Fisch essen: Das solltest du unbedingt beachten

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Wer Fisch essen möchte, sollte dabei einiges beachten: von überfischten Arten über Schadstoffbelastung bis hin zu Aqualturen – wir erklären dir, was du wissen solltest.

Fisch gilt als gesund und lecker. Bei vielen von uns kommt er nicht nur freitags auf den Tisch. Wenn wir im Internet Informationen über Fisch suchen, ist es mit dem Genuss allerdings schnell vorbei: Viele Arten sind überfischt, immer wieder gibt es Berichte über Schadstoffe in Fischen, Aquakulturen seien auch keine Alternative und so weiter. Müssen wir deshalb ganz und gar auf Fisch verzichten? Nein, aber es gibt einiges zu beachten. Im folgenden bekommst du einen Überblick darüber, was du beachten musst, wenn du Fisch essen möchtest.

Nachhaltig Fisch essen – ohne Überfischung

Welchen Fisch essen? Greenpeace empfiehlt nur den Karpfen ohne Einschränkungen.
Welchen Fisch essen? Greenpeace empfiehlt nur den Karpfen ohne Einschränkungen. (Foto: CC0 / Pixabay / KIMDAEJEUNG)

Laut der Welternährungsorganisation FAO sind inzwischen etwa 30 Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt. In welchen Fanggebieten welche Arten noch nachhaltig gefischt werden können, verraten dir unter anderem die Fischratgeber von WWF und Greenpeace. Der Ratgeber von Greenpeace ist der strengere, wurde aber leider letztmals 2016 aktualisiert.

Laut Greenpeace kannst du von den Wildfischen nur den Karpfen bedenkenlos genießen. Kein Wunder – der Süßwasserfisch erfreut sich keiner besonders großen Beliebtheit. Wenn überhaupt, wird er meistens an Festtagen gegessen.

Ein paar andere Fischsorten kannst du laut Greenpeace essen, wenn sie in bestimmten Fanggebieten gefischt wurden:

  • Scholle aus dem Nordost-Pazifik
  • Kabeljau aus dem Nordost-Atlantik und -Pazifik, sofern er mit Fallen, Grund-Langleinen oder Leinen und Haken gefangen wurde. Zu den Fangmethoden erfährst du im nächsten Abschnitt mehr.
  • Seelachs aus dem Nordost-Atlantik, wenn er mit Leinen und Haken oder Surre- beziehungsweise Ankerwaden gefangen wurde.
  • Wildlachs aus dem Nordost- oder Nordwest-Pazifik

Wesentlich länger ist die Liste von Wildfischen, die du laut Greenpeace in keinem Fall essen solltest. Dazu gehören:

  • Alaska-Seelachs (laut WWF haben sich einige Bestände im Nordwest-Pazifik inzwischen wieder so weit erholt, dass der Fisch von dort gegessen werden kann)
  • Rotbarsch
  • Hoki
  • Seewolf, -teufel und -zunge
  • Makrele
  • europäischer Aal

Zusätzliche Hinweise, welche Fische du essen kannst, geben dir Siegel für Wildfische. Das bekannteste ist sicher MSC, aber auch einige Bio-Verbände wie Naturland haben inzwischen Siegel für Wildfische. Am Ende des Artikels stellen wir dir die wichtigsten Siegel vor.

Fisch aus Wildfang: Die Fangmethode ist entscheidend

Angeln gilt als eine der schonendsten Fangmethoden.
Angeln gilt als eine der schonendsten Fangmethoden. (Foto: CC0 / Pixabay / Lekies)

Bei Wildfischen kommt es also nicht nur darauf an, wo sie gefangen werden. Auch das „Wie“ ist entscheidend. Von Greenpeace gibt es eine Liste der verschiedenen Fangmethoden und ihrer Vor- und Nachteile. Hier sind einige Beispiele:

