Der Heilfasten-Trend: Alles, was du über das Fasten wissen solltest

Fasten: Religion, Heilfasten und Nachhaltigkeit
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Vom religiösen Brauch ist das Fasten längst zum Gesundheits-Trend geworden. Wir erklären, was dahinter steckt, worauf man beim Heilfasten achten sollte und welche nachhaltigen Fasten-Ideen es für die Fastenzeit gibt.

Was ist Fasten und Heilfasten eigentlich?

Fasten – sowohl Heilfasten als auch der religiöse Brauch – ist der freiwillige und bewusste Verzicht auf Nahrungs- oder Genussmittel für einen bestimmten Zeitraum. Dabei kann entweder vollständig verzichtet werden oder nur auf einzelne Dinge wie zum Beispiel Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol oder Rauchen.

Warum fastet man?

In vielen Religionen, beispielsweise im Judentum, im Christentum und dem Islam, ist das Fasten eine alte Tradition. Dabei sind die Auslegungen ganz unterschiedlich, meist soll der Verzicht jedoch der Reinigung der Seele dienen, der Buße, der Abwehr des Bösen, dem Streben nach Konzentration, der Erleuchtung oder der Erlösung.

Neben dem religiösen Fasten gibt es das sogenannte Heilfasten. Schon der griechische Arzt Hippokrates soll vor fast zweieinhalb Jahrtausenden vom Fasten als Heilmethode gesprochen haben. Die Heilfastenkur soll der Entschlackung des Körpers und/oder der Reinigung der Seele dienen.

Das Heilfasten ist in den vergangenen Jahren zum Trend geworden, Fastenkuren werden immer beliebter. In Deutschland bieten einige Krankenhäuser und Kliniken Fastentherapien an. Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. (ÄGHE) schätzt, dass jährlich rund 10.000 Patienten eine Heilfastenkur machen.

Die Gründe sind dabei ganz unterschiedlich: Während einige Menschen ganz gezielt bei bestimmten Krankheiten fasten, wenden andere die Fastenkur zur „Entgiftung“ des Körpers und der Seele an. Manch einer nutzt das Fasten auch als Diät und versucht, durch die Fastenkur abzunehmen.

Fasten als "Entgiftung" der Seele
Fasten als „Entgiftung“ der Seele (Foto: CC0 Public Domain / Unsplash)

Wann ist 2017 Fastenzeit?

Im Christentum fastet man traditionell die 40 Tage vor Ostern, also von Aschermittwoch bis einschließlich Karsamstag.
In diesem Jahr liegt der Beginn der sechswöchigen Fastenzeit am 1.März, das Ende der Fastenzeit ist am 15. April 2017.Es ist nicht ratsam, über die komplette Dauer der „Fastenzeit“ streng zu fasten. Wer eine Heilfastenkur, einen Fastenurlaub oder ein Fastentag macht, tut das aber meist ganz unabhängig von der traditionellen Fastenzeit.

Heilfasten nach Buchinger

Otto Buchinger war ein deutscher Arzt, der an Rheuma litt und sich 1919 selbst einer dreiwöchigen Fastenkur unterzog – mit Erfolg. In den folgenden Jahren gründete er eine eigene Fastenklinik und schrieb ein Buch über das Heilfasten. Er gilt als Begründer des Heilfastens.

Nach seiner Anleitung dürfen nach ein bis drei Entlastungstagen nur noch Fastentee, Wasser, Gemüsebrühe, Säfte und Honig verzehrt werden. So nimmt man zwar sehr wenig Energie auf, wird aber dennoch mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt, was die Belastung für den Stoffwechsel verringern soll.

Unterstützt wird die Kur durch Darmentleerungen (beispielsweise durch Einläufe), tägliche Bewegung und viel Entspannung. Zum Schluss folgt das „Fastenbrechen“ und dann die „Aufbautage“: Langsam und bewusst wird wieder Nahrung aufgenommen.

Zu sich selbst finden: Fastenurlaub, Fastenwandern

Viele Menschen möchten das Fasten am liebsten mit einer Auszeit vom Alltag verbinden. Die Möglichkeit, ganz bewusst und ohne Alltagsstress zur Ruhe zu kommen und zu sich selbst zu finden, bietet ein Fastenurlaub – beispielsweise beim Fastenwandern: Einige Tage lang verzichtet man auf Nahrung und wandert durch die Natur. Oft wird nach Buchinger gefastet, einige Veranstalter bieten aber auch Rohkost-Fasten, Smoothie-Fasten oder Basen-Fasten an. Informiere dich einfach mal im Internet.

