Entgiftungskur: Nichts ist dran am Detox-Trend

Detox - Entgiften
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Entgiftungskuren und Detox-Diäten sind gerade groß in Mode und sorgen für reißenden Absatz. Viele der Mittel und Methoden bringen wenig bis nichts, manche sind sogar gefährlich. Utopia zeigt, was funktioniert und was nicht.

Mittlerweile gibt es fast aus jedem Bereich einen „Detox-Ableger“: Detox-Tee, Detox-Saft, Detox-Diät, auch Detox-Yoga, Pflaster, Massage und weitere Kuriositäten. Es scheint, als ob das Thema „Entgiftungskur“ zum Massenphänomen geworden ist und jeder regelmäßig „detoxen“ sollte. Was ist „Detox“ eigentlich und was ist davon zu halten?

„Entgiftungskur“ bedeutet „Detox-Kur“

Streng genommen bedeutet der Begriff „detox“ nichts anderes als „entgiften“. Gerne auch im selben Zusammenhang wie „entschlacken“ verwendet, soll „detox“ bei allen möglichen Problemen helfen. Eine Entgiftungskur soll die Pfunde purzeln lassen, für mehr Energie sorgen, das Immunsystem stärken, verjüngend wirken und die Allgemeingesundheit verbessern. Detox-Cremes werden gegen Falten angeboten, Detox-Pflaster sollen durch die Haut dem Körper Schadstoffe entziehen – die Liste möglicher Vorzüge von Entgiftungskuren ist lang.

Verwirrend dabei ist jedoch: Mal bedeutet „Detox“, auf bestimmte Lebensmittel (etwa „übersäuernde“) zu verzichten, ein anderes Mal werden bestimmte Pulver empfohlen. Dann wieder sollen Gymnastikübungen (wie Yoga) den Effekt unterstützen. Oder es sollen Kosmetikprodukte und spezielle Massagen dem Körper beim „Ausleiten der Gifte“ helfen. Eine konkrete Definition wird nicht geboten.

Detox - entgiften
Giftstoffe einfach durch Trinken aus dem Körper ausspülen – schön wäre es, funktioniert aber nicht. (Foto: © prinyanka98742 / Pixabay)

Was genau ist eine Entgiftungskur durch „Detox“?

Die einfache Erklärung dafür, dass es keine wirkliche Definition von „Detox“ gibt, ist: „Detox“ im eigentlichen Sinne existiert nicht! Und niemand wird krank, wenn er nicht regelmäßig eine Entgiftungskur anwendet. Unser Körper ist mit Leber, Niere und Darm bestens ausgestattet, Schadstoffe auch ohne Entschlackung auszuscheiden. Für alle von Befürwortern angeführten angeblichen Wirksamkeitsbeweise gibt es wissenschaftsmedizinische Erklärungen, die jedoch nichts mit „detox“ selbst zu tun haben.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schreibt dazu: „Entgiftungsdiäten wie Detox sind zurzeit in Mode. (…) Es gibt aber keine wissenschaftlichen Beweise, dass solche Maßnahmen die Ausscheidung von Giftstoffen fördern.“ Das Argument der „Entschlackung“ oder Entgiftung wird meist nur deshalb angeführt, um zweifelhafte Heilmittel, Getränke, Lebensmittel, Kosmetika, Methoden, Workshops und Bücher gewinnbringend zu verkaufen – oder um das eigene ungesunde Verhalten mit Detox-Kuren zu kompensieren.

In der Medizin existiert übrigens der Begriff der „Entschlackung“ ebenfalls nicht, er stammt aus der Naturheilkunde und ist nur mündlich überliefert. Selbst in den Leitlinien des Heilfastens wird er nicht erwähnt. „Entschlackende“ Säfte, Kuren und Anwendungen beruhigen in erster Linie nur das Gewissen des Käufers und füllen die Taschen des Verkäufers.

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Smoothies können lecker und gesund sein – „entgiften“ tun sie allerdings nicht. (Foto: © evitaochel / Pixabay)

Aber warum wirkt die Entgiftungskur beim Nachbarn?

Wohl jeder kennt Personen, die berichten, wie gut ihnen ihre Entgiftungskur tue oder welche positiven gesundheitlichen Effekte sie erreichen konnten. Steckt vielleicht doch etwas hinter Detox?

Jein. Der positive Effekt auf die Allgemeingesundheit, die Verdauung, das Immunsystem oder den Gewichtsverlust ist bei vielen „Detox-Anwendern“ nicht von der Hand zu weisen. Die Pfunde purzeln, die Verdauung normalisiert sich, Haut, Haare und Nägel verbessern sich. Und so strahlen die begeisterten Verfechter von Entgiftungs- und Entschlackungskuren voll positiver Energie.

