Klimaneutraler Versand: das bringt er

Paket und klimaneutraler Versand
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Steht „klimaneutral“ auf dem Paket? Ein gutes Zeichen! Denn klimaneutraler Versand bezieht ökologische Kosten in den Preis mit ein. Allerdings ist nicht jeder klimaneutrale Paketversender gleich gut. Utopia zeigt, worauf du achten kannst.

Damit ein Produkt klimaneutral wird, gibt es immer zwei Möglichkeiten, die in der Regel kombiniert werden: CO2-Emissionen von Anfang an vermeiden oder sie nachträglich neutralisieren. Das gilt auch für den klimaneutralen Versand, wo Dienste wie DHL GoGreen oder UPS carbon neutral versprechen, das Klima zu schützen.

Den Ausstoß von Klimagasen zu verringern ist aus ökologischer Sicht natürlich immer der beste Weg. Einen klimaneutralen, vielleicht sogar ökologischen Versand erkennt man also vor allem daran, ob die Pakete mit dem Zug, LKW oder in den Städten am besten per Fahrrad transportiert werden. Auch umweltfreundliche Antriebe spielen eine wichtige Rolle in der Klimabilanz. Ein Teil der Umweltbelastung beim Versand lässt sich so vermeiden.

CO2-Emissionen nachträglich zu neutralisieren ist weniger sinnvoll, aber dennoch absolut notwendig, weil auch bei verringertem Ausstoß jede Lieferung immer noch für Treibhausgase sorgt. Dafür investieren Paketdienste meist in Klimaschutzprojekte und helfen so, Klimagase einzusparen oder aus der Atmosphäre zu binden. Diese Projekte werden zumeist von unabhängigen Organisationen geprüft und zertifiziert. Natürlich gibt es qualitative Unterschiede: Die besten Klimaschutzprojekte sind nach dem Gold Standard zertifiziert, der aktuell die strengsten Anforderungen stellt. Auch soziale Kriterien spielen dabei eine Rolle.

Klimaneutraler Versand im Vergleich

DPD Total Zero

Der Paketdienst DPD will den CO2-Ausstoß je Paket bis 2020 um ein Zehntel im Vergleich zu 2013 reduzieren. Beim klimaneutralen Versand ist DPD Vorreiter und transportiert mittlerweile jedes Paket klimaneutral. Die Klimaschutzprojekte sind nach verschiedenen Standards zertifiziert und reichen von Windkraftwerken in Indien bis zur Verwertung von Grubengasen in Deutschland. Teilweise genügen sie dem strengen Gold Standard.
Das kannst Du tun: Nichts, bei DPD ist jedes Paket klimaneutral.

DHL GoGreen

Die DHL hat sich zum Ziel gesetzt, die gesamte CO2-Effizienz gegenüber dem Stand von 2007 bis 2020 um 30 Prozent verbessern. Pakete von Privatkunden verschickt die DHL aber nur innerhalb Deutschlands automatisch klimaneutral. Für Sendungen ins Ausland wird für den klimaneutralen Versand mit „GoGreen“ ein Aufpreis fällig. Das Geld fließt dabei in Projekte aus den Bereichen Energieeffizienz, Erneuerbare Energien und Aufforstung, die nach verschiedenen Standards zertifiziert sind. Ein DHL-eigenes Klimaschutzprojekt versorgt Haushalte in Lesotho mit effizienten Kochgeräten.
Das kannst Du tun: Beim Inlandversand nicht nötig, beim Auslandsversand buchst Du das Feature „Go Green“ hinzu.

GLS ThinkGreen

Um CO2 einzusparen setzt GLS besonders vor allem auf effizientere Tourenplanung und effizientere Fahrzeuge. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren aber mehr Treibhausgase ausgestoßen. Klimaneutrale Paket-Zustellung gibt es mit dem Service GLS ThinkGreen nur gegen einen Aufpreis. Für die Kompensation arbeitet GLS mit dem PrimaKlima-weltweit-e.V. zusammen. Das Geld geht an Aufforstungsprojekte in Malaysia und Bolivien. Das Projekt in Bolivien ist mit dem Gold Standard zertifiziert.
Das kannst Du tun: Buche beim Versand die Option „ThinkGreen“ dazu.

UPS carbon neutral

UPS möchte bei den CO2-Emissionen zwischen 2007 und 2020 im Transport-Bereich um 20 Prozent effizienter werden. Mit der Option „carbon neutral“ lassen sich Pakete bei UPS auch klimaneutral zu verschicken. Mit den Mehreinnahmen aus dem klimaneutralen Versand unterstützt UPS Projekte in Kolumbien, Thailand, China und den USA, die nach verschiedenen Standards zertifiziert sind. Dabei geht es unter anderem um Wasseraufbereitung, den Abbau von Methan und den Schutz von Wäldern.
Das kannst Du tun: Den Service „carbon neutral“ bei jedem Paket dazu buchen.

Hermes We Do

Die deutschen Hermes Gesellschaften verfolgen das relativ ehrgeizige Ziel, den CO2-Ausstoß im Transport bis 2020 gegenüber 2006 insgesamt um 30 Prozent zu reduzieren. Mit seinem Nachhaltigkeitsprogramm „WE DO!“ setzt Hermes durchaus vorbildliche Standards in der Branche, auch wenn es aktuell keinen klimaneutralen Versand gibt.
Das kannst Du tun: Nichts, klimaneutralen Versand gibt es bei Hermes nicht. 

