PDF.

Kaufen**:

Weiterlesen auf Utopia.de:

Bildergalerie: Das Shift-Smartphone und -Phablet

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(9) Kommentare

  1. Auf der Homepage fon Shiftphones steht zum Thema Sozialverträglichkeit ausschließlich folgende „Information“:
    „Wir achten darauf, dass bei der Fertigung niemand ausgenutzt wird: Faire Löhne und Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit sowie gute Arbeitsbedingungen sind für uns selbstverständlich. Ebenso ist uns wichtig, daß die Umwelt nicht unnötig belastet wird. Ausserdem werden wir die Produktion für euch dokumentieren.“
    Im Shiftphones-Forum wurde von verschiedenen Seiten seit Monaten um mehr Transparenz hinsichtlich der Lieferketten und um klarere Informationen zu den Produktionsbedingungen gebeten – ohne jegliche inhaltliche Antwort. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso dieses Telefon hier als „Konkurrenz fürs Fairphone“ beworben wird. Ein soziales Unternehmen, das für sich reklamiert, in seiner Produktion seien „gute Arbeitsbedingungen“ selbstverständlich, muss hier dringend nachlegen, ansonsten kann die Sache wohl unter Marketing-Gag verbucht werden und hat auf utopia.de nichts zu suchen.

  2. Während Samsung und Apple sich einen „Marketing-Gag“ im großem Umfang leisten könnten, besteht Shift aus drei Mitarbeitern, die alle den gleichen Nachnahmen haben, weils ein Familienbetrieb ist. Mehr Transparenz ist dort zweifellos nötig, NagerIT zum Beispiel kann das ja sehr vorbildlich, aber man sollte auch nicht die Kapazitäten und daher die Möglichkeiten eines so kleinen Unternehmens wie Shift überschätzen. Siehe auch hier NagerIT, die das schon deutlich länger machen und die lesenswert auf die vielen Schwierigkeiten hinweisen, die sich da ergeben – wir reden hier ja nicht von Konzernen, die mehrköpfige Abteilungen für die Transparenzdarstellung der Anspruchsvollen abstellen können. Ich finde das jedenfalls kaufbarer als 99-Euro-Euro-Handys beim Discounter und daher unterstützenswert.

  3. Ich denke auch, man sollte ein Startup nicht mit Transparenzforderungen strapazieren. Aber „keine Kinderarbeit sowie gute Arbeitsbedingungen sind für uns selbstverständlich“ finde ich unseriös. Man sollte lieber nichts schreiben. In den Chinesischen IT-Fabriken gibt es meines Wissens sowieso kaum Kinderarbeit, bzw. man kann sie über Vereinbarung mit der Lieferfirma ausschliessen. Wichtig ist die Kinderarbeit in den Minen. Und hier können weder Fairphone noch Shiftphone wirklich garantieren, dass sie nicht statt findet. Das dauert wohl noch Jahre. Mehr zum Thema Kinderarbeit hier in der Stopchildlabour Kampagne. Immerhin ist Fairphone vorne dabei: http://www.stopchildlabour.eu/electronics-companies-are-yet-doing-far-too-little-to-eradicate-child-labour-from-gold-mining/

  4. Viel Blabla und wenig Fakten, würde ich sagen, wie mein ‚Vorredner‘ schrieb:
    Im Shiftphones-Forum wurde von verschiedenen Seiten seit Monaten um mehr Transparenz hinsichtlich der Lieferketten und um klarere Informationen zu den Produktionsbedingungen gebeten – ohne jegliche inhaltliche Antwort. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso dieses Telefon hier als „Konkurrenz fürs Fairphone“ beworben wird. Ein soziales Unternehmen, das für sich reklamiert, in seiner Produktion seien „gute Arbeitsbedingungen“ selbstverständlich, muss hier dringend nachlegen, ansonsten kann die Sache wohl unter Marketing-Gag verbucht werden und hat auf utopia.de nichts zu suchen.

  5. Nebulöse Anwürfe dieser Art stehen der unbefriedigenden Selbstbeschreibung bei Shift in nichts nach und werden auch durch Wiederholung nicht besser. Was für ein Handy nutzt du denn? Das Fairphone?

  6. „Kurzum: Als Smartphone folgt das Shift der Idee des Fairphone und bietet solide Leistung zu einem zwar höheren, aber noch bezahlbaren Preis.“
    ich hab gerade gelesen, dass das fairphone 2 über 500 euro kosten soll. damit wär es weitaus teurer. wenn es aber beim shift keine wirklich transparenz gibt (und schöne worte machen kann jeder), bleibt nur das fairphone.
    für mich gilt: ich brauche wohl doch kein smartphone. feddich …

  7. „Schöne Worte zu machen“ mag leicht erscheinen, nicht liefern zu können fällt dann aber meist auf die Redenden zurück, gerade wenn es kleine Akteure sind.

    Aber ganz klar: Smartphones bleiben bis auf weiteres „unnachhaltig“ – wer also keines braucht, kann gut darauf verzichten.

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