Es ist schön, zu sehen, wie unsere Mitmenschen aufblühen. Das Aufblühen hat jedoch nichts mit dem verwendeten Detox-Tee, Detox-Smoothie oder anderen Detox-Anwendungen zu tun. Grundsätzlich nämlich nimmt (fast) jeder Übergewichtige ab, wenn er sich intensiv mit seiner Ernährung auseinandersetzt. Egal, welches Ernährungskonzept dahintersteckt: Meist werden einem Ernährungssünden so vor Augen geführt, und dies führt zu einer bewussteren Nahrungsaufnahme. Die Kilos purzeln also nicht durch das „Entgiften“, sondern allein durch das aktive Auseinandersetzen mit dem Thema „Essen“.

Wer „entschlackt“, indem er frische Säfte, Smoothies oder Vollkornprodukte auf den Speiseplan setzt, nimmt dadurch mehr Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe zu sich als sonst. Der positive Effekt auf die Gesundheit entsteht also nicht durch Detox, also das „Ausleiten der Gifte“, sondern durch eine gesündere Ernährung.

Doch Vorsicht: Wer während einer Detox-Kur auf gewisse Lebensmittel verzichtet, riskiert schon nach kurzer Zeit eine Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen. Zudem enthalten Fruchtsäfte und Smoothies naturgemäß viel Zucker und sollten nur in Maßen verzehrt werden. So kann sich der angestrebte positive Effekt recht schnell zu einer Gefährdung der Gesundheit wandeln.

Giftfrei leben statt Detox-Kur!

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Seefische und Meeresfrüchte sind stark mit Quecksilber belastet – dieses Gift lässt sich nachträglich nicht per Detox ausleiten. (Foto: © PaelmerPhotoArts / Pixabay)

Der Mensch ist am Ende seines Lebens streng genommen Sondermüll. Umweltgifte wie Schwermetalle, Mikroplastik und andere Schadstoffe sammeln sich in unserem Körper an. Besonders das Fettgewebe speichert diese Stoffe in großen Mengen. Hinzu kommt: Wir Menschen stehen am oberen Ende der Nahrungskette. Deshalb nehmen wir durch unsere Nahrung auch die Umweltgifte auf, die niedrigere Glieder der Nahrungskette bereits im Körperfett gespeichert haben. Es ist daher nahezu unmöglich, sie wieder zu mobilisieren und per Entgiftungskur „auszuschwemmen“.

Das betrifft nicht am Ende nicht nur deine Nahrung, sondern auch die Belastung mit Chemikalien durch Kosmetika, Medikamente und Umweltbelastungen. Auch giftige Farbstoffe, Lösungsmittel und andere Stoffe in unserer eigenen Wohnung belasten den Organismus. Statt darüber nachzudenken, zu entschlacken, zu entgiften oder für Detox viel Geld auszugeben, gewöhne dir besser einen „Detox-Alltag“ an: Den Großteil des Schadstoffeintrages kannst du selbst durch bewusste Wahl von Nahrung und Kosmetika und dein tägliches Verhalten bestimmen!

 

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(23) Kommentare

  1. Nur mal um das Thema zu vervollständigen eine Entgiftung ohne Sport halte ich für nicht Zielführend. Mache seit Jahren 3x die Woche Kampfsport nur um dort Leistungsfähig zu sein und bleiben stellt man die Ernährung selber um. Man entwickelt ein sehr gutes Gefühl dafür was dem Körper gut tut und was nicht oder besser gesagt man spürt sofort beim nächsten Training wen die Ernährung nicht gut ist. Wen mein Gewicht nicht stimmt lege ich Phasen mit grünen Smoothies (self made und bio) ein reduziert das Gewicht und entgiftet nebenbei hat so ein Smoothie einen aufputschenden Effekt. Das ganze Jahr Müll in sich reinzuschaufeln und dann dazwischen zu entgiften halte ich für den falschen Weg und funktioniert so wahrscheinlich auch nicht. Gesunde Lebensweise und man kann sich den ganzen Schnickschnack sparen. Wen man alles richtig macht sagt einem der Körper was er haben will aber auf ihren Körper zu hören haben die meisten verlernt bzw. funktioniert nicht bei ungesunder Lebensweise. Bei Darmproblemen verwende ich immer (Sorry Veganer) Kuhrohmilch die reguliert nach 2 Tagen alles.

  2. „Da diese Stoffe fest in unser Körpergewebe eingelagert werden, ist es nahezu unmöglich, sie wieder zu mobilisieren und per Detox „auszuschwemmen“.

    So schwer ist das gar nicht. Auch eine Entgiftung aus dem Gewebe ist gut möglich. Wäre schlimm für viele Erkrankte wenn nicht.

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