Weltwassertag: 7 Wasser, die dem gesunden Menschenverstand wehtun

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Wie lässt sich etwas teuer verkaufen, was die Leute auch fast umsonst haben können? Bei Wasser ist das ganz einfach: man füllt es in hübsche Flaschen ab und dichtet ihm einen besonderen Nutzen an. Das Ergebnis sind häufig: absurde Produkte, die kein Mensch braucht. Ein Artikel zum Lachen, Weinen, Nachdenken und Andersmachen am Weltwassertag.

Und womöglich ist die Liste der überflüssigen Wasser-Produkte weitaus länger. Zum Ende diesen Artikels stellen wir dazu eine Frage – und freuen uns über eure Kommentare.

1. Voss: das wahrscheinlich teuerste Leitungswasser der Welt

Madonna, Beyoncé, Will Smith – Stars trinken nicht einfach nur Wasser, sie trinken Voss. Dessen Quelle soll aus einem norwegischen Gletscher entspringen, ein ehemaliger Chef-Designer von Calvin Klein hat die Flasche entworfen – so wird aus Wasser Luxus und Lifestyle.

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Voss: das wahrscheinlich teuerste Leitungswasser der Welt (Foto: © utopia)

Ein norwegischer TV-Sender allerdings machte im Jahr 2010 eine unprominente Entdeckung: bei Voss handele es sich gar nicht um reinstes Gletscherwasser, sondern um gewöhnliches Grundwasser aus einer Seeregion in Iveland – also um genau dasselbe Wasser, das dort aus Leitung kommt. Madonna und Co. scheint das egal zu sein.

Das norwegische Leitungswasser wird nach wie vor den absurd weiten Weg in die USA transportiert und dort für viel Geld an den Star gebracht. Und längst können wir auch hierzulande unseren Idolen in Sachen Wasser nacheifern. Ein 0,5-Liter-Flasche Voss kostet im Laden dekadente 1,80 Euro.

2. San Pellegrino: Dolce Vita vermarktet vom globalen Lebensmittelkonzern

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San Pellegrino gehört Nestlé (Foto © utopia)

„E un’acqua minerale per favore”, eine Flasche Wasser (con oder senza gas) gehört beim Italiener mit auf den Tisch. Und wer den gastronomischen Gepflogenheiten nicht zuwider handeln will, lässt sich ein San Pellegrino auftischen. Vor dem Verlassen des Restaurants wird stilvoll um “il conto” gebeten, mit aller Selbstverständlichkeit wird der oft horrende Preis fürs ur-italienische Wasser gezahlt.

So ein Schlückchen Dolce Vita hat eben seinen Preis. Ob die Leute diesen auch in Kauf nehmen würden, wenn sie wüssten, wer hinter San Pellegrino steckt? Schon seit 1998 gehört die Sanpellegrino S.p.A niemand anderem als dem umstrittenen Lebensmittelkonzern Nestlé.

3. Fiji: Das Ende der Welt in der Flasche

Fiji Wasser

Fiji Water feiert sich selbst als Flaschenwasser aus dem Paradies. Es stammt laut Hersteller aus einer Grundwasserquelle unter der Insel Viti Levu. Weil es fernab der menschlichen Zivilisation in unberührter Natur vor sich hinquellt, soll es besonders gesund sein und auch besonders gut schmecken.

Lassen wir das mal unhinterfragt so stehen. Und sehen wir auch davon ab, dass Umweltschützer dem zu einem US-Unternehmen gehörenden Fiji-Water vorwerfen, die Unberührtheit der Natur massiv zu beeinträchtigen und die Wasserreserven der Insel auszubeuten. Konzentrieren wir uns nur auf eine Tatsache: die Fidschi-Inseln sind etwa 16.000 Kilometer von Deutschland entfernt. Trotzdem wird Wasser (Wasser!) von dort inzwischen als gängiges Produkt in unseren Supermärkten angeboten.

Wer möchte, kann sich heute also für 1,79 Euro über einen halben Liter Wasser vom Ende der Welt freuen – sollte dann aber auch nicht traurig sein, wenn letzteres durch den Irrsinn unserer Konsumgesellschaft bald naht.