  • Schleppnetze: Diese zum Teil riesigen tütenförmigen Netze gehören in der Hochseefischerei zu den beliebtesten Fangmethoden. Es gibt Schleppnetze, die über den Grund gezogen werden und solche, die zwischen Wasseroberfläche und Grund das Meer befischen können. Das Problem von Schleppnetzen ist, dass es zum Teil sehr viel Beifang gibt. Bei Grundschleppnetzen kommt dazu, dass sie den Boden aufreißen und so unter anderem Korallenriffe zerstören.
  • Kiemennetze: Diese feinmaschigen Netze heißen so, weil sich Fische mit ihren Kiemen darin verfangen. Eine Art von Kiemennetzen sind Stellnetze, die an einem festen Ort senkrecht aufgestellt werden. Im Gegensatz zu Schleppnetzen haben Stellnetze weniger Beifang und hinterlassen weniger Schäden am umliegenden Ökosystem. Dafür hängen die Fische oft tagelang in den Maschen, bis die Netze eingeholt werden. Im Gegensatz zu Stellnetzen treiben Treibnetze umher. Sie sind inzwischen verboten, da sie oft sehr viel Beifang verursachen, aber in der illegalen Fischerei werden Treibnetze immer noch verwendet.
  • Ringwaden: Die ringförmigen Netze werden um einen Fischschwarm gelegt, um diesen einzuschließen. Diese Methode wird gerne verwendet, um Thunfische zu fangen. Das Problem ist, dass Thunfische und Delfine häufig gemeinsam unterwegs sind. Gerne orten Fischer deshalb Delfine und kreisen diese ein. Inzwischen gibt es allerdings feste Regeln, dass mitgefangene Delfine sofort wieder freigelassen werden müssen.
  • Angeln: Es gibt unterschiedliche Arten von Angeln. Meistens bestehen sie aus einer kurzen Leine mit einem Haken, an dem sich ein Köder befindet. Angeln gelten als besonders schonend, weil Beifang sofort erkannt und wieder freigelassen werden kann und weil Ökosysteme kaum beschädigt werden.
  • Fallen: Fischfallen sind Netze, deren Öffnungen gerade so groß sind, dass die gewünschte Fischart hinein, aber nicht wieder hinaus gelangt. Dadurch kann viel Beifang vermieden werden.

Fisch aus Aquakulturen – die bessere Alternative?

Zucht-Lachs ist nicht immer empfehlenswert.
Zucht-Lachs ist nicht immer empfehlenswert. (Foto: CC0 / Pixabay / moreharmony)

Bei Zuchtfischen aus Aquakulturen sind weder bedrohte Bestände noch Beifang ein Problem. Trotzdem sind Aquakulturen leider nicht die Lösung, da diese Zuchtform ihre eigenen Probleme mit sich bringt:

  • Ein großes Problem ist, dass die Fische häufig mit Fischmehl gefüttert werden, das aus Wildfischen hergestellt wurde. So werden die Fischbestände trotz Aquakulturen belastet.
  • Da in Aquakulturen viele Fische auf engem Raum gehalten werden, ist der Boden unter ihnen mit besonders viel Fischkot bedeckt. Außerdem werden die Fische häufig mit Antibiotika behandelt. Der Einsatz von Chemikalien belastet die umliegenden Ökosysteme zusätzlich. Dies gilt vor allem für Farmen, deren Wasser im direkten Austausch mit den Meerwasser steht.
  • In tropischen und subtropischen Gewässern gibt es viele Fischfarmen, für die Mangrovenwälder weichen müssen, Diese Wälder sind die Lebensräume von sehr vielen Arten und auch Laichplätze vieler Wildfische.
  • Wenn Fische aus Aquakulturen ausbrechen, können sie dort grassierende Krankheiten auf Wildfische übertragen. Außerdem werden Zuchtfische oft an Orten gehalten, wo sie nicht heimisch sind. Wenn sie ausbrechen, können sie das empfindliche Gleichgewicht der Ökosysteme stören.

Aus diesen Gründen solltest du auch Fisch aus Aquakulturen nicht bedenkenlos essen. Wie im Fall von Wildfischen können dir auch Siegel eine Orientierung bieten. Mehr Infos bekommst du dazu am Ende des Artikels.

Fisch essen – ist das wirklich gesund?

Raubfische wie der Thunfisch nehmen im Laufe ihres Lebens verschiedene Schadstoffe auf.
Raubfische wie der Thunfisch nehmen im Laufe ihres Lebens verschiedene Schadstoffe auf. (Foto: CC0 / Pixabay / WikiImages)

Fische gelten im Allgemeinen als sehr gesund. Sie enthalten unter anderem einige Vitamine, Mineralstoffe, viele Proteine und Omega-3-Fettsäuren. Allerdings nehmen Fische über das Wasser nicht nur unbedenkliche Stoffe aus: Immer wieder gibt es Berichte, wonach einige Fische mit Schadstoffen belastet sind. Hier sind die wichtigsten Infos:

