Ohne Talent und Leidenschaft: Wie ich versucht habe, ein erfüllendes Hobby zu finden

Ohne Talent und Leidenschaft: Wie ich versucht habe, ein erfüllendes Hobby zu finden
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - No Revisions

Während der Corona-Pandemie suchen viele Menschen nach neuen Freizeitbeschäftigungen. So auch unsere Autorin. Doch sie merkt: Das ist gar nicht so einfach. Denn oft fehlt entweder das Talent oder die Leidenschaft. Und nachhaltig soll das Hobby natürlich auch sein.

Es ist nicht so, dass ich gar keine Hobbys habe. Aber weil Corona-bedingt Termine wegfallen und ich durch Home-Office den Weg zur Arbeit spare, bleibt mehr Zeit übrig. Und die will ich ungern damit verbringen, nur auf der Couch zu sitzen und Netflix zu schauen. Denn selbst wenn ich eine Serie auf Spanisch oder Schwedisch schaue und so quasi meine Fremdsprachenkenntnisse trainiere: Letztendlich fühlt es sich nach Faulenzen an. Das ist mal okay, aber nicht auf Dauer.

Ich suche eine Freizeitbeschäftigung, der ich spontan ohne festen Termin und bei jedem Wetter nachgehen kann. Und zwar am besten allein. Nicht, weil ich kein geselliger Mensch bin, sondern damit ich nicht darauf angewiesen bin, dass andere Menschen auch gerade Zeit haben.

Für viele Hobbys fehlt mir die Leidenschaft …

Was mach ich also? Meine bisherigen Hobbys ausdehnen, ist nur bedingt eine Option. Dazu fehlt mir oft einfach die Leidenschaft. So wurde ich schon lange nicht mehr den ganzen Tag an ein Buch gefesselt. Beim Jonglieren vergeht mir spätestens nach einer Viertelstunde die Lust – oder mir tun die Arme weh. Und wenn ich mich zweimal die Woche dazu motivieren kann, mein Sportprogramm durchzuziehen, bin ich schon stolz.

… für andere das Talent

Wenn es nicht die fehlende Leidenschaft ist, ist es das mangelnde Talent. Manchen Menschen hältst du einen Bleistift und Papier hin und sie sind für die nächste Stunde beschäftigt. Ich kritzele hilflos ein paar Muster aufs Papier und gebe dann entmutigt auf. Auch bin ich weder musikalisch veranlagt noch eine Sportskanone.

Klar, jede:r hat irgendwelche Talente. Aber manche Talente lassen sich besser in Hobbys verwandeln als andere. Wie ich aus der Tatsache, dass ich in Schule und Uni fünf Fremdsprachen gelernt habe, eine zeitfüllende und erfüllende Freizeitbeschäftigung für mich allein gestalten soll, erschließt sich mir nicht so ganz. Auch kochen und backen würde ich zu meinen zumindest mittelmäßig ausgeprägten Talenten zählen. Aber irgendwer muss das ja auch alles essen.

Ein Rezept aus dem Kochbuch: Gebackene Mandellaibchen.
Kochen: Für manche lästige Pflicht, für andere erfüllendes Hobby. (Foto: Utopia / Leonie Barghorn)

Manche denken jetzt sicher: Wieso braucht man überhaupt Talent, um ein Hobby zu haben? Etwas zu lernen kann auch ein Hobby zu sein. Je mühsamer es geht, desto mehr Zeit kann man dafür aufwenden.

Das stimmt. Aber da bin zumindest ich schnell wieder bei dem Punkt mit der fehlenden Leidenschaft. Ein Beispiel: Ich fotografiere gerne. Ich bin weder ein Naturtalent noch ein hoffnungsloser Fall. Mal abgesehen von Urlaubsreisen verbringe ich aber gar nicht so viel Zeit mit meiner Kamera. Denn: Entweder fehlt mir die Kreativität oder die Leidenschaft, um spontan mit meiner Kamera vor die Tür zu gehen.

Ich will ein nachhaltiges Hobby

Lassen wir mal Talent und Leidenschaft beiseite. Ein paar Hobbys könnte ich womöglich schon meistern. Beispielsweise würde ich wahnsinnig gern mein eigenes Obst und Gemüse anbauen. Das wäre auch nachhaltig. Nur wohne ich in einer Wohnung ohne Balkon und Garten. Und bevor ich auf der Warteliste für einen Schrebergarten nach oben rücke, muss ich mich wohl erst noch durch zehn andere Hobbys durchprobieren.

Oder ich lerne nähen? Dann kann ich nachhaltige Materialien wählen und beute für meine Kleidung keine Näher:innen aus. Ich brauche aber definitiv nicht noch mehr Kleidung. Und wenn doch mal etwas fehlt, habe ich einen tollen Secondhandladen direkt in der Nähe, das ist noch nachhaltiger.

Ähnlich sieht es mit Upcycling- und DIY-Projekten aus. Das macht Spaß und ist oft eine gute Alternative zum Neukauf. Allerdings fasst meine Wohnung nur eine begrenzte Anzahl selbstgebastelter Pinnwände und Blumenampeln. Und so viele Freund:innen können gar nicht Geburtstag haben, wie ich Pflanzenableger ziehen und Kuchen backen kann. Wirklich nachhaltig sind diese Hobbys eben auch nur in Maßen.