4. Vitamin Water: Blendende Gesundheit

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Vitamin Water von Coca Cola (Foto @ utopia)

Wie trichtert man den Leuten ein, dass ein Wasser so richtig gesund ist? Man peppt es mit künstlichen Vitaminen auf – und weil man davon allein nicht sonderlich viel mitkriegt, färbt man das Wasser bunt und fügt Aroma, Süßstoffe und Zucker(!) hinzu.

Was aber macht man, wenn man von einer Verbraucherorganisation verklagt wird, weil man für sein Produkt ein unberechtigtes Gesundheitsversprechen gibt? Die Anwälte des Coca-Cola-Konzerns, zu dem Glaceau gehört, vertraten im Jahr 2010 vor einem US-Gericht grob gesagt die Meinung, dass das mit dem gesunden Wasser nicht so ernst zu nehmen sei. Im Netz verbreitete sich damals ein Zitat aus einem Gerichtsbeschluss: „Kein Käufer könne ernsthaft dazu verleitet werden, zu denken, es handle sich bei Vitaminwater um ein gesundes Getränk“.

Die Argumentation der Anwälte soll zwar subtiler gewesen sein, als es der Beschluss wiedergibt – die Logik dahinter aber bleibt bestechend: ein Produkt als gesund zu werben, um dann zu erklären, dass das ja niemand wirklich glauben könne. Genau wie der Preis einer Flasche bunten Zuckerwassers: 1,89 Euro kostet ein halber Liter.

5. Babywasser

Welchen Eltern wäre die Gesundheit ihres Babys nicht alles Geld der Welt wert? Das wissen auch die Konzerne und erfinden allerlei Produkte, die für Babys Wohlbefinden angeblich förderlich sind. Auf dem Markt tummeln sich seit einigen Jahren sogenannte „Babywasser“. Diese sollen gut für Babys sein, weil sie wenig Natrium und keine Kohlensäure enthalten, und vor allem sollen sie keimfrei sein, weil sie bereits abgekocht sind. Das alles ist nicht falsch, auch Öko-Test z.B. konnte im letzten Test von Babywassern tatsächlich keine Bakterien oder Schadstoffe feststellen.

Das Verbrauchermagazin aber gibt auch zu bedenken, dass im Normalfall weder Mineralwasser noch spezielles Babywasser für die Zubereitung von Babynahrung notwendig ist. „Wer Leitungswasser verwendet, sollte das Wasser vorher ablaufen lassen, bis es kalt aus der Leitung fließt.“ Selbst ein Abkochen würden Experten heute nicht mehr empfehlen, sondern nur noch eine Erwärmung auf 30 bis 40 Grad Celsius.

Auch den Preisunterschied hat Öko-Test ausgerechnet: ein Liter Babywasser kostet in etwa so viel wie 100 Liter Leitungswasser. Lies hier mehr zur Unbedenklichkeit von Leitungswasser und seltenen Ausnahmen wie alten Rohrleitungen.

6. Active O2: Luftige Versprechen

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Active 02 (Foto © utopia)

Schon seit Ende der 1990er steht Active O2 in Deutschlands Supermarktregalen. Erfolg hat Hersteller Adelholzener mit folgendem Rezept: Man nehme etwas Wasser, füge Süßstoffe und Aromen hinzu und inszeniere Sauerstoff als leistungssteigernde Zutat. Ernstzunehmende wissenschaftliche Belege gibt es dafür freilich nicht. Seriöser ist die Empfehlung, Active 02 zu meiden, weil einige der Inhaltsstoffe als bedenklich gelten.

7. Mineralwasser für Kids

Und nochmal Kinder-Marketing: Diesmal mit bunten Flaschen und Cartoon-Figuren. Hersteller Vöslauer argumentiert: „Kinder trinken häufig zu wenig und oft auch das falsche. Damit die Kleinen mehr Spaß am trinken haben, hat Vöslauer Mineralwasser sein Bitzelwasser jetzt kindgerecht verpackt in Vöslauer Junior. Mit der handlichen und bunten Flasche lernen Kinder spielend richtig Trinken“. Da sagen wir vielen Dank für die Fürsorge und freuen uns auf viele quengelnde Kinder, denen jetzt auch das grundlegenste aller Lebensmittel mit falschen Reizen eingetrichtert werden soll. Einen weiteren Ratschlag vom Hersteller wollen wir nicht vorenthalten: „Mineralwasser als Getränk ist nicht nur gut für die Zähne, es macht auch nicht dick!“.

