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50 Kräutertees bei Öko-Test: In vielen stecken Pestizide und Pflanzengifte

Kräutertee bei Öko-Test: Viele Kräutertees im Test "sehr gut", andere mit Pestiziden.
Fotos: Ökotest

Werden die Tage wieder kürzer und kühler, tut eine Tasse Tee einfach gut. Öko-Test hat 50 Kräutertees auf Geschmack und Inhaltsstoffe untersucht. Die gute Nachricht: Viele Tees sind „sehr gut“. Bei anderen sorgen jedoch Pestizidrückstände und Pflanzengifte für einen schlechten Beigeschmack.

Eine heiße Tasse Tee hilft nicht nur gegen Erkältung oder an verregneten Nachmittagen. Für viele gehört das Aufgussgetränk auch zum gelungenen Start in den Tag oder zu einem guten Buch.

Das Verbrauchermagazin Öko-Test hat sich Kräutertees jetzt genauer angesehen und untersucht, ob auch alle Teemischungen frei von Schadstoffen sind. Das Ergebnis ist nicht eindeutig – viele Kräutertees im Test sind „sehr gut“, andere fallen wegen Pestiziden und Pflanzengiften durch.

Kräutertee im Test: Viele Bio-Tees schneiden gut ab

Öko-Test hat insgesamt 50 nicht-aromatisierte Kräuterteemischungen in die Labore geschickt, darunter Teebeutel und lose Tees. 31 der getesteten Tees hatten ein Bio-Siegel. Vor allem diese Bio-Tees konnten überzeugen: 21-mal vergab Öko-Test die Bestnote „sehr gut“, unter den Testsiegern waren zum Beispiel Tees von Alnatura, dm Bio und Salus.

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Pestizide in Kräutertees keine Seltenheit

Bei anderen Bio-Kräuterteemischungen sah es hingegen nicht so rosig aus, einige Tees fielen im Test durch:

  • Die Gepa Kräuter-Tee-Mischung erhielt das Testurteil „ungenügend“.
  • Lord Nelson Bio Organic Neun Kräuter war ebenfalls „ungenügend“ (Der konventionelle Kräutertee derselben Marke schnitt dagegen „sehr gut“ ab).

Die Gründe für die schlechten Testergebnisse: Die Belastung mit Pestiziden und anderen Pflanzengiften.

In den Bio-Tees von Gepa und Lord Nelson und weiteren Teemischungen wiesen die Labore das bedenkliche Insektizid Chlorpyrifos nach, das in der EU seit April 2020 verboten ist. Chlorpyrifos steht laut Öko-Test im Verdacht, das Erbgut und die neurologische Entwicklung negativ zu beeinflussen. Seit dem Verbot gilt ein Höchstwert für den Chlorpyrifos-Gehalt in Lebensmitteln. Da alle nachgewiesenen Rückstände nur knapp über diesem Wert lagen, durften die Tees verkauft werden.

Kräutertees sind aus vielen verschiedenen Zutaten aus aller Welt zusammengestellt. Im Nachhinein sei deshalb schwer festzustellen, „wie das stark bienentoxische Mittel trotz des geltenden Verbots in die Teemischungen gelangt ist und welcher Rohstoff dafür verantwortlich ist“, so Öko-Test. So sind beispielsweise gelagerte Kräuter, die bereits vor dem Chlorpyrifos-Verbot geerntet wurden, eine mögliche Erklärung für die Insektizidrückstände.

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Kräutertees sind grundsätzlich gesund, im Test steckten einige aber voller Pestizide. (Foto: CC0 / Pixabay / congerdesign)

Chlorpyrifos war nicht das einzige problematische Pestizid, das im Test nachgewiesen wurde. Öko-Test ließ die Teemischungen auch auf krebsverdächtiges Glyphosat überprüfen und zog bereits für geringe Konzentrationen eine Note ab. Sechs konventionelle Tees im Test enthielten zu viele Glyphosatrückstände, zum Beispiel Teekanne 8 Kräuter (Gesamturteil: „mangelhaft“).

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Öko-Test: Pflanzengifte haben in Kräutertees nichts zu suchen

Neben Pestiziden fanden die Verbraucherschützer giftige Tropan- (TA) und Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) in den getesteten Tees. Für Öko-Test ein absolutes No-Go, da beide Pflanzengifte gesundheitsschädigend sind und auch Schwangere und Stillende gerne Kräutertees trinken.

Die Alkaloide PA und TA kommen laut Öko-Test „natürlicherweise in Beikräutern wie Jakobskreuzkraut oder Bilsenkraut vor“, da die Kräuter sich damit vor Fressfeinden schützen. Gelangen sie allerdings in die Teeernte, kann man die Pflanzengifte nicht mehr entfernen, auch nicht beim späteren Aufbrühen des Tees.

Das Problem: PA ist potenziell krebserregend und erbgutschädigend und kann über längere Zeit zu Leberschäden führen. Zehn Tees im Test enthielten „erhöhte“ oder sogar „stark erhöhte“ Mengen. TA wurde in einem Tee nachgewiesen. Der Stoff ist akut giftig und kann in größerer Menge zu Benommenheit, Kopfschmerz oder Übelkeit führen – vor allem bei Kleinkindern und Menschen mit Herzproblemen.

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So reagieren die Tee-Hersteller auf die Testurteile

Öko-Test wies Pyrrolizidin-Alkaloide beispielsweise in einem Tee von Stick & Lembke nach. Der Hersteller nahm die getestete Charge nach eigenen Angaben aus dem Verkauf und produziert den Tee nicht mehr. Gepa gab gegenüber Öko-Test an, gemeinsam mit den Vertragspartnern den erhöhten PA-Rückständen nachzugehen. Der Bio-Hersteller möchte „Maßnahmen erarbeiten, um unzulässige Verunreinigungen zu vermeiden“, so Öko-Test.

So einsichtig reagierten nicht alle Hersteller auf den Tee-Test. Einige Bio-Produzenten beriefen sich auf die Vorgehensweise des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN), der die analysierten Pestizidrückstände mittels eines Trocknungsfaktors als Spuren berechnet. Die Bio-Tees würden demnach alle Anforderungen erfüllen.

Wichtiger Zubereitungstipp: Um Kräutertees sicher zuzubereiten und mögliche Keime abzutöten, ist es wichtig, dass du sie mit sprudelnd kochendem Wasser aufbrühst. Die schönsten nachhaltigen Teetassen, -kannen und wichtiges Teezubehör haben wir für dich zusammengestellt.

Pflanzengift im Tee seit Jahren ein Problem

Sowohl Öko-Test als auch Stiftung Warentest haben in der Vergangenheit bereits Kräuterteemischungen überprüft. Auch vor vier Jahren zeigte sich bereits: Bio-Tees sind konventionellen Produkten häufig überlegen. Damals gehörte vor allem Kamillentee zu den Testverlierern, denn die Prüfer:innen fanden darin Pyrrolizidin-Alkaloide. Leider sind die Pflanzengifte auch im aktuellen Kräutertee-Test noch ein Problem.

Alle Details findest du in Ausgabe 09/2021 von Öko-Test sowie online auf oekotest.de.

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