Lidl verkauft jetzt Kinder-Gemüse – im Netz gibt es Kritik

Foto: © Utopia

Die Discounterkette Lidl will, dass Kinder mehr „Spaß“ an Obst und Gemüse haben – und führt deswegen Äpfel, Gurken und Co. im Mini-Format ein. Um noch kindgerechter zu sein, haben die Produkte lustige Namen und bunte Verpackungen. Es gibt allerdings auch Kritik. 

Die Gurken heißen „Gurken-Schurken“, die Tomaten „Tomaten-Piraten“ und die Äpfel sind „affenstark“. Seit Ende Oktober gibt es bei Lidl spezielles Obst und Gemüse für Kinder zu kaufen. Die Produkte der „Kids Range“ sind kleiner als normales Obst und Gemüse, außerdem sind auf den Verpackungen bunte Zeichentrickfiguren zu sehen.

Die Idee dahinter: „die Jüngsten … spielerisch an eine bewusste Ernährung heranzuführen.“ Insgesamt zehn Obst- und Gemüsesorten im Kinder-Format hat Lidl dauerhaft ins Sortiment aufgenommen. Je nach Jahreszeit kommen saisonale Sorten dazu.

Lob und Kritik für Lidl

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Obst und Gemüse für Kinder bei Lidl. (Foto: © Lidl)

Lidl macht mit dem Kinder-Obst und -Gemüse einiges richtig: Die Mini-Bananen sind Fairtrade-zertifiziert, die Tomaten bio. „Ich begrüße die Aktion von Lidl, weil das alles Lebensmittel sind, die Kinder ja wirklich vermehrt essen sollen“, sagt uns Luise Molling von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. „Wir wissen einfach, dass so etwas funktioniert. Die bunten Figuren und die kleinen Portionen sind attraktiver für Kinder. Warum nicht auch mal so für gesunde Lebensmittel werben, anstatt immer nur für stark fett- und zuckerhaltige Lebensmittel?“

Gleichzeitig gibt es aber auch Kritik an der Idee: „Warum spielerisch an Obst und Gemüse gewöhnen lassen? Obst und Gemüse essen ist doch etwas ganz Normales?“, schreibt beispielsweise eine Userin auf der Facebook-Seite von Lidl. „So zieht man die nächste Generation groß, der man „branded produkte“ verkaufen kann“, meint eine andere Nutzerin.

Lidl-Kinder-Obst und -Gemüse: Viel Verpackung für wenig Inhalt

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Mini-Gurken in Plastikverpackung. (Foto: © Lidl)

Ein offensichtlicher Nachteil der Kinderprodukte ist die Verpackung: Je kleiner ein Behältnis, desto größer ist der Anteil von Verpackung im Verhältnis zum Inhalt. Mini-Gurken in der Plastikschale oder Äpfel in der Plastiktüte sind also nicht gerade umweltfreundlich – und ein Widerspruch zur Lidls Plastikreduktionsstrategie.

Utopia meint: Kinder sollten möglichst viel Obst und Gemüse essen. Aber braucht es dafür wirklich aufwendig verpackte Mini-Lebensmittel und bunte Werbung? Bei Kindern mit schwierigen Essgewohnheiten können Piraten- oder Tiermotive vielleicht tatsächlich helfen, sie von Obst und Gemüse zu überzeugen. Abgesehen davon sollten Kinder einfach die gleichen Bananen oder Tomaten essen wie Erwachsene. Spezielle Angebote für Kinder sind oft nur ein Weg, herkömmliche Produkte deutlich teurer zu verkaufen. Daran sollte man die heranwachsenden Konsumenten gar nicht erst gewöhnen.

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(1) Kommentar

  1. Richtig. Warum extra Mini-Lebensmittel für Kinder? – Achso, weil bunte Kleinverpackungen in der Quängel-Zone mehr Geld bringen.
    Sollte man konsequenterweise nicht die ungesunden Sachen, von denen die Regale überquellen und die immer strategisch bestmöglich positioniert werden, weniger bewerben?

    Woher kommen die schwierigen Essgewohnheiten beim Nachwuchs? Größtenteils wird doch die falsche Ernährung von den Eltern übernommen, von denen viele ja nicht einmal mehr frisch und lecker kochen können. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch viele Kinder an Geschmacksverirrungen leiden.
    Ganz anders stellt sich die Sache dar, wenn Kinder von klein auf an von zu Hause her gesundes Essen gewohnt sind.
    Aber was wir beobachten können, sind leider die süßen Früchte jahrzehntelanger Verdummungskampanien der Industrie, die mit ihren minderwertigen, verarbeiteten „Lebensmitteln“ den guten Geschmack ganzer Generationen verdorben haben. „Das Beste aus der Milch“ kommt schon lange nicht mehr beim Endverbraucher an.