Erschreckende Ergebnisse: Fleisch von Aldi, Lidl, Edeka und Co. im Check

Bild von Karamo auf Pixabay / CC0 Public Domain

Wie werden die Tiere für Supermarkt-Fleisch gehalten? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wollte das herausfinden und hat deshalb bei neun Supermarktketten nachgefragt. Die Antworten der Supermärkte sind erschütternd – aber wenig überraschend.

Egal ob Hackfleisch, Gulasch oder Hähnchenbrust: Fleisch- und Wurstprodukte sollte man besser nicht im Supermarkt kaufen – das zeigt die Untersuchung von Greenpeace deutlich. Die Organisation hatte unter anderem Aldi, Edeka, Kaufland, Lidl, Penny und Real zu ihren Fleischprodukten befragt. Es ging dabei um die Haltungsbedingungen, sowohl bei verpacktem als auch unverpacktem Fleisch.

Das Fazit von Greenpeace:

„Rund 88 Prozent des Frischfleischs der Supermarkt-Eigenmarken stammt von Tieren, die qualvoll und häufig tierschutzwidrig gehalten wurden.“

Die meisten Fleischprodukte seien nur mit „Haltungsform 1“ beziehungsweise „Haltungsform 2“ gekennzeichnet.

Greenpeace: tierschutzwidrige Haltung

Die Haltungsform-Kennzeichnung gibt es erst seit vergangenem Frühjahr. Die Stufe 1 entspricht dem gesetzlichen Mindeststandard, noch schlechter ist verboten. Die Tiere haben extrem wenig Platz. Um sich zu beschäftigen bekommen beispielsweise Schweine nur eine „bewegliche Kette kombiniert mit z.B. Holzstück“.

Die zweite Stufe ist nur geringfügig besser – die Tiere haben etwas mehr Platz im Stall und „organisches“ Beschäftigungsmaterial. Greenpeace stuft Haltungsform 1 und 2 als „tierschutzwidrig“ ein. In den untersuchten Supermärkten und Discountern ist Fleisch der beiden niedrigsten Stufen am weitesten verbreitet.

Lidl will die Haltungsform 1 verbannen

Bio-Fleisch: richtig kaufen(Foto: © petunyia - Fotolia.com)
Hinter billigem Fleisch steckt Tierleid.

Greenpeace fordert von den Märkten, das Fleisch aus tierschutzwidriger Haltung nicht mehr zu verkaufen. Bislang habe nur Lidl angekündigt, Fleisch der Haltungsform 1 aus dem Sortiment zu nehmen – Schwein bis zum Jahr 2022, Rind bis 2025.

Rewe, Aldi und Penny wollen die Haltungsform ebenfalls verbannen, haben aber noch nicht festgelegt, wann. Bei Edeka und Netto soll es Greenpeace zufolge weiterhin Fleisch aus der schlechtesten Haltungsstufe geben.

Aldi, Lidl, Edeka und Co.: Die Nachfrage nach billigem Fleisch ist hoch

Mit der neuen Haltungsform-Kennzeichnung wollten die Supermärkte ihren Kund*innen eigentlich die Möglichkeit geben, sich für besseres Fleisch zu entscheiden, für das die Tiere weniger leiden mussten. Das wird allerdings schwierig, wenn 88 Prozent aller Eigenmarken-Fleischprodukte aus problematischer Tierhaltung stammen.

Wahrscheinlich liegt es aber auch an der Nachfrage: Erst wenn mehr Menschen bereit sind, ihr Geld für hochwertigere Fleischprodukte auszugeben, schafft das Anreize für die Supermärkte und Discounter, diese Waren anzubieten. Solange unter den Konsument*innen Billig-Mentalität herrscht und es keine strengeren Tierschutzgesetze gibt, werden also weiterhin Tiere für Fleisch gequält.

Mehr dazu: Tierqual für Fleisch und Milch – was kann ich tun?

Wer bessere Tierhaltung unterstützen will, kauft Fleisch, das ein Siegel der Bio-Anbauverbände BiolandNaturland oder Demeter trägt. Sie haben strengere Vorgaben, was Haltung, Futter und Aufzucht angeht. Und bei Fleisch und anderen Lebensmitteln tierischen Ursprungs gilt den Tieren, der Umwelt und dem Klima zuliebe generell: Weniger ist mehr.

