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Greenpeace-Test: So lange halten Lebensmittel wirklich

Screenshot: Greenpeace - YouTube

Über neun Monate hinweg hat Greenpeace getestet, wie lange Lebensmittel nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums noch genießbar sind. Das Ergebnis ist deutlich – ein Milchprodukt war sogar nach über sechs Monaten noch genießbar.

Am Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erkennen Verbraucher, wie lange Wurst, Käse oder Aufstriche auf jeden Fall noch verzehrt werden können, ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen oder gesundheitliche Risiken. Ist das auf den Lebensmitteln abgedruckte Datum abgelaufen, landet das Essen häufig im Müll – obwohl es noch genießbar wäre. Durchschnittlich 82 Kilo Lebensmittel wirft jeder deutsche Verbraucher pro Jahr weg. Das muss nicht sein, wie Greenpeace in diesem Test deutlich zeigt.

Hier könnt ihr euch das YouTube-Video anschauen: 

Joghurt ist ein halbes Jahr nach Ablauf des MDH noch genießbar

Wie lange man die Lebensmittel tatsächlich noch essen kann, hat Greenpeace über neun Monate hinweg getestet. Die Umweltorganisation hat ausprobiert wie lange Salami, Eier, Joghurt, Soja-Joghurt, Tofu, Käse, Kuchen und Sesamdip noch genießbar sind – nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Das überraschende Ergebnis:

  • Am schnellsten ungenießbar war der Sesamdip. Er hielt 14 Tagen länger durch, als das MHD angab.
  • Den Käse konnte man bis zu acht Wochen nach MHD noch essen,
  • der Kuchen hielt zehn Wochen länger als das MHD,
  • genauso die Salami.
  • Die Eier konnten bis zu zwölf Wochen nach MDH noch verwendet werden,
  • der Soja-Joghurt hielt 152 Tage länger als das MDH es angab, also etwa fünf Monate.
  • Der Tofu war nach sechs Monaten nach Ablauf des MHD noch genießbar.
  • Und der Joghurt – unser persönlicher Überraschungs-Sieger – hielt ganze 270 Tage länger durch, als das Mindesthaltbarkeitsdatum es angab. Nach über sechs Monaten war das Milchprodukt also noch genießbar – erst nach neun Monaten konnte man es schließlich nicht mehr essen.

Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum

Leider wird das Mindesthaltbarkeitsdatum häufig mit einem Verfallsdatum verwechselt. Dass dieser Glaube nicht einfach nur Quatsch ist, sondern zu einer vollkommen unnötigen Lebensmittelverschwendung führt, zeigt der Test von Greenpeace. Tatsächlich ist es nämlich so: Fast alle Nahrungsmittel sind auch noch über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus genießbar. Es gibt sogar Lebensmittel, die praktisch niemals verderben.

Mehr dazu auch in unserem Artikel: Vergiss das Mindesthaltbarkeitsdatum: Lebensmittel halten länger als du denkst

Verdorbene Lebensmittel? Benutze deine Sinne!

Um festzustellen, ob Lebensmittel noch genießbar sind, gibt es einen ganz einfachen Tipp: Vertraue auf deine Sinne! Schau dir das Produkt genau an, rieche daran, fass es an, probiere es im Zweifelsfall. Riecht es komisch, fühlt sich schmierig an, zeigt Verfärbungen oder schmeckt anders als gewohnt: Weg damit. Falls nicht, dann kannst du es in der Regel noch essen.

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(15) Kommentare

  1. Das die Hersteller bei den Mindeshaltbarkeits-Daten auf nummer sicher gehen und einen größeren Zeitpuffer drin lassen, ist logisch:
    Wer will schon aus der dafür haften, wenn der Verzehr „durchschlagenden“ Erfolg hatte?
    Ansonsten zählt das Gesagte:
    Sich auf die Sinne verlassen und prüfen, ob ein Lebensmittel verdorben ist.
    Das gilt übrigens nicht nur für Lebensmittel, deren Mindesthalbarkeits-Datum erreicht ist – durch falsche Lagerung oder eine beschädigte Verpackung können Lebensmittel wesentlich schneller verderben als angegeben.

  2. Es wird ja schon ewig diskutiert, wie man das MHD umbenennen kann. Warum kommt man nicht auf das Naheliegendste? „Qualitätsgarantie“ bzw. „garantierte Qualität bis…“ sagt doch genau das aus, was der Hersteller tatsächlich mit dem MDH meint: Bis zu diesem Datum garantiert er, dass das Lebensmittel ohne Mängel ist. Durch den Begriff „Haltbarkeit“ im MHD glauben leider viel zu viele, dass es sich hier um ein Ablaufdatum handelt, das „Mindest“ wird gern überlesen. Der Begriff „Garantie“ ist dagegen anders belegt: Keiner schmeißt ein Gerät weg, nur weil die Garantie abgelaufen ist. Möglicherweise werden auch weniger Lebensmittel weggeschmissen, wenn nur eine Garantie abgelaufen ist und nicht gleich ein Haltbarkeitsdatum überschritten wurde. Letzteres klingt nämlich wesentlich drastischer als es gemeint ist. Der Garantie-Begriff ist in diesem Zusammenhang einfach unmissverständlicher als der Haltbarkeits-Begriff.

  3. Ich frage mich, ob man einen Joghurt, der ein halbes Jahr genießbar ist überhaupt Lebensmittel nennen sollte?
    Essbares Irgendwas würde wohl eher zutreffen.
    Oder Magenknurren beruhigende Masse oder sowas.

  4. Naja, da es sich um ein milchsaures und damit fermentiertes Produkt handelt, sehe ich da gute Chancen, dass es schlicht noch Joghurt ist. Sauerkraut hält sich ja genauso lange und ist auch milchsauer vergoren.