Fastenwandern: Urlaub und Fasten kombinieren
Fastenwandern: Urlaub und Fasten kombinieren (Foto: CC0 Public Domain / Pixabay.de)

Ist Fasten gesund und kann man durch Fasten abnehmen?

Ob Fasten gesund ist oder nicht wird in der Wissenschaft unterschiedlich bewertet. Die ÄGHE spricht sich für positive Wirkungen bei vielen Krankheiten aus – beispielsweise metabolischen Erkrankungen, chronischen Schmerzsyndromen oder psychosomatischen Störungen.

Der aid infodienst weist auf mögliche Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Unterzuckerung, Schwindel, Kreislaufprobleme, Muskelkrämpfe und vorübergehende Sehstörungen hin. Schwangere, Stillende, Menschen mit Untergewicht oder Erkrankungen wie Demenz, Leber- oder Niereninsuffizienz sollten lieber nicht fasten.

Es kann nicht schaden, bei Gelegenheit mit dem Arzt zu sprechen und abzuklären, ob eine Fastenkur für dich und deine aktuelle Situation wirklich gesund ist.

Wer auf Nahrung verzichtet wird zweifelsohne an Gewicht verlieren. Dennoch sollte man nicht fasten, nur um abzunehmen: Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) sieht strenges Fasten kritisch, befürchtet Verluste der Muskelmasse und den Jojo-Effekt. Sie lehnt Fasten bei Übergewicht ab.

8 Tipps zum nachhaltigen Fasten

Statt auf jegliche Nahrung zu verzichten, könntest du auch einfach die Fastenzeit nutzen, um auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten.

Hier sind acht nachhaltige Vorschläge:

  1. Iss nur regionale Lebensmittel – am besten nur solche, die gerade Saison haben oder aus regionaler Lagerung stammen. Überlege dir, auf welche Region du dich begrenzen möchtest: deinen Landkreis, einen Radius von 150 Kilometern, dein Bundesland oder ganz Deutschland? Wenn du konsequent bist, wirst du auf einiges verzichten müssen – doch du kannst diese Chance auch nutzen, um bewusst herauszufinden was wann um dich herum wächst und produziert wird. Schau doch mal in unserem Saisonkalender nach, was gerade frisch verfügbar ist!
  2. Iss kein Fleisch. Weniger Fleisch zu essen, ist gut für die Umwelt und schadet auch nicht deiner Gesundheit. Hier sind 10 Tipps, um ein bisschen veganer zu werden.
  3. Oder du gehst noch einen Schritt weiter und probierst mal für ein par Wochen die vegane Ernährung aus. Einen Versuch ist es wert, oder?
  4. Kaufe nur Bio-Produkte ein. Viel zu teuer, denkst du jetzt vielleicht. Doch stimmt das wirklich? Probiere es doch einfach mal aus.
  5. Iss keine verarbeiteten Produkte. Frisches selbstgekochtes Essen ist gesünder, umweltschonender und leckerer als Fertiggerichte. Und auch fertige Produkte wie Instantgemüsebrühe kann man schnell und einfach selber machen.
  6. Halte dich an die 5-am-Tag-Regel: Jeden Tag zwei Hände voll Obst und drei Hände voll Gemüse. Das ist eigentlich eine ganz einfache Regel!
  7. Kaufe nur Fair Trade Produkte. Sicher wird dein Einkauf etwas aufwändiger und vielleicht musst du auch auf ein paar Dinge verzichten. Aber beim Fasten geht es ja gerade um den bewussten Verzicht!
  8. Kaufe nur unverpackte Lebensmittel ein – sozusagen Plastik- und Müll-Fasten. Das erfordert zwar ein kleines bisschen Aufwand und Vorbereitung, doch mit diesen 4 einfachen Tipps klappt das bestimmt.
Plastikfasten: Produkte für den plastikfreien Konsum
Plastikfasten: Produkte für den plastikfreien Konsum (Foto: © Utopia/vs)

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