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(12) Kommentare

  1. Es ist ein Irrtum zu glauben, das Kaufverhalten des Kunden entscheide allein über das Angebot, der Markt würde nur von der Nachfrage bestimmt.
    Seit Reagan und Thatcher, adaptiert von Kohl und Schröder, bestimmt das Angebot den Markt, wie es seit den „Reaganomics“ und seinem Wesenskern, der angebotsorientierten Wirtschaft definiert ist.
    An der schwierigen E-Auto-Lieferbarkeit kann man es schon länger belegen: Nachfragen nach E-Autos im KfZ-Handel nach entsprechenden bereits im Portfolio der Konzerne befindlichen Modellen werden immer noch mit Unverständnis oder Überfordertsein beantwortet. Erst durch Teslas erfolgreiches Vorpreschen ziehen andere Konzerne meist halbherzig nach.
    Dieses Entwicklungsmuster betrifft auch das Fleischgewerbe: Ich sehe beim Discounter die Fleischauslagen, und wenn ich artgerecht produziertes Fleisch möchte, muss ich schon weit zum alternativen Anbieter fahren. Deutlichster Eindruck: Die wochenendlichen Berge an Billigfleisch, die wegen nahendem MHD-Ablauf mit 30-50% Nachlass verramscht werden müssen, was beweist, dass weit über der Nachfrage angeboten wird. Der böse Kunde Billigheimer wird mehr zugeschmissen als er essen kann. Überproduktion liegt in der Verantwortung des Anbieters. Und in der Verantwortung einer Politik, die diesen Irrsinn subventioniert (damit Erzeuger, Lobbies und Verbände ihr weiterhin Parteispenden und Stimmen zukommen lassen).
    Darum meine Forderung: Streichung aller Subventionen und Vergünstigungen für Massentierhalter. So viele Wählerstimmen stellen die nun auch wieder nicht, die sind ein politischer Scheinriese. Und hohe Zölle auf Importfleisch, das wir erst recht nicht brauchen (bis auf wenige 5-Sterne-verwöhnte Snobs). Sollen die wenigen Importeure wählen, was sie wollen, wen juckt es.
    P.S. etwas Schulbuchwissen (SoWi, Politik, Erdkunde, Kapitel Landwirtschaft, Aspekte Produktion, Investition und Ertrag, Angebot und Nachfrage,Preis):
    Wenn Nachfrage größer als Angebot, dann Preis hoch.
    Wenn Angebot größer als Nachfrage, dann Preis niedrig, sprich: billig. Die Masse macht’s.

  2. Ich teile nicht ganz die Meinung meines Vorredners – man muss seinen Ar.. halt auch mal bewegen aber für meisten ist es ja schon zu viel verlangt, vor den Supermärkten vernünftig zu parken .. Nein, da steht man direkt vor der Tür, weil man den fetten Hint… keine 10m mehr „als nötig“ bewegen will…

    Wir machen uns seit Jahren stets die Mühe solange zu suchen, bis wir finden, was wir wollen. Und wenn es kein Fleisch der Stufe 4 hat, dann gibt es eben keins oder wir fahren zu dem Anbieter, der es hat. Klar, ökologisch natürlich auch wieder bescheuert, dafür durch die Gegend zu gurken und da hat der Kollege absolut Recht: das Fleisch gehört so hindrapiert, dass man es leichter finden kann.

    Man könnte es ja zB einsortieren nach Stufen und aussen am Kühlfach Schilder anbringen .. wenn dann genügend Leute die Stufe 1 liegen lassen (würden!) „lernt“ es der Markt .. aber da habe ich eben die Befürchtung dass (siehe Anfang des Kommentars) nicht nur Faul- sondern auch Dummheit dazu kommt und sich darüber NULL Gedanken gemacht wird – Hauptsache billig!