Wo kannst du klimaneutral online shoppen?

Obwohl es also reichlich Möglichkeiten gäbe, ist die Liste der klimaneutral versendenden Online-Shops nach wie vor kurz: Laut einer Umfrage von 2014 versenden in Deutschland nur etwa fünf Prozent der größten Shops klimaneutral.

Vor allem ökologische Online-Shops wie Waschbär nutzen derzeit diese Option. Einen besonders engagierten Beitrag leistet auch der Online-Shop von Globetrotter. Mit dem Versand wird ein eigenes Wiederaufforstungsprojekt in Costa Rica finanziert, das nach dem Gold Standard zertifiziert ist. Der Büroartikel-Versand Memo ist sogar als ganzes Unternehmen klimaneutral.

Auch die Shops unserer Liste „Die Besten grünen Onlineshops“ versenden fast alle klimaneutral, weswegen wir sie empfehlen.

Ökologischer Versand: Langsam und teuer

Die Kompensation der Klimagase an anderer Stelle löst das Problem leider nicht grundsätzlich, zumal die Klimaschutzprojekte nicht alle gleich wirksam sind und viele von ihnen lange Zeiträume voraussetzen.

Es sind vor allem unsere Konsumgewohnheiten, die für immer mehr CO2 bei den Paketdiensten sorgen. „Kostenloser Versand“ und „Zustellung am selben Tag“ gehören im Online-Handel zu den wichtigen Werbeversprechen, ebenso die Gratis-Rücknahme von Artikeln ohne Angabe von Gründen innerhalb von 14 Tagen. Bei Versendern wie Amazon kann es gern auch mal passieren, dass eine Bestellung in mehreren Teillieferungen kommt.

Einen ökologischen Versand erkennt man zum Beispiel daran, dass er den Zustellern Zeit lässt, Pakete zu sammeln. So können Fahrzeuge besser ausgelastet und viel Energie gespart werden. Auch bei Amazon kann man bei der Bestellung die Option „Pakete zusammenfassen“ wählen, auch wenn das nicht immer wirkt.

Artikel, die von weiter her geliefert werden, kommen am besten auf dem langsamen Seeweg und nicht per Flugzeug. Auch Rücksendungen verursachen viele unnötig gefahrene Kilometer – also lieber vermeiden. Shops, die eine kostenlose Rücksendung über die gesetzlichen Vorgaben hinaus anbieten, wälzen damit letztlich einen Teil der Transportkosten auf die Umwelt ab.

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(2) Kommentare

  1. Liebe Autoren, liebe Leser
    ein schöne Beitrag mit vielen wertvollen Informationen. Vielen Dank dafür.
    Allerdings sind auch einige Fehler enthalten.
    Ihr schreibt: „Einen ökologischen Versand erkennt man zum Beispiel daran, dass er den Zustellern Zeit lässt, Pakete zu sammeln.“ Das ist Quatsch. Ein Versender hat keinerlei Einfluss auf die Logistig von DHL&Co.
    Unser ( http://www.bio-sportkleidung.de ) Zusteller fährt jeden Tag mit 150 bis 200 Paketen und verteilt diese in seinem Zustellgebiet. Wenn er 5 Tage sammeln würde, wie sollte er diese 1000 Pakete sortieren und wo lagern?

    Die Zustellung in der Stadt mit Fahrrad scheint eine ökologische Lösung zu sein. Sowas schreibt sich einfach, wenn man in der warmen Stube sitzt.
    Für unseren DHL-Zusteller müssten sicherlich 10 Fahrradfahrer rumflitzen. Das diese mindestens den Mindestlohn bekommen, versteht sich von selbst. Was ein Paketversand dann kosten würde, kann jeder selber errechnen.

    Ihr schreibt dann noch: „Shops, die eine kostenlose Rücksendung über die gesetzlichen Vorgaben hinaus anbieten, wälzen damit letztlich einen Teil der Transportkosten auf die Umwelt ab.“
    Das ist so nicht richtig. Die Rücksendung kann ebenfalls mit GoGreen erfolgen und damit CO2 neutral.
    Die 14 tägige Rücknahme ist eine gesetzliche Vorschrift, der sich kein Online-Shop entziehen darf. Ob diese vom Kunden oder vom Händler bezahlt wird, hat keinerlei Auswirkungen auf die Umwelt!
    ….oder was meint Ihr?
    schöne Grüße!
    Peter

  2. Wie seht ihr den Vergleich Lokaler Einzelhandel zu Online Shops/Versandhandel im Bezug auf die Ökobilanz?

    Es wird ha fern argumentiert, dass die Lieferung nach Hause und das Zurücksenden viel mehr CO2 produziert, als der Einkauf in der eigenen Stadt. Wenn aber jeder einzeln in die Stadt fährt, macht es das sicher auch nicht besser.

    Wo wird rein rechnerisch mehr CO2 produziert? Gibt es eine Studie über die Gesamtbilanz?

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