Hier geht’s zu den besten Trinkflaschen für Kinder

Sind alle Flaschenwasser überflüssig?

Über importiertes Edelwasser aus Norwegen und Fidschi, Wasser mit zugesetztem Sauerstoff oder fertig abgekochtes Babywasser schüttelt man schnell den Kopf – aber wie sieht es mit den ganz normalen Wässern aus, die jeden Tag viele Leuten nach Hause schleppen? Ob Markenware aus dem Supermarkt oder Billigprodukt vom Discounter – muss man in Deutschland wirklich Flaschenwasser kaufen? Schließlich ist Leitungswasser das hierzulande am besten kontrollierte Lebensmittel und grundsätzlich bedenkenlos trinkbar (mehr dazu und über Ausnahmen wie alte Rohrleitungen).

Wasser in Flaschen: Verbraucher haben eine große Auswahl
Wasser in Flaschen: Verbraucher haben eine große Auswahl

Leitungswasser ist nicht nur bequemer, es spart Material (vor allem umweltschädliches Plastik), Transportwege und jede Menge Geld: Im günstigsten Fall bekommt man beim Discounter für einen Euro ca. sieben Liter Wasser. Fürs gleiche Geld gibt’s 200 Liter Leitungswasser.

Sind alle Flaschenwasser überflüssig? Diskutiert mit!

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(89) Kommentare

  1. Die Seite, die du verlinkst, stützt sich komplett auf eine Rangliste von UNESCO. Die UNESCO hat aber selbst eingeräumt, dass die für die Rangliste verwendeten Indikatoren Quatsch waren. Deutschland hat ausgezeichnetes Leitungswasser.

  2. Trinkwasser-report verwendet leider eine vielzahl falscher Fakten.
    Um ein paar zu nennen:
    1. Es können sich vielleicht 1400 bis 1700 Stoffe im Trinkwasser befinden aber die wenigsten sind als Gesunheitsgefährdend eingestuft. Es werden im Prinzip die Meisten relevanten Stoffe geprüft. Leider sind dabei aber ein paar Stoffe ausgeklammert die erst kürzlich überhaupt als relevant wahrgenommen wurden (z.B. Medikamentenrückstände [siehe http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=40244%5D, PFCs [http://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/chemikalien-reach/stoffgruppen/per-polyfluorierte-chemikalien-pfc] oder chemikalien aus Textilien[http://www.greenpeace.de/files/20121119-Studie-Giftige-Garne.pdf]). Diese nehmen wir aber durch Konsum von anderen Lebensmitteln oder den Tragen von Textilien in viel größeren Mengen auf.
    2. Schwermetalle sind nur in extrem geringen spuren im Trinkwasser erlaubt (siehe http://www.dvgw.de/wasser/recht-trinkwasserverordnung/trinkwasserverordnung/anlage-2/) und als Spurenelemt nehmen wir diese auch durch den verzehr von anderen Nahrungsmitteln auf.
    3. Der Satz „Jeden Tag nehmen wir zusammen mit Wasser beträchtliche Quantitäten von Schwermetallen, Toxine, Pestiziden, Abwasser und Chlor ein, ohne uns dessen bewusst zu sein. Durch verrostete Wasserleitungen, verstopfte Hähne und undichte Pumpen fließt alles außer sauberes Wasser. “ deutet schon auf reine panikmache hin von „beträchtliche Quantitäten“ zu sprechen ist maßlos übertrieben. Vor allem in bezug auf Trinkwasser. wir reden hier von Spurenelementen. Durch den täglichen gebrauch von Konsumgüter nehmen wir da bei weiten gefährlichere Dosen zu uns.
    4. Und das entscheidende ist: auf dieser Seite werden Behauptungen als Wahrheiten verkauft ohne auch in irgendeiner Form die Argumente mit Quellen zu unterfüttern (zusammenhangslose Links am Seitenende ohne Verweis zu Argunmentationsketten sind keine ernstzunehmenden Quellen, zumal die verwendeten Daten teils zusammengeschustert und teils veraltet sind). Sowas kann man doch nicht ernsthaft als glaubhafte Quelle bezeichnen!