    „Das Geld reicht uns nicht“ heißt es dann gerne … ja neee iiiis klaaaa, die selben Leute siehst Du aber ne Stunde später im Blödmarkt und da werden dann tonnenweise technische Geräte „konsumiert“ .. aber klar, irgendwo muss man ja sparen. Heißt dann wohl beim Essen?

    Zum laut schreien ist das!!

  3. Da stimme ich Snowbo restlos zu.
    Ich habe zwar fast 28 Jahre lang kein Fleisch gegessen, aber wenn ich jetzt gelegentlich mal was kaufe, dann schaue ich auch immer, dass es Stufe 4 hat (sofern überhaupt gekennzeichnet, bei Wild ist gibt’s so eine Markierung ja nicht). Da ich kein Auto habe und ausschließlich zu Fuß oder mit Rad zum Einkaufen gehe, ist auch das „Weiterfahren“ / Weitersuchen kein ökologisches Problem.

  4. In weiten Teilen kann ich jomei nur zustimmen: Wenn es nur Fleisch aus schlechter Haltung gibt, kann ich, wenn ich Fleisch kaufen will, eben nur das erwerben. Da bin ich auch der Ansicht, dass man diese Verantwortung nicht allein auf die Verbraucher abwälzen kann und die Lebensmittelhändler herumlamentieren, dass sie ja soooo gerne bessere Produkte anbieten würden, aber es kauft sie ja keiner. Wenn die Haltungsformen 1 und 2 verboten wären, wäre das Fleisch teurer. Aber es gäbe auch kein anderes. Das wäre kein Drama, denn wir leben in einer Gesellschaft, in der niemand hungern muss, wenn es nicht Berge von Schnitzel für alle gibt. Der Weg ist schlicht: Verbot der oben genannten Haltungsformen. Da wiederum ist Frau Klöckner in der Pflicht. Und was die Importzölle angeht, so möchte ich doch unterschieden wissen, dass diese Zölle NUR auf Importe von Fleisch aus Massentierhaltung erhoben werden sollten. So kann man den Markt auch regeln.

  5. Ich würde niemals Fleisch bei diesen Discountern erstehen!Muss aber „gestehen“,dass ich fast kein Fleisch seit Jahren „vertilge“,“genieße“,wenn ,dann doch von Qualität!

  6. Gäbe es „Haltungsform 1 und 2“ nicht, dann würden sich die „Hersteller“ anpassen, und die Kosten, gerade bei solchen Mengen wären nur so unwesentlich teurer, dass sich niemand dran stören würde.
    Davon abgesehen muss man aber auch mal festhalten, dass tote Tiere im Laden aber auch echt zu billig sind (ja, gleich schreit wieder jemand, er sei so arm und sei deshalb gezwungen, superbilliges Fleisch zu essen, und überhaupt würde heutzutage ja sowieso allen immer alles verboten) – vor ein paar Jahren war das Verhältnis dessen, was für Essen ausgegeben wurde, im Verhältnis zu anderen Lebenskosten bedeutend höher (und in vielen anderen Ländern ist das noch immer so, fragen Sie nur mal Einwohner anderer reicher Staaten). Das Geld, was in Deutschland heute beim superbillig produzierten Essen eingespart wird, geht doch stattdessen in 3000€ teure Fernseher etc.
    Aber auch sonst ist die Argumentationskette „Das tote Tier muss so billig sein, dass ich armer Schlucker es mir jeden Tag auch kaufen kann“, überhaupt ärgerlich und blöd. Die Beschwerde sollte da wirklich an anderen Stellen angesetzt werden, etwa beim Mietendeckel o.ä.

  7. Es ist wahr, das ganze System krankt. Aber die Konsumenten sind Teil dieses Systems und sollten sich ihrer Verantwortung bewußt sein. Ich habe den Eindruck, dass es den meisten Menschen letztendlich am Arsch vorbeigeht, was ihr Konsum bewirkt.
    Solange dass so ist, wird sich auch nichts (zum Positiven) ändern.

