Bodendegradation: So greift der Mensch in die Bodenökologie ein

bodendegradation
Foto: CC0/pixabay/CJMM

Bodendegradation ist die Zerstörung von fruchtbarem Boden – ein äußerst komplexes Umweltproblem. Wo die Schwierigkeiten liegen und was du tun kannst, liest du hier.

Bodendegradation vernichtet nutzbare Flächen

Wenn die fruchtbare Erdschicht des Bodens zerstört ist, dann spricht man von Bodendegradation. Die Ursache dafür sind äußere Einflüsse. In vielen Fällen ist der betroffene Erdboden dann endgültig für seine bisherige Nutzung verloren, denn meist kann darauf nichts mehr wachsen. Das Phänomen der Bodendegradation ist ein weltweites Problem. Es betrifft landwirtschaftliche Flächen, aber auch Weiden oder Wälder.

Die zerstörten Bodenflächen sind meist für den Lebensmittelanbau unbrauchbar geworden. Aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl auf unserem Planeten steht die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) weist darauf hin, dass eigentlich die landwirtschaftlich genutzte Fläche jedes Jahr um 1,5 Prozent zunehmen oder aber die Ernten höhere Erträge einbringen müssten. Nur so könnte die Lebensmittelproduktion mit der Zunahme der Bevölkerung Schritt halten.

Stattdessen geht durch Bodendegradation fruchtbare Erde verloren:

  • Das Wissensmagazin Spektrum berichtet, dass weltweit jedes Jahr etwa fünf bis acht Millionen Hektar kultiviertes Land unnutzbar werden.
  • Die bpb berichtet, dass auch Deutschland das Problem kennt. Jährlich nimmt die kultivierte Fläche um etwa zehntausend Hektar ab.

Laut bpb dauert es im Schnitt rund 500 Jahre, bis sich eine neue Bodenschicht von 2,5 Zentimetern Dicke gebildet hat. Damit die Fläche landwirtschaftlich nutzbar ist, sind jedoch mindestens fünfzehn Zentimeter notwendig. Damit stellen die jetzt zerstörten Flächen zunehmend ein Problem für die nächsten Generationen dar.

Der Erhalt des fruchtbaren Bodens ist daher eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Das 15. Ziel fasst alle Maßnahmen zum Schutz der Landökosysteme zusammen. Mit der Agenda 2030 verpflichtete sich die Staatengemeinschaft dazu, die dringendsten Probleme der Menschheit anzugehen.

Meist ist der Mensch verantwortlich

Bodendegradation entsteht unter anderem durch Überweidung.
Bodendegradation entsteht unter anderem durch Überweidung.
(Foto: CC0/pixabay/guitar1804)

In den meisten Fällen ist der Mensch selbst für die Bodendegradation verantwortlich. Vor allem Maßnahmen, die eigentlich höhere Ernteerträgen erzielen sollen, bewirken langfristig genau das Gegenteil. So weist die bpb auf die intensive Landwirtschaft als Ursache für die Bodendegradation hin. Die „Übernutzung“ der Flächen kann zum Verlust der fruchtbaren Erdschicht führen. Die wichtigsten Ursachen sind:

  • Überweidung (zu rund 35 Prozent) – Zu viele Weidetiere auf engem Raum fressen die Wiesen kahl. Die Gräser haben keine Zeit nachzuwachsen. Dadurch bleibt der Boden ungeschützt zurück und trocknet aus. 
  • Entwaldung (zu 30 Prozent) – Die Welthungerhilfe erläutert dazu, dass der abgeholzte Waldboden anfälliger für Degradation ist. Das Wurzelnetz der Bäume gibt besonders an Hängen der Erde Halt. Der Regen kann ohne die stützenden Wurzeln den Boden wegspülen. So kann es zu folgenschweren Erdrutschen kommen.
  • Übernutzung durch Ackerbau (zu 27 Prozent) – Die Bearbeitungsmethoden der konventionellen Landwirtschaft können langfristig zur Bodendegradation führen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erklärt, dass Monokulturen, falsche Bewässerung oder ein unverhältnismäßig starker Einsatz von Pestiziden zur Unfruchtbarkeit des Bodens führen kann.
  • Verlust durch Baumaßnahmen, Bodenversiegelung oder auch natürliche Gründe sind unter anderem Ursachen für die restlichen Verluste.