  3. Komischerweise findet gar keine Erwähnung, dass viele Mineralwässer sogar gefährlich belastet sind – in dem erwähnten S. Pellegrino wurden zB Uranmengen gefunden, die es zumindest als Babynahrung ungeeignet machen – sowas möcht‘ ich aber auch nicht trinken !

  4. Nicht alle Wasser sind überflüssig. Ich kaufe mir gerne Sprudelwasser, das billigste was der Discounter im Angebot hat. Liegt einfach daran, dass der Literpreis beim selbstsprudeln deutlich drüber liegt und auch die Sprudelqualität nicht an das Flaschenzeugs rankommt. Kaufe es mir also weniger des Wassers willen sondern weil es ordentlich blubbert. Stilles Wasser zu kaufen käme für mich allerdings überhaupt nicht in Frage.

  5. Ich kaufe auch Wasser mit Kohlensäure im Supermarkt (das No-Name-Produkt). Ich kann meinem Vorredner nur in allem zu stimmen.
    Mir ist klar, dass Flaschenwasser nicht gut für die Umwelt ist, aber außer der Selter trinke ich sonst nur Bio-Fairtrade-Tee und achte bei allen Lebensmitteln darauf, dass sie möglichst Bioprodukte sind. Deshalb „erlaube“ ich mir die Sünde des gekauften Wassers mit Kohlensäure.

  6. Der Preis scheint mir aber ein schwieriges Kriterium für Mineralwasser zu sein: Ich sprudle mit einer Patrone zu 9,- EUR ca. 50 Flaschen á 1 l (hab‘ ich gerade mal gezählt), macht pro Flasche also 18 Cent – dazu kommt das Wasser mit etwa 7 Euro pro Kubikmeter (einschl. Abwassergebühr!), also pro Flasche 0,7 Cent. Der Anschaffungspreis des Geräts und der Flaschen ist nach ca. 15 Jahren mit 6 – 8 Flaschen wöchentlich abgeschrieben. Da müsste man dann also einen 12er Kasten Sprudel für weniger als 2,30 EUR bekommen – gibt’s wohl eher selten ?! Den Preis schaffen nur seltene Discounter-Aktionen. Und wie stark mein Wasser sprudelt, bestimme ich beim Sprudeln selbst, das geht von sanft bis explosiv.

  7. Also man kann ja von Voss halten was man möchte, aber ich hab immer eine kleine Flasche in der Tasche und eine große am Bürotisch. Wenn man überlegt was andere, wieder befüllbare, gläserne, Wasserflaschen kosten, sind die Voss Flaschen ein „Schnäppchen“.

  8. Habe schon seit längerem einen Sprudler in der Küche und verzichte ganz auf Wasser und Softdrinks in Flaschen. Wenn ich Limonade will, dafür gibt es Sirupe (auch solche ohne Süßstoffe!) Schmeckt lecker, macht nicht arm, und macht keine dicken Arme vom Schleppen.

  9. Am anderen Ende der Welt das gleiche in Grün. In Australien im Restaurant italienisches Wasser und im Supermarkt ist italienisches Wasser zum teil günstiger als heimisches. Das beweist mehr als deutlich was für ein globaler Markt das ist.

  10. Hey, diese VOSS Flasche gefällt mir. Ist die aus Glas? Wo gibt’s das?
    Davon hol ich mir eine und fülle dann jeden Tag mein daheim gesprudeltes gutes Leitungswasser rein und nehm das mit zur Arbeit.
    Macht bestimmt mächtig Eindruck (…bei den falschen Leuten)
    😉

  11. Na, oben war doch ein Tipp, wie man das Wasser selbst „beleben“ kann – ein Gebet drüber sprechen, nett zu ihm sein und es gut behandeln – das sollte doch ein Leichtes sein, wenn man den Leitungswasserpreis bedenkt ?

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