  8. Den Eindruck habe ich leider auch. Das überall in Kommentarspalten zu lesende Gejammer „Jetzt ist aber echt mal genug! Was soll uns den noch alles verboten werden!?“ oder „Das tote Tier muss so billig sein, dass ich armer Schlucker es mir jeden Tag auch kaufen kann, sonst fühle ich mich von den reichen Ar…..chern ausgebeutet“ (als ob es da nicht genügend andere Punkte gäbe, ich sag nur Aktien und Börse) zeigen ja, wie die meisten Leute denken.

  9. „Wahrscheinlich liegt es aber auch an der Nachfrage: Erst wenn mehr Menschen bereit sind, ihr Geld für hochwertigere Fleischprodukte auszugeben, schafft das Anreize für die Supermärkte und Discounter, diese Waren anzubieten. Solange unter den Konsument*innen Billig-Mentalität herrscht und es keine strengeren Tierschutzgesetze gibt, werden also weiterhin Tiere für Fleisch gequält.“

    Immer wieder die selben Sprüche – Sprüche, die maximal für die Hälfte der Bevölkerung zutreffen! Die andere Hälfte dagegen hat schlicht nicht genug Geld, um meist doppelt bis dreimal so viel Geld auszugeben.

    Erst wenn alle Menschen einen angemessenen Lohn erhalten und parallel dazu klare gesetzliche Ansagen zur Tierhaltung gemacht und diese auch flächendeckend kontrolliert werden, wird ein Schuh daraus.

  10. Ich denke, es wird an der Zeit die Supersupermärkte, wie Rewe, Edeka, Netto, Aldi, Kaufland, Real, Lidl mit in die Verantwortung zu nehmen, denn schließlich sind sie es, die der breiten Masse diesen auch nachweislich gesundheitsschädigenden Mist verkaufen. Da nutzen auch nicht diese scheinheilig geführten Bio-Produkt-Linien, deren Herkunft ich grundsätzlich nach dem Leitsatz in Frage stelle: SO VIEL BIO KANN ES GAR NICHT GEBEN !!! Die einzige Möglichkeit hier schnelle Abhilfe zu schaffen ist: Einfach nicht mehr anbieten. Einfach nicht mehr verkaufen. Es geht. Sachen mal eben schnell vom Markt nehmen, geht regelmäßig dann, wenn eine Gesundheitsgefahr von ihnen ausgeht. Langzeitstudien tun ihr Übriges diese zu bestätigen.
    Da wie schon angeklungen, inzwischen politikgesteuert das Angebot den Markt bestimmt und nicht mehr die Nachfrage, sollte nun auch im Gegenzug die Politik die Pobacken zusammenkneifen und mal Nägel mit Köpfen machen: Verbot von Nahrungsmitteln aus Massentierhaltung und intensivierter Landwirtschaft, alles was eben nicht BIO ist und einem erhöhtem Wachstumsstress ausgesetzt war. Eigentlich eine logische Konsequenz auch im Hinblick auf eine nachhaltige Umsetzung der selbstgesetzen klimaorientierten Ziele.
    Das der Kunde bei der Diskussion um Angebot und Nachfrage schon lange keine berechenbare Größe oder Ratgeber mehr ist und seine Verantwortung wegen Totalversagen seiner ethisch und moralischen Grundgesinnung an den Preis und das Portemonnaie abgegeben hat, ist alltäglich auf der Straße nachzuvollziehen.
    Es würde mich auch nicht wundern, wenn das Billig-„Böse“-Fleisch und Genfood inzwischen mit Substanzen versetzt ist, die eben genau das Verhindern: Nachdenken über das was man tut und die Konsequenzen überschauen. Gleiches kann man übrigens von Süchtigen auch nicht mehr erwarten. Erst herrscht noch eine gewisse Auswahl und Exclusivität bei der Auswahl seiner Drogen. Doch zum Schluß regiert nur der Absturz. Billig muss es sein, schnell verfügbar und den schnellen Kick geben. Der Alki trinkt am Ende auch nur noch Sprit, wenns sein muss. Ein Beziehungssüchtiger wird immer wahlloser und setzt auf Quantität im Freundeskreis.
    Mit Nahrungsaufnahme im klassischen Sinn hat das doch alles nichts mehr zu tun…
    Halten wir fest: Verbote retten uns (vor uns selbst). Kontrolle ist unumgänglich.