Zusätzlich verändern diese Eingriffe des Menschen in die Bodenökologie sowie andere Handlungen das Aussehen des Planeten. Es entstehen zum Beispiel Wüsten aus einst fruchtbaren Savannen oder Bergketten verändern sich durch Erdrutsche. Die Spuren des Menschen in der Natur sind so markant, dass Wissenschaftler:innen schon vom Zeitalter des Menschen sprechen, dem Anthropozän.

Die Arten der Bodendegradation

Intensive Landwirtschaft führt zur Bodendegradation.
Intensive Landwirtschaft führt zur Bodendegradation.
(Foto: CC0/pixabay/Didgeman)

Die intensive Nutzung der Bodenflächen setzt unterschiedliche Prozesse im Boden in Gang, die zu dem Problem der Bodenunfruchtbarkeit führen. Die bpb nennt einige der Arten der Bodendegradation:

  • Physikalische Bodendegradation: Bodenverdichtung, beispielsweise durch schwere landwirtschaftliche Maschinen. Besonders anfällig sind dafür Bodenarten mit einem hohen Anteil an Ton. Ein normaler, lockerer Boden hat zwischen seinen Krumen keine Hohlräume. Die Bodenporen können mit Luft gefüllt sein oder Wasser speichern. Durch sie können sich die Wurzeln leichter ausbreiten und sie sind wichtig für die lebenden Organismen im Boden. Diese zerlegen unter anderem Pflanzenreste in Nährstoffe und sichern so den fruchtbaren Humusgehalt im Boden.
  • Chemische Bodendegradation: Unter anderem durch Versalzung. Dabei sammeln sich Salze an, wie Sulfate, Nitrate oder andere Verbindungen. Sie bewirken, dass der Boden verhärtet. Das ifo-Instiut berichtet, dass künstliche Bewässerung zu den Hauptursachen zählt. Dabei fehlen auf den bewässerten Feldern oft Drainagen, um das Wasser wieder abzuleiten. Stattdessen verdunstet es und lässt die im Wasser gelösten Salze zurück. Andere Ursachen sind auch salzhaltiges Regenwasser oder Grundwasser. Laut Umweltbundesamt sind Nitrate übrigens in Kunstdünger enthalten und gelangen so mit der Düngung in den Wasserkreislauf der Natur. Andere Möglichkeiten sind zum Beispiel Verunreinigungen durch Chemikalien oder Pestizide.
  • Mechanische Bodendegradation: Die Bearbeitung mit dem Pflug oder großflächige Äcker setzen den Erdboden direkt den Witterungseinflüssen aus. Der NABU berichtet beispielsweise von einem Staubsturm, der 2011 von den ausgetrockneten Feldern über die Autobahn bei Rostock zog. Die Folge war einer der schwersten Auffahrunfälle der letzten 20 Jahre.

Wie geht es dann weiter?

Bodendegradation ist auch in Wäldern ein Problem.
Bodendegradation ist auch in Wäldern ein Problem.
(Foto: CC0/pixabay/FelixMittermeier)

Die Bodendegradation bewirkt, dass der Boden sich in unfruchtbares Land verwandelt. Spektrum warnt, dass Bodendegradation eine zumeist unterschätzte Gefahr darstellt. Die Folgen dieser Entwicklung gestalten sich oftmals komplex und können weitreichend sein.

