Einlauf selber machen: Das solltest du beachten

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Möchtest du einen Einlauf selber machen, solltest du unbedingt einige Punkte beachten. Neben den Vorteilen birgt eine Darmspülung mittels Einlauf nämlich auch Risiken.

Einlauf selber machen: Diese Geräte gibt es

Mit der Klistierspritze kann ein Einlauf durchgeführt werden.
Mit der Klistierspritze kann ein Einlauf durchgeführt werden. (Foto: CC0 / Hoyoyo japan / commons.wikimedia.org)

Bei einem Einlauf wird Flüssigkeit über den Anus in den Darm eingeleitet, um die Stuhlentleerung anzuregen und den Darm zu reinigen. Dazu gibt es verschiedene Hilfsmittel, die sich in ihrer Handhabung unterscheiden. Die folgenden Einlaufgeräte kannst du in der Apotheke sowie online erwerben:

  • Irrigator: Ein Irrigator besteht aus einem Gefäß für die Einlaufflüssigkeit, einem Schlauch und einem Röhrchen mit Ventil. Dieses Röhrchen wird wenige Zentimeter in den After eingeführt. Bis zu zwei Liter können mit einem Irrigator eingeleitet werden. Dieses Einlaufgerät ist für den Heimgebrauch gut geeignet.
  • Darmrohr: Das Darmrohr ist ein Erweiterungsstück für den Irrigator, das bis zu 30 cm tief in den Darm eingebracht wird. Dieser sogenannte „hohe“ Einlauf wirkt weiter oben im Verdauungstrakt, birgt aber besondere Risiken (s.u.).
  • Miniklistier: Diese Einlaufgeräte sind nur zur einmaligen Verwendung konzipiert und fassen zwischen 5 und 500 ml. Meist werden mit diesen Miniklistieren hypertonische Lösung oder mit Medikamenten versetzte Flüssigkeiten eingeleitet. Das Endstück wird – wie beim Irrigator – nur wenige Zentimeter tief eingeführt und löst damit einen Reiz auf den Enddarm aus.
  • Klistierspritze: Eine Klistierspritze besteht entweder aus einem birnenförmigen Gummiball, der bis zu 500 ml Flüssigkeit fasst, oder ähnelt einer üblichen Spritze (s. Bild). An diesem ist ein Klistierrohr als Endstück angebracht, das wenige Zentimeter in den After eingeführt wird.

Anwendungsgebiete des Einlaufs

Ein Einlauf wird in erster Linie zur Darmentleerung angewandt: Die eingebrachte Flüssigkeit führt dazu, dass sich der Darm rasch entleert – meist schon innerhalb weniger Minuten. Deshalb bietet der Einlauf effektive Abhilfe bei akuter Verstopfung.

Aber auch um den Darm zu reinigen, kann ein Einlauf eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang wird er in der Naturheilkunde oft empfohlen, um alte Kotreste auszuspülen und den Darm auf eine bevorstehende Darmsanierung vorzubereiten. Außerdem sollen über den Einlauf Giftstoffe ausgeschwemmt werden, weshalb die Darmreinigung auch bei Kopfschmerzen und Erkältungen helfen sowie das Immunsystem stärken soll.

Aus schulmedizinischer Sicht sind solche Anwendungen aber umstritten. Bern Galle, einem Gastroenterologen an der Mainzer Uniklinik, zufolge reinige der Darm sich selbst. Rückstände könnten sich nicht halten, ein Einlauf sei also nicht notwendig.

Allerdings wird der Einlauf auch ab und zu in der Schulmedizin angewandt, zum Beispiel

  • bei hartnäckiger Verstopfung,
  • bei einem erhöhten Kaliumspiegel,
  • vor der Entbindung oder
  • um Medikamente über den After einzuführen.

Einlauf selber machen: eine Anleitung

Der Irrigator ist ein dreiteiliges Einlauf-Gerät, das gut für den Heimgebrauch geeignet ist.
Der Irrigator ist ein dreiteiliges Einlauf-Gerät, das gut für den Heimgebrauch geeignet ist. (Foto: Pascal Thiele / Utopia.de)

Einlauf-Flüssigkeit:

  • Flüssigkeit: Üblicherweise wird ein Einlauf mit Wasser durchgeführt, am besten gefiltert oder vorher abgekocht. Aber auch Einläufe mit Kamillen- oder Kreuzkümmeltee oder Bentonit-Wasser (Heilerde) sind verbreitet. Mitunter werden auch Kaffee-Einläufe durchgeführt, deren Wirkung jedoch umstritten ist.
  • Temperatur: Wichtig ist in jedem Fall, dass die Flüssigkeit lauwarm (etwa 36 – 37 Grad) ist. Ist sie zu kalt, kann es zu Krämpfen kommen. Zu heiße Flüssigkeit kann zu ernsthaften Verletzungen führen.
  • Menge: Je nach Darmzustand unterscheidet sich die Menge, die aufgenommen werden kann. Mitunter stellt sich schon nach 200 Millilitern ein unangenehmer Druck ein. Dann solltest du den ersten Stuhlgang abwarten und gegebenenfalls einen weiteren Einlauf durchführen. Für gewöhnlich werden je nach Anwendung 500 bis 2000 Milliliter Flüssigkeit empfohlen.