An irgendetwas scheitert es wohl immer

So schwer kann das doch wohl nicht sein, ein passendes Hobby für mich zu finden? Ich suche Hilfe im Internet und finde diverse Listen mit Ideen für Freizeitbeschäftigungen. Eine Sache lässt mich innehalten: Geocaching. Wäre das nicht eine Möglichkeit, damit ich mich häufiger aufraffe und frische Luft tanke (vielleicht sogar, wenn die Sonne mal nicht scheint)? Und meine Kamera kann ich auch mitnehmen und so vielleicht wieder Freude am Fotografieren finden.

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Geocaching ist eine Möglichkeit, um neue Lieblingsorte zu entdecken. (Foto: CC0 / Pixabay / Olichel)

Ich bin wild entschlossen: Das mach ich jetzt, da lade ich mir die App runter. Und dann: Ernüchterung. Denn: Mein Handy ist alt. Nicht so alt, dass der Akku drei Wochen hält und ich darauf die Originalversion von Snake spielen könnte. Aber eben doch so alt, dass der interne Speicher für nicht viel mehr als die Messaging-Apps und ein paar andere essentielle Anwendungen ausreicht. Für die Geocaching-App ist darauf einfach kein Platz mehr. Soll ich mir jetzt also extra für mein Hobby ein neues Handy kaufen?

Nicht entmutigen lassen

Mir ist klar: Das ist Meckern auf höchstem Niveau. Viele andere Menschen können über mein „Problem“ nur lachen. Ich weiß aber auch: Ich bin nicht die einzige Person, der es gerade so geht. Und deshalb schreibe ich diesen Artikel: Um zu zeigen, dass es völlig normal ist, wenn man mal nicht weiß, was man mit der freien Zeit anfangen soll. Oder dass man sich talent- oder leidenschaftslos fühlt.

Und nicht vergessen: Das Wetter wird wieder besser und die Infektionszahlen werden irgendwann auch wieder sinken. Dadurch werden neue und alte Freizeitbeschäftigungen möglich. Vielleicht ist es auch eine Option, die kalten, grauen Tage zu nutzen, um die Interrail-Reise oder das Familientreffen im Sommer zu planen? Und so etwas zu haben, worauf man sich freuen kann.

Ich habe gemerkt, dass ich noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um mich sinnvoll zu beschäftigen. Hier nur ein paar Gedanken:

  • Vielleicht kann ich meine freie Zeit dazu nutzen, mich von anderen inspirieren zu lassen und Fotoshootings zu planen. Denn wenn erstmal ein Plan steht, kommt hoffentlich auch die Motivation, mich selbst im Winter mit der Kamera nach draußen zu wagen.
  • Wenn ich schon keinen eigenen Garten habe, dann kann ich mich vielleicht in einem Gemeinschaftsgarten engagieren? Da gibt es im Winter zwar nicht so viel zu tun, aber der Frühling kommt ja schneller, als man denkt.
  • Ich kann meine Sprachkenntnisse mit Tandem-Partner:innen verbessern. Wenn nicht vor Ort, finde ich vielleicht jemanden online? Nachrichten schreiben funktioniert ja auch zeitversetzt.
Spiele für draußen, Spiele für Kinder, Urban Gardening
In vielen Städten gibt es Gemeinschaftsgärten, in denen man mithelfen kann. (Foto: © Utopia/Nina Krake)

Tipps für deine Hobby-Suche

Wahrscheinlich bin ich nicht die beste Person, um dir Tipps für die Hobby-Suche zu liefern – weiß ich ja selbst nicht genau, was ich mit meiner übrigen Zeit anfangen soll. Oder aber ich bin genau deshalb geeignet, weil ich mir womöglich ähnliche Gedanken mache, wie du.

Wie auch immer – hier ein paar Anregungen:

  • Frage dich, was du in deiner freien Zeit erreichen willst. Dabei können dir die 5 E helfen: Willst du entspannen, etwas erleben, Neues erlernen, Dinge erschaffen, ehrenamtlich helfen? Dann kannst du deine Hobby-Suche dementsprechend eingrenzen.
  • Hinterfrage, woher deine Unzufriedenheit kommt. Ist es Langeweile oder eher ein Selbstoptimierungswahn? Womöglich ausgelöst durch die Vergleiche mit Menschen auf Instagram, die stets fröhlich und aktiv zu sein scheinen? Dann mach dir bewusst, dass dieser Schein oft trügt und frage dich, was du wirklich brauchst, um glücklich zu sein.
  • Überlege dir, ob feste Routinen für dich besser sind oder du lieber spontan und flexibel bist. Falls Ersteres: Suche nach Kursen oder mache dir einen Zeitplan, damit du auch wirklich regelmäßig ins Fitnessstudio gehst oder Posaune übst. Falls Letzteres: Notiere dir Dinge, die du gerne mal tun würdest. Wenn du kurzfristig Zeit hast, musst du so nicht mehr lange nach Ideen suchen.
  • Mach eine Liste: Was sind deine Fähigkeiten? Was macht dir Spaß? Wie passen deine Interessen und Talente zu deinen bisherigen Hobbys? Vielleicht entdeckst du so noch ungenutzte Möglichkeiten.
  • Rede mit deinen Freund:innen. Vielleicht geht es ihnen ähnlich und ihr findet eine gemeinsame Beschäftigung oder könnt euch gegenseitig motivieren.

Zu guter Letzt: Suche nach Anregungen, zum Beispiel in diesen Artikeln:

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