  • Bodenerosion und Desertifikation – Die bpb erklärt, dass durch die Bodendegradation die Fruchtbarkeit der Erde abnimmt. Dadurch verliert der Boden seine schützende Pflanzendecke und wird so angreifbar für die Erosion. Dabei tragen sowohl Wind wie auch Wasser weiter den geschädigten Boden ab. Das Land trocknet weiter aus. Im extremen Fall kann aus einem einst grünen Landstrich eine ausgetrocknete, wüstenartige Landschaft entstehen. Der Begriff „Desertifikation“ leitet sich vom englischen Begriff für Wüste – desert – ab.
  • Artensterben – Das Bundesministerium für Umwelt berichtet, dass Europa insgesamt mehr Bodenressourcen verbraucht, als neue entstehen können. Dadurch geht auch Lebensraum für viele Arten verloren. Weltweit ist bei 42 Prozent der an Land lebenden Tier- und Pflanzenarten der Bestand im letzten Jahrzehnt messbar zurückgegangen
  • Klimawandel – Eine gemeinsame Veröffentlichung der Vereinten Nationen (UNEP) und der europäischen Umweltagentur weist auf die Wechselwirkungen zwischen Bodenqualität und Klimawandel hin. Sie stellen fest: „Es besteht ein klarer Zusammenhang zwischen Klimawandel, nachhaltiger Entwicklung, Umweltqualität und Bodendegradation.“ Höhere Durchschnittstemperaturen, Hitzewellen oder häufigerer Starkregen sind Kennzeichen des Klimawandels. Sie verstärken die genannten Prozesse rund um die Bodenerosion. Der andere Aspekt ist, dass durch den Verlust des Bodens auch ein wertvoller Kohlenstoffspeicher verloren geht. Mit dem Verlust der Humusschicht kann der Boden weniger Kohlenstoff speichern. Der Humus fungiert als Speicher für die klimaschädlichen Treibhausgase.

https://utopia.de/ratgeber/anthropogener-klimawandel-das-solltest-du-wissen/

Gegen die Bodendegradation: Was ist zu tun?

Vegane Ernährung hilft gegen Bodendegadation.
Vegane Ernährung hilft gegen Bodendegadation.
(Foto: CC0/pixabay/PublicDomainArchive)

Einer der Ansatzpunkte, um gegen Bodendegradation vorzugehen, betrifft die Anbaumethoden in der Landwirtschaft. Einige Beispiele:

  • Der WWF fordert generell statt konventioneller eine nachhaltige Landwirtschaft, um die Bedürfnisse von Menschen und Natur gleichermaßen zu schützen.
  • Die Welthungerhilfe unterstützt weltweit landwirtschaftliche Projekte, die der Bodenzerstörung entgegenwirken. Dabei können oftmals traditionelle Anbaumethoden die Bodenfruchtbarkeit besser schützen als moderne industrielle Methoden.
  • Die bpb nennt einige der Methoden zum Schutz des Bodens, wie Mulchen, Untersaaten oder Zwischenkulturen. Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, so lange wie möglich den Boden mit schützenden Pflanzen zu bedecken. Hecken zwischen den Feldern bewirken einen natürlichen Windschutz gegen die Erosion.

Du kannst ebenfalls selbst etwas unternehmen, um die Böden zu schützen:

Nachhaltig einkaufen – Unterstütze mit deinen Einkäufen die nachhaltige Landwirtschaft.

  • Kaufe zum Beispiel in Bio-Läden in deiner Umgebung oder direkt in Hofläden ein.
  • Verzichte nach Möglichkeit auf Palmöl.  Oftmals entstehen die Palmölplantagen auf abgeholztem Regenwald.

Ernähre dich überwiegend veganPETA erläutert, dass die Tierhaltung unter anderem durch Überweidung oder übermäßiges Düngen für den Anbau der Futterpflanzen zur Bodendegradation beiträgt. Einige Tipps für den veganen Ernährungsstil:

Was du sonst noch tun kannst:

  • Verwende statt Kunstdünger organischen Dünger. Die Nitrate im Kunstdünger tragen zum Problem der Versalzung im Boden bei.
  • Spende für Umweltorganisationen, die sich für den Erhalt der Böden einsetzen. Dazu zählen beispielsweise die Welthungerhilfe, Brot für die Welt, WWF oder der BUND Naturschutz.

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