Vorgehensweise:

  1. Fülle den Irrigator-Behälter mit der Flüssigkeit. Überprüfe vorab, dass sie nicht zu heiß oder zu kalt ist.
  2. Stelle den Behälter bzw. hänge den Beutel an eine erhöhte Stelle, zum Beispiel ans Regal.
  3. Lasse Luft aus dem Irrigator-Schlauch, indem du den Hahn aufdrehst. Warte, bis Wasser herauskommt. Schließe den Hahn anschließend wieder.
  4. Begib dich in eine dir angenehme Einlauf-Position: entweder auf allen Vieren oder in Seitenlage mit leicht angewinkelten Knien.
  5. Fette das Endstück des Irrigators sowie deinen After etwas mit einer gleitenden Creme oder Pflanzenöl ein.
  6. Schiebe das Darmröhrchen vorsichtig wenige Zentimeter in den Darmausgang, sodass der Hahn noch außen ist. Hierbei solltest du behutsam und keineswegs ruckartig vorgehen.
  7. Drehe den Hahn auf und lasse so viel Wasser einlaufen, wie es sich noch angenehm für dich anfühlt.
  8. Lege dich auf den Rücken und halte das Wasser für etwa fünf bis zwanzig Minuten im Darm, während du deinen Bauch sanft im Uhrzeigersinn massierst. Mitunter ist es auch empfohlen, den Körper etwas zu bewegen (zum Beispiel mit sanften Yoga-Posen), um die Flüssigkeit im Darm zu verteilen.
  9. Spätestens mit dem dritten Peristaltik-Schub solltest du auf die Toilette gehen und den Darm entleeren.
  10. Wiederhole den Vorgang nach Bedarf zwei bis dreimal.

Gefahren und Alternativen zum Einlauf

So nützlich wie ein Einlauf auch sein kann, birgt er bei falscher Handhabung teils enorme Risiken:

  • Durchstechung oder Einriss des Darms: Wenn du das Irrigator-Rohr falsch einführst, kannst du damit die Darmwand beschädigen und mitunter sogar durchstechen. Dies kann zu enormen rektalen Blutungen und im schlimmsten Falle sogar zum Tod führen. (Quelle)
  • Verbrühung: Ist die Einlauf-Flüssigkeit zu heiß, kannst du dich innerlich verbrennen, was den Darm nachhaltig beschädigen kann.
  • Störung des Elektrolythaushalts oder der Darmflora
  • Infektion durch unhygienische Einlauf-Geräte oder Flüssigkeit

Deshalb solltest du vorab unbedingt mit einem Arzt sprechen und dir fachliche Anleitung geben lassen, bevor du einen Einlauf selber machst. Andernfalls solltest du den Einlauf von geschultem Fachpersonal durchführen lassen.

In folgenden Fällen solltest du zudem keinen Einlauf durchführen:

  • Schwangerschaft
  • chronische Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn)
  • nach Operationen am Dickdarm
  • Blutungen im Verdauungstrakt
  • mechanischer Darmverschluss
  • Darmkrebs
  • Erbrechen ohne geklärte Ursache

Neben dem Einlauf mittels Irrigator gibt es zudem weitere Alternativen zur Darmreinigung:

  • Colon-Hydrotherapie (CHT): Die CHT ist eine professionelle Darmreinigung, die bei einem speziellen CHT-Therapeuten durchgeführt wird. Diese ist besonders effektiv, mit etwa 60 bis 80 Euro pro Behandlung aber auch sehr kostspielig.
  • Abführmittel: Auch Abführmittel wie Glaubersalz können zur Darmentleerung genutzt werden.
  • Rizinusöl: Auch Rizinusöl hat eine stark abführende Wirkung. Über zwei Tage angewandt, kann der Darm damit gänzlich entleert werden.
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel: Bei Darmträgheit und leichten Verstopfungen können sehr ballaststoffreiche Lebensmittel wie Leinsamen oder Chiasamen genügen, um die Darmperistaltik entsprechend anzuregen.

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