  • Die meisten Wildfische werden so jung gefangen, dass sie noch kaum mit Schadstoffen belastet sind. Eine Ausnahme bilden ältere Raubfische, zum Beispiel Thunfische und Haie. Diese müssen ab einem gewissen Alter aber regelmäßig auf Schadstoffe wie Quecksilber, Blei oder Cadmium untersucht werden. Dennoch solltest du solche Fische nur selten genießen und in der Schwangerschaft ganz meiden.
  • Ein besonderer Fall sind Heringe und Lachse aus der nördlichen Ostsee: Sie sind zum Teil stark mit dem Gift Dioxin belastet. Aus diesem Grund dürfen die Fische aber auch nur auf den schwedischen und finnischen Märkten verkauft und nicht exportiert werden.
  • Bei Zuchtfischen gibt es ebenfalls Berichte über Schadstoffbelastungen. Besonders problematische ist das wahrscheinlich krebserregende Ethoxyquin. Es ist fast überall in der Lebensmittelindustrie verboten, darf aber noch bis 2020 als Zusatzstoff dem Fischmehl beigemengt werden. 2018 fanden sowohl Stiftung Warentest als auch Öko-Test bei Tests von Zuchtlachs in mehreren Produkten erhöhte Ethoxyquin-Konzentrationen.
  • In den letzten Jahren haben Berichte über Mikroplastik im Meer immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. Eine Studie an Fischen aus der Nord- und Ostsee hat gezeigt, dass über fünf Prozent der Fische Mikroplastik im Verdauungstrakt haben. Bei Nordseegarnelen waren sogar 63 Prozent betroffen. Ob das Mikroplastik selbst in diesen Konzentrationen für Menschen schädlich ist, ist noch nicht klar. Ein Problem ist aber sicherlich, dass Plastik oft schädliche Weichmacher enthält und dass viele Kunststoffe einige giftige Substanzen sehr gut binden und anreichern können.

Fisch essen – Siegel bieten Orientierung

Das MSC-Siegel: Nicht in allen Punkten überzeugend.
Das MSC-Siegel: Nicht in allen Punkten überzeugend. (Foto: https://www.msc.org/de)
  • MSC: Das älteste Siegel für Fische aus nachhaltigem Wildfang ist das Ende der Neunzigerjahre gegründete MSC-Siegel. MSC steht für Marine Stewardship Council. Das Siegel wurde von Unilever und WWF initiiert, agiert aber nach offiziellen Angaben unabhängig. Inzwischen tragen in Deutschland über 3000 Produkte das MSC-Siegel. Kernpunkte des Siegels sind, dass keine Bestände überfischt werden dürfen und schonende Fangmethoden wie Angeln oder Fallen verwendet werden müssen. Leider macht MSC jedoch keine Vorgaben zum Tierwohl und zu Arbeitsbedingungen. Außerdem hat ein Test von Stiftung Warentest gezeigt, dass Bestände teilweise zeitweise überfischt werden dürfen und MSC nicht immer den Weg seiner zertifizierten Produkte zurückverfolgen kann.
  • Naturland (Wildfang): Strengere Regeln setzt das Siegel für Wildfische von Naturland. Hier gibt es auch Vorschriften zu fairen Arbeitsbedingungen. Bisher gibt es zwei Fanggebiete mit zertifizierten Fischen in Deutschland und eines in Tansania.
  • ASC: Das Pendant zum MSC-Siegel für Zuchtfische ist das Siegel des Aquaculture Stewardship Council, von dem in Deutschland inzwischen etwa 1000 Produkte erhältlich sind. ASC-zertifizierte Farmen müssen an geeigneten Standorten liegen, die Wasserqualität muss regelmäßig überprüft werden und der Einsatz von Antibiotika soll beschränkt werden. Fischmehl und Gen-Soja als Nahrung sind aber erlaubt.
  • Naturland (Aquakulturen): Erneut macht Naturland strengere Regeln: Die Fische brauchen ausreichend Platz, die umliegenden Ökosysteme müssen geschont werden, Fischmehl darf nur aus Resten von Speisefischen verwendet werden, Gentechnik ist nicht erlaubt. In seinem Fischratgeber empfiehlt Greenpeace, Zuchtfische wie Forellen und Zucht-Pangasius nur aus Naturland-zertifizierten Farmen zu kaufen.

Unterm Strich: Fisch mit den Siegeln ASC und MSC ist zwar besser als gar nicht zertifizierter Fisch, dennoch auch nicht unbedenklich zu genießen. Nach Möglichkeit solltest du nur auf die Bio-Verbände wie Naturland setzen – auch wenn bisher leider nicht viele Fischsorten von diesen zertifiziert werden. Ansonsten sind die Einkaufsratgeber von Greenpeace und WWF eine gute Richtlinie.

Schlussendlich ist es vor allem wichtig, dass du Fisch als das betrachtest, was er ist: ein Luxus, der nur gelegentlich auf dem Tisch landen sollte. Wenn du ihn mal isst, kannst du ihn dafür besonders genießen.

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