  5. Okay, also wo ist dann der Unterschied zwischen den Joghurts, deren Deckel sich wölbt, wenn sie hinüber sind und denen, die unbeeindruckt einfach bleiben wie sie sind und das monatelang?
    Und wieso stellt man dann Sauermilchprodukte ins Kühlregal?
    So ganz leuchtet mir das nicht ein was du schreibst, es sei denn, manche Joghurts sind eben kein fermentiertes Produkt und damit nicht wirklich natürlich.

  6. Unterschiede können in der Hygiene bei der Verarbeitung liegen, in der geschlossenen oder eben nicht geschlossenen Kühlkette etc. Allerdings verwende ich generell eher Joghurt im Glas. Auch ob es sich um flüssigen/cremigen Joghurt, stichfesten oder gar Fruchtjoghurt handelt, dürfte die Haltbarkeit beeinflussen.

  7. Als Hühnerhalter würde ich keine Eier 12 Wochen nach Haltbarkeitsablauf ungekocht lagern und dann noch essen. Immerhin halten sich Eier ungekühlt so schon 3 Wochen, gekühlt 4. Ich sehe es halt kritisch, da nach dieser Zeit die natürlich vorhandene Schutzschicht der Schale sich auflöst und da Eier ja offfenporig sind dann wunderbar Fremdkeime eindringen könnten. Und die Salmonellenbelastung eines Eies riecht, schmeckt und sieht man nicht. Ich rate daher eher zu kleinen Mengen und dafür dann zeitnahes Verbrauchen. Wer sich nicht sicher ist, kann ja gerne den Wasserglastest mit dem Ei machen ehe er es aufschlägt.

  8. In Bezug auf welches Lebensmittel? Ich habe Quark, Frischkäse oder auch Joghurt durchaus wochen- bis monatelang im Kühlschrank ohne gewölbten Deckel. Ich mache aus einem „alten“ Quark dann halt eher durchgegarten Käsekuchen als Sour Cream.

  9. Nun sicher ist es sinnvoll zu wissen wann Lebensmittel produziert wurden, damit jeder einzelne Verbraucher die Haltbarkeit festlegt. Das mit der Qualitätsgarantie wäre hierzu schon ein Ansatz. Doch genau dies meidet die Lebensmittelindustrie wie der Teufel das Weihwasser. Man bedenke die Mindesthaltbarkeit wurde nicht zum Schutz der Verbraucher eingeführt, als solche wurde zwar bei der Einführung „verkauft“, doch in Wahrheit sollte damit die Produktion von Lebensmitteln erhöht werden um höher Gewinne zu erzielen. Genau dies der einzige Grund für die Überproduktion von Lebensmittel und dies läßt sich nur rechtfertigen, wenn ein Teil vernichtet werden „muß!!!“

  10. > Man bedenke die Mindesthaltbarkeit wurde nicht zum Schutz der Verbraucher eingeführt

    doch genau deshalb. Und zwar mit der Abstufung:
    – „Verbrauchsdatum“ für hochkritische Lebensmittel (Eier, Hack, Frischfisch, Krabben …)
    – Mindesthaltbarkeit für alle sonstigen Produkte.

    Mit der EU-Harmonisierung wurde die Lebensmittel Kennzeichnungs Verordnung (LMKV) außer Kraft gesetzt und der Lebensmittelüberwachung das Kontrollinstrument entzogen.
    Bis dahin mußte der Hersteller regelmäßig mit Laboranalysen / Rückstellproben nachweisen, daß es kein Risikolebensmittel ist und worauf sein MHD basiert (Langzeitproben, wie sie Greenpeace durchgeführt hat) . Er mußte quasi darlegen, worauf seine MHDfristen basieren.

    Über EU-Recht wurde die LMKV außer Kraft gesetzt und ersetzt durch
    „Lebensmittel-Informationsverordnung“ – wir werden als Verbraucher jetzt lediglich
    über ein MHD informiert. Das MHD legt der Hersteller nach internen Überwachungsrichtlinien fest. Soweit dies plausibel und unkritisch ist, ist alles ok.

    Erhalten geblieben ist das Verbrauchsdatum für kritische LM (Frischfisch, Hack usw.).

    Das MHD ist bzw. sollte ein Leitwert sein, der aus verschiedenen Einzelkriterien gebildet wird, wenn die Bedingungen erfüllt sind:
    – durchgehende Kühlkette
    – Luftabschluß bzw. unbeschädigte Verpackung
    – lichtundurchlässige Verpackung
    – geringe / geringste Keimzahl im Ausgangsprodukt, wenn es Stall oder Werk verläßt
    – ….

    Fazit:
    Wenn MHD für Frischlebensmittel so eklatant von der mikrobiologischen Unbedenklichkeit abweichen, dann sind die Lebensmittel technisch so aufgearbeitet,
    daß sie vielleicht kein Gesundheitsrisiko darstellen, aber mit zunehmendem Zeitablauf ernährungsphysiologisch auch keinen Zugewinn für den Körper darstellen.

    Beispiel Vitamine: natürlich kann ich Gemüse bis Ultimo sachgerecht lagern.
    Umgekehrt proportional nimmt aber auch der Gehalt an Vitaminen ab.
    Das gilt auch für Joghurts, (insbesondere) Butter, Käse ….

  11. Ich habe kürzlich eine Sahne gegessen, deren MHD ein Jahr abgelaufen war. Hat einwandfrei geschmeckt, lediglich hat sich die Molke unten abgesetzt und das Fett oben. Aber zum Kochen war sie noch wunderbar geeignet.
    Generell gilt bei mir: Solange es gut aussieht, riecht und schmeckt, ist es in Ordnung, selbst wenn es schon Jahrzehnte auf dem Buckel hat.

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