Obstbrei im Check: Stiftung Warentest watscht Quetschies ab

Foto: Stiftung Warentest/ Ralph Kaiser

Quetschies sind Fruchtpürees für Kinder, die meist im Wegwerf-Plastikbeutel verkauft werden. Stiftung Warentest hat sich die Inhaltsstoffe von 27 Fruchtbreien genauer angesehen und warnt: Der vermeintlich „gesunde“ Snack kann Karies verursachen und ist schlecht fürs Sprechen-Lernen. 

Kinder meiden oft frisches Obst und Gemüse. An den süßen Quetschies nuckeln viele aber gerne. Und die enthalten ja vor allem Fruchtpüree, ab und zu auch Joghurt und Getreide. Sind Quetschies also ein gesunder Snack für Kinder?

Nein, befindet Stiftung Warentest. Das Verbrauchermagazin hat sich die Zutatenlisten von 27 Fertig-Quetschies angesehen, vor allem den Kalorien- und Zuckergehalt, sowie den Preis. Unter den untersuchten Produkten befanden sich unter anderem konventionelle Markenprodukte wie die “Hippies” von Hipp, aber auch Bio-Ware wie der Apfel-Banane-Quetschie von Rewe-Bio.

Stiftung Warentest: Quetschies sind schlecht für den Spracherwerb

Die Tester kamen zu folgenden Ergebnissen:

  • Quetschies enthalten viel Zucker. Im Schnitt waren es elf Gramm pro 100 Gramm, also ähnlich viel wie in Cola. Der Quetschie “Spree­wald­hof Pfelino Apfel Banane” enthielt sogar 16,5 Gramm, also etwa fünf Zuckerwürfel. Der Zucker wurde dem Mus nicht zugesetzt, sondern stammt aus den Früchten, doch das ändere nichts an den Kalorien. Auch der Ballaststoffgehalt sei nicht ausreichend, um den Tagesbedarf zu  decken. Quetschies sind also nicht die leichten “Snacks”, als die sie oft beworben werden, sondern eher Desserts.
  • “Wer am Quetschie saugt, riskiert Karies”, warnen die Tester. Denn das pürierte Obst kann an den Zähnen haften bleiben, der enthaltene Zucker und die Fruchtsäuren den Zahnschmelz angreifen. Einigen Produkten fehlten entsprechende Warnhinweise.
  • Nicht nur der Inhalt der Quetschies ist schädlich, sondern auch die Art den Brei zu trinken: Langes Nuckeln verstärkt die Gefahr für die Zähne. Deshalb empfahlen manche Hersteller auf der Verpackung, das Püree über einen Löffel zu füttern. Das gehe aber gegen das eigentliche Konzept der Quetschies, bemerkt Stiftung Warentest.
  • Quetschies sind meist viel teurer als Fruchtmus im Glas oder Karton. Für dieselbe Menge Fruchtpüree im Glas verlangt die Firma Hipp beispielsweise 20 Cent weniger. Ein 100-Gramm-Quetschie kostet im Schnitt zwischen 40 Cent und 1,10 Euro.
  • Kleine Kinder müssen Obst und Gemüse kauen, um ihre Mund- und Kiefermuskeln zu trainieren. Das sei auch für den Spracherwerb wichtig, erklärt Stiftung Warentest mit Verweis auf eine Stellungnahme der Ernährungs­kommis­sion der Deutschen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­medizin (DGKJ). Bei Quetschies sei das nicht möglich.

Die Tester kommen zu dem Schluss, dass sich Quetschies lediglich als seltene Leckerei für Kinder eignen, um ihnen Appetit auf frisches Obst zu machen. Echte Früchte sollten Eltern immer dazu füttern. Für Kinder unter einem Jahr seien sie nicht geeignet. Wer trotzdem unbedingt Fertig-Fruchtbrei in Plastiktüten kaufen möchte, sollte Marken mit möglichst wenig Zucker wählen.

Schnelltest: Sind Mehrweg-Quetschies besser?

Ein wichtiges Argument gegen Quetschies: Die meisten Sorten sind Einmalprodukte. Nachdem ein Kind die gerade mal 100 Gramm Fruchtbrei gegessen hat, landet der Plastikbeutel mit Kappe und Verschluss im Müll.

Doch es gibt auch Alternativen: Einige Hersteller bieten Quetschbeutel ohne Inhalt an, die man mit selbstgemachten Obstpüree immer wieder befüllen kann. Auch davon hat Stiftung Warentest drei Exemplare untersucht. Im Labor wurden die Kunststoff-Quetschbeutel “Breidabei” (2,75 Euro), “Squiz” (3,95 Euro) und die Silikonflasche “Squeasy Snacker” (17,95 Euro) analysiert.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Kein Produkt enthielt Schadstoffe. Die Tester hatten die Quetschies unter anderem auf PVC,  BPA und Phthalat-Weichmacher untersucht, die Flasche auf auf Metalle.
  • Sowohl die Beutel als auch die Flasche ließen sich leicht füllen, waren auslaufsicher und spülmaschinenfest.
  • Auf lange Sicht seien die Mehrwegquetschies deutlich günstiger als die Wegwerf-Alternative. Außerdem würden sie laut den Testern weniger Müll produzieren.
  • Beim Squiz-Quetschie fehlte ein Warnhinweis bezüglich Karies.

Hier geht es zum vollen Test.

Lies auch: Quetschies selber machen: Fruchtmus-Drinks zum Wiederbefüllen

Fazit: Lieber ganzes Obst statt Quetsch-Quatsch

Stiftung Warentest bezeichnet die wiederbefüllbaren Quetschbeutel als “Alternativen für Selbermacher”. Im Vergleich zu Fertig-Quetschies sind sie wirklich die bessere Wahl, weil durch sie nicht so viel Plastikmüll entsteht und die Eltern selbst darüber entscheiden können, welche Breie in der Tüte landen. So können sie den Zuckergehalt zumindest etwas regulieren.

Doch warum muss es überhaupt ein Quetschie sein? Wenn das Nuckeln an Plastikbeuteln den Muskeln und dem Spracherwerb schadet, dann sollten Kinder es doch lieber ganz lassen. Eltern können Brei in Schraubgläsern genauso leicht überall hin mitnehmen und mit einem Löffel füttern – ohne sich um Plastik oder BPA sorgen zu müssen. Mehr Tipps: Essen für Kinder: 14 trickreiche Wege, es gesund zu gestalten.

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